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Funktionen der Filmmusik in Roman Polanskis 'Der Pianist'

Title: Funktionen der Filmmusik in Roman Polanskis 'Der Pianist'

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 24 Pages , Grade: 2-

Autor:in: Sylvie Langehegermann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Roman Polanskis Film „Der Pianist” ist die Verfilmung der, unmittelbar nach dem Ende des Krieges verfassten, Memoiren Wladislaw Szpilmans, eines jüdischen Pianisten aus Warschau, der wie durch ein Wunder dem Holocaust entkommen ist. Szpilman publiziert seine Erinnerungen bereits 1946 in dem Buch „Tod einer Stadt”, doch wegen der schonungslosen Darstellung u.a. der polnischen und ukrainischen Kollaborateure, wird es von den kommunistischen Machthabern Polens verboten. 1998 werden Szpilmans Erinnerungen, unter Anregung seines Sohnes Andrej, erneut veröffentlicht, dieses Mal unter dem Titel „Das wunderbare Überleben“. „This movie is a testimony to the power of music, the will to live, and the courage to stand against evil.” 1 Anhand dieser wenigen Worte gelingt es Roman Polanski, einige der wichtigsten Aussagen seines Filmes zusammenzufassen. „Der Pianist“ zeigt sechs Jahre aus dem Leben von Wladislaw Szpilman, von 1939-1945, in denen er mehrmals nur knapp der Deportation oder der Ermordung entgeht. Der Film konzentriert sich auf die Geschichte einer einzelnen Person: es handelt sich um eine intime, persönliche Darstellung von Isolation, Verlust Leiden und Überleben. 2 Doch, wie Polanski selbst einmal in einem Interview gesagt hat, handelt es sich um einen optimistischen Film 3 : Szpilmans wichtigste Wesenszüge während der wohl schwierigsten Zeit seines Lebens sind seine Hoffnung und sein Überlebenswille. In jeder noch so hoffnungslosen Situation gelingt es ihm, einen Ausweg zu finden. Wie schon vorher erwähnt, war Wladislaw Szpilman Pianist, und somit steht es außer Frage, dass die Musik in seinem Leben eine sehr bedeutende Rolle gespielt hat. Wie bedeutend aber die Rolle der Musik, gerade in den schrecklichen Jahren der Besetzung Polens, für ihn war, werde ich versuchen in dieser Arbeit näher zu beleuchten. Hierzu werde ich mich mit einigen konkreten Szenen beschäftigen, in denen die Musik eine wichtige Rolle spielt. Um die Szenenbeschreibungen etwas übersichtlicher zu gestalten, füge ich bei den betreffenden Szenen die Laufzeit in Klammern hinzu. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Der Pianist

1.2 Filmmusik

1.2.1 Fremdton

1.2.2 Bildton

2. Hauptteil: Musik in dem Film „Der Pianist“

2.1 extradiegetische Musik

2.1.1 melancholisches Werk für Streicherorchester

2.1.2 Moving to the Ghetto Oct. 31, 1940

2.2 diegetische Musik

2.2.1 Nocturne in Cis-Moll (1830): Lento con gran espressione

2.2.2 Andante Spianato und Grande Polonaise brillante Op. 22

2.2.3 Ballade Nr. 1 in G-Moll Op. 23

3. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die zentrale Funktion der Filmmusik in Roman Polanskis Werk „Der Pianist“. Dabei wird analysiert, wie Musik als narratives Mittel eingesetzt wird, um die traumatischen Erfahrungen des Protagonisten Wladislaw Szpilman während der deutschen Besatzung Polens darzustellen, seine psychische Verfassung zu spiegeln und als strukturgebendes Element die zeitliche Entwicklung innerhalb der Filmhandlung zu rahmen.

  • Unterscheidung und Funktion von extradiegetischer und diegetischer Musik
  • Die Rolle der Musik als Leitmotiv für das jüdische Schicksal und die persönliche Situation Szpilmans
  • Analyse der Bedeutung von Frédéric Chopins Werken im Kontext des Musikvortrags
  • Die psychologische Wirkung der Musik auf den Protagonisten und seine Hoffnung auf Überleben

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Nocturne in Cis-Moll (1830): Lento con gran espressione

Camille Bourniquel schreibt über Chopins Nocturnes, dass er die Form von dem Komponisten John Field übernommen hat, und ihr dann etwas gegeben hat, was diese Form bis zu dem Zeitpunkt noch nicht besaß: einen Inhalt. Charakteristisch für Chopins Nocturnes ist ihre sanfte, fließende Melodik, die den Musikprofessor Jim Samson zu der Aussage verleitet hat, dass Chopin mit diesen Werken eine Musik des „traurigen Lächelns“ in Noten setzt. Eine Musik, die zwar Persönliches ahnen lässt, es jedoch nicht konkretisiert, und so ihr Geheimnis wahrt.

1830 schickt Frédéric Chopin seiner Schwester Ludvika, selbst Pianistin, eine Komposition, die mit „Lento con gran espressione“ überschrieben ist. Dieses Stück soll sie auf das Spiel seines zweiten Klavierkonzerts vorbereiten. Veröffentlicht wurde das Stück jedoch erst 1875, sechsundzwanzig Jahre nach dem Tod des Komponisten. Chopin selbst hat dieses Stück nie als Nocturne betitelt, doch nach Herbert Weinstock ist es, ohne Zweifel, ein früher Entwurf eines solchen Stückes, denn das „Lento con gran espressione“ enthält zahlreiche Fragmente, die Chopin später noch verwendet hat, um seine schönsten Kompositionen dieser Art zu schaffen. Weinstock bemängelt an diesem Werk jedoch, dass die einzelnen Fragmente sehr unglücklich miteinander verbunden sind, so dass das Gesamtwerk ihn an einen Scherbenhaufen erinnert, der ohne Sinn für Gleichgewicht oder Gestaltung zusammengeklebt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Grundlagen der Verfilmung von Wladislaw Szpilmans Memoiren vor und definiert den methodischen Ansatz, die Rolle der Filmmusik in ausgewählten Schlüsselszenen zu untersuchen.

1.1. Der Pianist: Hier wird der historische und biografische Kontext des Films sowie die Bedeutung der Musik im Leben des Protagonisten Wladislaw Szpilman eingeführt.

1.2 Filmmusik: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis zur Filmmusik und unterscheidet zwischen der Wirkung von Fremdton und Bildton.

1.2.1 Fremdton: Es wird erläutert, wie extradiegetische Musik als funktionale Begleitmusik Emotionen steuert und filmische Situationen dramatisiert.

1.2.2 Bildton: Hier wird die diegetische Musik als integraler Handlungsbestandteil definiert, die den Erzählfluss verlangsamen oder den Status des Musikers betonen kann.

2. Hauptteil: Musik in dem Film „Der Pianist“: Dieser Teil leitet den Übergang zur praktischen Filmanalyse ein, wobei der Fokus auf den zwei Kategorien der Musik innerhalb des Films liegt.

2.1 extradiegetische Musik: Untersuchung der zwei Kompositionen von Wojciech Kilar, die im Film als reine Begleitmusik dienen.

2.1.1 melancholisches Werk für Streicherorchester: Analyse der leitmotivischen Funktion der Streichermusik im Kontext der Ghettoisierung.

2.1.2 Moving to the Ghetto Oct. 31, 1940: Untersuchung, wie das Klarinettensolo die zunehmend ausweglose Situation Szpilmans unterstreicht.

2.2 diegetische Musik: Analyse des Schwerpunkts auf die Werke von Frédéric Chopin als Ausdruck polnischer Identität und der individuellen künstlerischen Ausdruckskraft Szpilmans.

2.2.1 Nocturne in Cis-Moll (1830): Lento con gran espressione: Detaillierte Untersuchung der Titelmusik und ihrer strukturgebenden Funktion innerhalb des Films.

2.2.2 Andante Spianato und Grande Polonaise brillante Op. 22: Analyse der Bedeutung dieses virtuosen Stücks als musikalischer Ausdruck für den persönlichen Triumph Szpilmans.

2.2.3 Ballade Nr. 1 in G-Moll Op. 23: Untersuchung der düsteren Charakteristik dieses Stücks im Kontext der Begegnung mit dem deutschen Offizier Wilm Hosenfeld.

3. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung, wie die Musik zur existenziellen Hoffnung beiträgt und als narrative Klammer die Filmhandlung strukturiert.

Schlüsselwörter

Filmmusik, Wladislaw Szpilman, Roman Polanski, Der Pianist, Frédéric Chopin, Wojciech Kilar, extradiegetisch, diegetisch, Holocaust, Leitmotiv, Identität, Überlebenswille, Filmsemiotik, Wilm Hosenfeld, musikalische Struktur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Funktionen und Wirkungsweisen der Filmmusik in Roman Polanskis Film „Der Pianist“ und ihre Bedeutung für die narrative Struktur sowie für die Charakterzeichnung des Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretische Einteilung der Filmmusik, die Analyse spezifischer Kompositionen von Chopin und Kilar sowie die psychologische Bedeutung von Musik für das Überleben unter extremen Bedingungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Beitrag der Filmmusik zur emotionalen Tiefe des Films zu beleuchten und aufzuzeigen, wie sie den Protagonisten Szpilman als Musiker mit seiner Lebensgeschichte verbindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus filmwissenschaftlicher Theorie zur Musikwirkung (z.B. nach Bullerjahn und Lissa) und der textnahen Analyse konkreter Filmszenen unter Einbeziehung von Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von extradiegetischer Musik (als Begleitmotiv) und diegetischer Musik (vorgetragen durch den Protagonisten), wobei drei zentrale Musikstücke im Detail analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Filmmusik, Musikvortrag, Leitmotiv, Trauma, Chopin, narrative Klammer und Überlebenswille charakterisieren.

Warum wird gerade Chopin im Film so prominent eingesetzt?

Die Autorin argumentiert, dass Chopin als polnischer Komponist das Land Polen verkörpert und seine Werke zum Repertoire des Pianisten Szpilman gehörten, was eine authentische Verbindung zwischen Filmfigur und kultureller Identität schafft.

Welche Rolle spielt die „Nocturne in Cis-Moll“ für den Aufbau des Films?

Sie dient als narrative Klammer, da sie sowohl zu Beginn als auch am Ende des Films erklingt und dadurch die dramatische Veränderung im Leben des Protagonisten in einen musikalischen Rahmen setzt.

Warum wurde für die Szene mit Wilm Hosenfeld eine Ballade statt der Nocturne gewählt?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die „Ballade in G-Moll“ aufgrund ihres düsteren, bedrohlichen und dramatischen Charakters besser zur Stimmung der Ungewissheit während der Begegnung in der Villa passte als die atmosphärisch-sanfte Nocturne.

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Details

Title
Funktionen der Filmmusik in Roman Polanskis 'Der Pianist'
College
University of Trier
Grade
2-
Author
Sylvie Langehegermann (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V71189
ISBN (eBook)
9783638631167
Language
German
Tags
Funktionen Filmmusik Roman Polanskis Pianist
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sylvie Langehegermann (Author), 2005, Funktionen der Filmmusik in Roman Polanskis 'Der Pianist', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71189
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