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Migranten im Strafvollzug, Vernetzung sozialarbeiterischer und ehrenamtlicher Hilfen

Title: Migranten im Strafvollzug, Vernetzung sozialarbeiterischer und ehrenamtlicher Hilfen

Diploma Thesis , 2006 , 99 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anita Haunhorst (Author)

Social Work
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In den vergangenen Wochen prägten Meldungen um den Strafvollzug verstärkt die Schlagzeilen der Medien. Der Mord an einem Häftling in der Justizvollzugsanstalt Siegburg rückte die Haftbedingungen in den bundesdeutschen Gefängnissen in den Fokus der Öffentlichkeit und führte zumindest im Landtag von Nordrhein Westfalen zu intensiven Diskussionen über erforderliche Maßnahmen für einen humaneren Strafvollzug.
Schon seit einigen Jahren verschärft sich das kriminalpolitische Klima zunehmend. Hinsichtlich der Wiedereingliederungsmöglichkeiten von Straftätern entwickelt sich eine immer größere Skepsis. Der laute öffentliche und politische Ruf nach vermehrtem Wegschluss von Straftätern hat zur Folge, dass insbesondere der geschlossene Vollzug mit dem Problem der Überbelegung zu kämpfen hat und alternative Resozialisierungsangebote zur Inhaftierung vermehrt den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen.
In dieser Situation vermeintlicher Bedrohung durch zunehmende Kriminalität geraten besonders straffällige Ausländer und Migranten verstärkt in den öffentlichen wie privaten Fokus. Darum soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, wie sich die Lebenssituation ausländischer Häftlinge und Menschen mit Migrationshintergrund hinter den Gefängnismauern gestaltet und welche Möglichkeiten der persönlichen Unterstützung für sie hilfreich wären.
Als Einführung und Erklärung zum biografischen Hintergrund von Migranten beschäftigt sich das erste Kapitel dieser Arbeit zunächst ganz allgemein mit dem Thema der Migration, um dann die psychosoziale Lebenssituation von Migranten mit ihren spezifischen Krisenmomenten zu betrachten. Ein Verständnis um die Entstehung des ‚Eigenen’ und des ‚Fremden‚ vor dem Hintergrund von Gesellschaft und Kultur führt in einem weitern Abschnitt zu den kulturspezifischen Risikofaktoren, die Kriminalität von Migranten zwar begünstigen können, aber nicht zwingend müssen.
Wie die polizeilichen Kriminalstatistiken hinsichtlich der Ausländerkriminalität zu bewerten sind und welche Schwierigkeit der Strafvollzug mit sich bringt, soll das zweite Kapitel klären. Dabei wird auf die besondere Lebenssituation der Migranten im Strafvollzug näher eingegangen.
Ob und in welcher Form die Vernetzung der professionellen Sozialarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Hilfe für Migranten im Strafvollzug darstellen kann, untersucht abschließend der dritte Teil dieser Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. MIGRATION HAT VIELE GESICHTER

1. Das Gleiche, aber nicht dasselbe: Migrant und Ausländer

1.1 Daten und Fakten zu relevanten Wanderungsbewegungen

1.2 Aus historischer Verantwortung: Aussiedlermigration

1.3 Zu Gast auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Arbeitsmigranten

1.4 Flüchtlingsmigration: Sturm auf die Festung Europa

1.5 Illegale Migration

2. Migration: eine Lebenskrise

2.1 Definition: Krise

2.2 Krisenmodelle

3. Das Eigene – das Fremde

3.1 Definition: Gesellschaft

3.2 Definition: Kultur

3.3 Selbstbild – Fremdbild – Weltbild

3.4 Nationale Kulturen

3.5 Kulturspezifische Risikofaktoren von Migration

B. MIGRANTEN IM STRAFVOLLZUG

1. Straffällige Migranten

1.1 Statistische Bewertung der Daten ausländischer Verurteilter

1.2 Soziostrukturelle Merkmale von Migranten im Strafvollzug

1.3 Die Subkultur einer Haftanstalt

1.4 Resozialisierung als Ziel des Strafvollzuges

2. Spezifische Probleme von ausländischen Inhaftierten

2.1 Aufenthaltsgesetz: Barriere für die Resozialisierung ausländischer Inhaftierter

2.1.1 Strafrecht versus Ausländerrecht

2.1.2 Konsequenzen der Kollisionslage Ausländerrecht versus Strafrecht

2.2 Sprache

2.3 Religionsausübung

2.4 Mentalität und Sitten

2.5 Arbeit und Ausbildung

2.6 Freizeit

C. VERNETZUNG VON EHRENAMT UND SOZIALARBEIT IM STRAFVOLLZUG

1. Vernetzung und Kooperation

1.1 Begriffsklärungen zum Thema Netzwerk / Netzwerkarbeit

1.2 Begriffsklärung: Kooperation

1.3 Kooperationsverpflichtung im Strafvollzug

1.4 Allgemeiner Vollzugsdienst und Werkdienst

1.5 Der Sozialstab im Strafvollzug – ein wichtiger Netzwerkpartner

1.6 Das Netzwerk für Migranten in der Justizvollzugsanstalt Lingen

1.7 Allgemeine Chancen und Risiken der Netzwerkarbeit

2. Ehrenamtliche Vollzughelfer für straffällige Migranten?

2.1 Begriffsbestimmung: Das Ehrenamt im Strafvollzug

2.2 Die Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements im Strafvollzug für eine demokratische Gesellschaft

2.3 Die Rechtsstellung ehrenamtlicher Vollzugshilfen im Kontext des Strafvollzugsgesetzes

2.4 Ehrenamtliche Vollzugshelfer für Migranten: Anforderungsprofil und mögliche Aufgabenstellung

2.4.1 Interkulturelle Kompetenz

2.4.2 Ehrenamtliche Vollzugshelfer – Wo sind sie zu finden?

2.4.3 Ethnische Vereine als Ansprechpartner

2.4.4 Institutionelle Einbindung von ehrenamtlichen Vollzugshelfern

2.5 Profession und Ehrenamt im Strafvollzug

3. Projekt: Migranten für Migranten

3.1 Projektverlauf im Überblick

3.2 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Lebenssituation von ausländischen Häftlingen und Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Strafvollzug. Ziel ist es, Möglichkeiten der persönlichen Unterstützung durch eine stärkere Vernetzung von professioneller Sozialarbeit und ehrenamtlichen Helfern aufzuzeigen, um die Resozialisierung dieser Klientel zu fördern.

  • Migration und ihre psychosozialen Auswirkungen
  • Herausforderungen für Migranten im Strafvollzug
  • Vernetzung von professionellen und ehrenamtlichen Hilfsangeboten
  • Interkulturelle Kompetenz im Justizvollzug
  • Modellprojekt "Migranten für Migranten"

Auszug aus dem Buch

3.3 Selbstbild – Fremdbild - Weltbild

Das Bild, das ein Individuum von sich, seiner Umwelt und von anderen Menschen entwickelt, ist nach BOESCH der Versuch einer Erklärung, die Erfahrungen seiner Innenwelt mit der Außenwelt so zu verarbeiten, dass die Welt plausibel und logisch erscheint. Als autopoietisches Wesen erschafft es sich demnach durch eigene Interpretation ständig seine eigene Wirklichkeit. Um seinem Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität gerecht zu werden, ist es notwendig, dieses Bild in Übereinstimmung mit seiner Umgebung zu entwickeln. Folglich passt sich der Mensch dieser ‚Normalität’ an. 64

Dabei ist und bleibt das ‚Eigene’ vertraut und weitgehend durchschaubar, auch wenn es Zwänge, Pflichten und Einschränkungen oder sogar Verbote und Strafen gibt. Das ‚Andere’, das ‚Fremde’ ist oder wird mit fortschreitendem Alter verlockend, aufregend und weckt die Neugierde, ist aber gleichzeitig bedrohlich, macht Angst und ist wenig kalkulierbar. Neugierde verbindet sich mit Vorsicht, Lust mit Angst. Um eine eigene = subjektiven Identität herauszubilden, ist die Selbstdefinition nicht nur gegenüber das Andere, sondern auch innerhalb der eigenen Gruppe, die das Normale verkörpert, notwendig. So entsteht das Eigene in der Abgrenzung gegen das Andere.65

In der Interaktion und Auseinandersetzung mit der Umwelt konstituieren sich das Bild des ‚Fremden’ und das des ‚Eigenen’ in der Innen- und Außenwelt wechselseitig. Je nach den ureigensten Bedürfnissen entwickelt sich die Grenze zwischen dem ‚Eigenen’ und dem ‚Fremden’ fließend oder ist hermetisch abgeriegelt. Daraus lässt sich auch erklären, dass das entwickelte Selbstbild und das Weltbild sich in seinen Strukturen und Mustern ähnlich sind. 66

In den mannigfachen Weltbildern steht fast immer das Eigene im Mittelpunkt: Die persönliche Ordnung und Struktur ist ein Ort der Sicherheit, während das Fremde als Bedrohlich wahrgenommen wird. Daraus folgt, dass das eigene Bewertungsmuster i. d. R. als absoluter Maßstab für die Beurteilung der Anderen gilt. Aus dieser Perspektive der Eigenfixierung lässt sich jedoch nicht leicht erkennen, dass Menschen anderer Kulturkreise gleiche Umstände anders sehen und deuten können.67

Zusammenfassung der Kapitel

A. MIGRATION HAT VIELE GESICHTER: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Migrationstypen und psychologische Krisenmodelle sowie die theoretische Entstehung von Identitätskonstrukten ("das Eigene und das Fremde").

B. MIGRANTEN IM STRAFVOLLZUG: Hier wird die spezifische Situation von Migranten in deutschen Haftanstalten analysiert, wobei Probleme wie Sprache, Aufenthaltsrecht und die Entstehung subkultureller Strukturen innerhalb der Gefängnisse beleuchtet werden.

C. VERNETZUNG VON EHRENAMT UND SOZIALARBEIT IM STRAFVOLLZUG: Das abschließende Kapitel untersucht die Chancen und Risiken einer Vernetzung professioneller Dienste mit bürgerschaftlichem Engagement und stellt ein konkretes Projekt zur Unterstützung polnischer Häftlinge vor.

Schlüsselwörter

Strafvollzug, Migration, Migranten, Resozialisierung, Vernetzung, Ehrenamt, Soziale Arbeit, Interkulturelle Kompetenz, Ausländerrecht, Haftanstalt, Integration, Sozialisierung, Netzwerk, Kriminalprävention, Ethnische Vereine

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Migranten im deutschen Strafvollzug und der Frage, wie durch eine bessere Vernetzung von Sozialarbeit und ehrenamtlichen Hilfen eine erfolgreichere Resozialisierung ermöglicht werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder umfassen die soziologischen und psychologischen Grundlagen der Migration, die speziellen Belastungsfaktoren für inhaftierte Migranten sowie die theoretischen und praktischen Aspekte von Netzwerkarbeit und bürgerschaftlichem Engagement im Justizvollzug.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Barrieren für die Resozialisierung von Migranten zu identifizieren und einen Ansatz zu entwickeln, wie durch die Einbindung ehrenamtlicher Vollzugshelfer die soziale Isolation dieser Menschen aufgebrochen und die Unterstützung optimiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie einer begleitenden Projektarbeit im Rahmen der Justizvollzugsanstalt Lingen (Abteilung Osnabrück), inklusive Experteninterviews und der Erprobung eines Fragebogens.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die rechtlichen und sprachlichen Hürden im Strafvollzug, die Entstehung von Subkulturen bei inhaftierten Migranten und die Konzepte der interkulturellen Kompetenz für Mitarbeiter im Justizvollzug.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Straffälligenhilfe, Interkulturelle Kompetenz, Resozialisierung, Ehrenamt, Migrationshintergrund und Netzwerkarbeit.

Welche Rolle spielen "ethnische Vereine" in der Arbeit?

Die Arbeit sieht in ethnischen Vereinen eine wichtige Ressource, da diese als "Brücken" fungieren und Kontakte zu Migranten erleichtern können, wobei sie jedoch auch einer kritischen Reflexion hinsichtlich ihrer Integrationsfunktion unterzogen werden.

Was zeigt das Projektbeispiel "Migranten für Migranten"?

Das Projekt verdeutlicht die praktische Schwierigkeit, ehrenamtliche Unterstützung für isolierte Häftlingsgruppen (am Beispiel polnischer Gefangener) zu gewinnen und zeigt die Bedeutung der Kooperation zwischen JVA, Kulturvereinen und Wohlfahrtsverbänden auf.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Ehrenamts?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Ehrenamt eine wertvolle Ergänzung zur professionellen Sozialarbeit ist, die professionelle Arbeit im Strafvollzug jedoch nicht ersetzen kann und darf.

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Details

Title
Migranten im Strafvollzug, Vernetzung sozialarbeiterischer und ehrenamtlicher Hilfen
College
University of Applied Sciences Osnabrück
Grade
1,3
Author
Anita Haunhorst (Author)
Publication Year
2006
Pages
99
Catalog Number
V67356
ISBN (eBook)
9783638585682
Language
German
Tags
Migranten Strafvollzug Vernetzung Hilfen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anita Haunhorst (Author), 2006, Migranten im Strafvollzug, Vernetzung sozialarbeiterischer und ehrenamtlicher Hilfen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67356
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