Die fortschreitende Globalisierung der Unternehmen bedingt sowohl eine verstärkte internationale Kapitalverflechtung, als auch eine zunehmende Kapitalmarktorientierung. In der Regel schaffen Start-ups, sowie auch mittelständische Unternehmen eine Expansion auf internationaler Ebene nur über den Zugang zu den Kapitalmärkten. Für die Zulassung an der New Yorker Börse (NYSE) wird beispielsweise ein Jahresabschluss über drei Vergleichsjahre nach US-GAAP vorausgesetzt. Ferner ist die internationale Rechnungslegung innerhalb eines international operierenden Konzerns wesentlich effizienter und transparenter darzustellen, wenn in allen Gesellschaften eine einheitliche Norm zur Anwendung kommt. Selbst innerhalb Europas sind die bestehenden unterschiedlichen nationalen Rechnungslegungsnormen, für solche Bestrebungen hinderlich. Ein Vergleich oder eine Analyse von Jahresabschlüssen aus verschiedenen nationalen Rechtssystemen ist nicht möglich und potentiellen Anlegern wird ein Engagement erschwert. Durch die internationalen Rechnungslegungsnormen soll der Zugang zu den Börsenplätzen und somit zu den Kapitalgebern erleichtert werden.
Ein weiteres Motiv, sich mit den internationalen Bilanzierungsnormen zu beschäftigen, kann eine Refinanzierung durch internationale Kreditgeber und eine eventuell bessere Einstufung beim Rating der Banken sein1.
Seit 2005 sind außerdem neue gesetzliche Vorschriften zu beachten, die die internationalen Regelungen stärker berücksichtigen, um die Jahresabschlüsse aus Sicht der Investoren besser vergleichbar zu machen. Aus Unternehmenssicht führen somit nationale und internationale Börsenvorschriften sowie gesetzliche Regelungen, zur Anwendung internationaler Rechnungslegungsvorschriften2.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Bedeutung der internationalen Rechnungslegung
1.2. Historischer Rückblick
1.3. Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit
2. Die Rechnungslegungskonzepte und Institutionen
2.1. Das deutsche Handelsrecht
2.1.1. Gesetzgeber
2.1.2. Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW)
2.1.3. Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC)
2.1.4. Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung
2.2. Die internationalen Rechnungslegungsstandards IAS/IFRS
2.2.1. Allgemeines / Aufbau
2.2.2. International Accounting Standards Committee / Board (IASC/IASB)
2.2.3. Rechnungslegungsgrundsätze nach IAS/IFRS
3. Die Rechnungslegung der Vorräte nach IAS/IFRS
3.1. Zielsetzung und Anwendungsbereich IAS 2
3.2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
3.3. Ansatz
3.4. Bewertung
3.4.1. Bewertungsgrundsätze
3.4.2. Ermittlung der Zugangswerte
3.4.3. Einzelbewertung versus Bewertungsvereinfachungsverfahren
3.4.4. Analyse der Bilanzierungspraxis
3.4.5. Besonderheiten bei der Folgebewertung
3.5. Ausweis des Vorratsvermögens
4. Die Rechnungslegung der Vorräte nach HGB
4.1. Ansatz
4.2. Bewertung
4.2.1. Strenges Niederstwertprinzip
4.2.2. Maßstäbe für die Ermittlung des niedrigeren Wertes
4.2.3. Die Verfahren zur Bewertung gleichartiger Vorräte
4.2.3.1. Überblick über die Verfahren
4.2.3.2. Die Durchschnittsmethode
4.2.3.3. Die Verbrauchsfolgeverfahren
4.2.3.4. Handelsrechtliche Zulässigkeit von Verbrauchsfolgeunterstellungen
4.3. Ausweis
5. Die Rechnungslegung der Forderungen nach IAS/IFRS
5.1. Zielsetzung und Anwendungsbereich IAS 39
5.2. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
5.3. Ansatz
5.4. Bewertung
5.4.1. Zugangsbewertung
5.4.2. Folgebewertung
5.4.3. Analyse der Bilanzierungspraxis
5.5. Ausweis
6. Die Rechnungslegung der Forderungen nach HGB
6.1. Ansatz
6.2. Bewertung
6.2.1. Zugangsbewertung
6.2.2. Folgebewertung
6.2.3. Die Bewertung abzuzinsender Forderungen
6.2.4. Fremdwährungsforderungen
6.3. Ausweis
7. Zusammenfassung und Vergleich zwischen IAS/IFRS und HGB
7.1. Die wesentlichen Unterschiede zwischen IAS/IFRS und HGB
7.2. Gegenüberstellung der beiden Rechnungslegungssysteme bei der Bewertung von Vorräten
7.2.1. Anschaffungs- / Herstellungskosten
7.2.2. Bewertungsvereinfachungsverfahren
7.3. Vergleich der beider Rechnungslegungssysteme bei der Forderungsbewertung
7.3.1. Anschaffungskosten
7.3.2. Wertberichtigungen / Abschreibungen
8. Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich dem fundierten Vergleich der Bilanzierung von Forderungen und Vorräten nach den nationalen Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) sowie den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS). Ziel ist es, die konzeptionellen Unterschiede sowie die konkreten Bewertungs- und Ansatzunterschiede herauszuarbeiten, um die Auswirkungen auf die Darstellung der Vermögens- und Ertragslage in Unternehmen transparent zu machen.
- Grundlagen und Institutionen der Rechnungslegung (HGB vs. IAS/IFRS)
- Ansatz und Bewertung von Vorräten nach internationaler und nationaler Norm
- Bewertungsvereinfachungsverfahren bei Vorräten und deren handelsrechtliche Zulässigkeit
- Bilanzierung und Bewertung von Forderungen sowie Umgang mit Wertminderungen
- Gegenüberstellung der Rechnungslegungssysteme bei ausgewählten Bilanzposten
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Bewertungsgrundsätze
Die Bewertung von Vorräten folgt dem Anschaffungskostenprinzip. Vorratsgüter, die von Dritten erworben wurden, sind mit den Anschaffungskosten anzusetzen. Die vom Unternehmen selbst erstellten Güter sind mit den Herstellungskosten als Zugangswert anzusetzen. Abschreibungen sind dann vorzunehmen, wenn der Nettoveräußerungswert oder ersatzweise dessen Näherungswert unter den Anschaffungs- oder Herstellungskosten liegt. Fällt der Abschreibungsgrund in der Folgezeit weg, so hat eine entsprechende Zuschreibung zu erfolgen, dabei bilden die Zugangswerte die Bewertungsobergrenze.
Die Bestandteile der Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie die Besonderheiten der Zugangs- und Folgebewertung im Vorratsvermögens werden folgend dargestellt. Sie betreffen zum einen die vom Unternehmen anzuwendenden Verfahren zur Bestimmung der Zugangswerte und zum anderen die Bemessung von Abschreibungen und Zuschreibungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung internationaler Rechnungslegungsnormen vor dem Hintergrund der Globalisierung und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Die Rechnungslegungskonzepte und Institutionen: Hier werden die Grundlagen des deutschen Handelsrechts (HGB) sowie der internationalen Standards (IAS/IFRS) inklusive der maßgeblichen Standardsetter und konzeptionellen Rechnungslegungsgrundsätze dargestellt.
3. Die Rechnungslegung der Vorräte nach IAS/IFRS: Dieses Kapitel behandelt detailliert den IAS 2, die Ansatzkriterien, die Ermittlung von Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie die Folgebewertung von Vorräten nach internationalem Standard.
4. Die Rechnungslegung der Vorräte nach HGB: Hier liegt der Fokus auf der nationalen Vorratsbewertung, insbesondere dem strengen Niederstwertprinzip, der Festbewertung und verschiedenen Verbrauchsfolgeverfahren.
5. Die Rechnungslegung der Forderungen nach IAS/IFRS: Dieses Kapitel widmet sich der Bilanzierung von Finanzinstrumenten gemäß IAS 39, mit Schwerpunkt auf der Zugangsbewertung zum Fair Value und der Folgebewertung unter Berücksichtigung von Ausfallrisiken.
6. Die Rechnungslegung der Forderungen nach HGB: Die nationale Forderungsbewertung wird hier inklusive der Zugangsbewertung zum Nennwert, der Behandlung von zweifelhaften Forderungen und der Abzinsung von langfristigen Forderungen erläutert.
7. Zusammenfassung und Vergleich zwischen IAS/IFRS und HGB: In diesem Kapitel werden die beiden Systeme gegenübergestellt, wobei insbesondere die Unterschiede bei der Vorrats- und Forderungsbewertung systematisch aufgearbeitet werden.
8. Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen: Abschließend werden die potenziellen Vorteile einer Umstellung auf IAS/IFRS für mittelständische Unternehmen sowie zukünftige Trends der Rechnungslegung diskutiert.
Schlüsselwörter
Rechnungslegung, IAS, IFRS, HGB, Vorräte, Forderungen, Bewertung, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Niederstwertprinzip, Bilanzierung, Finanzinstrumente, Periodenabgrenzung, Fair Value, Wirtschaftsprüfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Bilanzierung von Vorräten und Forderungen zwischen dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und den internationalen Standards (IAS/IFRS).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ansatz- und Bewertungsvorschriften für Vorratsvermögen und Forderungen sowie dem Vergleich der zugrundeliegenden Rechnungslegungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die systematische Darstellung und Gegenüberstellung der Bilanzierungsmethoden für Vorräte und Forderungen in beiden Rechnungslegungssystemen, um deren Unterschiede und Auswirkungen auf die Unternehmensbilanz zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse der bestehenden gesetzlichen Vorschriften und internationalen Standards unter Berücksichtigung relevanter Literatur und Bilanzierungspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der Vorrats- und Forderungsbewertung, getrennt nach IAS/IFRS und HGB, sowie deren anschließende direkte Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Rechnungslegung, IFRS, HGB, Vorratsbewertung, Forderungsbewertung, Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie das Niederstwertprinzip.
Welche Rolle spielt das strenge Niederstwertprinzip in der Arbeit?
Es wird als zentrales Element der HGB-Bewertung herausgestellt, welches den Gläubigerschutz durch eine vorsichtige Gewinnermittlung sicherstellt und im direkten Kontrast zur internationalen "Fair Presentation" steht.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Vorräten zwischen IAS/IFRS und HGB?
Ein wesentlicher Unterschied ist der zwingende Vollkostenansatz bei IAS/IFRS im Vergleich zum Wahlrecht bei der Einbeziehung von Gemeinkosten nach HGB, was zu unterschiedlichen Aktivierungshöhen führt.
- Citar trabajo
- Sandra Stocker (Autor), 2007, Die Rechnungslegung der Vorräte und Forderungen nach IAS/IFRS und HGB im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73625