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Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität?

Title: Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dipl.-Päd. Karsten Rohr (Author)

Pedagogy - Job Education, Further Education
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Um die Wettbewerbsfähigkeit des Europäischen Handels- und Wirtschaftraumes aufrecht zu erhalten bzw. zu forcieren, wurde in einer Sondersitzung des Europäischen Rates in Lissabon im März 2000 ein Förderprogramm mit ebenjenem Ziel initiiert. Die so genannt eLissabon-Strategie mstellt die einleitende Politikstrategie zur Förderung des europäischen Wirtschaftsraumes dar, in der festgelegt wurde, dass sich die Europäische Union bis zum Jahre 2010 „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftraum der Welt“ entwickeln solle (Frommberger 2005a, S. 371). Die Betonung des Wissens als Grundlage jeder wirtschaftlichen Weiterentwicklung macht deutlich, welchen hohen Stellenwert die Bildung bzw. die Berufsbildung und das lebenslange Lernen für diesen Prozess haben.
Ein wesentliches Ziel der Europäischen Berufsbildungspolitik ist von jeher die Freizügigkeit der EU-Bürger, d.h. die freie Wahl sowohl des Wohn- als auch des Arbeitsortes. Besonders diese gewünschte und erforderliche berufliche Mobilität bereitet größte Schwierigkeiten in der Förderung des europäischen Wirtschaftsraumes, da die divergenten Berufsbildungssysteme mder europäischen Mitgliedstaaten bzw. deren nicht einheitliche Zugangs- und Zertifizierungsansätze die Anerkennung von in unterschiedlichen Ländern erworbenen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erschweren. Frommberger (2005b) stellt bezüglich der Mobilitätspraxis in Europa fest, „dass das Recht auf Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit [...] der Europäischen Union durchaus in Konfrontation zu den beruflichen und sozialrechtlichen nationalen Unterschieden steht“ und darin ein „nicht unwesentliches Konfliktpotential der Europäischen Politik zur Förderung der Mobilität“ besteht, da diese „per se den Bereich der Berufsbildung und damit die nationalen Hoheitsrechte tangiert“ (Frommberger 2005b, S. 13). Die nationalen Regelungen zur Berufsbildung und den in diesen Systemen zu erwerbenden Qualifikationen - im Sinne von „anerkannte[n] Abschlüsse bzw. geprüfte[n] und nachgewiesene[n] Kompetenzbündel[n]“ (ebd., S. 6) - seien seiner Ansicht nach dazu geeignet, die angeführten Grundfreiheiten zu beeinträchtigen, „weil der Zugang zu bestimmten Berufstätigkeiten und Bildungsinstitutionen in den Mitgliedstaaten an unterschiedliche Voraussetzungen gebunden ist“ (ebd., S. 13).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1 MAßNAHMEN ZUR ERRICHTUNG EINES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMES

2 DER EUROPÄISCHE QUALIFIKATIONSRAHMEN – EIN INSTRUMENT ZUR FÖRDERUNG DES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMS

3 DISKUSSION – EQF ALS INSTRUMENT DES EUROPÄISIERUNGSPROZESSES

RESÜMEE

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQF) im Hinblick auf seine Funktion als Instrument zur Förderung eines europäischen Berufsbildungsraumes und diskutiert kritisch, ob dieser als "Prokrustesbett" für nationale Berufsbildungssysteme, insbesondere das deutsche duale System, fungieren könnte.

  • Die Lissabon-Strategie und die Kopenhagen-Erklärung als Motoren der europäischen Berufsbildungspolitik.
  • Die Notwendigkeit der Transparenz und Anerkennung von Qualifikationen zur Förderung der Mobilität.
  • Die Funktionsweise des EQF als Metarahmen und Übersetzungssystem für Lernergebnisse.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der "Outcome-Orientierung" und Modularisierung im deutschen Kontext.
  • Die Rolle der Methode der offenen Koordinierung im europäischen Integrationsprozess.

Auszug aus dem Buch

DISKUSSION – EQF ALS INSTRUMENT DES EUROPÄISIERUNGSPROZESSES

Als eine künftige Herausforderung an die Mitgliedstaaten stellt sich die Implementierung der nationalen Qualifikationsrahmen (NQF) bzw. deren Abstimmung mit dem EQF dar. So müssen diese landesspezifischen Rahmen in einigen Mitgliedstaaten (z.B. in Deutschland) zuallererst einmal konstruiert werden (vgl. im Folgenden: Hanf & Hippach-Schneider 2005, S. 9f). Die NQF sollten die verschiedenen Niveaustufen der Berufs- und Weiterbildung darstellen können und eine Verknüpfung derer mit den erweiterten Bildungsstrukturen (Hochschulbereich, Erwachsenenbildung) bieten (Frommberger 2005b, S. 6). Als eines der wesentlichen Kriterien gilt hierbei wiederum die 'outcome'-Orientierung, d.h. dass ausschließlich die durch entsprechende (Aus-)Bildung erworbenen Kompetenzen beachtet werden, die dafür benötigte Zeit bzw. erreichten Abschlüsse hingegen keine Rolle spielen. Sodann müssen Regularien geschaffen werden, die die Anerkennung von Kompetenzen aus anderen institutionellen und (inter-)nationalen Zusammenhängen ermöglichen, z.B. die Anerkennung von ausländischen Ausbildungsunits oder die Anrechnung schulischer zu betrieblicher Ausbildung. Schlussendlich müssen die Ergebnisse nicht-formalen und informellen Lernens ebenfalls in die Betrachtung bzw. den nationalen Qualifikationsrahmen mit einbezogen werden, was erneut hohe Anforderungen an das Zertifizierungssystem stellt.

Eine Ansicht, die sich offenbar besonders bei Vertretern bzw. Verehrern des Dualen Systems der Berufsausbildung häufiger finden lässt, ist die des EQF als eines Europäischen Prokrustesbettes des gesamten deutschen berufsbildenden Systems, d.h. die Befürchtung, dass sowohl tradierte nationale Be- wie Erkenntnisse in der Berufsausbildung als auch die eigentliche Beruflichkeit nach europäischer Maßgabe gestreckt bzw. gestutzt wird, um in eine europa-konsensfähige Form zu passen. Die ser befürchteten forcierten Erosion der Dualen Berufsausbildung durch kompetenzbasierte, outcomeorientierte Ansätze lassen sich einige Argumente entgegensetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Darstellung der Lissabon-Strategie und der europäischen Mobilitätsziele sowie der Herausforderungen durch divergierende nationale Berufsbildungssysteme.

1 MAßNAHMEN ZUR ERRICHTUNG EINES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMES: Analyse der Kopenhagen-Erklärung und der Methode der offenen Koordinierung als Instrumente zur Harmonisierung und Reformförderung.

2 DER EUROPÄISCHE QUALIFIKATIONSRAHMEN – EIN INSTRUMENT ZUR FÖRDERUNG DES EUROPÄISCHEN BERUFSBILDUNGSRAUMS: Erläuterung des EQF als Metarahmen und Übersetzungssystem für Lernergebnisse zur Steigerung der Transparenz und Mobilität.

3 DISKUSSION – EQF ALS INSTRUMENT DES EUROPÄISIERUNGSPROZESSES: Kritische Auseinandersetzung mit der Implementierung nationaler Qualifikationsrahmen und der Befürchtung einer Erosion des dualen Ausbildungssystems durch europäische Vorgaben.

RESÜMEE: Abschließende Einschätzung, dass Qualifikationsrahmen keine Konkurrenz zu nationalen Systemen darstellen, sondern als notwendiger Versuch zur Förderung europäischer Bildungschancen zu sehen sind.

Schlüsselwörter

Europäischer Qualifikationsrahmen, EQF, Berufsbildung, Lissabon-Strategie, Kopenhagen-Erklärung, Duales System, Outcome-Orientierung, Kompetenzentwicklung, Mobilität, Transparenz, Lebenslanges Lernen, offene Koordinierung, Zertifizierung, europäische Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQF) und dessen Rolle bei der Gestaltung eines einheitlichen europäischen Berufsbildungsraumes unter Berücksichtigung nationaler Identitäten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die europäische Berufsbildungspolitik, die Herausforderungen der Zertifizierung, die Mobilität von Arbeitskräften und die Interaktion zwischen europäischen Vorgaben und nationalen Systemen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu erörtern, ob der EQF als flexibles Instrument zur Vergleichbarkeit dienen kann oder ob er das Potenzial hat, bewährte nationale Strukturen wie das duale System negativ zu beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und berufs- bzw. wirtschaftspädagogische Analyse, die auf der Auswertung aktueller bildungspolitischer Dokumente und wissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?

Der Hauptteil behandelt die politischen Maßnahmen (Lissabon, Kopenhagen), die Funktion des EQF als Metarahmen sowie eine detaillierte Diskussion über die "Outcome-Orientierung" versus traditionelle Input-Kriterien.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind EQF, Berufsbildung, Transparenz, Lebenslanges Lernen und europäische Integration.

Inwiefern könnte der EQF das deutsche duale System gefährden?

Die Sorge besteht in einer erzwungenen Modularisierung, die die ganzheitliche Handlungsorientierung des dualen Systems schwächen könnte, obwohl der Autor argumentiert, dass der EQF kein Gesetz zur Ersetzung nationaler Standards ist.

Was ist unter der "Methode der offenen Koordinierung" zu verstehen?

Dabei handelt es sich um eine politische Methode der EU, die ohne gesetzlichen Zwang durch Benchmarking und Leitlinien einen "Konvergenzdruck" auf die Mitgliedstaaten ausübt, um Reformen anzustoßen.

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Details

Title
Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität?
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Grade
1,0
Author
Dipl.-Päd. Karsten Rohr (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V69974
ISBN (eBook)
9783638614245
Language
German
Tags
Europäische Qualifikationsrahmen Prokrustesbett Berufsbildungsidentität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Päd. Karsten Rohr (Author), 2005, Der Europäische Qualifikationsrahmen - Prokrustesbett nationaler Berufsbildungsidentität?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69974
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