Verschiedene Untersuchungen von Software-Projekten zeigen eine ernüchternde Bilanz:
Lediglich ein kleiner Teil aller Projekte wird im ursprünglich geschätzten Ausmaß
vollendet. Zu diesen Studien werden meist auch jene Faktoren genannt, die
ausschlaggebend zu sein scheinen, ob ein Projekt erfolgreich ist oder fehlschlägt.
Diese Untersuchungen waren unter anderem Auslöser für eine Reihe von Maßnahmen,
um die Erfolgsquote von Software-Projekten zu erhöhen. Neben zahlreichen
Werkzeugen entstanden auch Projektmanagement-Zertifizierungen, die Wissen
vermitteln und evaluieren. Dennoch, eine befriedigende Steigerung der Erfolgsquote
wurde nicht erreicht. Der Schluss liegt nahe, dass die Erfolgsquote von Software-
Projekten nicht primär von technischen Hilfsmitteln und Methoden abhängig ist.
Ziel dieser Arbeit ist, die Problemfelder von Software-Projekten zu untersuchen. Zur
Analyse dieser Konflikte bieten sich die Methoden der Mediation an. Mediation selbst
ist ein strukturiertes Konfliktlösungsverfahren, welches den Parteien mit Hilfe eines
Mediators ermöglicht, eine einvernehmliche und zukunftsorientierte Problemlösung zu
finden. Gerade im Bereich der Wirtschaft stellt Mediation eine schnelle, zukunftsorientierte
und kostengünstige Alternative zu anderen Verfahren dar.
Diese Arbeit gliedert sich neben einer Einleitung in zwei Teile. Im ersten Teil werden
die theoretischen Grundlagen, allgemeine Ansätze und Konzepte aus den Gebieten
Software-Projektmanagement und Mediation beschrieben und anschließend ein Bezug
zueinander hergestellt. Der zweite Teil beschreibt jene Erkenntnisse und Auswertungen,
die aus Interviews mit Projektleitern gewonnen wurden. Zentral ist die Fragestellung:
Welche Möglichkeiten hat ein Software-Projektleiter, wenn es zu einem Konflikt
kommt?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Studien zur Mediation
1.2 Studien über Projekterfolg im IT Markt
1.2.1 Studien der Standish Group
1.2.2 OASIG
1.2.3 SUCCESS Studie
2 Theorie, Ansätze und Konzepte
2.1 Definitionen aus dem IT-Bereich
2.1.1 Projekt
2.1.2 Projektleitung und Projektmanagement
2.1.3 Spezialfall: Software-Projekt
2.2 Definitionen aus dem Bereich der Konfliktregelung
2.2.1 Konflikt
2.2.2 Merkmale von Konflikten
2.2.3 Verfahren zur Konfliktbehandlung
2.2.4 Konfliktmanagement
2.2.5 Mediation
2.2.6 Auswirkung von Konflikten
2.3 Rolle Mediator und Software-Projektleiter
2.4 Bezug zur Arbeit
3 Untersuchung
3.1 Fragestellung
3.2 Interviewführung
3.2.1 Auswertung
3.3 Umfeld der Studie
3.3.1 Befragte Personen und untersuchte Projekte
3.3.2 Umfang der betrachteten Projekte
3.3.3 Erfahrung und Ausbildung der Interviewpartner
3.4 Rollenverständnis
3.4.1 Die Aufgabe eines Projektleiters
3.4.2 Rollenverständnis und Erwartungen an Projektmitarbeiter
3.4.3 Motivieren des Projektteams
3.4.4 Projektentscheidungen
3.4.5 Kommunikation
3.4.6 Soft-Skills gegenüber „herkömmlichen“ Methoden
3.5 Konfliktfelder in Software-Projekten
3.5.1 Woran scheitern Projekte
3.5.2 Auswirkung von Konflikten
3.5.3 Mit welcher Rolle gibt es Konflikte
3.5.4 Der Umgang mit Konflikten
3.5.5 Die Rolle des Projektleiters bei einem eskalierenden Konflikt
3.5.6 Was hilft bei der Problemlösung
4 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problemfelder von Software-Projekten, insbesondere den Einfluss sozialer Konflikte auf den Projekterfolg, und analysiert, inwieweit Methoden der Mediation als strukturiertes Konfliktlösungsverfahren den Projektalltag unterstützen können. Ziel ist es, die Rolle des Software-Projektleiters in Konfliktsituationen zu beleuchten und Handlungsmöglichkeiten sowie Ansätze zur professionellen Konfliktbewältigung aufzuzeigen.
- Analyse der Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren von IT-Projekten
- Gegenüberstellung von klassischem Projektmanagement und Meditationsmethoden
- Untersuchung des Rollenverständnisses von Software-Projektleitern
- Identifikation zentraler Konfliktfelder in Software-Projekten
- Entwicklung von Empfehlungen für den Umgang mit Konflikten in Software-Organisationen
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Woran scheitern Projekte
Als Antwort auf die Frage, warum Projekte am Häufigsten scheitern, wird von allen Interviewpartnern eine Reihe von Gründen genannt. Um eine bessere Übersicht zu gewährleisten, wurden verwandte Themen zu gemeinsamen Kategorien gruppiert.
1. Schlecht definierte Ziele/Umfang
„Projekte scheitern zu einem großen Teil bereits bevor der Vertrag unterschrieben wird – also in der Entwurfsphase. Hier ist vor allem Kommunikation gefragt, um ein einheitliches Verständnis zu schaffen und späteren Missverständnissen vorzubeugen.“
Ist kein gemeinsames Verständnis geschaffen worden, so führen voneinander abweichende Erwartungen zu Konflikten: „Ein häufiges Problem ist, dass es eine starke Abweichung zwischen dem was erwartet wird, und dem was man eigentlich liefern kann gibt. Oft wird das schlecht abgestimmt und nicht dokumentiert. Dann wird ein Ferrari erwartet, man hat allerdings nur Zeit und Budget, einen Golf zu bauen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Software-Projekten ein und stellt die Relevanz von Mediation zur Verbesserung der Erfolgsquoten durch Konfliktlösung dar.
2 Theorie, Ansätze und Konzepte: In diesem Kapitel werden grundlegende Begrifflichkeiten aus der IT (Projektmanagement) und der Konfliktregelung (Mediation) definiert und zueinander in Bezug gesetzt.
3 Untersuchung: Der Hauptteil beschreibt eine qualitative Studie mittels Experteninterviews, um das Rollenverständnis von Projektleitern und deren Umgang mit Konflikten in der Praxis zu analysieren.
4 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick: Hier werden die Forschungsergebnisse reflektiert, die Hypothese bestätigt und praktische Empfehlungen für Organisationen abgeleitet.
Schlüsselwörter
Software-Projektmanagement, Mediation, Konfliktmanagement, Projekterfolg, Konfliktlösung, Projektleiter, Systemtheorie, Kommunikation, Soft-Skills, Organisationsentwicklung, Konfliktursachen, Stakeholdermanagement, IT-Projekte, Unternehmenskultur, Projektrisiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung, wie Software-Projektleiter mit eskalierenden Konflikten umgehen und ob Mediation als strukturiertes Verfahren dabei eine wertvolle Unterstützung bieten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von IT-Projekten, die verschiedenen Dimensionen von Konflikten in Organisationen sowie die Rolle und das Rollenverständnis von Projektleitern in einem oft intuitiv geprägten Arbeitsumfeld.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Problemfelder in Software-Projekten zu identifizieren und zu klären, warum Projektleiter häufig keine strukturierten Methoden zur Konfliktbearbeitung anwenden und welche Folgen dies für den Projekterfolg hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Forschungsmethode, basierend auf elf Experteninterviews mit IT-Projektleitern, die mittels eines semi-strukturierten Leitfadens geführt und anschließend ausgewertet wurden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Projektumfeld, das Rollenverständnis, Soft-Skills gegenüber technischen Methoden sowie konkrete Konfliktfelder – wie schlecht definierte Ziele oder Rollenkonflikte – detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Software-Projektmanagement, Mediation, Konfliktmanagement, Projekterfolg, Kommunikation, Projektleiter und Organisationsentwicklung.
Warum wird im Bereich der Software-Entwicklung oft von einer "konsequenz-freien Zone" bei hausinternen Kunden gesprochen?
Die Befragten merken an, dass bei internen Projekten oft die strengen vertraglichen Regelungen fehlen, die bei externen Kunden für Klarheit bei Änderungen sorgen, was zu einer unverbindlicheren Haltung und schwierigerer Verantwortungszurechnung führt.
Warum fällt es Projektleitern schwer, Mediation in ihrem Umfeld zu etablieren?
Die Studie zeigt, dass Projektleiter externe Hilfe bei Konflikten oft als Schwäche oder persönliches Versagen werten. Zudem werden solche unterstützenden Angebote in vielen Organisationen weder offiziell bereitgestellt noch strategisch gefördert.
- Quote paper
- DI, MA Andreas Burner (Author), 2007, Der "Faktor" Mensch aus Sicht des Software-Projektmanagers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72879