Autoritäre versus freie Erziehungsstile. Autorität und Freiheit in der Erziehung von Kindern


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriff der Erziehung
2.1 Bedeutung und Verwendung
2.2 Erziehungsstile
2.3 Erziehung der heutigen Zeit

3. Zum Begriff der Autorität
3.1 Bedeutung und Verwendung
3.2 Autoritäre Erziehung
3.2.1 Merkmale autoritärer Erziehung
3.2.2 Autoritäre Persönlichkeit

4. Zum Begriff der Freiheit
4.1 Bedeutung und Verwendung
4.2 Freie Erziehung
4.2.1 Summerhill

5. Vereinbarkeit von Autorität und Freiheit in der Erziehung
5.1 Zum Begriff der freiheitsorientierten Autorität nach Reidar Myhre
5.2 Freiheitsorientiertes Autoritätsverständnis in der Erziehung

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Disziplin der Erziehungswissenschaft beschäftigt sich mit verschiedenen Theorien und der Praxis im Bereich der Bildung und Erziehung von Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen. Ziel des Studiums ist es, den Studierenden einen weiten pädagogischen Blick auf einem Fundament zahlreicher pädagogisch wertvoller Theorien und verschiedener Teildisziplinen mit zu geben. Dabei werden verschiedene Module durchlaufen. Ein Modul des ersten Semesters war das Grundlagenmodul 1 über die Grundfragen pädagogischen Denkens und Handelns. Dieses Modul umfasst eine Vorlesung und ein Seminar, das freigewählt werden kann. In diesem Seminar wird zum Abschluss des Moduls eine Hausarbeit verfasst.

Die vorliegende Hausarbeit bezieht sich auf das Seminar über Autorität und Erziehung. Das Thema „Vereinbarkeit von Autorität und Freiheit: Das freiheitsorientierte Autoritätsverständnis“ wurde aus der Frage heraus entwickelt, wie Autorität und Freiheit als Polaritäten in der Kindeserziehung vereinbar sind. Dabei soll näher betrachtet und erklärt werden, was einen autoritären oder freien Erziehungsstil ausmacht und insbesondere, wieviel Führung man einem Kind durch die Erziehung geben muss und wie viel Freiheit man dem Kind zugleich einräumen darf.

Diese Fragen sind im Bezug auf das pädagogische Denken und Handeln in der Erziehung von großer Bedeutung, da man sowohl als Pädagoge als auch als Eltern immer wieder vor neuen Herausforderungen in der Kindeserziehung steht. Wichtig für einen Pädagogen ist es hierbei nicht nur sich den eigenen Standpunkt klar zu machen, sondern diesen als beratende Person auch in den Hintergrund rücken zu lassen und objektiv die Notwendigkeit von Autorität und Freiheit in der Erziehung begründen zu können.

Bei der Bearbeitung des Themas soll zuerst das Begriffsverständnis der Erziehung für die vorliegende Hausarbeit veranschaulicht werden. Daran schließt sich die Erläuterung des Autoritätsbegriffs für die Erziehung an. Es werden die Merkmale einer autoritären Erziehung dargestellt und die autoritäre Persönlichkeit charakterisiert. Neben die Autorität wird der Begriff der Freiheit mit seiner Bedeutung für die Erziehung gestellt. Die freie Erziehung wird daraufhin in ihrer Theorie erklärt und durch das Beispiel der Internatsschule „Summerhill“ weiter verdeutlicht. Abschließend wird im letzten Teil der Arbeit gezeigt, wie Autorität und Freiheit in der Erziehung durch das freiheitsorientierte Autoritätsverständnis gleichberechtigt miteinander verbunden werden können.

2. Begriff der Erziehung

Der Begriff des Erziehens stammt aus der althochdeutschen Sprache und leitet sich vom Begriff „irzihoan“ ab, was wiederum seine Bedeutung an das lateinische „educare“ anlehnt und großziehen, ernähren sowie erziehen meint (Duden: Das Herkunftswörterbuch: Etymologie der deutschen Sprache, 2007) .

2.1 Bedeutung und Verwendung

Immer wieder wird versucht, den Erziehungsbegriff möglichst präzise zu definieren. Eine allgemeine Definition zu formulieren erweist sich als schwer, da jeder eine andere Vorstellung von einer allumfassenden Definition des Erziehungsbegriffes hat. Dennoch gibt es zentrale Merkmale, die grundlegend für die Erziehung sind. Ganz allgemein bezeichnet die Erziehung den konkreten zwischenmenschlichen Vor­gang einer erziehenden Person, die in der gebenden und anleitenden Rolle ist, und der zu erziehenden, empfangenden Person. Dabei ist zu beachten, dass sich der Begriff „Erziehung“ in der vorliegenden Arbeit auf die Handlung zwischen erziehender Person und Kind oder auch Jugendlichem in einer Familie bezieht.

Jeder Mensch ist der Erziehung bedürftig, wie auch der deutsche Philosoph Immanuel Kant: „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muss.“ (Kant, 1803) formulierte. Dabei findet die Erziehung überwiegend im Elternhaus statt, da die Kernfamilie den primären Sozialisationsraum eines Kindes bildet. In diesem Schonraum werden Werte und Normen vermittelt und es wird immer wieder in die kindliche Entwicklung eingegriffen, wobei das Kind bei der Bewältigung seiner individuellen Aufgaben unterstützt und gestärkt wird. Durch die Einflüsse der Erziehung bildet das Kind seinen ganz individuellen Charakter und Geist aus.

Zentral für die Erziehung stehen die Begriffe der Enkulturation und Sozialisation. Enkulturation meint hierbei, dass das Kind durch die Erziehung in die Kultur, in der es aufwächst, hineingeführt werden soll, wohingegen die Sozialisation die Eingliederung in die Gesellschaft meint, bei der das Kind mit zunehmendem Alter bis über das Erwachsenenalter hinaus immer mehr Verhaltensweisen und gesellschaftliche Rollen übernimmt.

Ziel der Erziehung ist es das Kind zur Mündigkeit, Selbständigkeit und vor allem Individualität zu erziehen, quasi ein „seelisch-selbständiges Wesen in Verbindung mit der Welt“ (Gabert, 1977, S. 22) heranwachsen zu lassen.

2.2 Erziehungsstile

Erziehen geschieht instinktiv, in jedem Elternhaus unterschiedlich und in starkem Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der erzogen wird. Grund für die sehr unterschiedlichen Erziehungsstile ist, dass oft nach ähnlichen Werten erzogen wird, nach welchen man selbst erzogen wurde. Eltern versuchen hierbei vor allem das, was sie als positiv empfanden weiter zu tragen und Negatives anders zu gestalten. Daraus ergibt sich eine große Vielfalt an Erziehungsstilen. Sie können stark variieren aufgrund der verschiedenen Schwerpunkte, die Eltern in ihrer Erziehung für sinnvoll und wichtig empfinden. Daraus ergeben sich Erziehungsstile mit einem beispielsweise demokratischen, laissez-fairen, autoritären oder antiautoritären Ansatz. Sie alle unterscheiden sich in der Art und Weise, wie die Eltern ihren Kindern die für sie wichtigen Werte und Normen vermitteln, aber auch im Umgang mit ihren Kindern in den verschiedensten alltäglichen Situationen. Natürlich gibt es auch Mischformen der Erziehung, in welchen sich der Stil situationsorientiert ändern kann. In der vorliegenden Arbeit wird sich jedoch nur dem autoritären und dem freien, eher antiautoritären Erziehungsstil zugewandt und erörtert, wie ein sinnvoller Mittelweg durch ein „freiheitsorientiertes Autoritätsverständnis“ (Myhre, 1991, S. 47) entstehen kann.

2.3 Erziehung der heutigen Zeit

Wie alles um uns herum, entwickelt sich auch die Erziehung immer weiter. Hatte die Kirche bis zur Aufklärung noch einen entscheidenden Einfluss auf die Erziehung und Bildung von Kindern, so löste sich der Erziehungs- und Bildungsbereich ab der Aufklärung immer weiter von ihr und wurde immer mehr in die Hände der Eltern gelegt. In verschiedenen Zeitaltern schwankte die Erziehung dann von einem autoritären über einen antiautoritären bis hin zu einem demokratischen Stil.

In der heutigen Zeit geht der Trend weiter zu einer demokratischen Erziehung hin. Das bedeutet, dass Kinder von klein auf „lernen [sollen, J.K.] frei zu denken, Entscheidungen selbst zu treffen und sich auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben einzustellen“ (Heidenfelder, Geschichte der Erziehung, 2019a). Das Kind soll so die Möglichkeit in die Hand gelegt bekommen, schon möglichst früh viele Dinge in Absprache mit den Eltern selbst zu entscheiden. Dies stärkt das Selbstwertgefühl des Kindes, wenn es diese Akzeptanz und das Vertrauen der Eltern entgegengebracht bekommt und in der Lage ist Dinge selbst oder mit dem Erzieher zu entscheiden. Immer wieder in Verbindung mit den Eltern zu treten und offen zu kommunizieren macht das Kind kritikfähig und offen gegenüber seiner Umwelt.

Auch hört man heute immer häufiger vom sogenannten „Attachment Parenting“, das „ein bindungsorientiertes Erziehen, das auf viel Nähe zum Kind setzt“ (Imlau, 2017) beschreibt . Typisch dafür ist, dass das Kleinkind gestillt und viel getragen wird und es ein Familienbett gibt.

Über sogenannte „Helikopter-Eltern“, die sich fortdauernd überfürsorglich für ihre Kinder einsetzen, wird heute kontrovers diskutiert. Diese Eltern beschützen und überwachen ihre Kinder, um ihnen so einen leichten Lebensweg mit möglichst wenig Negativerfahrungen zu ebnen. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück sich in verschiedenste Angelegenheiten ihrer Kinder einzumischen, wenn diese eigentlich in der Lage wären Herausforderungen selbst zu meistern.

Im Vergleich zu früher sind die verschiedensten Erziehungsansätze-Ansätze der heutigen Zeit stark am Kind orientiert und freiheitlich geprägt. Diese Ansätze stehen jedoch schnell in der Kritik, wenn das Kind sich nicht umgehend erwartungsgemäß verhält. Wenn ein Kind sich zum Beispiel nicht angemessen in der Öffentlichkeit benimmt, so bekommt man zu hören, dass die strengere Erziehung von früher bessergewesen sei, und man den Kindern mehr Grenzen setzen müsse, damit sie respektvoller mit ihrer Umwelt umgingen. Man könnte daraus ableiten es gäbe in der Erziehung nur zwei mögliche Wege: Einerseits den autoritären Weg und andererseits den freien, antiautoritären Weg. Diese Schwarz-Weiß-Malerei ist heute aber nicht mehr zeitgemäß, da man weder versuchen möchte die Kinder in der Erziehung zu untergraben, noch sie komplett ohne Regeln aufwachsen zu lassen. Hier wird schnell klar, dass Autorität und Freiheit in der Erziehung in einer Spannungsbeziehung zueinanderstehen. Mit Sicherheit haben beide Erziehungs-Ansätze ihre Vor- und Nachteile aber es stellt sich die Frage, ob es möglich ist beide so unterschiedlichen Seiten in der Erziehung zu vereinen, sodass Autorität und Freiheit Hand in Hand miteinander gehen. Im Folgenden geht es deshalb darum zu klären, was jeweils Autorität und Freiheit in der Erziehung bedeuten und zuletzt wie beides sinnvoll miteinander verbunden werden kann, sodass eine Komposition entsteht, die beide Seiten mit ihren positiven Aspekten gleichermaßen gerecht bedient.

3. Zum Begriff der Autorität

Der Begriff der Autorität beschreibt den „maßgebenden Einfluss [sowie, J.K.] Geltung [und, J.K.] Ansehen“ (Wiktionary, 2019a) einer Person bzw. die Person, die dies besitzt . Das heutige Wort stammt vom lateinischen „ auctōritās“ und bedeutet neben Autorität auch Ansehen und Gewicht.

3.1 Bedeutung und Verwendung

Ähnlich wie bei dem Begriff der Erziehung lässt sich der Begriff der Autorität nicht für jedermann gleich definieren, obwohl das Wort umgangssprachlich oft gebraucht wird. Häufig wird damit eine höhergestellte und partiell überlegene Person bezeichnet, die gegenüber einer untergeordneten Person steht. Damit ist die zwischenmenschliche Beziehung eines Autoritätsträger zu einem Autoritätsempfänger gemeint (vgl. Domke, 1991, S. 40). Dabei wird der Autoritätsbegriff aber meistens negativ mit Führung und Gehorsam, sowie Beeinflussung und Kontrolle aber auch Strafen verstanden. Die Überlegenheit des Autoritätsträgers muss vom Autoritätsempfänger anerkannt werden, damit ein Autoritätsverhältnis auch als solches bezeichnet werden kann. Dabei erkennt der Unterlegene aus den Motiven des Zwangs, der Einsicht und des Vertrauens die Autorität des ihm Höhergestellten an. Das geschieht aus der Wirkung des Autoritätsträgers heraus, weil dieser beispielsweise aus der Sicht eines Kindes in physischer, materieller und sozialer Hinsicht oder aufgrund des Erfahrungsvorsprunges (vgl. Domke, 1991, S. 41) eine beeindruckende Wirkung hat und dadurch überlegen scheint. So lassen sich auch drei „ Grundformen der Autorität“ (Myhre, 1991, S. 50) benennen: institutionelle, Sach- und persönliche Autorität. Die institutionelle Autorität trifft Entscheidungen und stellt beispielsweise Leistungsanforderungen und hat zugleich eine Art Belohnungsmacht oder Sanktionsmacht, wobei eine fachliche Autorität zusätzlich nötig ist. Sachautorität bezeichnet diejenige Person, die eine fachliche Kompetenz in einem bestimmten Gebiet innehat, wie beispielsweise in einer Lehrer-Schüler-Beziehung. Dagegen basiert eine persönliche Autorität auf der Verhaltensweise des Autoritätsträgers und dessen Wesensart, die eine Vorbildfunktion für den Autoritätsempfänger darstellt.

Häufig wird auch das Adjektiv „autoritär“ in der Umgangssprache verwendet. Umgangssprachlich verhält sich eine Person autoritär, wenn diese sehr befehlshaberisch, fast schon diktatorisch, auf ihrer Autorität beruhend, den „unbedingten Gehorsam“ (Wiktionary, 2019b) des Autoritätsempfängers verlangt.

Als autoritativ bezeichnet wird im bildungssprachlichen, wenn jemand wegweisend auf seiner Autorität basierend agiert.

3.2 Autoritäre Erziehung

Die Art wie erzogen wird hängt stark vom Zeitalter ab, in dem das Kind aufwächst. So findet man Züge der autoritären Erziehung schon im wilhelminischen Zeitalter, indem Zucht und Ordnung sowie Befehle und Gehorsam an oberster Stelle standen. Diese Haltung versuchten Reformpädagogen Ende des 19. und frühem 20. Jahrhunderts umzulenken, allerdings machte Deutschland einen Rückschritt in der Zeit des Nationalsozialismus, als ein totalitäres Klima in der Gesellschaft herrschte, welches sich wiederum stark auf die Erziehung auswirkte (vgl. Heidenfelder, 2019).

Was die autoritäre Erziehung ausmacht soll im Folgenden erläutert werden. Dabei wird auf die Merkmale autoritärer Erziehung und auf die Bedeutung autoritärer Erziehung eingegangen.

3.2.1 Merkmale autoritärer Erziehung

Ein Vertreter der autoritären Erziehung geht davon aus, dass Kinder eine strenge Führung benötigen. Die Meinung und Bedürfnisse des Kindes werden dabei kaum beachtet von der Autoritätsperson und Freiheit führe zur Disziplinlosigkeit. Es geht dabei nicht darum, Kinder zu individuellen Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen, sondern „[…, J.K.] die Kinder […, J.K.] nach Idealen, die feststehend und ein für allemal gegeben sind“ (Gabert, 1977, S. 12) zu formen.

Erkennen lässt sich die autoritäre Erziehung an folgenden drei Merkmalen: Lenkungsdimension, emotionale Dimension und Zieldimension (vgl. Weber 1974, S. 15-33; Domke 1991, S. 46-49).

Zur Lenkungsdimension: Die Lenkung und Führung des Kindes ein wesentlicher Bestandteil in der autoritären Erziehung. Sie schlägt sich nieder in immer wiederkehrenden Befehlen und Anordnungen des Autoritätsträgers an den Autoritätsempfänger. Dabei erklärt der Autoritätsträger seine Befehle und Anordnungen nicht, da er auf blinde Anpassung und Gehorsam besteht. Als Absicherung dienen Drohungen und Sanktionen. Wünsche und Bedürfnisse des Autoritätsempfangenden stehen im Schatten des Willens der Autoritätsperson. Gerade in der Erziehung führt dies dazu, dass das Kind gar nicht gehört wird und der Erzieher nicht in einer dialogischen Beziehung zum Kind steht, sondern dazu neigt seine Monologe zu halten und somit versucht seine Macht beizubehalten.

Zur emotionalen Dimension: Es fallen „unfreundliche, intolerante, herabsetzende und beleidigende Äußerungen“ (Domke, 1991, S. 47), die die Geringschätzung des Autoritätsträgers gegenüber dem Empfangenden ausdrücken. Geringschätzung in der Erziehung äußert sich beispielsweise darin, dass die erziehende Person dem Kind nichts anvertraut und dem Kind ständige Unzufriedenheit entgegenbringt. Gängelei, Ungeduld und auch Strafen spiegeln die Verständnislosigkeit des Autoritätsträgers wider. Oft empfindet dieser eine Störung beispielsweise durch ein Kind als einen persönlichen Angriff. Eingeschlossen in die emotionale Dimension sind auch irreversible Äußerungen, die Höflichkeit und Anstand wiedersprechen. Gemeint ist der Gebrauch einer herablassenden Sprache, die die Autorität verwendet, zugleich aber dieselbe vom Autoritätsempfänger als Dreistigkeit empfindet.

Zur Zieldimension: Hierbei geht es hauptsächlich um die Konservierung der Macht des Autoritätsträgers, also dessen partielle Überlegenheit. Die Hierarchie soll durch die Lenkungsdimension und die emotionale Dimension aufrechterhalten werden. Eine positive Zieldimension in der Erziehung wäre dagegen der Versuch die momentane Autorität abzubauen, sich überflüssig zu machen und so das heranreifende Kind daran zu gewöhnen sich mit zunehmender Zeit selbst zu bestimmen und zu lenken.

3.2.2 Autoritäre Persönlichkeit

Für eine autoritäre Persönlichkeit können unterschiedliche Merkmale aufgezählt werden. Jedoch stellt sich auch die Frage, wie und warum ein Mensch zu einer autoritären Persönlichkeit wird.

Die autoritäre Persönlichkeit (vgl. Weber, 1974, S. 19-21) wird charakterisiert durch ihren Drang zur Ordnung, Sauberkeit und Gehorsam, wobei sie nach traditionellen und konventionellen Moralvorstellungen lebt (vgl. ebd). Die Person kann sich irrational und abergläubisch verhalten und lebt ein durch grobe Extreme vereinfachtes Leben, in dem sie Menschen mit Ablehnung und Geringschätzung begegnet, was Mitgefühl, Empfindsamkeit und Sexualität angeht (vgl. ebd). Die eigene Schwäche wird hinter dem Schild der Stärke und Härte und dem Hass gegenüber Schwächeren versteckt. „Das Hängen am Starken sowie die Verherrlichung idealisierter Autoritätspersonen sind als Ersatzbefriedigungen für die eigene Schwäche zu verstehen“ (Weber, 1974, S. 20). Die strikte Anwendung von Autorität ist einer autoritären Persönlichkeit äußerst wichtig, weil ihr dadurch das Ansehen der eigenen Autorität gesichert ist. Dabei unterwirft die Person sich anderen Autoritäten und idealisiert diese, was sie wiederum damit ausgleichen muss, dass sie andere Menschen zur Unterwürfigkeit zwingt. Auch Aggressivität gilt als Charakterzug einer autoritären Persönlichkeit. Das Ventil der Aggression kann beispielsweise brutale Züchtigung sein, bei der die unterlegene Person zur Zielscheibe wird. Es herrscht eine Art des Verlangens nach dem Zufügen und dem Erleiden von Unterdrückung und Unterwerfung (vgl. Weber, 1974, S. 21). „[…, J.K.] der autoritäre Mensch [versucht, J.K.] seine Isolierung und Angst durch irrationale Anerkennung und Ausübung von Macht zu überwinden“ (Weber, 1974, S. 21). Es wird vermutet, dass die autoritäre Persönlichkeit die autoritären Strukturen aus der selbst erfahrenen Erziehung übernommen und verinnerlicht hat und dies weiterträgt (vgl. ebd.).

[...]

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Details

Titel
Autoritäre versus freie Erziehungsstile. Autorität und Freiheit in der Erziehung von Kindern
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Sozialisationstheorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V703042
ISBN (eBook)
9783346203946
ISBN (Buch)
9783346203953
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autorität, autoritär, antiautoritär, Freiheit, freiheitsorientiert, Autoritätsverständnis, Erziehung, Pädagogik, Sozialisationstheorie, Disziplin, Summerhill
Arbeit zitieren
Joy Kerridge (Autor), 2020, Autoritäre versus freie Erziehungsstile. Autorität und Freiheit in der Erziehung von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703042

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