Unter dem Begriff der menschlichen Praxis versteht man alle Tätigkeiten des Menschen. Die Praxis ist für ihn von fundamentaler Bedeutung, da sie den Menschen als imperfektes Wesen, das stets in der Notwendigkeit existiert praktisch zu handeln, vom Tier abgrenzt. Obwohl er zur Tätigkeit bestimmt ist, stellt dies noch nicht die Bestimmung des Menschen dar, er findet sie aber in ihr. Es gilt zwischen einem reduktionistischen, einem überdehnten und einem angemesseneren Verständnis menschl. Praxis zu unterscheiden. Redukt. Betrachtet wird die Imperfektheit des Menschen als unabänderlicher Mangel, als unbehebbares Defizit empfunden, das auch durch Praxis nicht zu kompensieren ist. Bei überdehnter Betrachtungsweise ist man der Überzeugung diese Imperfektheit durch Praxis, durch Wollen u. Tun überwinden zu können. Zu einem angemesseneren Verständnis hingegen gelangt man, wenn man den imperfekten Menschen so betrachtet, dass er aufgrund seiner Imperfektion u. Lernfähigkeit mithilfe der Praxis Perfektion anstrebt, sie aber nie erreicht, sondern sich ihr nur annähert, u. so handelnd seine Bestimmung findet.
Inhaltsverzeichnis
Frage 1
Begriffserläuterung der menschlichen Praxis
Frage 2
Streit über (un)gleiche Bildungsmöglichkeiten entscheidbar?
Frage 3
Begriffsklärung Aufforderung zur Selbsttätigkeit
Frage 4
Endlichkeit der pädagogischen Praxis
Frage 5
Begriff der Nicht-Hierarchizität
Frage 6:
Unterscheidung der Theorien der Erziehung
Frage 7:
Frage 8:
Aufzeigen der Unterschiede der Institutionentheorien
Frage 9:
Abgrenzung der älteren Einteilung der päd. Praxis von neuerer Erziehung als ein sich selbst negierendes Gewaltverhältnis Maßnahmen der Aufsicht, Drohung, Autorität und Liebe
Aufgabe 10
Erziehung durch Unterricht?
Beschreibung des aristotelischen und neuzeitlichen Modells
Aufgabe 11
Darstellung der sechs Ebenen einer bildenden Interpretation neuzeitlicher Wissenschaft
Aufgabe 12
Klärung der Begriffe methodische, thematische und institutionelle Offenheit
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende Portfolio zielt auf die fundierte Beantwortung erziehungswissenschaftlicher Grundfragen ab, die im Rahmen der Vorlesung "Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Denkens und Handelns" erarbeitet wurden. Dabei wird der Versuch unternommen, pädagogische Grundbegriffe im Kontext der Theorie von Dietrich Benner kritisch zu reflektieren und auf verschiedene pädagogische Praxisbereiche anzuwenden.
- Grundbegriffe der menschlichen Praxis und Bildsamkeit
- Die Finalität und Endlichkeit pädagogischer Praxis
- Transformation gesellschaftlicher Anforderungen in pädagogisch legitime Einwirkungen
- Nicht-Hierarchizität der ausdifferenzierten Praxisbereiche
- Analyse pädagogischer Institutionentheorien
Auszug aus dem Buch
Begriffserläuterung der menschlichen Praxis
Unter dem Begriff der menschlichen Praxis versteht man alle Tätigkeiten des Menschen. Die Praxis ist für ihn von fundamentaler Bedeutung, da sie den Menschen als imperfektes Wesen, das stets in der Notwendigkeit existiert praktisch zu handeln, vom Tier abgrenzt. Obwohl er zur Tätigkeit bestimmt ist, stellt dies noch nicht die Bestimmung des Menschen dar, er findet sie aber in ihr. Es gilt zwischen einem reduktionistischen, einem überdehnten und einem angemesseneren Verständnis menschl. Praxis zu unterscheiden. Redukt. Betrachtet wird die Imperfektheit des Menschen als unabänderlicher Mangel, als unbehebbares Defizit empfunden, das auch durch Praxis nicht zu kompensieren ist. Bei überdehnter Betrachtungsweise ist man der Überzeugung diese Imperfektheit durch Praxis, durch Wollen u. Tun überwinden zu können. Zu einem angemesseneren Verständnis hingegen gelangt man, wenn man den imperfekten Menschen so betrachtet, dass er aufgrund seiner Imperfektion u. Lernfähigkeit mithilfe der Praxis Perfektion anstrebt, sie aber nie erreicht, sondern sich ihr nur annähert, u. so handelnd seine Bestimmung findet.
Diese Unterscheidungen lassen sich ebenso auf die ausdifferenzierten Praxisbereiche der Arbeit, Ethik, Politik, Religion, Kunst u. Pädagogik übertragen. Die Arbeit gehört von je her zum Menschen. Um seine Existenz zu sichern, veränderte er durch Arbeit die Umwelt u. dabei aufgrund seiner praktischen Tätigkeit auch die Arbeit als Praxisform. Nach redukt. Maßstäben beurteilt wird Arbeit als Notwendigkeit im Sinne eines unabänderlichen menschl. Mangels erachtet, der den Menschen bestimmt. Nach überdehntem Verständnis gelingt es dem Menschen durch Arbeit etwas Perfektes zu schaffen u. Arbeit als Praxisform zu vervollkommnen. Angemessener jedoch ist es, dass der Mensch durch sie sowohl lernt als auch hervorbringt, sie zu perfektionieren sucht, es aber nicht schafft u. durch Arbeit seine Bestimmung findet.
Zusammenfassung der Kapitel
Frage 1: Diese Einführung klärt den Begriff der menschlichen Praxis durch die Unterscheidung zwischen einem reduktionistischen, überdehnten und angemessenen Verständnis.
Frage 2: Dieses Kapitel thematisiert den Streit über Bildungschancen und führt das Prinzip der unbestimmten Bildsamkeit zur Abgrenzung gegenüber Erbanlage und Begabung ein.
Frage 3: Hier wird der Begriff der "Aufforderung zur freien Selbsttätigkeit" durch die Wechselwirkung von Denk- und Welttätigkeit erläutert.
Frage 4: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheit der Finalität päd. Praxis, die ihr Ende zum Ziel haben muss, um den Lernenden nicht zu schädigen.
Frage 5: Das Prinzip der Nicht-Hierarchizität wird hier als Ordnungsmodell eingeführt, um den Primat einzelner Praxen gegenüber anderen zu verhindern.
Frage 6: Hier findet eine Differenzierung zwischen intentionalen, funktionalen und kritischen Erziehungstheorien statt.
Frage 7: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen formalen, materialen und kritischen Bildungstheorien im Hinblick auf ihre Bedeutung für das pädagogische Handeln.
Frage 8: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Entinstitutionalisierungs- und Entlastungstheorien pädagogischer Institutionen.
Frage 9: Dieses Kapitel arbeitet den Wandel von einer älteren Einteilung der päd. Praxis hin zu einer neueren, als sich selbst negierendes Gewaltverhältnis aufgefassten Erziehung heraus.
Aufgabe 10: Hier werden das aristotelische und das neuzeitliche Modell der Erziehung durch Unterricht gegenübergestellt und beschrieben.
Aufgabe 11: Dieses Kapitel stellt die sechs Ebenen der bildenden Interpretation wissenschaftlicher Aussagesysteme dar.
Aufgabe 12: Den Abschluss bildet die Klärung der Begriffe methodische, thematische und institutionelle Offenheit im Kontext moderner Pädagogik.
Schlüsselwörter
Pädagogik, Bildung, Erziehung, Praxis, Bildsamkeit, Selbsttätigkeit, Transformation, Nicht-Hierarchizität, Finalität, Institutionen, Unterricht, Didaktik, Wissenschaft, Emanzipation, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Portfolio grundsätzlich?
Das Portfolio dokumentiert die Auseinandersetzung mit zentralen erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen und Grundbegriffen, basierend auf der "Allgemeinen Pädagogik" von Dietrich Benner.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Bestimmung des Menschen als handelndes Wesen, das Prinzip der unbestimmten Bildsamkeit, die pädagogische Finalität, die Transformation gesellschaftlicher Einflüsse sowie die Nicht-Hierarchizität verschiedener Praxisbereiche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Reflexion und Klärung pädagogischer Grundbegriffe sowie deren Anwendung und Konkretisierung auf konkrete erzieherische Handlungsfelder.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen erziehungstheoretischen Ansatz, der Begriffe kritisch-reflektierend bestimmt und sie in den Kontext der "nicht-affirmativen Erziehung" stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fragen und Aufgaben, die Begriffe wie die menschliche Praxis, Erziehungstheorien, Bildungstheorien, Institutionentheorien und die methodische sowie thematische Offenheit pädagogischen Handelns detailliert analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Bildsamkeit, Selbsttätigkeit, Transformation, Nicht-Hierarchizität und Finalität geprägt.
Was genau versteht Benner unter der "unbestimmten Bildsamkeit"?
Sie beschreibt die Erkenntnis, dass der Mensch zum Lernen bestimmt ist, jedoch der Inhalt dessen, was er lernt, unbestimmt bleibt; der Mensch findet seine Bestimmung erst durch die Partizipation an der menschlichen Gesamtpraxis.
Warum darf pädagogische Praxis laut diesem Dokument nicht hierarchisch sein?
Das Prinzip der Nicht-Hierarchizität besagt, dass keine Einzelpraxis (z.B. Wissenschaft oder Arbeit) ein Primat gegenüber anderen haben darf, um die Eigenlogik und Humanität der verschiedenen Praxisformen zu bewahren.
Wie wird das "sich selbst negierende Gewaltverhältnis" in der Erziehung begründet?
Es dient dazu, das Kind vor Gefahren zu schützen, ohne es jedoch in seiner Entwicklung festzulegen oder zu dominieren; die Maßnahmen wie Aufsicht und Autorität sollen sich im Laufe des Erziehungsprozesses auflösen.
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- Ricardo Paßkönig (Author), 2006, Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Denkens und Handelns , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71042