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Die Soziale Frage in Kolumbien im 20. Jahrhundert - Zur Rolle der politischen Eliten

Titre: Die Soziale Frage in Kolumbien im 20. Jahrhundert - Zur Rolle der politischen Eliten

Dossier / Travail de Séminaire , 2007 , 27 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Sven Schuster (Auteur)

Economie politique - Etudes de cas
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Résumé Extrait Résumé des informations

In offizieller Lesart gehört Kolumbien zu den ältesten Demokratien Lateinamerikas. Sozialrevolutionäre Umwälzungen oder Militärherrschaft – so charakteristisch für viele Nachbarstaaten – blieben Ausnahmeerscheinungen. Obwohl das Land fast immer von verfassungsmäßig zustande gekommenen Regierungen geleitet wurde, ist es seit über 60 Jahren Schauplatz blutiger innerer Kämpfe. In Bezug auf seine Gesellschaft ist daher häufig von Gewalt als historisch-kultureller Konstante die Rede. In auffälliger Weise sind die vorhandenen Gewaltstrukturen mit der Genese des politischen Systems verwoben. In keinem anderen Land der Region ist es den beiden Traditionsparteien der Liberalen und Konservativen so dauerhaft gelungen, die Macht unter sich aufzuteilen und alternative Kräfte vom politischen Prozess auszuschließen. Die alteingesessenen Eliten schufen ein System, das zwar die Integration bestimmter sozialer Gruppen begünstigte. Akteure mit sozialreformerischen oder -revolutionären Ideen sahen sich jedoch geradezu herausgefordert, mit Gewalt Einfluss zu nehmen.
Im Folgenden will ich der Frage nachgehen, wie es den politischen Eliten des südamerikanischen Landes gelungen ist, das gesamte 20. Jahrhundert hindurch soziale Reformen effektiv zu verhindern. Im Kern der Argumentation wird dabei die Rolle des Staates stehen. Welche Aufgaben hat ein moderner Staat in Bezug auf das Wohlergehen des Großteils der Bevölkerung zu erfüllen? Gab es Akteure, die sich für eine veränderte Rolle des Staates einsetzten? Wenn ja, wie sollte dieser „neue“ Staat beschaffen sein? Warum gilt Kolumbien bis heute als schwacher Staat mit einem hohen Grad an sozialer Ungleichheit?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Starker Staat / schwacher Staat – eine Begriffsbestimmung

3. Armut und soziale Exklusion in der Gegenwart

4. Die Soziale Frage im 20. Jahrhundert: zur Rolle der politischen Eliten

4.1 López Pumarejo, Reformer oder Revolutionär?

4.2 País político – país nacional: Gaitáns anti-oligarchischer Diskurs als Bedrohung

4.3 Rojas Pinilla: Herausforderung durch das Militär

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, wie es den politischen Eliten Kolumbiens im 20. Jahrhundert gelang, tiefgreifende soziale Reformen effektiv zu verhindern und ihre Machtmonopolstellung zu sichern, wobei sie der Frage nachgeht, inwieweit das Wirken der Eliten die gegenwärtigen Strukturdefizite und sozialen Ungleichheiten des kolumbianischen Staates mitbegründet hat.

  • Analyse der Rolle politischer Eliten bei der Verhinderung sozialer Reformen
  • Untersuchung des kolumbianischen Staates zwischen "starkem" und "schwachem" Staat
  • Diskussion von Armut und sozialer Exklusion in der Gegenwart
  • Historische Fallbeispiele (López Pumarejo, Jorge Eliécer Gaitán, Rojas Pinilla)
  • Zusammenhang zwischen politischem Exklusivismus und Gewaltkultur

Auszug aus dem Buch

4.1 López Pumarejo, Reformer oder Revolutionär?

Nachdem seit Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich die Konservativen regiert hatten, kam es im Jahre 1930 zu einem abrupten Machtwechsel. War es den konservativen Machthabern bis dahin gelungen, mit Hilfe von Wahlbetrug und gestützt auf ein klientelistisches Netzwerk die Liberalen von der Macht fernzuhalten, so brachte die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 die entscheidende Wende. Das zuvor praktizierte Agrar-Export-Modell war aufgrund der allgemeinen Devisenknappheit und des Zusammenbruchs der internationalen Märkte gescheitert und sollte nun einer „Entwicklung nach innen“ weichen.

Zunächst behutsam unter der Präsidentschaft von Enrique Olaya Herrea (1930 – 34), dann allerdings entschieden unter Alfonso López Pumarejo (1934 – 38), kam es das erste Mal in der Geschichte Kolumbiens zu ernsthaften sozialen Reformen. Die während dieser Periode eingeleiteten Maßnahmen fasste López unter dem Slogan revolución en marcha zusammen. Darunter verstand er jedoch keineswegs den gewaltsamen Prozess politischer oder sozialer Veränderung, sondern eher das Gegenteil. Als Beobachter der historischen Umwälzungen in Europa sah López auch in Kolumbien die reale Gefahr einer Mobilisierung der ländlichen Massen und der stärker werdenden Arbeiterschaft in den Städten. Insbesondere befürchtete er, dass sozialistische oder gar faschistische Ideen – wie sie einige Anhänger der Konservativen Partei bereits propagierten – auch in Kolumbien auf fruchtbaren Boden fallen und sich gewaltsam entladen könnten. Aus diesem Grund strebte er einen „Sozialismus von oben“ an, wie ihn Bismarck im 19. Jahrhundert zur Eindämmung der deutschen Sozialdemokratie entworfen hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der politischen Machtstrukturen Kolumbiens ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Eliten bei der Verhinderung sozialer Reformen im 20. Jahrhundert.

2. Starker Staat / schwacher Staat – eine Begriffsbestimmung: Das Kapitel definiert den Begriff der staatlichen Stärke anhand politikwissenschaftlicher Modelle und hinterfragt die Anwendbarkeit des Konzepts des "failed state" auf den kolumbianischen Kontext.

3. Armut und soziale Exklusion in der Gegenwart: Hier werden aktuelle Daten zur Armutssituation analysiert und die methodischen Schwächen der staatlichen Sozialstatistiken sowie die anhaltende soziale Ungleichheit thematisiert.

4. Die Soziale Frage im 20. Jahrhundert: zur Rolle der politischen Eliten: Dieses Kapitel analysiert anhand der Beispiele López Pumarejo, Jorge Eliécer Gaitán und Rojas Pinilla, wie die Eliten Reformbestrebungen gezielt abwehrten oder neutralisierten.

4.1 López Pumarejo, Reformer oder Revolutionär?: Untersucht das Reformprogramm "revolución en marcha" und den Widerstand der traditionellen Oligarchie gegen sozialreformerische Maßnahmen wie das "Gesetz 200".

4.2 País político – país nacional: Gaitáns anti-oligarchischer Diskurs als Bedrohung: Analysiert den populistischen Diskurs Gaitáns, die Polarisierung der Gesellschaft und die Rolle seines Todes bei der Eskalation der Gewalt.

4.3 Rojas Pinilla: Herausforderung durch das Militär: Beleuchtet die Diktatur von Rojas Pinilla, dessen Versuche einer klassenübergreifenden Allianz und das schließlich erfolgreiche Paktieren der traditionellen Eliten gegen seine Herrschaft.

5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel zieht ein Fazit, das die These einer spezifischen "Gewaltkultur" relativiert und betont, dass die Blockade sozialer Reformen durch die Eliten maßgeblich zur Destabilisierung des Landes beigetragen hat.

Schlüsselwörter

Kolumbien, Politische Eliten, Soziale Frage, Staatlichkeit, Reformen, Oligarchie, Violencia, Armut, Soziale Ungleichheit, Bipartidismo, Machtmonopol, Reformverhinderung, Populismus, Demokratie, Sozialer Wandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Rolle der kolumbianischen politischen Eliten bei der Verhinderung sozialer Reformen und wie dieses Handeln den kolumbianischen Staat und die heutige soziale Situation geprägt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Definition staatlicher Stärke, die Analyse von Armut und sozialer Exklusion sowie das Agieren der Eliten gegenüber reformwilligen Akteuren im 20. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass die gegenwärtigen Strukturdefizite Kolumbiens nicht nur auf eine abstrakte "Gewaltkultur" zurückzuführen sind, sondern das Ergebnis gezielter Machtpolitik der Eliten über Jahrzehnte hinweg darstellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, ergänzt durch die Auswertung von Daten internationaler Organisationen sowie zeitgenössischer Dokumente und Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert anhand der drei Fallbeispiele López Pumarejo, Jorge Eliécer Gaitán und Rojas Pinilla die Mechanismen, mit denen die traditionelle Oligarchie sozialen Wandel verhinderte und den Staat für ihre Interessen sicherte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kolumbien, politische Eliten, Soziale Frage, Oligarchie, Machtmonopol und Reformverhinderung charakterisieren.

Wie bewertet der Autor die moderne Armutsmessung in Kolumbien?

Der Autor kritisiert die Bemessungsgrundlagen und die methodische Konsistenz der staatlichen Armutsstatistiken unter der Regierung Uribe, da diese den politischen Vorgaben angepasst worden seien, um Erfolge vorzutäuschen.

Welche Bedeutung maß der Autor dem sogenannten "bipartidismo" bei?

Das Zwei-Parteien-System der Liberalen und Konservativen wird als exklusivistisches Machtinstrument beschrieben, das trotz programmatischer Inhaltsleere darauf ausgerichtet war, alternative politische Kräfte dauerhaft auszuschließen.

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Résumé des informations

Titre
Die Soziale Frage in Kolumbien im 20. Jahrhundert - Zur Rolle der politischen Eliten
Université
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für Auslandswissenschaft, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Cours
Soziale Ungleichheit und Strukturdefizite in Lateinamerika
Note
1,0
Auteur
Sven Schuster (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
27
N° de catalogue
V72661
ISBN (ebook)
9783638722674
ISBN (Livre)
9783638725569
Langue
allemand
mots-clé
Soziale Frage Kolumbien Jahrhundert Rolle Eliten Soziale Ungleichheit Strukturdefizite Lateinamerika
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sven Schuster (Auteur), 2007, Die Soziale Frage in Kolumbien im 20. Jahrhundert - Zur Rolle der politischen Eliten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72661
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Extrait de  27  pages
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