„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass dieser Ausspruch sehr zutreffend ist. Alles ändert sich von Zeit zu Zeit, die Frage ist nur, wie schnell oder langsam dieser Wandel erfolgt. In Wirtschaft und Politik sind Veränderungen an der Tagesordnung und Flexibilität wird heutzutage von jedem modernen Menschen erwartet. Daher ist es verwunderlich, dass eine zügige Anpassung an die Bedingungen ausgerechnet im Bildungsbereich nicht stattgefunden hat. Natürlich sind auch Schulen nicht auf dem Stand von vor ein paar Jahrzehnten stehen geblieben, sondern es haben neue Lehrmethoden und -medien Einzug gehalten. Schüler und Betriebe haben ein größeres Mitspracherecht bekommen und Kollegien arbeiten im Team. Dennoch ist der Unterricht noch immer Individualangelegenheit der Lehrkräfte. Er wird von ihnen eigenständig ausgearbeitet, durchgeführt und ggf. reflektiert. Die Lehrkräfte kennen die Bildungsinhalte, die sie vermitteln sollen und entscheiden allein darüber, welche in ihrem Unterricht vorkommen und auf welche Weise diese gelehrt werden. Das hat seit langem so funktioniert, birgt aber neuerdings ein großes Problem: der Unterricht und alles, was mit ihm zu tun hat entziehen sich einer Qualitätskontrolle, welche im Zeitalter von Bildungstests wie PISA unerlässlich geworden ist. Forschungen haben ergeben, dass Lernerfolge und -fortschritte der Schüler in erheblichem Maß von den Rahmenbedingungen des Lernorts Schule abhängen. Dazu zählen nicht nur die Bildungsinhalte, sondern beispielsweise auch die Qualität der Lehrkräfte und der Ausstattung sowie Schulklima und Beziehungen. Die Qualität von Bildungseinrichtungen muss also überprüfbar gestaltet und regelmäßig kontrolliert werden, damit das Bildungssystem zukunftsfähig wird und mit nationalen und internationalen Standards mithalten kann. Welche Möglichkeiten hierzu existieren, erörtern Pädagogen und Politiker erst seit kurzem.
Dieser Frage soll in im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden, indem die drei Modelle vorgestellt und ausführlich analysiert werden. Die Analyse wird ergeben, dass die Balanced Scorecard den anderen Systemen in vielen Aspekten überlegen und sehr wohl geeignet ist in Berufsschulen eingesetzt zu werden. Deshalb wird mit dem Entwurf eines eigenen Konzepts der Versuch unternommen die
Balanced Scorecard erstmalig an einer Berufsschule zu implementieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise
2 Warum Qualitätsentwicklung?
2.1 Begriffsbestimmung „Qualitätsentwicklung“, „Qualitätsmanagement“ und „Qualitätssicherung“
2.2 Definitionen von „Qualität“
2.2.1 Allgemeine Definitionen und Definitionen aus der Wirtschaft
2.2.2 Definitionen im Kontext (Berufs-) Schule
2.3 Anlässe von Qualitätsentwicklung
3 Vorstellung ausgewählter Konzepte
3.1 DIN ISO 9000ff. (technikorientierter Ansatz)
3.1.1 Inhalte und Ziele
3.1.2 Zentrale Verfahren
3.1.3 Neuerungen ab 2000
3.1.4 Neue Hauptnormen
3.2 Total Quality Management
3.3 EFQM-Modell für Business Excellence (Modell zur Vergabe von Qualitätspreisen)
3.3.1 Inhalte und Ziele
3.3.2 Grundsätze des EFQM-Modells
3.3.3 Selbstevaluation
3.4 Die Balanced Scorecard (ökonomisch orientierter Ansatz)
3.4.1 Inhalte und Ziele
3.4.2 Perspektiven
3.4.3 Umsetzung der BSC
4 Analyse der ausgewählten Konzepte
4.1 Beschreibung der Analysekriterien
4.1.1 Rahmenbedingungen (Zielsetzung, Qualitätsverständnis, Ganzheitlichkeit, Zielgruppe, Nutzen)
4.1.2 Berücksichtigung der Betroffenen (Einbezug und Verantwortung)
4.1.3 Transparenz
4.1.4 Handhabbarkeit
4.1.5 Abhängigkeit
4.1.6 Nachhaltigkeit
4.1.7 Methoden der Erfolgsprüfung
4.1.8 Anwenderkreis
4.1.9 Außenwirkung (Image und Vergleichbarkeit)
4.1.10 Anwendbarkeit auf schulische Rahmenbedingungen
4.2 Analyse der Normenreihe DIN (EN) ISO 9000ff.
4.2.1 Rahmenbedingungen
4.2.2 Berücksichtigung der Betroffenen (Einbezug und Verantwortung)
4.2.3 Transparenz
4.2.4 Handhabbarkeit
4.2.5 Abhängigkeit
4.2.6 Nachhaltigkeit
4.2.7 Methoden der Erfolgsprüfung
4.2.8 Anwenderkreis
4.2.9 Außenwirkung (Image und Vergleichbarkeit)
4.2.10 Anwendbarkeit auf schulische Rahmenbedingungen
4.3 Analyse des EFQM-Modells
4.3.1 Rahmenbedingungen
4.3.2 Berücksichtigung der Betroffenen (Einbezug und Verantwortung)
4.3.3 Transparenz
4.3.4 Handhabbarkeit
4.3.5 Abhängigkeit
4.3.6 Nachhaltigkeit
4.3.7 Methoden der Erfolgsprüfung
4.3.8 Anwenderkreis
4.3.9 Außenwirkung (Image und Vergleichbarkeit)
4.3.10 Anwendbarkeit auf schulische Rahmenbedingungen
4.4 Analyse des Balanced Scorecard-Modells
4.4.1 Rahmenbedingungen
4.4.2 Berücksichtigung der Betroffenen (Einbezug und Verantwortung)
4.4.3 Transparenz
4.4.4 Handhabbarkeit
4.4.5 Abhängigkeit
4.4.6 Nachhaltigkeit
4.4.7 Methoden der Erfolgsprüfung
4.4.8 Anwenderkreis
4.4.9 Außenwirkung (Image und Vergleichbarkeit)
4.4.10 Anwendbarkeit auf schulische Rahmenbedingungen
4.5 Entscheidungsbegründung für die Balanced Scorecard als Rahmenkonzept zur Entwicklung eines eigenen Entwurfs
5 Vorstellung eines eigenen Entwurfs auf der Grundlage der Balanced Scorecard
5.1 Voraussetzungen
5.2 Mission, Vision, Strategie
5.3 Entwicklung einer Balanced Scorecard für eine Berufsschule
5.3.1 Perspektiven
5.3.2 Strategische Ziele
5.3.3 Ursache-Wirkungs-Ketten
5.3.4 Messgrößen
5.3.5 Zielwerte und strategische Aktionen
5.4 Sicherstellung des kontinuierlichen Balanced Scorecard-Einsatzes
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit verschiedener Qualitätsmanagement-Systeme im Kontext berufsbildender Schulen. Ziel ist es, durch eine kritische Analyse gängiger Modelle (DIN ISO 9000ff., EFQM, Balanced Scorecard) eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen und einen eigenen, praxisorientierten Entwurf zur Implementierung der Balanced Scorecard an einer Berufsschule zu entwickeln.
- Vergleichende Analyse von DIN ISO 9000ff., EFQM-Modell und Balanced Scorecard.
- Entwicklung spezifischer Analysekriterien für den Bildungsbereich.
- Beurteilung der Eignung ökonomisch orientierter Instrumente für soziale Systeme (Schulen).
- Konzeption eines Implementierungsentwurfs unter Berücksichtigung schulspezifischer Rahmenbedingungen.
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren für nachhaltiges Qualitätsmanagement im Schulalltag.
Auszug aus dem Buch
1.1 Fragestellung
„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“1 Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass dieser Ausspruch sehr zutreffend ist. Alles ändert sich von Zeit zu Zeit, die Frage ist nur, wie schnell oder langsam dieser Wandel erfolgt. In Wirtschaft und Politik sind Veränderungen an der Tagesordnung und Flexibilität wird heutzutage von jedem modernen Menschen erwartet. Daher ist es verwunderlich, dass eine zügige Anpassung an die Bedingungen ausgerechnet im Bildungsbereich nicht stattgefunden hat. Natürlich sind auch Schulen nicht auf dem Stand von vor ein paar Jahrzehnten stehen geblieben, sondern es haben neue Lehrmethoden und -medien Einzug gehalten. Schüler und Betriebe haben ein größeres Mitspracherecht bekommen und Kollegien arbeiten im Team. Dennoch ist der Unterricht noch immer Individualangelegenheit der Lehrkräfte. Er wird von ihnen eigenständig ausgearbeitet, durchgeführt und ggf. reflektiert.
Die Lehrkräfte kennen die Bildungsinhalte, die sie vermitteln sollen und entscheiden allein darüber, welche in ihrem Unterricht vorkommen und auf welche Weise diese gelehrt werden. Das hat seit langem so funktioniert, birgt aber neuerdings ein großes Problem: der Unterricht und alles, was mit ihm zu tun hat entziehen sich einer Qualitätskontrolle, welche im Zeitalter von Bildungstests wie PISA unerlässlich geworden ist. Forschungen haben ergeben, dass Lernerfolge und -fortschritte der Schüler in erheblichem Maß von den Rahmenbedingungen des Lernorts Schule abhängen. Dazu zählen nicht nur die Bildungsinhalte, sondern beispielsweise auch die Qualität der Lehrkräfte und der Ausstattung sowie Schulklima und Beziehungen. Die Qualität von Bildungseinrichtungen muss also überprüfbar gestaltet und regelmäßig kontrolliert werden, damit das Bildungssystem zukunftsfähig wird und mit nationalen und internationalen Standards mithalten kann. Welche Möglichkeiten hierzu existieren, erörtern Pädagogen und Politiker erst seit kurzem. Obgleich es bereits Versuche gibt mit Leitbildern oder Schulprogrammen Qualität zu erzeugen und zu sichern, fehlt den Schulen ein systematisches Qualitätsmanagement.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Qualitätsentwicklung in Bildungseinrichtungen und Begründung der Fragestellung unter Berücksichtigung aktueller bildungspolitischer Anforderungen.
2 Warum Qualitätsentwicklung?: Theoretische Begriffsbestimmungen sowie Diskussion von Anlässen, warum Schulen sich verstärkt dem Thema Qualitätsmanagement widmen müssen.
3 Vorstellung ausgewählter Konzepte: Detaillierte Darstellung der drei gewählten Ansätze: DIN ISO 9000ff., Total Quality Management (TQM), EFQM-Modell und die Balanced Scorecard.
4 Analyse der ausgewählten Konzepte: Anwendung von zehn entwickelten Analysekriterien, um die Eignung der drei Modelle für den schulischen Kontext zu vergleichen und zu bewerten.
5 Vorstellung eines eigenen Entwurfs auf der Grundlage der Balanced Scorecard: Praktischer Implementierungsleitfaden für die Einführung einer Balanced Scorecard, spezifisch angepasst an die Anforderungen einer Berufsschule.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Analyseergebnisse und Forderung nach mehr Autonomie für Schulen bei der Wahl geeigneter Qualitätsmanagementsysteme.
Schlüsselwörter
Qualitätsentwicklung, Qualitätsmanagement, Berufsschule, Balanced Scorecard, EFQM-Modell, DIN ISO 9000ff., Schulentwicklung, Prozessorientierung, Strategieumsetzung, Kundenorientierung, Bildungsqualität, Stakeholder-Ansatz, Qualitätskontrolle, Schulebene, Unterrichtsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert kritisch, inwieweit etablierte Qualitätsmanagementsysteme aus der Wirtschaft auf den Bildungsbereich, insbesondere auf Berufsschulen, übertragbar sind, und entwickelt einen eigenen Umsetzungsentwurf.
Welche drei Qualitätsmodelle stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht das Modell der DIN ISO 9000ff., das EFQM-Modell für Business Excellence sowie die Balanced Scorecard (BSC).
Was ist das primäre Ziel der Autorin?
Es soll begründet werden, warum die Balanced Scorecard als strategisches Rahmenkonzept besonders geeignet für die Qualitätsentwicklung in Berufsschulen ist und wie diese konkret implementiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bewertung verwendet?
Die Autorin hat einen Katalog von zehn spezifischen Analysekriterien entwickelt (u.a. Rahmenbedingungen, Handhabbarkeit, Nachhaltigkeit, Anwendbarkeit auf Schulen), anhand derer die drei Modelle systematisch verglichen wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Herleitung werden die drei Modelle detailliert vorgestellt, anschließend anhand der Kriterien analysiert und schließlich für einen eigenen Entwurf zur Implementierung an einer Berufsschule synthetisiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Untersuchung charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Qualitätsmanagement, Berufsschule, Balanced Scorecard, EFQM-Modell, Schulentwicklung und Strategieumsetzung beschreiben.
Wie bewertet die Autorin die Anwendung der ISO 9000 Normen an Schulen?
Die Autorin stuft ISO 9000 als eher bildungsfern und zu bürokratisch ein, da das Modell den Fokus stark auf standardisierte Industrie-Prozesse legt und keine inhaltliche Qualitätsmessung im pädagogischen Sinne vorsieht.
Was unterscheidet den Balanced Scorecard-Ansatz in diesem Entwurf von einem Standard-Wirtschaftsmodell?
Der Entwurf modifiziert die Perspektiven (z.B. „Potenzialperspektive“ statt reiner „Lern- und Entwicklungsperspektive“) und rückt den staatlichen Leistungsauftrag sowie den Schulentwicklungskontext in den Mittelpunkt, statt ein reines gewinnorientiertes Finanzmodell zu verfolgen.
- Quote paper
- Diplomhandelslehrerin Annette Nowak (Author), 2006, Qualitätsentwicklung in der Berufsschule – Kritische Analyse ausgewählter Konzepte und Entwicklung eines eigenen Entwurfs auf der Grundlage von Balanced Scorecard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73266