Die Mehrwertsteuer steigt zum 1. Januar 2007 um drei Prozentpunkte von 16 auf 19 Prozent. So haben es CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart. Nach anfänglichen Spekulationen darüber, ob es sich um eine politische Strategie zum Ankurbeln der Wirtschaft handelt, und die Mehrwertsteuererhöhung in der Realität nicht eintreffen wird, sieht sich Deutschland nunmehr mit den Tatsachen konfrontiert. Die sowohl von den Konsumenten als auch von den Produzenten gefürchtete Mehrwertsteuererhöhung ist beschlossene Sache. Aber was bedeutet diese Erhöhung der Steuer für Deutschland aus mikroökonomischer Sicht?
Da die Erläuterung dieser Fragestellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werde ich mich im Folgenden speziell auf den Waschmaschinenmarkt in Deutschland konzentrieren.
Die Mehrwertsteuer, auch Umsatzsteuer genannt, fällt für jeglichen Konsumbereich an und belastet letztendlich die Konsumenten in Form einer indirekten Steuer. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte macht sich beim Waschmaschinenkauf für Konsumenten besonders bemerkbar, da es sich um eine kostenintensive Anschaffung ohne Ausweichmöglichkeiten handelt.
Im Folgenden werde ich das Zusammentreffen der Aktivitäten der Anbieter und Nachfrager auf dem Waschmaschinenmarkt und die daraus resultierenden Auswirkungen aufzeigen.
Hierauf wird eine Untersuchung der möglichen Entscheidungen der Anbieter und der Nachfrager bezüglich der Mehrwertsteuererhöhung folgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rückblick, Analyse, Ausblick
2.1 Rückblick - Betrachtung der Mehrwertsteuererhöhung vom 1. April 1998 in Deutschland
2.2 Analyse des Waschmaschinenmarktes
2.3 Ausblick - Marktentwicklungen des Waschmaschinenmarktes infolge der Mehrwertsteuererhöhung
2.3.1 Marktentwicklung im Falle der Besteuerung der Nachfrager
2.3.2 Marktentwicklung im Falle der Besteuerung der Anbieter
3 Realitätsprognose
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mikroökonomisch die Auswirkungen der geplanten Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent in Deutschland am Beispiel des Waschmaschinenmarktes, um aufzuzeigen, wie sich diese steuerliche Änderung auf Preise, Nachfrage und das Marktgleichgewicht auswirkt.
- Mikroökonomische Grundlagen der Preisbildung auf Märkten
- Analyse der Preiselastizität der Nachfrage nach Waschmaschinen
- Auswirkungen der Steuerinzidenz bei Besteuerung von Nachfragern vs. Anbietern
- Diskussion von Vorzieheffekten und langfristigen Marktanpassungen
Auszug aus dem Buch
2.2 Analyse des Waschmaschinenmarktes
Unter dem Begriff Markt versteht man im wirtschaftlichen Sinne, einen „ökonomischen Ort des Tausches, an dem sich durch Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage Preise bilden “(vgl. Gabler 1990: 511). Es herrscht vollständige Konkurrenz auf dem Waschmaschinenmarkt, da er durch sehr viele Anbieter und Nachfrager zustande kommt, die einzeln nur einen unbedeutend kleinen Einfluss auf die Preisbildung und das Marktgeschehen haben.
Dieser von Anbietern und Nachfragern gesteuerte Markt wird in der Mikroökonomie vereinfacht in einem Angebot-Nachfrage-Diagramm abgebildet. Hierbei bilden die Nachfragekurve und die Angebotskurve den Preis. Erstere gibt die funktionale Beziehung zwischen der nachgefragten Menge von z.B. Waschmaschinen und dessen Preise bei Konstanz aller übrigen Preise und des Einkommens des Haushaltes wieder (vgl. Gabler 1990: 641). Wobei die Angebotskurve die funktionale Beziehung zwischen der angebotenen Menge an Waschmaschinen und dessen Preise bei Konstanz aller anderen Variablen wiedergibt. Diesen mikroökonomischen Grundsatz, dass alle anderen Faktoren konstant bleiben, während ein bestimmter betrachteter Faktor verändert wird, nennt man Ceteris-paribus-Klausel (vgl. Samuelson 2005: 1025f). In der Regel findet die Ceteris-paribus-Klausel bei allen mikroökonomischen Betrachtungen, wie auch in dieser Arbeit, Anwendung.
Um die Nachfragekurve des Waschmaschinenmarktes bestimmen zu können, sollte vorerst die Nachfragemenge bestimmt werden. Diese ist die Gütermenge, die die Käufer erwerben wollen und können (vgl. Mankiw 2004: 70). Bei Waschmaschinen können wir davon ausgehen, dass jeder Haushalt mindestens aber auch höchstens eine Waschmaschine erwerben möchte, da jede weitere überflüssig wäre. In der Abb. 1 sieht man die Nachfragekurve für Waschmaschinen des gesamten Marktes. Nach dem Gesetz der Nachfrage ist diese negativ vom Preis abhängig, da die nachgefragte Menge eines Guts mit steigendem Preis sinkt und mit sinkendem Preis steigt (vgl. Mankiw 2004: 70).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 ein und grenzt das Untersuchungsfeld auf den deutschen Waschmaschinenmarkt ein.
2 Rückblick, Analyse, Ausblick: Dieses Kapitel analysiert die historische Mehrwertsteuererhöhung von 1998, erläutert die mikroökonomischen Marktmechanismen bei Waschmaschinen und modelliert die Auswirkungen der aktuellen Steuererhöhung bei unterschiedlichen Besteuerungsszenarien.
3 Realitätsprognose: Das Fazit stellt dar, dass die Steuerinzidenz aufgrund der unelastischen Nachfrage die Konsumenten stärker belastet und erläutert zudem die kurzfristigen Markteffekte durch Vorziehkäufe sowie die langfristige Marktregulierung.
Schlüsselwörter
Mehrwertsteuererhöhung, Mikroökonomie, Waschmaschinenmarkt, Nachfragekurve, Angebotskurve, Preisbildung, Steuerinzidenz, Nettowohlfahrtsverlust, Preiselastizität, Konsumentenrente, Produzentenrente, Vorzieheffekte, Marktgleichgewicht, Besteuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert mikroökonomisch die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent, die für Deutschland zum 1. Januar 2007 beschlossen wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Preisbildung auf Märkten, die Konzepte von Angebot und Nachfrage, Elastizitäten sowie die ökonomischen Wirkungen staatlicher Eingriffe wie Steuern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Zusammentreffen von Anbietern und Nachfragern auf dem Waschmaschinenmarkt zu modellieren und die daraus resultierenden Auswirkungen auf Preise und gehandelte Mengen infolge der steuerlichen Änderung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die mikroökonomische Analyse, insbesondere Angebot-Nachfrage-Diagramme, um Marktentwicklungen sowie Effekte der Steuerinzidenz unter Anwendung der Ceteris-paribus-Klausel theoretisch herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Rückblick auf 1998, eine theoretische Marktanalyse für Waschmaschinen sowie eine modellbasierte Untersuchung der Marktentwicklung bei unterschiedlichen Besteuerungsannahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Fachbegriffe wie Steuerinzidenz, unelastische Nachfrage, Preiselastizität, Marktgleichgewicht und Nettowohlfahrtsverlust charakterisiert.
Warum wird speziell der Waschmaschinenmarkt betrachtet?
Der Markt für Waschmaschinen dient als Beispiel für kostenintensive Anschaffungen ohne nahe Substitute, bei denen eine Mehrwertsteuererhöhung für Konsumenten besonders spürbar ist.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Vorzieheffekte?
Es wird prognostiziert, dass aufgrund der hohen Kosten und der bewussten Abwägung von Alternativen kurzfristig im Jahr 2006 Vorzieheffekte auftreten und im ersten Halbjahr 2007 mit einer Flaute im Markt zu rechnen ist.
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- Göksu Müslim (Author), 2006, Eine mikroökonomische Analyse der Mehrwertsteuererhöhung 2007 am Beispiel von Waschmaschinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68047