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Die Islamische Republik Iran als Gottesstaat

Anspruch und Wirklichkeit der Staatsideologie Khomeinis

Title: Die Islamische Republik Iran als Gottesstaat

Thesis (M.A.) , 2006 , 125 Pages , Grade: 1

Autor:in: Oliver Borszik (Author)

Orientalism / Sinology - Islamic Studies
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Die von Ayatollah Khomeini konzipierte und religiös sowie vernunftsmäßig legitimierte
Herrschaft des Rechtsgelehrten hat in der Islamischen Republik Iran auch 27 Jahre nach ihrer Gründung Bestand. In einer globalisierten und in allen Lebensbereichen der Modernisierung verpflichteten Welt erweisen sich die ideologischen Fundamente im Gottesstaat als weitestgehend stabil. In Anbetracht dessen werden in der vorliegenden Magisterarbeit die folgenden Fragen gestellt und so weit wie möglich beantwortet: von welchen historischen Errungenschaften der Schia in Iran profitierte Khomeinis Staatsideologie? Welche Rolle spielen Dogmatismus, Überlieferung, Verstand und Mystik innerhalb seiner Denkweise? Worin liegen die grundlegenden Widersprüche und die theoretische Inkonsistenz der Staatsideologie Khomeinis, die Eingang in die Verfassung fand? Inwiefern konnte Khomeinis Staatsideologie, seine Vorstellungen von einem idealen islamischen Staat und einer „wahren” und „gerechten” islamischen Gesellschaft verwirklicht werden? Welchen Nutzen zog die iranische Bevölkerung aus den umfassenden Wandlungsprozessen seit der Politisierung der Geistlichkeit und der Re-Islamisierung von Staat und Gesellschaft?
Bei der Beschäftigung mit diesen komplexen Fragen ist zu erwarten – so die Hauptthese der Arbeit –, dass zwangsläufig Diskrepanzen und Widersprüche zwischen ideologischem Anspruch und der Wirklichkeit in dem Gottesstaat entstehen mussten, da Khomeinis Weltanschauung teilweise zu einer vereinfachenden und polarisierenden Sichtweise neigt. Die Untersuchung eben solcher Antagonismen steht im Vordergrund dieser Arbeit und bildet ihren gedanklichen Rahmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Historische und ideologische Dimension

2.1. Historisch-religiöse Ausgangslage und Entwicklungen des schiitischen Islams im Hinblick auf die Rolle der Rechtsgelehrten

2.2. Schiitischer Revivalismus in Iran im Zeitalter der Moderne

2.3. Perspektiven der Weltanschauung Khomeinis

2.3.1. Khomeini zwischen Dogmatismus, Verstand und Mystik

2.3.1.1. Dogmatismus, Rhetorik und Überlieferung

2.3.1.2. Überlegungen zum Verhältnis von Verstand und Überlieferung

2.3.1.3. Religiöses Bewusstsein und Mystik

2.4. Politische Theorie: islamische Ordnung und die Konzeption der Staatsideologie der Islamischen Republik Iran

3. Verfassungsmäßige Dimension

3.1. Quellen und Methoden des islamischen Rechts in der Verfassung

3.2. Veränderliche und feststehende Sphären des islamischen Rechts

3.3. Zur Diskrepanz zwischen religiösen und weltlichen Elementen

3.3.1. Absolute Gottessouveränität vs. eingeschränkte Volkssouveränität

3.3.2. Absolute Herrschaft des Rechtsgelehrten vs. Gewaltenteilung

4. Politische und gesellschaftliche Dimension

4.1. Auswirkungen des Ersten Golfkriegs auf Politik und Gesellschaft

4.2. Ayatollah ‘Ali Khamene’i zwischen marºaþÍyat und velÁyat-e faqÍh

4.3. Machtkämpfe zwischen Linksislamisten, Rechtstraditionalisten, Technokraten und Reformern

4.3.1. Zur staatlichen Einflussnahme linker Islamisten

4.3.2. Zeitweilige Koalition zwischen Technokraten und Rechtstraditionalisten

4.3.3. Zum Scheitern der Reformer

4.4. Indoktrinierte oder autonome Zivilgesellschaft?

5. Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Staatsideologie Khomeinis und deren Entfaltung in der Wirklichkeit der Islamischen Republik Iran. Ziel ist es, die Diskrepanzen zwischen dem ideologischen Anspruch eines Gottesstaates und den politischen sowie gesellschaftlichen Realitäten aufzuzeigen und dabei die historische und verfassungsmäßige Dimension dieser Entwicklung zu analysieren.

  • Historische Entwicklung des schiitischen Islams und der Rolle der Rechtsgelehrten
  • Analyse der Staatsideologie und der Herrschaft des Rechtsgelehrten (velayat-e faqih)
  • Spannungsfeld zwischen islamischem Gesetz (Scharia) und Moderne
  • Politische Machtkämpfe und die Rolle der Zivilgesellschaft in der Islamischen Republik
  • Kritische Bewertung der Legitimität und Stabilität des politischen Systems

Auszug aus dem Buch

2.3.1.1. Dogmatismus, Rhetorik und Überlieferung

Khomeinis Geschichtsverständnis äußert sich vorwiegend in einer populistischen Rhetorik, die die Betonung auf die immer schon politische Rolle und Haltung der Geistlichkeit in der Geschichte der Schia legt. Seiner stark vereinfachenden und dogmatischen Darstellungsweise zufolge „[…] the clergy valiantly resisted imperialism, feudalism, and despotism.” Khomeini selbst stünde mit seinem politischen Anspruch und seinem militanten Widerstand gegen den Schah und gegen tyrannische Regime in der religiösen Pflicht einer Jahrhunderte alten islamischen Tradition, beginnend mit dem Propheten: „Tradition relates that the Prophet (upon whom be peace) said that the title of King of Kings [traditionell persische Bezeichnung für den Schah], which is borne by the monarchs of Iran, is the most hated of all titles in the sight of God. Islam is fundamentally opposed to the whole notion of monarchy. Anyone who studies the manner in which the Prophet established the government of Islam will realize that Islam came in order to destroy these palaces of tyranny.”

Und weiter: „In reality, since the very beginning of history, the prophets and scholars of religion have always had the duty of resisting and struggling against monarchs and tyrannical governments.” Diese demagogische Darstellungsweise islamischer Geschichte ließe sich anhand einer Vielzahl ähnlich lautender Zitate Khomeinis weiter fortführen. Abrahamian untersucht hierzu im Kontext des Kapitels History Used and Abused inwiefern Khomeini insbesondere seit den 1960er und 1970er Jahren auf die politische Legitimierung geistlicher Autorität durch khomeinistische Geschichtsmanipulation abzielte. So sei beispielsweise in der neueren Geschichte Irans die konstitutionelle Revolution (1905-1910) ein anti-imperialistischer Kampf gewesen, der von Vertretern der schiitischen Geistlichkeit angeführt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und des Ziels, die Staatsideologie Khomeinis unter Einbeziehung historischer, verfassungsmäßiger und politisch-gesellschaftlicher Dimensionen zu untersuchen.

2. Historische und ideologische Dimension: Analyse der schiitischen Geschichte als Legitimationsgrundlage für Khomeinis Konzept der Herrschaft des Rechtsgelehrten.

3. Verfassungsmäßige Dimension: Untersuchung der Widersprüche innerhalb der Verfassung zwischen islamischen Normen und säkular-demokratischen Versatzstücken.

4. Politische und gesellschaftliche Dimension: Erörterung der Auswirkungen der Ideologie auf die Gesellschaft sowie die internen Machtkämpfe zwischen verschiedenen politischen Strömungen.

5. Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Zusammenfassung der unüberbrückbaren Differenzen zwischen dem islamischen Ideal und der komplexen Realität.

6. Fazit: Resümee über das Scheitern der angestrebten islamischen Ordnung und die zukünftigen Herausforderungen für das theokratische System.

Schlüsselwörter

Islamische Republik Iran, Khomeini, Staatsideologie, velayat-e faqih, Schia, Scharia, Gottesstaat, Moderne, Rechtsgelehrte, Verfassung, Politik, Zivilgesellschaft, Islamismus, Machtkampf, Revolution.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Widerspruch zwischen dem ideologischen Anspruch der Islamischen Republik Iran als Gottesstaat und der tatsächlichen politischen sowie gesellschaftlichen Wirklichkeit unter besonderer Berücksichtigung der Ideologie Khomeinis.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die historische Legitimierung der schiitischen Geistlichkeit, die verfassungsrechtlichen Strukturen des Gottesstaates und die sozio-politischen Wandlungsprozesse seit der Revolution.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die theoretische Inkonsistenz in Khomeinis Staatsideologie aufzuzeigen und zu untersuchen, wie diese die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Iran mitgeprägt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen meta-analytischen Ansatz, um theoretische Erkenntnisse und Primärquellen zu synthetisieren und eine fundierte Aussagequalität zu erreichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine Untersuchung der Verfassungsdimension sowie die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Konflikte, insbesondere zwischen verschiedenen Ideologielagern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Islamische Republik Iran, Khomeinis Ideologie, velayat-e faqih, der schiitische Klerus und das Spannungsfeld zwischen islamischem Gesetz und Moderne.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Zivilgesellschaft?

Die Zivilgesellschaft wird als eine zunehmend autonome, aber durch das Regime unterdrückte Kraft dargestellt, die zwar den Wunsch nach Modernisierung trägt, jedoch an den engen Rahmenbedingungen des theokratischen Systems scheitert.

Welche Rolle spielt der Erste Golfkrieg für die Machtkonsolidierung?

Der Krieg wird als entscheidender Faktor identifiziert, der die Macht der Geistlichen festigte, indem er die Bevölkerung im Namen der Verteidigung gegen äußere Feinde an das Regime band.

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Details

Title
Die Islamische Republik Iran als Gottesstaat
Subtitle
Anspruch und Wirklichkeit der Staatsideologie Khomeinis
College
University of Hamburg  (Asien Afrika Institut)
Grade
1
Author
Oliver Borszik (Author)
Publication Year
2006
Pages
125
Catalog Number
V73806
ISBN (eBook)
9783638685634
ISBN (Book)
9783638725583
Language
German
Tags
Islamische Republik Iran Gottesstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Borszik (Author), 2006, Die Islamische Republik Iran als Gottesstaat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73806
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