Augustus und Germanien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Allgemeine Einleitung
1.2 Die Quellenlage zur augusteischen Germanienpolitik

2 Hauptteil
2.1 Die Vorgeschichte der Germanienkriege
2.2 Die römische Militärpräsenz in Germanien
2.2.1 12 v.Chr. – 10 v.Chr.
2.2.2 10 v.Chr. - 9 v.Chr.
2.2.3 9 v.Chr. – 1 n.Chr.
2.2.4 1 n.Chr. – 9 n.Chr.

3 Schluss

4 Anhang
4.1 Quellenverzeichnis:

5 Literaturverzeichnis:

Anmerkungen

1 Einleitung

1.1 Allgemeine Einleitung

„Die Provinzen Galliens und Spaniens, ebenso Germanien habe ich befriedet, ein Gebiet, das der Ozean von Gades bis zur Mündung der Elbe umschließt.“1

Dieser überlieferte Satz des Kaisers Augustus, der von 63 v.Chr. bis 17 n.Chr. lebte, stellt sicherlich einen der meist diskutiertesten Sätze in der modernen Augustusforschung dar. Denn während durch die Aufzählung der ersten beiden Provinzen der Eindruck entsteht, Germanien wäre auch eine römische Provinz gewesen, wird dies allerdings nicht explizit gesagt.

Ebenso geschickt ist das von Augustus angegebene befriedete Gebiet der Elbmündung, zumal die Stämme, die den Germanen zugeordnet wurden, sogar noch jenseits der Elbe siedelten.2 Und erwähnt man nun noch, dass Augustus diesen Satz für die Nachwelt angeblich in seinem 76. Lebensjahr,3 also nach der Schlacht im Teutoburger Wald hinterließ, dann erkennt man durchaus in diesem Satz eine „propagandistische Meisterleistung“.4

Denn die Varusschlacht hatte jegliche Anstrengungen und Ergebnisse der vor über zwanzig Jahren begonnenen römischen Militärpräsenz im rechtsrheinischen Gebiet auf einen Streich zunichte gemacht.

Aufgrund dieses Satzes und der unklaren Aussagen im Bezug auf Germanien stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, welche Politik der römische Kaiser eigentlich gegenüber Germanien verfolgt hatte.

Die Meinungen der Historiker könnten kaum verschiedener sein.

Während nämlich die einen Historiker schon zu Beginn der Germanienfeldzüge Augustus die Intention zuschreiben, er hätte bereits seit 13/12 v.Chr. „[...] die politische Kontrolle der rechtsrheinischen Gebiete bis zur Elbe [...]“ angestrebt, 5 stehen die Anderen dieser „[...] weit verbreiteten Hypothese, wonach Drusus die vollständige Eroberung der zwischen Rhein und Elbe gelegenen Gebiete verfolgte,“ eher skeptisch gegenüber.6

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob die Eroberung Germaniens einen geplanten expansiven Charakter trug oder einzig dem Schutz der gallischen Provinz dienen sollte, da diese immer wieder von Einfällen germanischer Stämme heimgesucht wurde.

Zunächst ist es aber notwendig, nicht nur das vorliegende Quellenmaterial zu untersuchen, sondern ebenfalls die Vorgeschichte der Germanienfeldzüge etwas genauer zu betrachten.

Die Vorgeschichte und Inhalte der Quellen zeigen, dass folgende Thesen zur augusteischen Germanienpolitik aufgestellt werden können: Während sich die ersten Feldzüge des Nero Claudius Drusus in Germanien hauptsächlich gegen den Stamm der Sugambrer richteten und so etwas wie Strafexpeditionen darstellten, erkannte Augustus etwa um 10 v.Chr., dass eine langfristige Beruhigung der römischen Rheingrenze und Sicherung der gallischen Provinz nur dann erfolgen konnte, wenn alle germanischen Stämme bis zur Elbe die römische Autorität anerkennen würden. Dies gelang für einige Jahre.

Als jedoch in Germanien um etwa 1 n.Chr. ein Krieg ausbrach, änderte sich die Intention des Kaisers anscheinend ein weiteres mal. Denn nun sollte Germanien nicht mehr nur in Roms Herrschaftsbereich liegen, sondern wie schon Gallien als römische Provinz in das römische Imperium eingliedert werden.

An dieser Stelle will ich ebenfalls erwähnen, dass in dieser Hausarbeit der Begriff Germanien für das Gebiet zwischen den Flüssen Rhein, Donau, Elbe und der Nordsee verwendet wird. Da Augustus seinen Feldherrn anscheinend verboten hatte, die Elbe zu überschreiten,7 beabsichtigte er folglich genau dieses Gebiet zu unterwerfen.

Die Kenntnis der Begriffe Legion, Feldzeichen und Kastell wird bei dieser Arbeit vorausgesetzt.

1.2 Die Quellenlage zur augusteischen Germanienpolitik

Die Suche nach den Quellen rund um die Germanienpolitik des Augustus gestaltet sich für den Historiker als äußerst schwierig, zumal weder der Kaiser selbst, noch ein anderer antiker Autor solche Intentionen klar darlegt.8

Denn auch die Erklärung des römischen Historikers Florus, der zur Zeit Kaiser Trajans (98-117 n.Chr.) und Hadrians (117-138 n.Chr.) lebte, Augustus beabsichtigte allein zu Ehren Caesars Germanien zur Provinz zu machen,9 ist äußerst fragwürdig, zumal sein Werk „Epitoma de Tito Livio bellorum omnium annorum DCC libri duo“ eher eine Lobschrift Roms darstellt und viele sowohl geographische, als auch chronologische Fehler aufweist.

So kann man die kaiserlichen Intentionen, Germanien zwecks Grenzsicherung Galliens oder aufgrund von expansiven Plänen zu unterwerfen, aus den Quellen der antiken Autoren nur indirekt herausfiltern, indem man die Zeit ab dem ersten Feldzug des Drusus um etwa 12 v.Chr. bis zur berühmten Varusschlacht um 9 n.Chr. betrachtet. Denn sie stellten ohne Zweifel den römischen Versuch dar, durch militärische Präsenz auf die rechtsrheinischen, germanischen Stämme Einfluss zu nehmen. Aus diesem Grund sind gerade zwei antike Autoren für diese Hausarbeit von besonderer Bedeutung: Cassius Dio Cocceianus und Gaius Velleius Paterculus.10

Beide Autoren schildern in ihren Werken die Jahre der römischen Präsenz in Germanien und die Konflikte mit den germanischen Stämmen im Gegensatz zu den anderen antiken Schriftstellern äußerst detailliert. Während allerdings Paterculus’ „Historia Romana“ zweifelsohne die kürzere der beiden Quellen darstellt, kann Cassius Dio mit mehreren Seiten bzw. Büchern zu diesen Thema den Historiker beeindrucken. Dies und die damit verbundene Fülle ihrer angegebenen Informationen ist einer ihrer Hauptunterschiede.

Ein anderer Unterschied stellt die Lebenszeit der beiden Autoren dar. Während nämlich Cassius Dio von 155 bis 229 n.Chr. lebte, wurde Paterculus etwa 19 v.Chr. geboren und starb 31 n.Chr.. Somit konnte Paterculus zumindest teilweise die Politik Augustus als Zeitgenosse mitverfolgen, zumal er angeblich selbst an den beiden letzten Feldzügen von Tiberius Claudius Nero als „praefectus equitem“, also als Befehlshaber der Reiterei persönlich teilgenommen hatte.11 Demnach ist Paterculus der einzige antike Autor, der nicht nur den Germanienkrieg als Zeit-, sondern diesen auch zum Teil als Augenzeuge wiedergibt, während Cassius Dio erst viele Jahre nach Augustus’ Tod sein Werk verfassen konnte und so auf Berichte, also seine Quellen angewiesen war.

Allerdings beinhaltet Paterculus’ Werk auch einen gravierenden Nachteil gegenüber Dio. Denn er berichtet dermaßen positiv über den späteren Kaiser Tiberius, dass es äußerst schwer fällt, alles zu glauben, was in seiner „Historia Romana“ berichtet wird. Ein gutes Beispiel für diese Glorifizierung des späteren Kaisers stellt der gesamte Abschnitt über Tiberius’ Charakterbeschreibung dar, in dem Tiberius unter anderem nachgesagt wird, er wäre jeder Aufgabe mühelos gewachsen gewesen.12

Mit diesen Zeilen will ich Paterculus keineswegs als Lügner oder ähnliches deklarieren, vielmehr möchte ich die Historiker davor warnen, seine Worte für bedenkenlos wahr und den Tatsachen entsprechend anzusehen, auch wenn, so wie es Marion Giebel treffend formuliert, „Auf das optimistische Bild des Velleius [...] zuweilen ein Schatten.“ fällt.13

Da zusätzlich beide antike Werke erst nach der vernichtenden Niederlage des Varus und dem Verlust des Rhein-Elbe-Gebietes verfasst wurden, ist sicherlich bei beiden Schriftstellern gehörige Skepsis angebracht. An dieser Stelle will ich ebenfalls erklären, warum die Werke zwei wohl bedeutender römischen Geschichtsschreiber nicht als Quellen für dieses Thema genutzt werden können. Diese Werke stellen zum einem Titus Livius’„Ab urbe condita“ und zum anderen Publius Cornelius Tacitus’ „Annales“ dar.

Denn Livius lebte zwar von 59 v.Chr. bis 17 n.Chr. und war somit wie Paterculus ein Zeitzeuge der Germanienkriege, da allerdings außer 35 Büchern nur die Inhaltsangaben, Auszüge oder Bruchstücke seiner ursprünglich 142 Bücher erhalten blieben und gerade die letzten Bücher, die wohl bis zum Tod des Drusus von der römischen Geschichte berichteten,14 verloren sind, ist es nicht möglich, das Thema mit dem antiken Autor zu verknüpfen.

Tacitus (etwa 55 n.Chr.-115 n.Chr.) hingegen lässt sein Werk erst mit dem Tod des Augustus (14 n.Chr.) beginnen und liefert nur spärliche Informationen über die vorangegangenen germanischen Feldzüge. Diese fügte er anscheinend nur dann ein, wenn er sie für wichtig oder passend erachtete. Ein gutes Beispiel dafür stellt im Zusammenhang mit dem Tod des Lucius Domitius Ahenobarbus seine Erwähnung dar, dass dieser die Elbe überschritten hätte und weiter als irgendeiner seiner Vorgänger in Germanien vorgedrungen sei.15

2 Hauptteil

2.1 Die Vorgeschichte der Germanienkriege

Nach dem Sieg Gaius Julius Caesars in der Schlacht bei Alesia, vermutlich in der Nähe des heutigen Dijon, im Jahr 52 v. Chr. über das Heer des Arvernerfürsten Vercingetorix war der gallische Widerstand endgültig gebrochen worden und „[...]für Jahrzehnte blieb es in Gallien eine vordringliche Aufgabe, die römische Herrschaft institutionell zu verankern und die römische Administration zu intensivieren.“.16

Während zunächst aber verständlicherweise der Hauptteil der römischen Legionen zur Sicherung der Provinz in Gallien, und nicht an der Rheingrenze stationiert blieben, änderte sich dies anscheinend in den dreißiger und zwanziger Jahren v.Chr., da die germanischen Stämme, die nun direkt an der östlichen Grenze des römischen Herrschaftsgebietes lagen, immer wieder am Mittel- und Niederrhein in linksrheinisches Gebiet einfielen. Die Rheingrenze wurde ausgebaut und mit einer Reihe von Kastellen verstärkt.17

Den vermutlichen der Höhepunkt der konfliktreichen Grenzsituation, die „[...]durch germanische Ansiedlungsversuche und sporadische Einfälle, sowie eher unkoordinierte Gegenschläge der Römer[...]“ gekennzeichnet war,18 stellt das Jahr 16 v.Chr. dar. Denn als die germanischen Stämme der Sugambrer, Usipeter und Tenkterer plündernd über den Rhein nach Gallien einfielen, eilte der römische Legat Marcus Lollius mit der 5.Legion den Sugambrern entgegen, wurde aber von diesen auf gallischem Boden vernichtend geschlagen, so dass sogar der Legionsadler von den Germanen erbeutet werden konnte.

Während aber der antike Autor Gaius Velleius Paterculus diese Niederlage Lollius’ Unfähigkeit und seinem schlechten Charakter zuschrieb,19 weist der antike Autor Cassius Dio dem römische Legaten keine besondere Schuld an der Niederlage zu.20

Er berichtet, dass die Germanen der vorauseilenden römischen Reiterei einen Hinterhalt

gelegt hatten und eigentlich eher zufällig bei deren Verfolgung auf die 5.Legion getroffen waren.

Nach der Niederlage eilte Kaiser Augustus nach Gallien und schloss, nachdem die Sugambrer von seiner Anwesenheit erfahren und ihrerseits Geiseln gestellt hatten, mit den Germanen Frieden. In den folgenden drei Jahren baute Augustus die Verwaltung in Gallien weiter aus und überwachte persönlich die militärische Organisation der Rheingrenze.

Er ließ die letzten der bis dahin in Innergallien stationierten Legionen an den Rhein verlegen und man begann sowohl mit dem Bau der großen Operationsbasen in Mogontiacum (Mainz), Vetera (Birten bei Xanten) und in Noviomagus (Nimwegen), als auch mit der Anlegung des Flottenstützpunktes in Fectio (dem heutigen Vechten bei Utrecht).21

13 v.Chr. wurde Nero Claudius Drusus, der 15 v.Chr. das Alpenvorland unterworfen hatte, als „legatus Augusti pro praetore“, Statthalter des Augustus, in die gallische Provinz beordert und erhielt den Oberbefehl über die gesamte Rheinarmee. Dieser führte die Verstärkung der

Rheingrenze weiter voran, indem er unter anderem weitere Kastelle errichten ließ und die Straßenverbindungen ausbaute; durch die Verbindung des Rheins zur Zuidersee war es nun sogar möglich die römische Flotte in der Nordsee einzusetzen, was wenige Zeit später auch geschah.

2.2 Die römische Militärpräsenz in Germanien

2.2.1 12 v.Chr. – 10 v.Chr.

Als Nero Claudius Drusus 13 v.Chr. das Kommando am Rhein übernommen hatte, beabsichtigten die Sugambrer und ihre Verbündeten, mit denen Cassius Dio vermutlich die schon oben erwähnten Usipeter und Tenkterer meinte,22 12 v.Chr. erneut in linksrheinisches Gebiet einzufallen. Auslöser dafür war wohl die Rückkehr Augustus’ nach Rom und eine zunehmende Unruhe in Gallien. Und gerade als Drusus die gallischen Stammesfürsten zur Beschwichtigung nach Lugdunum, das heutige Lyon, berief, nutzten die Sugambrer anscheinend deren Abwesenheit und versuchten den Rhein zu überschreiten.23

Doch Drusus hatte dies erwartet und so wurden die Germanen von den römischen Truppen, die schon am Rheinufer positioniert waren, in die Flucht geschlagen.

So war es wohl der erneute versuchte Einfall der Sugambrer in römisches Herrschaftsgebiet, der das sprichwörtliche Fass zum überlaufen brachte; hatte Augustus doch erst wenige Jahre zuvor mit diesem Stamm Frieden geschlossen.

Nun überschritt Drusus seinerseits das erste Mal den Rhein, marschierte durch das Gebiet der Usipeter und in das der Sugambrer ein, welches er laut Cassius Dio größtenteils verwüstete.24

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Augustus und Germanien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
HS „Römer in Mitteleuropa“
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V65756
ISBN (eBook)
9783638582513
ISBN (Buch)
9783638668057
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Germanien, Mitteleuropa“, Römer, Antike
Arbeit zitieren
André Miething (Autor), 2006, Augustus und Germanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65756

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