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Weise, heilende Frauen in der hochmittelalterlichen Gesellschaft und im 'Parzival' Wolfram von Eschenbachs

Title: Weise, heilende Frauen in der hochmittelalterlichen Gesellschaft und im 'Parzival' Wolfram von Eschenbachs

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 49 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Eva Köppl (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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In vielen Beispielen höfischer Epik hat der Topos der heilenden Frau seinen Platz 1 ; mit großer Selbstverständlichkeit ist hier von weisen und fähigen Heilerinnen die Rede. Diese Tatsache hat bislang erstaunlich wenig Reaktionen in der Forschung hervorgerufen; 2 zudem unterscheiden sich die bestehenden Lehrmeinungen zu diesem Thema oft beträchtlich. 3 Daher soll im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit u.a. anhand von Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ eine Positionsbestimmung der Forschung sowie eine Neubewertung der verschiedenen Arten von Heilerinnen und ihrer Funktion angestrebt werden. Einleitend hier ein paar Sätze zur Vorgehensweise in dieser Arbeit. Nach einer zusammenfassenden, kritischen Wiedergabe ausgewählter Forschungspositionen wird das Postulat einer grundlegenden Mentalitätsforschung für den Bereich der mittelalterlichen Heilkunde und insbesondere bezüglich der Position heilender Frauen im Mittelalter formuliert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die bislang bestehende Unterbewertung der Rolle der „Magie“ als Differenzfaktor zur neuzeitlichen Konzeption von Medizin. Die Frage nach dem Verhältnis „magischer“ und „wissenschaftlicher“ Heilmethoden wird deshalb ins Zentrum dieser Arbeit gerückt. Sodann werden einige für das Thema relevante Arten von Heilerinnen vorgestelltz.B. die weisen Frauen, die höfisch gebildeten Frauen, die Wundheilerinnen und die ausgebildeten Ärztinnen. Für eine Evaluierung der Bedeutung heilkundlich tätiger Frauen im „Parzival“ stellt sich vor allem die Frage nach deren Funktion, mythologischen Wurzeln sowie nach den Persönlichkeitsprofilen. 4 Dabei werden v.a. die Heilkunde betreffende, literatursoziologische und mythologische Herleitungen versucht. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Zur Situation heilender Frauen im Mittelalter und zum Verhältnis von Magie und Wissenschaftlichkeit

2.1. Heilende Frauen im Mittelalter und die Trennung von Schul- und Volksmedizin. Zum Forschungsstand

2.2. Stephan Maksymiuks Postulat der Mentalitätsforschung und der heilkundliche Bereich

2.3. Das Phänomen der Hofmagier und die Heilkunde am Hof

2.4. Zur Bedeutung heilkundlich tätiger Frauen im Mittelalter

2.4.1. Gebildete Frauen im höfischen Bereich, ihre heilkundliche Tätigkeit und ihr „traditionelles Erbe“

2.4.2. Weise Frauen

2.4.2.1. „Pagane“ Wurzeln

2.4.2.2. Die weise Frau im Mittelalter

2.4.3. Ausgebildete Ärztinnen

2.4.4. Andere Arten von Heilerinnen

2.4.5. Mythologische Bezugspunkte

3. Heilende Frauen im „Parzival“

3.1. Wolframs von Eschenbach „Parzival“

3.2. Mythologischer Hintergrund der Schastel marveile-Episode

3.3. Die literarische Inszenierung des Heilungsprozesses. Arnive als dominierende Figur

3.3.1. 1. Stufe: Vorbereitung der Heilung durch Zuwendung, Schönheit und sublimierte Erotik

3.3.2. 2. Stufe: Arnive als Wundheilerin und Cundrie als Bereitstellerin der Salbe

3.3.3. Vermischung des medizinischen und des historisch-mythologischen Diskurses im zweiten Schritt der Heilung. Arnive als kluge höfische Dame und weise Heilerin

3.3.4. Arnive und die Wundersäule

3.3.5. Gawan und Arnive. Das Verhältnis von „weiblicher“ Weisheit und Königinnenmacht zu „männlichem“ Rittertum

3.3.6. Die „seelische Heilung Gawans“. Arnive als weise „Ärztin der Seele“ und Orgeluse als „schöne Hexe“

3.4. Cundrie la surziere

3.4.1. Vergleich mit Hartmanns „Erec“. Cundrie und Famurgan als „Bereitstellerinnen“ des Heilmittels

3.4.2. Die Heterogenität der Cundriegestalt

3.4.3. Cundrie und die „Töchter Adams“

3.4.4. Mythologische Tiersymbolik im Vergleich zu Thüring von Ringoltingens „Melusine“

3.4.5. Abschwächung des magischen Elements und das schwankende Urteil gegenüber der magischen Heilkunst der Cundrie

3.4.6. Die Bildung der Cundrie. Cundrie als Hofmagierin

3.4.7. Zur mythologischen Herkunft der Cundriefigur

4. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion heilender Frauen im „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, wobei eine Neubewertung ihrer heilkundlichen Kompetenzen sowie eine Analyse der mythologischen Wurzeln und Persönlichkeitsprofile im Zentrum stehen. Dabei wird insbesondere das Verhältnis zwischen „magischen“ und „wissenschaftlichen“ Heilmethoden beleuchtet und in den Kontext der mentalitätsgeschichtlichen Forschung sowie der zeitgenössischen Literatur gestellt.

  • Analyse der Rolle heilkundlich tätiger Frauen im Hochmittelalter
  • Untersuchung des Verhältnisses von Magie und schulmedizinischen Heilmethoden
  • Deutung der Heilungsprozesse im „Parzival“ (Gawan und Arnive)
  • Mythologische Hintergründe und Symbolik der Figuren Arnive und Cundrie
  • Vergleich der heilkundlichen Darstellungen mit Hartmanns „Erec“

Auszug aus dem Buch

Die literarische Inszenierung des Heilungsprozesses- Arnive als dominierende Figur

Als der Ritter schwerst verwundet ist und ihn „snellichiû kraft“ verlassen hat, treten nunmehr ausschließlich mit der Heilung beschäftigte Frauen in Aktion. Eine weitgehend hierarchisch aufgebaute Gruppe von Heilerinnen (s.u.!) übt gegenüber dem verwundeten Mann, der sich in ihre Obhut begibt, eine „positive“ Macht aus. Voraussetzung ist, dass der kranke Held das Ärztinnen-Patientenverhältnis und damit seine vorübergehende Unterordnung unter die heilkundlich tätigen Frauen akzeptiert.

Zu Beginn von Schritt eins inspiziert eine „juncfrowe wol getân“ den Ort des Kampfes. “Mit vorhten luogete oben în. des wart vil bleich ir liehter schîn“ Schon hier wird durch das Blasswerden die innere Beteiligung des Mädchens deutlich. Exemplarisch wird der Unterschied zwischen der jungen, noch unerfahrenen und der alten, weisen Arnive deutlich: erstere „verzagt“, die zweite nimmt energisch und offensichtlich routiniert die Aufgabe des Heilens in Angriff.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der Forschungsfrage und methodischer Ansatz zur Neubewertung heilender Frauen in der höfischen Epik.

2. Zur Situation heilender Frauen im Mittelalter und zum Verhältnis von Magie und Wissenschaftlichkeit: Kritische Auseinandersetzung mit medizinhistorischen Forschungsmeinungen und dem Postulat einer Mentalitätsforschung.

3. Heilende Frauen im „Parzival“: Detaillierte Analyse der Heilungsrituale um Gawan, insbesondere der Rollen von Arnive und Cundrie im Kontext von Mythologie und Medizin.

4. Schluss: Synthese der Erkenntnisse über die Integration heilkundlichen Wissens von Frauen in das christlich-höfische Weltbild Wolframs.

Schlüsselwörter

Parzival, Heilende Frauen, Mittelalterliche Medizin, Magie, Arnive, Cundrie, Gawan, Mythologie, Mentalitätsgeschichte, Schulmedizin, Volksmedizin, Wundheilung, Hebammen, Rittertum, Symbolik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit widmet sich dem Topos der heilenden Frau in der hochmittelalterlichen Gesellschaft und analysiert dessen literarische Ausgestaltung in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Zentral sind die medizinische Praxis im Mittelalter, das Verhältnis von Magie und Wissenschaft, die Rollenverteilung zwischen Geschlechtern sowie mythologische Hintergründe im Artus- und Gralsroman.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, eine Neubewertung der heilkundlichen Rolle und Funktion der Frauen im „Parzival“ vorzunehmen und aufzuzeigen, wie diese literarischen Bilder mit historischen Realitäten und mythologischen Konzepten korrespondieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch mentalitätsgeschichtliche Ansätze und den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Werken (wie Hartmanns „Erec“) ergänzt wird.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Stellung der Frau in der mittelalterlichen Heilkunde und eine intensive Analyse der Gawan-Heilung durch Arnive sowie die Bedeutung der Cundrie-Figur.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem „Weise Frau“, „Schulmedizin vs. Volksmedizin“, „Magie“, „Mythologie“ und das Verständnis von „weiblicher Weisheit“ im Kontext des Rittertums.

Warum spielt die Figur der Arnive eine so zentrale Rolle für Gawan?

Arnive fungiert als „Ärztin der Seele“ und des Körpers, deren heilkundliche Kompetenz Gawans Heilungsprozess erst ermöglicht und damit die Befreiung Schastel marveiles einleitet.

Wie unterscheidet sich die Darstellung der Cundrie von einer rein magischen Figur?

Obwohl Cundrie mythologisch stark aufgeladen und mit Magie assoziiert ist, zeichnet Wolfram sie als gebildete Persönlichkeit, deren Wirken im Zeichen des Grals steht und deren Wissen als positiv legitimiert dargestellt wird.

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Details

Title
Weise, heilende Frauen in der hochmittelalterlichen Gesellschaft und im 'Parzival' Wolfram von Eschenbachs
College
Free University of Berlin
Grade
1,0
Author
Eva Köppl (Author)
Publication Year
2001
Pages
49
Catalog Number
V68726
ISBN (eBook)
9783638600460
ISBN (Book)
9783638694650
Language
German
Tags
Weise Frauen Gesellschaft Parzival Wolfram Eschenbachs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eva Köppl (Author), 2001, Weise, heilende Frauen in der hochmittelalterlichen Gesellschaft und im 'Parzival' Wolfram von Eschenbachs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68726
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