Als Gegenstand unserer Lernortanalyse haben wir den Lesesaal einer mittelgroßen Bibliothek in Koblenz gewählt.
Zunächst stellten wir uns die Frage: Was für eine Funktion hat der Lesesaal der Bibliothek für das Lernen im Erwachsenenalter? Inwiefern stellt der Lesesaal einen Ort des Lernens (für Erwachsene) dar?
Im Folgenden haben wir den Versuch unternommen, uns diesem Thema zu nähern und die weitreichenden Funktionen des Lesesaals einer Bibliothek als Lernort herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bietet der Lesesaal als Lernort für Erwachsene?
3. Welche Eigenschaften zeichnen unseren Lernort aus?
4. Wer lernt was?
5. Wie wird gelernt?
5.1 Intentionales und inzidentielles Lernen
6. Schwellenangst?
7. Fazit
8. Literaturangaben
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Lesesaal einer mittelgroßen Bibliothek in Koblenz hinsichtlich seiner Eignung als Lernort für Erwachsene. Dabei wird analysiert, welche infrastrukturellen und atmosphärischen Faktoren den Lesesaal als Raum für individuelles, selbstgesteuertes Lernen qualifizieren und welche pädagogische Bedeutung ihm im Kontext lebenslangen Lernens zukommt.
- Bibliothek als Lernort für Erwachsene
- Strukturierung und Funktion des Lesesaals
- Intentionales versus inzidentielles Lernen
- Einfluss der räumlichen Atmosphäre auf Lernprozesse
- Die Rolle der Schwellenangst bei der Bibliotheksnutzung
Auszug aus dem Buch
5. Wie wird gelernt?
Insofern ist der Lesesaal als Lernort einmal mehr geeignet für das Lernen im Erwachsenenalter: der Erwachsene lernt nicht im organisierten Gruppenverband (wie in der Schule), er hat keine Vorgaben darüber, wann, wie oft und wie lange er lernt. Er kann frei entscheiden, was er lernt und mit welcher Intensität – ob er sich beruflich weiterbildet oder den Lernort für private (Lern-)Interessen nutzt, bleibt ihm vorbehalten. Der Buch- und Medienbestand des Lernorts Lesesaal bietet für alle Interessen und Wissensanfragen das geeignete Material, jeder hat die Möglichkeit, individuell, das heißt selbstbestimmt und selbstorganisiert zu lernen – nach der Maxime: Ich habe ein Lernziel vor Augen; ich bestimme Auswahl und Reihenfolge des Lernstoffs, ich bestimme auch Lernrhythmus, Lerntempo und Lernzeit.
5.1 Intentionales und inzidentielles Lernen
Der Lesesaal der Bibliothek bietet sowohl Gelegenheit für intentionales als auch für inzidentielles Lernen: die Benutzung der Materialien ist ein zielgerichteter Prozess, strukturiert mit der Absicht, die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten zu verändern und zu erweitern – mit anderen Worten: ein Lernprozess. Dieser Prozess ist absichtsvoll und wird mit einem konkreten Lernziel vorangetrieben, es handelt sich um intentionales Lernen.
Während der beabsichtigten (intentionalen) Suche nach ganz bestimmtem Material müssen jedoch meistens auch weniger passende Informationen ´kognitiv bearbeitet´ werden – der Nutzer „stolpert“ bei der Arbeit mit der Literatur über zusätzliche Informationen, die wenig mit seinem ursprünglichen Lernziel zu tun haben, so dass er unbeabsichtigt Wissen anreichert und praktisch „nebenher“ lernt. Hierin sah die Gruppe eine Möglichkeit des inzidentiellen, nicht bewusst gesteuerten Lernens im Lesesaal einer Bibliothek.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der Lesesaal als Gegenstand der Untersuchung eingeführt und die zentrale Fragestellung nach seiner Funktion als Lernort für Erwachsene formuliert.
2. Was bietet der Lesesaal als Lernort für Erwachsene?: Dieses Kapitel beleuchtet den Bildungsauftrag von Bibliotheken und beschreibt die materielle und infrastrukturelle Ausstattung des Lesesaals.
3. Welche Eigenschaften zeichnen unseren Lernort aus?: Fokus auf die Atmosphäre, die räumliche Beschaffenheit und die Bedeutung des Lesesaals als öffentlicher, ungestörter Raum.
4. Wer lernt was?: Eine Analyse der Nutzergruppen im Lesesaal, die sich als heterogene Gemeinschaft von Weiterbildungsinteressierten zeigt.
5. Wie wird gelernt?: Untersuchung der selbstgesteuerten Lernprozesse und Differenzierung zwischen intentionalem und inzidentiellem Lernen.
5.1 Intentionales und inzidentielles Lernen: Vertiefung der Lernformen, wobei insbesondere das beiläufige Entdecken von Wissen während der gezielten Suche hervorgehoben wird.
6. Schwellenangst?: Kritische Auseinandersetzung mit potenziellen Hemmschwellen und Verhaltensregeln beim Besuch der Bibliothek.
7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Lesesaals als idealer Rückzugsort für ungestörtes und selbstbestimmtes Lernen.
8. Literaturangaben: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Internetseiten.
Schlüsselwörter
Lernort, Erwachsenenbildung, Bibliothek, Lesesaal, lebenslanges Lernen, selbstgesteuertes Lernen, Intentionales Lernen, Inzidentielles Lernen, Lernumgebung, Bildungsauftrag, Medienkompetenz, Schwellenangst, Lernprozess, Informationserschließung, Wissenserwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Eignung des Lesesaals der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz als Lernort für Erwachsene.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das lebenslange Lernen, die räumliche Gestaltung von Lernumgebungen sowie die spezifischen Bedingungen, unter denen Erwachsene in einer Bibliothek eigenverantwortlich Wissen erwerben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwiefern ein Bibliothekslesesaal die Voraussetzungen für eine förderliche Lernumgebung erfüllt und welche Funktionen er dabei für den Lernenden übernimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Lernortanalyse, die auf Beobachtung und der Auseinandersetzung mit bibliotheksfachlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ausstattung, der Atmosphäre, der Nutzergruppen, der Lernarten (intentional/inzidentiell) sowie einer kritischen Reflexion über mögliche Hürden wie die Schwellenangst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernort, lebenslanges Lernen, selbstgesteuertes Lernen, Bibliotheksnutzung und Bildungsraum.
Welchen Stellenwert nimmt das inzidentielle Lernen ein?
Das inzidentielle Lernen wird als wichtiger, unbeabsichtigter Wissenszuwachs gewertet, der entsteht, wenn Lernende beim Suchen nach spezifischen Informationen zufällig auf weitere relevante Inhalte stoßen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Bibliotheksregeln?
Die Verhaltensregeln im Lesesaal werden trotz potenzieller Einschränkungen primär als vorteilhaft bewertet, da sie Störfaktoren minimieren und eine ungestörte Konzentration erst ermöglichen.
- Quote paper
- Melanie Aschert (Author), 2006, Der Lesesaal der Rheinischen Landesbibliothek als ein Lernort Erwachsener?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68144