Die Vorliegende Arbeit betrachtet die Schlacht gegen die Ungarn im Mittelpunkt und zeigt die differenzierten Folgen für Otto den Grossen, das Reich und die Ungarn.
Indem ausführlich die Zeit vor 955 mit allen in- und externen Schwierigkeiten in der Politik Ottos betrachtet wurde, steht die Schlacht auf dem Lechfeld unter besonderer Einbeziehung der Quelle Widukind von Korvei als Zentraler Wendepunkt in Ottos Historie. Es wird auf die zeitgenössische religiöse Außenwirkung eingegangen, und ob daraus ein späteres Kaisertum erst möglich wurde. Ebenso ergaben sich Folgen für das Reich, dem in dieser Zeit ein Grundstein gelegt wurde, auf welchem bis zu Napoleon aufgebaut werden konnte. Ebenso ergab sich für die Ungarn ein vollkommener Bruch der in einer Selbstfindungsphase und schließlich in der Kultivierung jener schloss.
Alles in allem ist Ottos Beiname „der Grosse“ auch auf dieses große Ereignis zurückzuführen, welches Vieles in Ottos Plänen leichter bzw. erst möglich gemacht hat.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Die Situation im Reich am Vorabend des letzten Ungarneinfalls
1. Ottos Selbstverständnis
2. Herrschaftspraxis und inneren Krisen bereiten den Weg
III Die Schlacht auf dem Lechfeld am 10.08. 955
1. Riade ist vergessen - „gefürchtete“ militärische Überlegenheit der Heiden
2. Gott hilft und Widukind ist begeistert - Die Deutung und Interpretation der Ereignisse in den zeitgenössischen Quellen und heute
IV Otto I. schrieb seine Geschichte um – ein historischer Wendepunkt?
1. Religiöser Geltungsgewinn. Die Christianisierung konnte beginnen.
2. Befreiung vom Druck aus dem Osten. Eine neue Zeit bricht an.
3. Der Ungarnsieg und die Kaiserkrone
V Zusammenfassung und Einschätzung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 als zentralen historischen Wendepunkt in der Herrschaft Ottos des Großen und analysiert, inwiefern der Sieg die innen- und außenpolitische sowie religiöse Legitimation des ottonischen Königtums nachhaltig festigte.
- Analyse der innenpolitischen Krisen und des Selbstverständnisses Ottos I. vor der Schlacht.
- Untersuchung der zeitgenössischen Rezeption des Sieges, insbesondere durch die Sachsengeschichte des Widukind von Korvei.
- Bewertung der Schlacht als Katalysator für die Stabilität des Reiches und die Integration der deutschen Stämme.
- Zusammenhang zwischen dem militärischen Erfolg und dem Streben nach der römischen Kaiserkrone.
- Reflexion über die langfristigen Folgen für die Missionierung und die politische Entwicklung in Richtung Osten.
Auszug aus dem Buch
Die Situation im Reich am Vorabend des letzten Ungarneinfalls
936 ging mit dem Tod Heinrich d. I. auch eine Herrschaftsphilosophie, die sich am besten mit den Worten „primus inter pares“15 beschreiben lässt, zu ende. Schon bei seiner Krönung verzichtete Heinrich auf die Salbung, also die sakrale Legitimierung seiner Macht und praktizierte auch eine auf gegenseitigem Konsens und Gleichberechtigung mit den Grossen beruhenden Herrschaftsform. Der Adel genoss, wenn man so will, ein Verhältnis der amicitia und des Königs Funktion verwirklichte sich darin, unterschiedliche Interessen von Gruppierungen im Reich auszutarieren um den Frieden aufrecht zu erhalten. Dies geschah nach gültiger und allgemein anerkannter Gewohnheit durch Gesten und Riten wie der clementia. Nun stellten Rituale in der Zeit der Ottonen ein wesentliches Element der Sichtbarmachung von Ranggefügen und Beziehungen in der adeligen Welt dar.
Unter diesem Aspekt ist das Krönungsmahl bzw. die gesamte Krönungszeremonie Otto I. zu deuten. Der physischen Unterordnung16 der Grossen ging eine politische Unterwerfung einher. Damit spiegelte schon der erste Tag der Amtszeit des neuen Königs wieder, welchen Weg er einzuschlagen gewählt hatte: Das Streben die karolingische Tradition wieder aufzunehmen. Diesen Zusammenhang stützen Salbung – der sakralen Legitimation wegen17 – und der Krönungsort Aachen. Dem Verständnis der Herrschaft als Auftrag Gottes wurde damit in Widukinds Res gestae saxonia der Grundstein gelegt. Somit wird das Bestreben des Königs auf die Erlangung des höchsten Gottesgnadentums abzielen18, wahrscheinlich ist die Gewichtung viel stärker als wir es aus heutiger Sicht der Politik bewerten würden.19
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung verortet das Lechfeld geographisch sowie historisch und stellt die zentrale Bedeutung der Schlacht für Ottos Herrschaft und sein Streben nach Kaisertum heraus.
II Die Situation im Reich am Vorabend des letzten Ungarneinfalls: Dieses Kapitel erläutert die politische Ausgangslage, geprägt von Ottos Personalpolitik und den internen Spannungen zwischen König und Adel.
III Die Schlacht auf dem Lechfeld am 10.08. 955: Es wird die militärische Bedeutung der Schlacht sowie deren religiöse Deutung und stilisierte Interpretation durch zeitgenössische Chronisten beleuchtet.
IV Otto I. schrieb seine Geschichte um – ein historischer Wendepunkt?: Das Kapitel diskutiert die langfristigen Folgen wie die Christianisierung, die Befriedung der Ostgrenze und den Weg zur kaiserlichen Würde.
V Zusammenfassung und Einschätzung: Abschließend wird das Fazit gezogen, dass der Sieg auf dem Lechfeld maßgeblich zur Etablierung von Otto als "Der Große" beitrug.
Schlüsselwörter
Lechfeldschlacht, Otto der Große, Widukind von Korvei, Ottonen, Gottesgnadentum, Ungarn, Magyaren, Kaiserkrönung, Mittelalter, Reichskirche, Missionierung, Herrschaftspraxis, Sachsengeschichte, Reichsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Schlacht auf dem Lechfeld von 955 und deren weitreichende Auswirkungen auf die Herrschaftslegitimation von Otto I.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das ottonische Herrschaftsverständnis, die Rolle der Religion bei der Legitimation von Macht sowie die politische Konsolidierung des Reiches nach internen und externen Krisen.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Otto den Sieg auf dem Lechfeld politisch und ideologisch nutzte, um seine Position gegenüber dem Adel zu stärken und den Weg zum Kaisertum zu ebnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, wobei insbesondere Widukind von Korveis "Sachsengeschichte" im Zentrum der Betrachtung steht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Situation vor der Schlacht, dem Verlauf der Auseinandersetzung sowie den anschließenden Folgen für die Christianisierung und die imperialen Ambitionen Ottos.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lechfeldschlacht, Gottesgnadentum, ottonisches Königtum und historische Quellenkritik charakterisieren.
Warum war Widukind von Korvei als Quelle so bedeutend?
Widukind lieferte eine der umfassendsten zeitgenössischen Darstellungen der Ära Otto I., die den Herrscher als Werkzeug Gottes inszeniert und somit entscheidend zum Bild des ottonischen Königtums beitrug.
Inwieweit beeinflusste die Schlacht den Weg zum Kaisertum?
Der Sieg festigte Ottos Autorität massiv und ermöglichte ihm die Rolle eines Schutzherrn der Christenheit, was in Verbindung mit der Situation in Italien die Erlangung der Kaiserkrone 962 maßgeblich vorbereitete.
- Quote paper
- Johannes Schulz (Author), 2006, Der Sieg Otto des Grossen auf dem Lechfeld 955 - ein Wendepunkt mit Bedeutung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67655