Die Bilder von Großschadensereignissen und Katastrophen mit nationalem sowie internationalem Kontext drängen sich zunehmend in unseren Alltag. Auch in Deutschland hat man sich spätesten seit dem Elbe-Hochwasser 2002 eingehender mit der Problematik des Katastrophenschutzes beschäftigt. Politik und Gesellschaft drängen auf Reformen um für zukünftige Szenarien besser gerüstet zu sein.
Unter dem Titel „Katastrophenmanagement. Handeln in Ausnahmesituationen als Herausforderung für die Pflege“ hat diese Arbeit das Ziel, die Berufsgruppe der Pflegenden für diese Thematik zu sensibilisieren sowie deren Aufgabenfelder in möglichen Katastrophensituationen zu eruieren. Ferner liegt es im Fokus dieser Ausführungen ein Basiswissen für mögliche Schadenszenarien zusammenzutragen, das insbesondere Helfern im Klinikbereich eine Handlungsgrundlage bietet.
Die Leitfragen: „Auf welche Krisenszenarien sollten Pflegekräfte vorbereitet sein?“ und „Welche Aufgaben hat die Pflegekraft im interdisziplinären Team der Helfer?“ werden durch dieses komplexe Themengebiet führen.
Einleitend dienen die Begriffsbestimmungen und gesetzlichen Grundlagen zum Katastrophen- und Zivilschutz als Basis für die weiteren Ausführungen. Im nachfolgenden Kapitel wird die Stellung der Pflegekraft in der Katastrophenhilfe unter historischen sowie aktuellen Gesichtspunkten beleuchtet.
Der Hauptteil dieser Arbeit ist den allgemeinen Herausforderungen der katastrophenmedizinischen Versorgung sowie weiterführend den Besonderheiten unter klinischen Bedingungen gewidmet.
Mit dem Beispiel eines Massenanfalls Verletzter werden die klinikrelevanten Bedingungen der Personalrekrutierung und -einteilung, der Kapazitätserweiterung als auch der Versorgungsmöglichkeiten unter einer akuten Leistungssteigerung dargestellt.
Da dieses Schadensszenario einen größtmöglichen Praxisbezug bietet, sollen hier weiterführend die Aufgaben- und Kompetenzbereiche der Pflegekräfte untersucht werden. Abschließend sind die psychologisch-seelsorgerischen Aspekte und auch der Umgang mit Pressevertretern als Randgebiete der klinischen Versorgung eines Massenanfalls Verletzter thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen und Abgrenzungen
2.1 Unfall
2.2 Großschadensereignis
2.3 Katastrophe
2.4 Katastrophenmedizin
3 Der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in der BRD
3.1 Zivilschutz/Bevölkerungsschutz
3.2 Katastrophenschutz
3.3 Der Katastrophenschutz im Land Berlin
3.4 Zusammenfassende Betrachtung
4 Die Pflegekraft in der Katastrophenhilfe
4.1 Historische Aspekte
4.2 Aktuelle Relevanz bezüglich des Krankenpflegegesetzes
4.3 Der Wissensstand der Pflegeberufe
4.3.1 Themenrelevante Aspekte der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung und deren Umsetzung
4.3.2 Studienergebnisse zu Ausbildungsinhalten an Krankenpflegeschulen
4.4 Das Pflegemanagement im Führungsstab
4.5 Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pflegefachkräfte
4.6 Zusammenfassende Betrachtung
5 Großschadenslagen und Katastrophen als kritische Situationen in der medizinisch-pflegerischen Versorgung
5.1 Ursachen von Großschadenslagen und Katastrophen
5.1.1 Naturereignisse
5.1.2 Technische Unglücksfälle
5.1.3 Zivilisationsbedingte Gefahren
5.2 Ethische Grundlagen der Katastrophenmedizin
5.3 Personelle und materielle Grundlagen medizinischer Katastrophenhilfe
5.3.1 Rettungsdienst
5.3.2 Ärztlicher Dienst
5.3.3 Hilfsorganisationen
5.4 Die Ablauforganisation im Großschadens- und Katastrophenfall
5.4.1 Die sanitätsdienstliche Organisation im Großschadensfall
5.5 Die Aufgaben der Krankenhäuser
5.5.1 Der Alarmplan bei internen und externen Schadenslagen
5.5.2 Die Krankenhauseinsatzleitung
5.6 Spezielle Anforderungen an das Krankenhaus bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV)
5.6.1 Personalrekrutierung und Einteilung
5.6.2 Schaffung von zusätzlichen Kapazitäten
5.6.3 Die Sichtung und Versorgung der Verletzten
5.6.4 Die Aufgaben- und Kompetenzbereiche der Pflegekräfte
5.6.5 Psychologisch-seelsorgerische Aspekte
5.6.6 Der Umgang mit den Medien
5.7 Zusammenfassende Betrachtung
6 Resümee und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich zum Ziel, die Berufsgruppe der Pflegenden für das Thema Katastrophenmanagement zu sensibilisieren und deren konkrete Aufgabenfelder sowie notwendige Kompetenzen in Ausnahmesituationen zu eruieren, um eine fundierte Handlungsgrundlage für die klinische Praxis zu schaffen.
- Sensibilisierung der Pflegeberufe für Katastrophenszenarien
- Analyse der historischen und rechtlichen Stellung der Pflege in der Katastrophenhilfe
- Erforschung des aktuellen Wissensstands und Ausbildungsbedarfs
- Strukturierung der Aufgaben im Pflegemanagement und Führungsstab
- Psychosoziale Aspekte und Kommunikation in Krisensituationen
Auszug aus dem Buch
5.6.1 Personalrekrutierung und Einteilung
Mit der Ankündigung einer großen Zahl an verletzten Personen durch die zuständige Leitstelle sind für ein Krankenhaus als vorrangigstes Problem die Personalressourcen zu benennen. Mit den vorhandenen Mitarbeitern kann zwar der Routinebetrieb aufrechterhalten werden, doch den bevorstehenden Patientenzustrom werden sie allein nicht bewältigen können. Das Ziel ist es, eine ausreichende Anzahl von entsprechend qualifizierten Mitarbeitern zu rekrutieren. Hierbei ist auch zu bedenken, ob es sich um ein abgeschlossenes Geschehen handelt, bei dem die maximale Patientenzahl feststeht oder um ein Ereignis, welches sich weiterhin ausdehnen kann, so dass mit weiteren Patienten über einen unabsehbaren Zeitraum gerechnet werden muss. In letzterem Fall sollte an Reservepersonal zur Ablösung gedacht werden (vgl. Strauss; Schüttler 2003, S. 233f.).
Nach vorbereiteten Alarmierungslisten wird nach Eingang der Notfallmeldung zusätzliches Personal für alle erforderlichen Bereiche angefordert. Die Alarmierung kann recht effektiv mittels eines computergestützten Systems erfolgen, indem automatisiert über mehrere Telefonleitungen parallel Mitarbeiter informiert werden. Ein Nachteil liegt bei einfacheren Systemen allerdings in der fehlenden Rückmeldung, ob der Mitarbeiter überhaupt erscheinen kann. Eine altbekannte Methode ist der Anruf an jeden einzelnen Mitarbeiter, was sich jedoch durch den hohen Zeitaufwand und die Blockierung der Telefonleitungen nur in kleinen Abteilungen anbietet. Für umfassendere Alarmierungen hat sich lange Zeit das so genannte Schneeballprinzip bewährt, bei dem jeder benachrichtigte Mitarbeiter weiteres Personal in Form einer Alarmkette verständigt. Problematisch stellt sich allerdings das Abbrechen einer solchen Telefonkette durch nicht erreichbare Mitarbeiter dar (vgl. Strauss; Schüttler 2003, S. 232).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz von Katastrophenmanagement im Klinikalltag und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Pflege in interdisziplinären Teams.
2 Definitionen und Abgrenzungen: Dieses Kapitel liefert eine präzise Differenzierung der Begriffe Unfall, Großschadensereignis und Katastrophe sowie der Katastrophenmedizin als Fachdisziplin.
3 Der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in der BRD: Es werden die gesetzlichen Grundlagen und organisatorischen Strukturen des Zivil- und Katastrophenschutzes auf Bundes- und Landesebene analysiert.
4 Die Pflegekraft in der Katastrophenhilfe: Dieses Hauptkapitel untersucht die historische Entwicklung, die rechtliche Verankerung im Krankenpflegegesetz und den aktuellen Wissensstand der Pflegeberufe sowie deren Managementaufgaben.
5 Großschadenslagen und Katastrophen als kritische Situationen in der medizinisch-pflegerischen Versorgung: Es werden Ursachen von Katastrophen, ethische Prinzipien, die Koordination im Krankenhaus sowie spezifische Abläufe bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) detailliert beschrieben.
6 Resümee und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Notwendigkeit einer verbesserten Ausbildung und Einbindung der Pflegekräfte in Katastrophenpläne.
Schlüsselwörter
Katastrophenmanagement, Pflege, Massenanfall von Verletzten, MANV, Krankenhaus, Katastrophenmedizin, Notfallplanung, Triage, Sichtung, Pflegemanagement, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Ausbildung, Katastrophenschutz, Notfallseelsorge, Krisenintervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle und Aufgaben von Pflegekräften in Katastrophensituationen und Großschadenslagen innerhalb eines Krankenhauses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Katastrophen, den Katastrophenschutz in Deutschland, die Ausbildungsrichtlinien für Pflegekräfte, das Pflegemanagement in Krisenstäben sowie die psychologischen Aspekte der Katastrophenbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Sensibilisierung der Pflegenden für das Thema sowie die Zusammenstellung einer Handlungsgrundlage für Pflegekräfte im Klinikbereich bei Katastrophenszenarien.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kompilatorisch begründeten Literaturarbeit sowie der Analyse aktueller rechtlicher Grundlagen und Studienergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Ursachen von Schadensereignissen, den Strukturen der Katastrophenhilfe und den konkreten operativen Anforderungen an Krankenhäuser bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Schlagworte sind Katastrophenmanagement, Pflege, Krankenhaus, MANV, Triage und Notfallplanung.
Welche Rolle spielt die Triage für Pflegekräfte?
Die Triage ist das zentrale Instrument zur Priorisierung der Patientenversorgung, wobei Pflegekräfte bei der Durchführung und der kontinuierlichen Neueinschätzung des Zustands eine entscheidende Rolle einnehmen.
Warum ist eine bessere Ausbildung der Pflegekräfte notwendig?
Aktuelle Studienergebnisse zeigen Diskrepanzen zwischen theoretischen Anforderungen und der praktischen Unterrichtsgestaltung, weshalb gezielte Fortbildungen zur professionellen Handlungsfähigkeit im Katastrophenfall unerlässlich sind.
- Citar trabajo
- Magret Werth (Autor), 2005, Katastrophenmanagement. Handeln in Ausnahmesituationen als Herausforderung für die Pflege, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67510