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Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

Title: Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

Term Paper , 2004 , 11 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Juliane Sarnes (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Die Demokratie in der Krise? -Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

A) Einleitung: Die Demokratie in der Krise?

Die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts definierte den Begriff Demokratie (griechisch: Volksherrschaft) als „[…] jene institutionelle Ordnung zur Erzielung politischer Entscheide, die das Gemeinwohl dadurch verwirklicht, dass sie das Volk selbst die Streitfragen entscheiden lässt und zwar durch die Wahl von Personen, die zusammenzutreten haben, um seinen Willen auszuführen.“ Im praktischen Vollzug stellte sich diese Definition jedoch als problematisch heraus. Das Hauptproblem der klassischen Theorie ist, dass dem einzelnen ein wirklichkeitsfremdes Ausmaß von Initiative beigelegt, der Normalbürger als rational denkender und handelnder politischer Faktor schlicht überschätzt wird.

Daher wurde von Schumpeter eine alternative Theorie hervorgebracht, welche Demokratie nicht nach dem Wortsinn definiert. Die Hauptaufgabe des Volkes besteht laut Schumpeter darin, eine Regierung hervorzubringen. Die demokratische Methode ist hier „[…] diejenige Ordnung der Institutionen zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher einzelne die Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfs um die Stimmen des Volkes erwerben.“ Demokratie bedeutet hier also nicht, dass das Volk die Herrschaft ausübt, sie gibt dem Volk vielmehr nur die Möglichkeit, seine(n) Herrscher am Wahlsonntag zu akzeptieren oder abzulehnen.

Demokratie und Wahlen stehen also in einem engen Zusammenhang. Das Volk, die wahlberechtigten Bürger, entscheiden über die politische Machtverteilung und legitimieren sie somit. In den letzten Jahren ist in der BRD (wie in einigen anderen westlichen Industriegesellschaften auch), die Wahlbeteiligung stark zurückgegangen. Dies ist insofern beunruhigend, da Wahlen nicht nur die Grundlage des liberalen Demokratieverständnisses bilden, sondern auch für die breite Masse der Bevölkerung die einzige Form der Teilnahme am politischen Prozess darstellen. Ist diese Form der Regierungsbildung überhaupt noch demokratisch zu nennen, wenn teilweise nur noch drei von fünf Wahlberechtigten zur Wahl gehen und die stärkste Regierungspartei Rückhalt lediglich bei einem Viertel der Wahlbevölkerung findet, während zwei Fünftel tatenlos zuschauen? Die Meinungen der Wahlforscher, wie eine hohe Nichtbeteiligung zu bewerten ist divergieren stark. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung: Die Demokratie in der Krise?

B) Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland

I. Das Wahlverhalten in der Bundesrepublik

II. Vier Hypothesen über die Ursachen sinkender Wahlbeteiligung

III. Die Konsequenzen geringer Wahlbeteiligung für das politische System

C) Schlussbemerkung: Die Demokratie in der Krise?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der sinkenden Wahlbeteiligung in Deutschland, analysiert die zugrunde liegenden Ursachen aus verschiedenen politikwissenschaftlichen Perspektiven und erörtert die potenziellen Folgen für das politische System der Bundesrepublik.

  • Historische Entwicklung des Wahlverhaltens in Deutschland
  • Strukturwandel der Wählerschaft und gesellschaftliche Transformationsprozesse
  • Wissenschaftliche Erklärungsansätze (Protest-, Integrations-, Ressourcen- und Rational-Choice-Theorie)
  • Systemische Auswirkungen der Wahlabstinenz auf die parlamentarische Demokratie
  • Diskussion über Politikverdrossenheit versus individuelle Normalisierung

Auszug aus dem Buch

II. Vier Hypothesen über die Ursachen sinkender Wahlbeteiligung

Zwar suchen die meisten Wahlforscher die Gründe der geringeren Wahlbeteiligung im soziopolitischen Kontext der Wählerinnen und Wähler, die Ansichten über die genauen Ursachen gehen jedoch teilweise auseinander. Im Folgenden sollen nun die vier wichtigsten Hypothesen erläutert werden:

Die Protesttheoretiker sehen den Grund des zunehmenden Rückgangs der Wahlbeteiligung in einer wachsenden Politikverdrossenheit der Bürger, die auf diese Weise ihrer Unzufriedenheit mit der Funktionsweise des bestehenden demokratischen Systems Ausdruck verleihen. Die Verfechter der Protesttheorie gehen von einem Strukturwandel der Nichtwählerschaft aus: Früher sei der Nichtwähler fast immer ein politisch desinteressierter, zufriedener Bürger gewesen, die sich von einer anderen Regierung keine Veränderungen zum Guten oder Schlechten erwarteten. Heute sei jedoch ein großer Anteil der Nichtwähler „Überzeugungstäter“. Politisch gut informierte, kritische Menschen, die auch bereit seien, selbst politisch aktiv zu werden, sich jedoch durch die unzulänglichen Partizipationsmöglichkeiten enttäuscht fühlten. Der Wahlenthaltung liegen also nicht nur politische Desinteresse, sondern auch Gefühle der Ohnmacht oder des stummen Protests zugrunde, die beispielsweise aus der Enttäuschung über das Versagen der einstmals favorisierten Partei erwachsen können.

Zusammenfassung der Kapitel

A) Einleitung: Die Demokratie in der Krise?: Einführung in das Demokratieverständnis sowie Darstellung des Spannungsfeldes zwischen sinkender Wahlbeteiligung und der Stabilität liberaler Demokratien.

B) Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland: Detaillierte Analyse der historischen Wahldaten sowie Untersuchung theoretischer Ansätze und systemischer Konsequenzen der Nichtwahl.

C) Schlussbemerkung: Die Demokratie in der Krise?: Reflexion der Forschungsergebnisse mit dem Fazit, dass Wahlabstinenz nicht zwangsläufig als Systemkrise, sondern oft als Ausdruck fehlenden Vertrauens in politisches Handeln zu werten ist.

Schlüsselwörter

Wahlbeteiligung, Nichtwähler, Demokratie, Politikverdrossenheit, Bundesrepublik Deutschland, Wahlverhalten, Protesttheorie, Integrationstheorie, Ressourcentheorie, Rational-Choice, Strukturwandel, Parteienstaat, politische Partizipation, Wahlabstinenz, Regierungsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Ursachen und Auswirkungen der in den letzten Jahrzehnten gesunkenen Wahlbeteiligung in Deutschland und beleuchtet die Frage, ob dies als Zeichen einer ernsthaften Demokratiekrise zu deuten ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen das historische Wahlverhalten, der gesellschaftliche Strukturwandel, theoretische Erklärungsmodelle zur Wahlenthaltung und die Einschätzung systemischer Risiken durch die Abkehr der Bürger von der Urne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für das Ausbleiben vieler Wähler zu ergründen und wissenschaftlich fundierte Hypothesen wie die Protest-, Integrations-, Ressourcen- und Rational-Choice-Theorie gegenüberzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender politikwissenschaftlicher Wahlstudien sowie die Auswertung statistischer Daten zur Wahlbeteiligung in Deutschland.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des historischen Wahlverhaltens, die Erläuterung vier wesentlicher Hypothesen zur Wahlbeteiligung und die Diskussion über deren Folgen für das politische System.

Welche Begriffe charakterisieren die Analyse am besten?

Wesentliche Begriffe sind Wahlenthaltung, Parteienbindung, politischer Strukturwandel, Rational-Choice-Ansätze und die Debatte um die Legitimität demokratischer Entscheidungsprozesse.

Wie bewerten die sogenannten Protesttheoretiker das Verhalten der Nichtwähler?

Sie interpretieren den Rückgang der Beteiligung als aktiven Ausdruck von Politikverdrossenheit und Ohnmacht gegenüber einem System, das die Bedürfnisse der Bürger nicht mehr ausreichend abbildet.

Welche Bedeutung hat das „Minimax-Regret“-Modell in diesem Kontext?

Dieses Modell erklärt die rationale Entscheidung zum Urnengang damit, dass Bürger wählen gehen, um den für sie persönlich größten negativen Schaden durch den Sieg einer unerwünschten Partei zu verhindern.

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Details

Title
Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland
College
LMU Munich
Course
Public Choice
Grade
1,7
Author
Juliane Sarnes (Author)
Publication Year
2004
Pages
11
Catalog Number
V68004
ISBN (eBook)
9783638602129
Language
German
Tags
Demokratie Krise Gründe Folgen Wahlbeteiligung Deutschland Public Choice
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Juliane Sarnes (Author), 2004, Die Demokratie in der Krise? Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68004
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