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Die Heiden als Eroberer von Rom und Aachen: Legitimierung des Kreuzzuges

Title: Die Heiden als Eroberer von Rom und Aachen: Legitimierung des Kreuzzuges

Seminar Paper , 2004 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bernhard Paul (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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„Das Mittelalter war eine finstere Zeit, in der sich alles nur um Religion und Kampf drehte, ohne jede Spur von aufgeklärtem Denken.“ So oder so ähnlich würden die Antworten wohl lauten, würde man eine Umfrage über das Mittelalter durchführen. In der Tat spielte die Religion für die Menschen eine so große Rolle wie in keinem anderen Zeitalter, und der Kampf stand im Mittelpunkt des Ritterlebens. Große religiös motivierte kriegerische Auseinandersetzungen fanden statt: Zwischen 1096 und 1270 kam es zu insgesamt sieben Kreuzzügen. Die heiligen Stätten in Palästina sollten von der Herrschaft der Moslems, der „Ungläubigen“ befreit werden. Bei diesen Unterfangen, die letztlich keine dauerhafte christliche Präsenz im Heiligen Land sichern konnten, wurde für beide Seiten großes Leid angerichtet. Intoleranz gegenüber den Ungetauften, den „Kindern des Teufels“, herrschte gewöhnlich vor. Doch trotz dieses „finsteren“ Eindrucks wurden im Mittelalter zahlreiche Grundlagen der neuzeitlichen Kultur gelegt: So entstand die deutschsprachige Literatur während dieser Zeit und gelangte um 1200 in der mittelhochdeutschen Klassik zu ihrer ersten Blüte. Autoren wie Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg oder Wolfram von Eschenbach verfassten ihre Werke häufig auf Basis altfranzösischer Vorlagen. Ein bedeutendes Thema im Chanson-degeste-Stoff ist der Kampf Karls des Großen und seiner Gefolgsleute bzw. Nachfolger gegen die Moslems in Spanien und Südfrankreich. Diese historischen Ereignisse werden im Nachhinein von den Dichtern als Kreuzzüge gedeutet und bilden das Thema der Kreuzzugsepik. So verhält es sich auch imWillehalm,dem nebenParzivalbedeutendsten Werk Wolframs von Eschenbach. Es steht der religiös motivierte Konflikt zwischen Heiden und Christen im Mittelpunkt. Der Heidenkönig Terramer rückt in das christliche Reich ein (9,1 - 41), um sich dafür zu rächen, dass seine Tochter Arabel - ihr christlicher Name lautet Gyburc - ihren Mann Tybalt und ihre Kinder verlassen hat, zum Christentum übergetreten ist, den Markgrafen Willehalm geheiratet hat und dieser Tybalts Land weggenommen hat (7,27 -8,7 und 9,13 - 20). In einer ersten Schlacht auf Alischanz unterliegen die Christen dem Heidenheer, nur Willehalm bleibt am Leben (13,2 - 57,28). Nachdem Willehalm unterdessen beim Hoftag in Munleun das Reichsheer zu Hilfe geholt hat (126,8 - 202,18), laufen die Ereignisse auf eine erneute Schlacht auf Alischanz zu, in der dann die Christen den Sieg erringen (360,29 - 445,13).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik und den Kontext vor der zweiten Schlacht

2. Die Kriegsziele der Heiden

3. Historische und literarische Hintergründe von Terramers Anspruch

3.1 Änderungen gegenüber der Vorlage

3.2 Die historische Gestalt des Pompeius

3.3 Der Kampf Orient – Okzident in der Literatur

3.3.1 Darstellungen des Kampfes in der Antike

3.3.2 Darstellungen des Kampfes in mittelalterlichen Dichtungen

4. Interpretation der Konfrontation im Willehalm

4.1 Fortsetzung des Rolandsliedes und der Geschichte der Kämpfe Ost - West

4.2 Überlegenheit des Orients und des Heidentums im Willehalm

4.3 Die Bedeutung von Terramers Eroberungszielen

5. Legitimierung des Kreuzzugs

5.1 Kreuzzugslegitimität und Schonungsgebot: differenzierte Heidendarstellung

5.2 Die Enterbungsproblematik

5.3 Die Entwicklung des Konflikts

6. Schlussbetrachtung

7. Anhang: Mitteleuropa zur Zeit Karls des Großen

8. Literaturverzeichnis

8.1 Textausgaben und Kommentare / Primärliteratur

8.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Legitimierung des Kreuzzuges im Epos "Willehalm" von Wolfram von Eschenbach, insbesondere im Hinblick auf die historische und literarische Konstruktion des Heidenkönigs Terramer. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch die Berufung auf antike Vorbilder wie Pompeius den Konflikt in eine weltgeschichtliche Tradition einbettet und das heidnische Handeln als Gegenspiel zur christlichen Herrschaftsstruktur legitimiert, um eine neue, differenziertere Kreuzzugsideologie zu entwerfen.

  • Religiöse und politische Legitimation des Kreuzzuges
  • Historische und literarische Einordnung des Heidenkönigs Terramer
  • Vergleich und Rezeption von Stoffen aus Rolandslied, Annolied und Kaiserchronik
  • Darstellung des Konflikts zwischen Orient und Okzident
  • Rolle der "translatio imperii" und das Konzept des "rîche"
  • Das Spannungsfeld zwischen kriegerischer Aggression und humanitärem Schonungsgebot

Auszug aus dem Buch

3.2 Die historische Gestalt des Pompeius

Zunächst soll der Blick auf die Gestalt, auf die der Heidenkönig sich beruft, auf Cn. Pompeius Magnus (106 – 48 v. Chr.) gelenkt werden: Pompeius wurde durch verschiedene Siege vornehmlich im Osten des Reiches zum bedeutendsten Feldherrn Roms zu seiner Zeit und erhielt den Ehrentitel „der Große“. Er war zunächst mit Caesar und Crassus im ersten Triumvirat verbündet (60 v. Chr.). Als Caesar jedoch nach seiner Rückkehr aus Gallien die Alleinherrschaft beanspruchte und den Rubicon überschritt (49 v. Chr.), kam es zum Bürgerkrieg. Pompeius floh aus Rom und bot Truppen vornehmlich aus den östlichen Provinzen auf. Doch am 9. August 48 v. Chr. wurde er bei Pharsalos in Griechenland vernichtend geschlagen und auf der Flucht in Ägypten ermordet.

Caesar wurde zum unangefochtenen Alleinherrscher Roms.

Damit ist Caesar - nach mittelalterlichem Verständnis - der erste Kaiser Roms, auf den sich alle späteren Kaiser des Mittelalters berufen. Ein Beispiel für dieses Geschichtsverständnis findet sich im bereits erwähnten Annolied: Während Caesar abwesend ist, um die deutschen Stämme (!) zu befrieden (Annolied, 18,9 – 23,26), lehnen sich Pompeius und andere Politiker gegen Caesar auf, so dass Caesar die deutschen Stämme zum Kampf gegen diese zu Hilfe rufen muss (Annolied, 24,1 – 25,14). Daraufhin fliehen Pompeius und seine Anhänger aus Rom nach Ägypten (von wo auch Terramers Flotte im Willehalm aufbricht, vgl. 79,17) und versammeln ein gewaltiges Heer.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in die Thematik und den Kontext vor der zweiten Schlacht: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Kreuzzüge und führt in den Konflikt des Epos Willehalm zwischen Christen und Heiden ein.

2. Die Kriegsziele der Heiden: Hier werden Terramers Motive für seinen Feldzug analysiert, die insbesondere auf Rache und den Anspruch auf die römische Krone basieren.

3. Historische und literarische Hintergründe von Terramers Anspruch: Dieses Kapitel beleuchtet die literarischen Vorbilder für die Abstammung Terramers und die Tradition des Konflikts zwischen Orient und Okzident.

4. Interpretation der Konfrontation im Willehalm: Hier wird der Willehalm als Fortsetzung der Kämpfe aus dem Rolandslied gedeutet und die Überlegenheit der orientalischen Macht thematisiert.

5. Legitimierung des Kreuzzugs: Das zentrale Kapitel analysiert die theologische und ritterliche Legitimierung des Kreuzzuges sowie die Rolle des Schonungsgebots.

6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird festgestellt, dass Wolfram das traditionelle Kreuzzugsbild kritisch hinterfragt und den Fokus auf Verteidigung und Toleranz legt.

7. Anhang: Mitteleuropa zur Zeit Karls des Großen: Eine visuelle Darstellung der Machtverhältnisse und geographischen Grenzen der damaligen Zeit.

8. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Willehalm, Wolfram von Eschenbach, Kreuzzug, Terramer, Pompeius, Rolandslied, Orient, Okzident, Legitimierung, Rittertum, Minne, translatio imperii, Christentum, Heidentum, Schonungsgebot

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Legitimierung des Kreuzzuges in Wolfram von Eschenbachs Epos Willehalm, insbesondere wie der Autor die Motivationen des Heidenkönigs Terramer in einen historischen und weltgeschichtlichen Kontext einbettet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kreuzzugsideologie des Mittelalters, der kulturelle und religiöse Gegensatz zwischen Orient und Okzident sowie die Frage nach Toleranz und dem Schonungsgebot in kriegerischen Auseinandersetzungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Wolfram durch die Konstruktion einer historischen Herleitung für den Heidenkönig Terramer den Kreuzzug auf einer neuen, differenzierten Ebene legitimiert und sich damit von älteren, aggressiveren Kreuzzugsdarstellungen abhebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext Willehalm in Relation zu mittelalterlichen Geschichtsdichtungen wie dem Rolandslied, dem Annolied und der Kaiserchronik setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der literarischen Herleitung von Terramers Anspruch auf die römische Krone, der Interpretation der Konfrontation im Willehalm sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den Legitimationsmustern des Krieges.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kreuzzug, Willehalm, Terramer, translatio imperii, Orient-Okzident-Konflikt und Schonungsgebot charakterisiert.

Welche Bedeutung hat die Berufung auf Pompeius für die Interpretation?

Die Berufung auf Pompeius ist eine bewusste Konstruktion des Autors, um den Heidenkönig als historischen Widersacher des ersten römischen Kaisers zu etablieren, wodurch dessen Angriff aus christlicher Sicht als unrechtmäßig gilt und der christliche Verteidigungskrieg an Legitimität gewinnt.

Inwiefern unterscheidet sich Wolframs Darstellung von der im Rolandslied?

Während im Rolandslied Heiden oft als entmenschlichte Feinde dargestellt werden, führt Wolfram mit dem Schonungsgebot der Gyburc ein humanitäres Element ein, das Andersgläubige als Geschöpfe Gottes anerkennt und somit die absolute kriegerische Feindschaft infrage stellt.

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Details

Title
Die Heiden als Eroberer von Rom und Aachen: Legitimierung des Kreuzzuges
College
University of Regensburg  (Institut für Germanistik)
Course
Proseminar II: Willehalm
Grade
1,0
Author
Bernhard Paul (Author)
Publication Year
2004
Pages
22
Catalog Number
V66629
ISBN (eBook)
9783638595650
ISBN (Book)
9783656811602
Language
German
Tags
Heiden Eroberer Aachen Legitimierung Kreuzzuges Proseminar Willehalm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernhard Paul (Author), 2004, Die Heiden als Eroberer von Rom und Aachen: Legitimierung des Kreuzzuges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66629
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