Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland


Hausarbeit, 2004
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung: Die Demokratie in der Krise?

B) Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland
I. Das Wahlverhalten in der Bundesrepublik
II. Vier Hypothesen über die Ursachen sinkender Wahlbeteiligung
III. Die Konsequenzen geringer Wahlbeteiligung für das politische System

C) Schlussbemerkung: Die Demokratie in der Krise?

D) Quellenangaben

Die Demokratie in der Krise? –

Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

A) Einleitung: Die Demokratie in der Krise?

Die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts definierte den Begriff Demokratie (griechisch: Volksherrschaft) als „[…] jene institutionelle Ordnung zur Erzielung politischer Entscheide, die das Gemeinwohl dadurch verwirklicht, dass sie das Volk selbst die Streitfragen entscheiden lässt und zwar durch die Wahl von Personen, die zusammenzutreten haben, um seinen Willen auszuführen.“[1] Im praktischen Vollzug stellte sich diese Definition jedoch als problematisch heraus. Das Hauptproblem der klassischen Theorie ist, dass dem einzelnen ein wirklichkeitsfremdes Ausmaß von Initiative beigelegt, der Normalbürger als rational denkender und handelnder politischer Faktor schlicht überschätzt wird.

Daher wurde von Schumpeter eine alternative Theorie hervorgebracht, welche Demokratie nicht nach dem Wortsinn definiert. Die Hauptaufgabe des Volkes besteht laut Schumpeter darin, eine Regierung hervorzubringen. Die demokratische Methode ist hier „[…] diejenige Ordnung der Institutionen zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher einzelne die Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfs um die Stimmen des Volkes erwerben.“[2] Demokratie bedeutet hier also nicht, dass das Volk die Herrschaft ausübt, sie gibt dem Volk vielmehr nur die Möglichkeit, seine(n) Herrscher am Wahlsonntag zu akzeptieren oder abzulehnen.

Demokratie und Wahlen stehen also in einem engen Zusammenhang. Das Volk, die wahlberechtigten Bürger, entscheiden über die politische Machtverteilung und legitimieren sie somit. In den letzten Jahren ist in der BRD (wie in einigen anderen westlichen Industriegesellschaften auch), die Wahlbeteiligung stark zurückgegangen. Dies ist insofern beunruhigend, da Wahlen nicht nur die Grundlage des liberalen Demokratieverständnisses bilden, sondern auch für die breite Masse der Bevölkerung die einzige Form der Teilnahme am politischen Prozess darstellen. Ist diese Form der Regierungsbildung überhaupt noch demokratisch zu nennen, wenn teilweise nur noch drei von fünf Wahlberechtigten zur Wahl gehen und die stärkste Regierungspartei Rückhalt lediglich bei einem Viertel der Wahlbevölkerung findet, während zwei Fünftel tatenlos zuschauen?

Die Meinungen der Wahlforscher, wie eine hohe Nichtbeteiligung zu bewerten ist divergieren stark. Während die einen eine Destabilisierung des Systems, oder gar ein Scheitern der Demokratie voraussagen, sehen andere in der sinkenden Wahlbeteiligung eher ein Zeichen der Normalisierung in einer funktionierenden Demokratie. Diese Hausarbeit soll verschiedene Ansätze bezüglich der Ursachen und Konsequenzen geringer Wahlbeteiligung am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland erläutern.

B) Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

I. Das Wahlverhalten in der Bundesrepublik

Sagt die Höhe der Wahlbeteiligung tatsächlich etwas über die Qualität des Systems aus? Diese Frage gewinnt angesichts der steigenden Anzahl der Nichtwähler in der BRD an Bedeutung. Im historischen Verlauf lassen sich drei Phasen unterscheiden (siehe Grafik 1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Grafik 1: Die Höhe des Nichtwähleranteils bei Bundestagswahlen 1953-1998 in Westdeutschland[3]

Bis 1969 bewegte sich der Nichtwähler-Anteil bei Bundestagswahlen zwischen 12 und 14 Prozent, bei Landtagswahlen war er durchschnittlich 10 Prozentpunkte höher. Zwischen 1972 und 1983 gab es auf beiden Ebenen nur einen vergleichsweise geringen Nichtwähleranteil. Im Jahre 1972 erreichte die Beteiligung an den Bundestagswahlen mit 91,1 Prozent ihren Höhepunkt. Seither ist ihre Tendenz überwiegend fallend. Sie liegt bei Bundestagswahlen bei knapp 80 Prozent, bei Landtagswahlen teilweise bei unter 60 Prozent. In den neuen Bundesländern ist die Wahlbeteiligung sogar noch geringer (siehe Grafik 2).

[...]


[1] Schumpeter, Joseph A., 1972: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Kapitel 21, S.397

[2] Schumpeter, Joseph A., 1972: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Kapitel 22, S. 428

[3] Glaab, M./ Kießling A.: Legitimation und Partizipation, in Korte, Karl-Rudolf/Weidenfeld, Werner, 2001: Deutschland Trendbuch, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 575

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Public Choice
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V68004
ISBN (eBook)
9783638602129
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie, Krise, Gründe, Folgen, Wahlbeteiligung, Deutschland, Public, Choice
Arbeit zitieren
Juliane Sarnes (Autor), 2004, Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68004

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