Geographische Informationssysteme im betrieblichen Umfeld haben in den letzten Jahren besonderen Bedeutungszuwachs erfahren und werden in Zukunft für Geographen ein weiteres interessantes Aufgabenfeld sein. Der Einsatz umfasst enormes Erfolgspotential, wenn die Besonderheiten des interdisziplinären Charakters Gestalt in der Umsetzung finden. In diesem Kontext ist das Verständnis von wirtschaftswissenschaftlichen Belangen und Informatik auf der einen Seite und raumbezogenem Wissen auf der anderen Seite das Fundament einer erfolgreichen Einführung. Schwerpunkt der Arbeit bildet deshalb die Verknüpfung eines Organisationskonzeptes mit den Methoden und Modellen der Geoinformatik.
Die Zielsetzung der Arbeit ist es, der interdisziplinären Intention gerecht zu werden und Geographische Informationssysteme nach ihrer organisatorischen und informationstechnologischen Integration in Unternehmen zu beschreiben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die folgenden Fragenkomplexe aufgeworfen:
(1 ) Wie gestaltet sich das Organisationskonzept der Prozessorientierung?
(2) Wie charakterisiert sich Business-GIS und wo liegen ausgewählte Anwendungsfelder?
(3) Wie kann Business-GIS hinsichtlich organisatorischer und informationstechnologischer Integration klassifiziert werden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodik und Struktur
2 Grundlagen und Voraussetzungen für Business-GIS
2.1 Begriffsabgrenzung Geographisches Informationssystem und Business-GIS
2.2 Ausprägungen und Anforderungen betrieblicher Informationssysteme
2.3 Realisierungsformen der GIS-Software
2.4 Unternehmenseigene Daten und ihr Raumbezug
3 Prozessorientierung im Unternehmen
3.1 Ausgangslage
3.1.1 Entwicklungstrends der Unternehmensumwelt
3.1.2 Klassische Organisationslehre
3.1.3 Prozessdenken
3.2 Business Process Reengineering
3.2.1 Begriffsdefinition und Allgemeinzusammenhang
3.2.2 Vorgehensmodell
3.2.3 Risiken und Chancen von BPR-Projekten
3.3 Workflow und Workflow-Management-Systeme
3.4 Zusammenfassung
4 Basisfunktionen, Anwendungsfelder und Klassifikation des Business-GIS
4.1 Basisfunktionen des Business-GIS
4.1.1 Erfassung
4.1.2 Verwaltung
4.1.3 Analyse
4.1.4 Präsentation
4.2 Klassische Anwendungsfelder
4.2.1 Standortplanung und Standortanalyse
4.2.2 Analyse und Planung innerhalb der Kommunikationspolitik
4.2.3 Analyse von Marktsegmenten
4.2.4 Vertriebsplanung
4.3 Klassifikation nach organisatorischer und informationstechnologischer Integration
4.3.1 Anforderungen im Wandel
4.3.2 Klassifikationsmerkmale
4.4 Zusammenfassung
5 Aufgabenzentriertes Business-GIS
5.1 Grundgedanken
5.2 Charakterisierung nach den Sichtebenen
5.3 Referenzprojekt I: Vertriebsgebietsoptimierung Meva GmbH
5.3.1 Projekt und Unternehmen
5.3.2 System und Datengrundlage
5.3.3 Aufgabenunterstützung
5.3.4 Bewertung des Referenzprojektes
5.4 Fazit
5.4.1 Vorteile, Nachteile und Prozessunterstützung
5.4.2 Einordnung nach Fachdisziplinen und Nutzen
6 Workfloworientiertes Business-GIS
6.1 Grundgedanken
6.2 Charakterisierung nach den Sichtebenen
6.2.1 Softwaresicht
6.2.2 Datensicht
6.2.3 Anwendersicht
6.2.4 Organisationssicht
6.3 Referenzprojekt II: Geomarketing Schweizerische Post
6.3.1 Projekt und Unternehmen
6.3.2 System und Datengrundlage
6.3.3 Workflowstruktur
6.3.4 Anwendungskonzept
6.3.5 Bewertung des Referenzprojektes
6.4 Fazit
6.4.1 Vorteile, Nachteile und Prozessunterstützung
6.4.2 Einordnung nach Fachdisziplinen und Nutzen
7 Prozessorientiertes Business-GIS
7.1 Grundgedanken
7.2 Charakterisierung nach den Sichtebenen
7.2.1 Softwaresicht
7.2.2 Datensicht
7.2.3 Anwendersicht
7.2.4 Organisationssicht
7.3 Referenzprojekt III: Integriertes Informationssystem Badenova AG
7.3.1 Marktlage von Energieversorgungsunternehmen
7.3.2 GIS-relevante Geschäftsprozesse in EVUs
7.3.3 IT-Gesamtkonzept
7.3.4 Unternehmen und eingesetztes System
7.3.5 Hauptprozess Störungsmanagement
7.3.6 Prozessoptimierung HP Störungsmanagement
7.3.7 Möglichkeiten des Geomarketings in EVUs
7.3.8 Bewertung des Referenzprojektes
7.4 Fazit
7.4.1 Vorteile, Nachteile und Prozessunterstützung
7.4.2 Einordnung nach Fachdisziplinen und Nutzen
8 Ergebnisse der Arbeit
8.1 Resümee
8.2 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Arbeit ist es, die interdisziplinäre Integration von Geographischen Informationssystemen (Business-GIS) im betrieblichen Umfeld zu untersuchen und nach ihren organisatorischen sowie informationstechnologischen Merkmalen zu klassifizieren.
- Grundlagen und Definition von Business-GIS im wirtschaftlichen Kontext.
- Analyse der Prozessorientierung und des Business Process Reengineering (BPR).
- Klassifikation von Business-GIS-Lösungen in aufgabenzentrierte, workfloworientierte und prozessorientierte Systeme.
- Untersuchung praktischer Referenzprojekte zur Anwendung von GIS in Unternehmen.
- Evaluation von Integrationsgraden und Nutzenpotenzialen für die betriebliche Organisation.
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsabgrenzung Geographisches Informationssystem und Business-GIS
Ein Geographisches Informationssystem (GIS bzw. GI-System) ist ein rechnergestütztes System, mit dem man raumbezogene Daten digital erfasst, speichert und verwaltet, modelliert und analysiert sowie alphanumerisch und graphisch präsentiert (vgl. BILL & FRITSCH 1991: 3). Die GIS-Technologie ist die digitale Speicherung und Verarbeitung von Geoinformation, „[…] deren wichtigster Aspekt die Verknüpfung geometrischer, graphischer und attributiver Daten mit anderen Informationsinhalten ist.“ (BARTELME 2000: 9) Sie lassen sich durch ein Vierkomponenten-Modell im Aufbau beschreiben. Diese Sichtweise ist aus der Informatik adaptiert. Es setzt sich, wie in Abbildung 2 dargestellt, aus Hardware, Software, den Daten und dem Anwender zusammen (vgl. BILL & FRITSCH 1991: 33).
Die wesentlichen Werkzeuge sind Module zur Modellierung, Analyse und Entscheidungsfindung. Der Raumbezug ist das verbindende Element, der durch eine primäre und sekundäre Metrik festgelegt werden kann. Eine primäre Metrik kann durch die Angabe von zwei- oder dreidimensionalen Koordinaten mit hoher Genauigkeit, eine sekundäre Metrik durch Kennziffern oder Adressen mit geringerer Genauigkeit erfasst werden (vgl. BILL & FRITSCH 1991: 3ff).
Die Begriffe Business-GIS, Business Geographics, Business Mapping oder Geomarketing beschreiben den GIS-Einsatz im Bereich der Wirtschaft unter Berücksichtigung des Raumbezugs in wirtschaftsbezogenen Aspekten. Unter diesen Begriffen wird die Integration von unternehmensinternen Informationen mit Marktinformationen, deren Visualisierung, die Präsentation von Ideen und die Entwicklung von Problemlösungen zusammengefasst (vgl. STAUFER-STEINNOCHER 2000: 40.1). Die Begrifflichkeiten werden in der Praxis sinngleich verwendet, dennoch benötigen sie eine Differenzierung. Business Mapping bezeichnet räumliche Visualisierungsaspekte im Bereich der wirtschaftsorientierten GIS-Anwendungen (vgl. LEIBERICH 1997: 4). Geomarketing, der im deutschen Sprachraum gängigste Begriff, verknüpft den GIS-Einsatz mit den raumbezogenen Zielstellungen des betrieblichen Marketings (vgl. CZERANKA 2000: 2). Business Geographics ist der Überbegriff der betrieblichen Anwendung von GI-Systemen. Der verwandte Begriff Business-GIS zielt stärker auf verwendete Software und Modelle ab und wird in dieser Arbeit verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, benennt die Problemstellung, definiert die Zielsetzung der Arbeit und erläutert die gewählte Methodik sowie die Struktur.
2 Grundlagen und Voraussetzungen für Business-GIS: Hier werden Begriffsabgrenzungen zu Geographischen Informationssystemen und Business-GIS vorgenommen, Realisierungsformen erläutert und die Bedeutung des Raumbezugs in Unternehmensdaten behandelt.
3 Prozessorientierung im Unternehmen: Dieses Kapitel diskutiert die Notwendigkeit von Prozessorientierung, stellt das Business Process Reengineering vor und erörtert Workflow-Management-Systeme als Basis für prozessorientierte Organisationen.
4 Basisfunktionen, Anwendungsfelder und Klassifikation des Business-GIS: Hier werden die Kernfunktionen (Erfassung, Verwaltung, Analyse, Präsentation) definiert, klassische Anwendungsfelder beschrieben und ein Klassifikationsschema für Business-GIS-Lösungen entwickelt.
5 Aufgabenzentriertes Business-GIS: Dieses Kapitel analysiert das aufgabenzentrierte Business-GIS als stand-alone-Lösung anhand der Vertriebsgebietsoptimierung der Meva GmbH als Referenzprojekt.
6 Workfloworientiertes Business-GIS: Hier wird die workfloworientierte Variante anhand eines Geomarketing-Projekts bei der Schweizerischen Post erläutert, die eine mittlere Integration in die Unternehmens-IT aufweist.
7 Prozessorientiertes Business-GIS: Dieses Kapitel behandelt die volle Integration in die Unternehmens-IT mittels ERP-Systemen und demonstriert dies am Beispiel eines integrierten Informationssystems der Badenova AG.
8 Ergebnisse der Arbeit: Abschließend werden die zentralen Forschungsfragen beantwortet, ein Resümee gezogen und Ausblicke auf zukünftige Entwicklungen im Bereich Business-GIS gegeben.
Schlüsselwörter
Business-GIS, Geographische Informationssysteme, Prozessorientierung, Business Process Reengineering, Geomarketing, Prozessdenken, Workflow-Management-Systeme, Raumbezug, Standortanalyse, Marktsegmentierung, Unternehmens-IT, Datenintegration, Spatial-ERP, Unternehmensprozesse, Datenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz und die Integration von Geographischen Informationssystemen (GIS) im betrieblichen Umfeld unter Berücksichtigung der Prozessorientierung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen von GIS, Konzepte der Prozessorientierung, Business Process Reengineering, die Klassifikation verschiedener GIS-Lösungen sowie deren praktische Anwendung in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, GIS-Lösungen nach ihrem Integrationsgrad in die organisatorischen und informationstechnologischen Strukturen von Unternehmen zu klassifizieren und ihren Nutzen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Methodik basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Erarbeitung eigener Ansätze zur Systemklassifikation und der Untersuchung praxisnaher Referenzprojekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Kapitel 2-4) und die detaillierte Analyse der drei Systemklassen: aufgabenzentriertes, workfloworientiertes und prozessorientiertes Business-GIS (Kapitel 5-7).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Business-GIS, Prozessorientierung, Datenintegration, Workflow-Management und Geodaten.
Was unterscheidet ein aufgabenzentriertes Business-GIS von einem prozessorientierten?
Das aufgabenzentrierte System ist eine stand-alone-Lösung mit geringer Integrationstiefe, während das prozessorientierte Business-GIS vollständig in die Unternehmens-IT (z. B. ERP-Systeme) eingebettet ist.
Welchen Mehrwert bietet der Raumbezug für Unternehmen laut dem Autor?
Der Raumbezug ermöglicht neue Erkenntnisse durch räumliche Suchfunktionen, Lageverknüpfungen und eine schnellere Informationsübermittlung durch kartographische Darstellungen.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Business-GIS bei der Schweizerischen Post?
Die Anwendung wird positiv bewertet, da sie einen Beratungsprozess durch Individualsoftware strukturiert, dezentrales Arbeiten ermöglicht und einen Wettbewerbsvorsprung durch Geomarketing schafft.
- Citar trabajo
- Dipl. Betriebswirt / Dipl. Geograf Klaus-Dieter Färber (Autor), 2002, Business GIS. Gographische Informationssysteme im betrieblichen Umfeld, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68722