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Hartmanns von Aue: Gregorius - Der erste Inzest als Vorbedingung seiner Heiligkeit

Titre: Hartmanns von Aue: Gregorius - Der erste Inzest als Vorbedingung seiner Heiligkeit

Dossier / Travail de Séminaire , 2007 , 29 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Katja Erben (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Ancienne, Littérature Médiévale
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Im Folgenden soll die erste Sünde, der wissentlich begangene Geschwisterinzest und die sich daraus vor allem für Gregorius ergebenden Konsequenzen analysiert werden. Um eine angemessene Bewertungsgrundlage zu erhalten, wird zunächst gleichsam als Folie ein Überblick über Theorien des Opfers herausgearbeitet. Es soll nachgewiesen werden, dass schon der erste Inzest und vor allem die Konsequenz der Aussetzung, an dem/der Gregorius gänzlich unbeteiligt ist,eineVoraussetzung für die Erlösung (bzw. Heiligkeit) des Gregorius darstellt. Dabei folge ich weitestgehend der Schlussfolgerung von Brigitte Herlem-Prey, die aufgrund der Analyse des Schuldkomplexes im Gregorius zu der Aussage kommt, dass Hartmann „den Mutter-Sohn-Inzest als Doppelung des Bruder-Schwester-Inzests begreift“.
Anschließend soll der zweite erzählte Inzest zwischen Gregorius und seiner Mutter ins Betrachtungsfeld rücken, wobei nur ein Ausblick vorgenommen werden soll, mithilfe dessen gezeigt wird, dass der zweite Inzest, an dem Gregorius unmittelbar beteiligt ist, „nur“ eine Fortsetzung bzw. Wiederholung des ersten Inzests und seiner Konsequenzen ist und es sich bei der Heilsgeschichte des Gregorius demnach um eine kausale Kette von Sünde - Opferung - Heiligkeit handelt. In der Abschlussbetrachtung sollen die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal akzentuiert gegenübergestellt werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Themeneingrenzung

2. Theorien des Opfers

3. Hartmanns von Aue „Gregorius“

3.1Der erste Inzest als Sünde[anderer]

3.1.1 Gregorius` Aussetzung als religiöses Opfer der Buße

3.1.2 Gregorius` Aussetzung als Opfer zur Sicherung der gesellschaftlichen Ordnung

3.2Der zweite Inzest als Sünde – ein Ausblick

4. Abschlussbetrachtung

5. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle des ersten Inzests in Hartmanns von Aue „Gregorius“ als notwendige Vorbedingung für die spätere Heiligkeit des Protagonisten. Unter Einbeziehung opfertheoretischer Ansätze von Freud, Girard und Bürkle wird analysiert, wie die Aussetzung und das damit verbundene Schicksal Gregorius’ zur Restituierung gesellschaftlicher Ordnungen und zur Heilsgeschichte beitragen.

  • Analyse des Sünde-Schuld-Komplexes im mittelalterlichen Kontext
  • Vergleich opfertheoretischer Ansätze zur Entstehung von Religion und Gesellschaft
  • Untersuchung des ersten Inzests als gesellschaftliche Katastrophe und Voraussetzung für Buße
  • Interpretation der Aussetzung als rituelles Opfer zur Wiederherstellung der Ordnung
  • Vergleich der Inzest-Sünden und deren Bedeutung für die göttliche Erwählung Gregorius'

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Gregorius` Aussetzung als religiöses Opfer

Die inzestuöse Beziehung der Geschwister ist nicht nur als Übertretung eines gesellschaftskonstituierenden Verbotes zu sehen, sondern auch als Missachtung eines religiösen Gebotes. In der Totemismus-Theorie von Freud, in der der Totem der Vater und der Vater der Gott ist, kann das Inzesttabu, das schon für die Totemgemeinschaft konstituierend war, auf die Familie übertragen werden. Ein Verstoß gegen das Verbot muss auch dann noch als Handlung gegen Gott aufgefasst werden. Wenn man den durch die Geschwister verübten Inzest als ein Verbrechen an Gottes Gebot versteht, muss der Entschluss zur Übergabe des Kindes in die Hand Gottes als das von Gott verlangte Opfer begriffen werden.

Folgt man Freuds Kausalkette bis zum Jesus-Opfer, bedeutet diese religiöse Tat für die Eltern eine Entlastung vom Schuldbewusstsein, die ihre Sündhaftigkeit ausgelöst hatte, so wie die ‚Brüderschar’ sich durch die (Selbst-)Opferung Jesus Christus vom Schuldbewusstsein befreite. Die Annahme, dass Gregorius ein Opfer ist, um das Gott gebeten hat, ist jedoch eher fragwürdig. Die Fürsorge Gottes - er schickt „dem fahrenden Kind einen guten Wind, […] pflegt ihn während der Fahrt wie er einst Jonas im Bauch des Walfisches geschützt hatte“ - deutet doch eher darauf hin, dass er am Leben bleiben soll. Die Entlastung des Schuldbewusstseins muss daher wohl eher von einem logischen - vielleicht anthropologischen - Gesichtspunkt aus betrachtet werden. Die Entledigung all dessen, was mit der Sünde in Verbindung gebracht werden kann, kann auch bei der Überwindung der Sündhaftigkeit helfen.

Die Aussetzung muss jedoch im Zusammenhang zur Bußleistung der Geschwister gesehen werden und so hat die Aussetzung sehr wohl eine religiöse Dimension. Die erzählerische Dichte in der Abfolge der Bußhandlungen (die Entscheidung, dass die Mutter im Lande büßen soll, die Bußreise des Vaters nach Palästina und letztlich die Aussetzung des Säuglings) machen die Verknüpfung zwischen den Bußleistungen und der Aussetzung deutlich. Durch die Tafel, die die Mutter ihrem Kind mitgibt, wird die Verbindung von Sünde - Buße - Aussetzung noch ausdrücklicher.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Themeneingrenzung: Die Einleitung skizziert den Prolog des „Gregorius“ und definiert die Forschungsfrage nach der Relevanz der Inzestsünden für die spätere Heiligkeit der Hauptfigur.

2. Theorien des Opfers: Dieses Kapitel arbeitet verschiedene theoretische Ansätze (Freud, Girard, Bürkle) zur Funktion des Opfers in Religion und Gesellschaft als analytische Folie auf.

3. Hartmanns von Aue „Gregorius“: Hier erfolgt die literaturwissenschaftliche Analyse der Geschichte unter Berücksichtigung der vorher etablierten Opfertheorien.

3.1Der erste Inzest als Sünde[anderer]: Das Kapitel untersucht den Geschwisterinzest der Eltern als gesellschaftliche Problematisierungsfigur und Ausgangspunkt der Heilsgeschichte.

3.1.1 Gregorius` Aussetzung als religiöses Opfer der Buße: Die Aussetzung wird hier als Akt religiöser Dimension und Teil des Bußmechanismus der Eltern gedeutet.

3.1.2 Gregorius` Aussetzung als Opfer zur Sicherung der gesellschaftlichen Ordnung: Dieses Kapitel beleuchtet den Aspekt der Re-Differenzierung und den Schutz der genealogischen Ordnung durch die Ausstoßung des Kindes.

3.2Der zweite Inzest als Sünde – ein Ausblick: Der Abschnitt betrachtet den Inzest zwischen Gregorius und seiner Mutter als Wiederholung und Zuspitzung der ersten Sünde auf der Ebene des Protagonisten.

4. Abschlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Inzestsünden die notwendige, wenn auch schmerzhafte Voraussetzung für Gregorius’ Weg zum „guoten sündaere“ und Gottes Stellvertreter bilden.

5. Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Fundierung der Untersuchung.

Schlüsselwörter

Gregorius, Hartmann von Aue, Inzest, Opfertheorie, Heiligwerdung, Sünde, Buße, Stellvertretermechanismus, René Girard, Sigmund Freud, Exogamie, Mittelalterliche Literatur, Sündenbock, Re-Differenzierung, Gottesgnade

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Rolle des ersten Inzests im „Gregorius“ von Hartmann von Aue und hinterfragt, inwiefern dieses Ereignis eine notwendige Bedingung für die spätere Heiligkeit des Protagonisten darstellt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft literaturwissenschaftliche Analysen mittelalterlicher Texte mit anthropologischen und psychoanalytischen Opfertheorien sowie soziologischen Konzepten von Verwandtschaftssystemen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Geschwisterinzest der Eltern und die daraus folgende Aussetzung des Kindes logische Bausteine in der Heilsgeschichte des Gregorius sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?

Es werden opfertheoretische Ansätze (insbesondere von René Girard, Sigmund Freud und Horst Bürkle) sowie literaturwissenschaftliche Konzepte (wie die Inzest-Heiligkeit nach Strohschneider) als theoretische Folie genutzt, um das Werk neu zu interpretieren.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Opfermodelle und eine detaillierte Untersuchung beider Inzestsünden sowie deren Funktion für die gesellschaftliche Ordnung und die individuelle Buße.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Gregorius, Inzest, Opfertheorie, Heiligkeit, Sündenbock, Buße und Exogamie zusammenfassen.

Warum wird die Aussetzung des Kindes als rituelles Opfer gedeutet?

Die Arbeit argumentiert, dass die Ausstoßung des Kindes (des „Sündenbocks“) notwendig ist, um die gesellschaftliche Ordnung nach der Verletzung des Exogamiegebots durch die Eltern wiederherzustellen.

Inwiefern unterscheidet sich der zweite Inzest vom ersten?

Während der erste Inzest die Sünde der Eltern ist, an der Gregorius unbeteiligt ist, handelt es sich beim zweiten Inzest um eine eigene Sünde, die jedoch narratologisch als logische Fortsetzung und Steigerung des ersten Falles fungiert.

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Résumé des informations

Titre
Hartmanns von Aue: Gregorius - Der erste Inzest als Vorbedingung seiner Heiligkeit
Université
Free University of Berlin
Cours
HS
Note
1,7
Auteur
Katja Erben (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
29
N° de catalogue
V71367
ISBN (ebook)
9783638620604
Langue
allemand
mots-clé
Hartmanns Gregorius Inzest Vorbedingung Heiligkeit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Katja Erben (Auteur), 2007, Hartmanns von Aue: Gregorius - Der erste Inzest als Vorbedingung seiner Heiligkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71367
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Extrait de  29  pages
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