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Ausländer im SED-Staat

Title: Ausländer im SED-Staat

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Carsten Socke (Author)

Politics - Miscellaneous
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Im Frühjahr des Jahres 2006 kochte in Deutschland die Diskussion über die Fremdenfeindlichkeit in Osten wieder einmal hoch. Ursache hierfür war ein gewalttätiger Übergriff auf den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. in Potsdam, bei dem dieser lebensgefährlich verletzt wurde. Immer wieder ist dieses Thema in den letzten sechzehn Jahren in den Blickpunkt der Öffentlichkeit getreten, wobei die Diskussion nicht immer sachlich geführt wurde und immer wieder Stereotype über den Osten eine Rolle spielten. Das Thema der Ausländerpolitik der DDR wurde erst nach der politischen Wende 1989 von der Wissenschaft entdeckt. Der Grund dafür war, dass die SED-Führung über die in der DDR lebenden Ausländer bis Ende 1989 keine offiziellen Zahlen und Angaben veröffentlichte. Das Thema wurde vielmehr wie ein Staatsgeheimnis gehütet, sodass es erst nach der Wende möglich wurde, erste offizielle Statistiken zu erstellen und zu veröffentlichen. Somit konnte und sollte das Thema weder in der Wissenschaft noch in den ohnehin zensierten DDR-Medien eine Rolle spielen.
Um die Situation in Ostdeutschland richtig zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit, auf die Ausländerpolitik in der DDR, unerlässlich. Genau dies wird Aufgabe dieser Arbeit sein. Dabei wird zunächst das Systemverständnis der DDR im Mittelpunkt stehen, um die Ausländerpolitik der SED richtig zu verstehen. Danach werden die Ausländergesetzte genauer nachgezeichnet, um anschließend die Struktur der ausländischen Wohnbevölkerung und die Situation der Ausländer im Alltag der DDR näher zu beleuchten. Nach der Betrachtung dieser Punkte wird Bezug auf die heutige Situation in Ostdeutschland genommen. Dabei wird versucht, die Frage zu beantworten, in wieweit die Ausländerpolitik der DDR einen Einfluss auf die Entwicklung in Ostdeutschland nach der Wende hatte.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zur Ausländerpolitik & gesetzliche Grundlagen

2.1. Ausländerpolitik im Systemverständnis der DDR

2.2. Ausländerrechtliche Regelungen in der DDR

3. Struktur der Ausländischen Wohnbevölkerung

3.1. Sonderfall Sowjetische Streitkräfte

3.2. Studenten

3.3. Politische Emigranten

3.4. Ausländische Vertragsarbeiter

3.5. Ausländer nach Nationalitäten

4. Ausländer im Alltag der DDR

4.1. Ausländer und Integration

4.2. Ausländerfeindlichkeit in der DDR

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ausländerpolitik der ehemaligen DDR, um zu verstehen, inwieweit diese die Entwicklung fremdenfeindlicher Tendenzen im heutigen Ostdeutschland beeinflusst haben könnte. Sie analysiert das staatliche Systemverständnis, rechtliche Grundlagen, die Struktur der ausländischen Bevölkerung sowie die alltägliche Situation und den Umgang mit Ausländern im sozialistischen Staat.

  • Systemverständnis und Ausländerpolitik der SED-Führung
  • Rechtliche Grundlagen und Kontrollmechanismen des Aufenthalts
  • Struktur und Kategorisierung der Ausländergruppen in der DDR
  • Alltagssituation, Integrationspolitik und Ausgrenzung
  • Historische Ursachen fremdenfeindlicher Einstellungen im Nachwende-Kontext

Auszug aus dem Buch

3.1. Sonderfall Sowjetische Streitkräfte

Auch wenn die Angehörigen der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) nicht offiziell in den Ausländerstatistiken der DDR auftauchen, so hat wohl doch jeder Ostdeutsche bestimmte Erinnerungen an sie. Wer kennt ihn nicht mehr, diesen süßlichen Geruch des „Russenbenzins“ in den Strassen, nachdem eine schier endlos erscheinende Kolonne von Militärfahrzeugen durch den Ort fuhr. Leider beschränken sich die Erinnerungen vieler Ostdeutscher nicht auf solche Nebensächlichkeiten. Vor allem die Gewaltexzesse der Roten Armee in der unmittelbaren Nachkriegszeit riefen eine starke Aversion in der Bevölkerung gegenüber den Institutionen der sowjetischen Besatzungsmacht hervor. Hinzu kamen die scheinbar bestätigten Feindbilder gegenüber Bolschewismus und Russen, die noch aus der NS-Zeit nachwirkten.

Auch die im Sommer 1949 ausgerufene Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) konnte an dieser Grundeinstellung der Bevölkerung nichts ändern. Trotz der jahrzehntelangen Verherrlichung des sowjetischen Systems und seiner Überlegenheit zeigt sich anhand von Schilderungen Ostdeutscher, die Oliver von Worchen in einem Aufsatz zusammengestellt hat, dass die Begegnung mit den sowjetischen „Besatzern“ die antisowjetischen Gefühle insgesamt verfestigt bzw. teilweise erst hervorgerufen hat.

Von Worchen meint weiter dazu: „Brutalität, Primitivität, Faulheit, Gutmütigkeit, Dummheit, triebgeleitetes Handeln: Die Bilder von den sowjetischen „Besatzern“ in Ostdeutschland offenbaren nicht nur Verachtung, sondern auch Ängste und dienen möglicherweise als eine historische Deutungsfolie für die Wahrnehmung von „Fremden“ in Ostdeutschland.“

Dieses Negativimage der Angehörigen der sowjetischen Armee hielt sich die gesamte DDR-Zeit. Mitverantwortlich dafür war, dass es so gut wie keine Privatkontakte zwischen Angehörigen der GSSD und der ostdeutschen Bevölkerung gab, was auch an der Abschottung der sowjetischen Besatzungstruppen lag. Wenn man sie sah, dann waren sie uniformiert. So lebten die Ostdeutschen und die Angehörigen der GSSD mehr oder weniger nebeneinander her. Wenn es zu Kontakten kam, dann waren es offizialisierte Freundschaftsrituale im Rahmen der DSF. Somit waren dem Umgang zwischen den Ostdeutschen und den Angehörigen der GSSD enge Grenzen gesetzt. Diese Art des Verhältnisses zwischen Deutschen und sowjetischen Soldaten kann man als paradigmatisch für den Umgang mit „Fremden“ in der DDR bezeichnen. Kontrolle war dem SED-Regime wichtiger als Kontakt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Fremdenfeindlichkeit im heutigen Ostdeutschland und leitet die historische Untersuchung der DDR-Ausländerpolitik als mögliche Ursache ein.

2. Allgemeines zur Ausländerpolitik & gesetzliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert das Systemverständnis der DDR, das auf strikter Kontrolle und ideologischer Abgrenzung basierte, und beschreibt die restriktiven gesetzlichen Regelungen.

3. Struktur der Ausländischen Wohnbevölkerung: Hier werden die verschiedenen Gruppen ausländischer Bewohner, von sowjetischen Soldaten über Studenten bis hin zu Vertragsarbeitern, sowie deren statistische Erfassung analysiert.

4. Ausländer im Alltag der DDR: Der Fokus liegt auf der faktischen Ausgrenzung statt Integration sowie der aufkeimenden Ausländerfeindlichkeit gegen Ende der 80er Jahre.

5. Resümee: Das Resümee fasst die Widersprüche der SED-Politik zusammen und stellt fest, dass die nicht-integrative DDR-Politik maßgeblich zur Entwicklung heutiger fremdenfeindlicher Tendenzen im Osten beitrug.

Schlüsselwörter

DDR, Ausländerpolitik, SED, Vertragsarbeiter, Migrationsgeschichte, Ostdeutschland, Fremdenfeindlichkeit, Systemverständnis, Sozialismus, Arbeitskräftekooperation, Integration, Ausländergesetz, politische Emigranten, sowjetische Streitkräfte, Nachwendezeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ausländerpolitik der DDR und untersucht deren langfristige Auswirkungen auf die gesellschaftliche Situation und Fremdenfeindlichkeit im heutigen Ostdeutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das politische Systemverständnis der SED, die rechtliche Ausgestaltung des Ausländeraufenthalts, die Struktur der verschiedenen Ausländergruppen sowie deren gelebter Alltag in der DDR.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu klären, inwieweit die nicht-integrative und kontrollorientierte Ausländerpolitik der DDR einen Einfluss auf die Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit nach der Wende hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode, die auf der Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Statistiken, Regierungsabkommen und zeitgenössischen Berichten beruht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der gesetzlichen Grundlagen, die Differenzierung der verschiedenen Ausländergruppen und die Untersuchung der alltäglichen Erfahrungen und sozialen Interaktionen zwischen Ausländern und DDR-Bürgern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie DDR-Ausländerpolitik, Arbeitskräftekooperation, Fremdenfeindlichkeit, SED-Systemverständnis und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Ausländern im Sozialismus charakterisiert.

Welche Rolle spielten die sowjetischen Streitkräfte als "Fremde"?

Sie stellten quantitativ die größte, jedoch statistisch oft ignorierte Gruppe dar und fungierten für viele Ostdeutsche als Feindbild, was maßgeblich durch die Besatzungserfahrung und NS-Relikte geprägt war.

Warum wurden Vertragsarbeiter in der DDR "kaserniert"?

Die Unterbringung in speziellen Wohnheimen diente primär der staatlichen Kontrolle sowie der Unterbindung privater Kontakte zur einheimischen Bevölkerung, um das geschlossene Systemverständnis der SED zu wahren.

Wie unterschied sich die Behandlung politischer Emigranten?

Im Gegensatz zu anderen Gruppen wurden sie als "Vorzeigeausländer" privilegiert, da sie sich ideologisch für Propagandazwecke instrumentalisieren ließen.

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Details

Title
Ausländer im SED-Staat
College
University of Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Grade
1,7
Author
Carsten Socke (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V68114
ISBN (eBook)
9783638606486
ISBN (Book)
9783638672504
Language
German
Tags
Ausländer SED-Staat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carsten Socke (Author), 2006, Ausländer im SED-Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68114
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