Die ständig ansteigende hohe Arbeitslosigkeit stellt seit Jahren eines der größten Probleme aller OECD Länder dar. Betrug die durchschnittliche Arbeitslosenquote aller OECD Länder 1973 noch 3 Prozent, so stieg diese auf durchschnittlich 7,8% im Jahr 1993, konnte jedoch bis Ende der 90er Jahre wieder auf durchschnittliche 6,2% gesenkt werden. (HELLSTRÖM (2006), S. 314) Mit der Unterzeichung des „Nationale[n] Aktionsplan[s] für Beschäftigte“ im Jahr 2000 (BERTELSMANN STIFTUNG (2000), S. 172) setzt der schwedische Staat die über 100jährige lange Tradition beim Einsatz von Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (AAMP) fort. Besonders angesichts der demografischen Entwicklungen und der generell schwachen konjunkturellen Lage Mitte der 90er Jahre, die zu einem plötzlichen und steilen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Skandinavien führte, standen und stehen noch immer die Mittel der AAMP im Zentrum der Politik. (HELLSTRÖM (2006), S. 314) Nicht zuletzt der Erfolg der skandinavischen Politik macht diese zu einem Denkmodell ganz Europas. Die politische Erfahrung mit den Effekten von AAMP und deren Wirkungsweise auf die einbezogenen Arbeitslosen sollen hier in wesentlichen Grundzügen dargestellt werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten
2.1. Entstehung und Entwicklung bis Mitte der 90er Jahre
2.2. Situation nach den Reformen von 1994 bis heute
3. Der Arbeitsmarkt und seine Besonderheiten in Schweden
3.1. Grundprinzipien des Modells des „Volksheims“
3.2. Passive Arbeitsmarktpolitik
3.3. Aktive Arbeitsmarktpolitik
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Wirksamkeit der aktiven Arbeitsmarktpolitik in den skandinavischen Ländern, mit besonderem Fokus auf das schwedische Modell, um Strategien zur Bewältigung von Massenarbeitslosigkeit und zur Förderung der Vollbeschäftigung aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten
- Strukturwandel und Arbeitsmarktproblematiken seit den 90er Jahren
- Grundprinzipien und Instrumente der schwedischen Arbeitsmarktpolitik
- Abgrenzung zwischen passiver und aktiver Arbeitsmarktpolitik
- Evaluierung von Maßnahmen wie Jobrotation und individuellen Aktionsplänen
Auszug aus dem Buch
3.3. Aktive Arbeitsmarktpolitik
Die AAMP hat generell eine höhere Priorität in Schweden als die passive Arbeitsmarktpolitik, da man die Arbeitslosenzahlen primär dadurch senken will, Arbeitslose durch Arbeitsmarktprogramme wieder für den Arbeitsmarkt zu aktivieren. (KRÖGER/ VAN SUNTUM (1999), S. 117) So befanden sich 1997 beispielsweise 100.000 schwedische Arbeitslose – dies entspricht 2% aller Erwerbstätigen - in Maßnahmen der Weiterbildung, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. (HELLSTRÖM (2006), S. 318)
Bei der Darstellung der eingesetzten Mittel und deren Wirkungsweise beziehe ich mich im Wesentlichen auf die Studie von HELLSTRÖM (2006), S.311-339 und den Ausführungen von KRÖGER/ VAN SUNTUM (1999), S. 117 – 130. Nachfrageorientierte Maßnahmen dienen dazu, die Arbeitskräftenachfrage auch in Zeiten mit niedriger Nachfrage aufrechtzuerhalten. (SCHWEDISCHES INSTITUT (2005b), S. 2) Mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollen in erster Linie saisonale und zyklische Schwankungen des Beschäftigungsstandes ausgeglichen werden Zum anderen sollen benachteiligte Gruppen eine Beschäftigungsstelle angeboten und Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt re-integriert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der OECD-weiten Arbeitslosigkeit ein und stellt die Bedeutung der aktiven Arbeitsmarktpolitik (AAMP) als zentrales politisches Instrument in Skandinavien vor.
2. Geschichte der skandinavischen Wohlfahrtsstaaten: Hier werden die historische Genese der AAMP sowie die wirtschaftspolitischen Anpassungen der Länder nach den Krisen der 90er Jahre beleuchtet.
3. Der Arbeitsmarkt und seine Besonderheiten in Schweden: Dieses Kapitel analysiert das "Volksheim"-Modell, unterscheidet zwischen passiven Sicherungssystemen und aktiven Förderinstrumenten und diskutiert deren Effektivität.
4. Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass AAMP allein kein Allheilmittel ist, aber durch passgenaue, innovative Instrumente maßgeblich zur Stabilität des Arbeitsmarktes beitragen kann.
Schlüsselwörter
Aktive Arbeitsmarktpolitik, AAMP, Wohlfahrtsstaat, Schweden, Vollbeschäftigung, Arbeitslosigkeit, Arbeitslosenversicherung, Strukturwandel, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Jobrotation, individuelle Aktionspläne, Qualifizierungsmaßnahmen, Beschäftigungseffekte, OECD, Sozialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der skandinavischen Arbeitsmärkte, wobei der Schwerpunkt auf den Methoden und der Wirksamkeit der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Schweden liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die historische Entwicklung der Wohlfahrtsstaaten, die Abgrenzung von passiver und aktiver Arbeitsmarktpolitik sowie die Auswirkungen staatlicher Eingriffe auf den Beschäftigungsstand.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wirkungsweise der skandinavischen Politikmodelle darzustellen und zu evaluieren, wie diese Länder erfolgreich auf konjunkturelle Krisen und strukturelle Arbeitslosigkeit reagiert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Studien und Berichte renommierter Institutionen zum schwedischen und skandinavischen Wohlfahrtsmodell ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die spezifischen Merkmale des schwedischen "Volksheim"-Modells sowie die detaillierte Darstellung und Kritik aktiver und passiver arbeitsmarktpolitischer Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Aktive Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigungseffekte, Strukturwandel und das skandinavische Modell.
Was versteht man unter dem schwedischen "Wohlfahrtskarussell"?
Dies bezeichnet eine Problematik, bei der Arbeitslose ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld durch die Teilnahme an aufeinanderfolgenden Aktivierungsmaßnahmen immer wieder neu erwerben konnten, ohne in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren.
Welche Rolle spielt der öffentliche Sektor in Schweden?
Der öffentliche Sektor agiert als "employer of last resort", indem er in wirtschaftlichen Abschwungphasen gezielt Arbeitsplätze schafft und damit die Arbeitsnachfrage stabilisiert.
- Quote paper
- Alexandra Braun (Author), 2006, Arbeitsmärkte in Skandinavien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67460