Im Rahmen des Hauptseminars: „Der Erzähler Eduard Mörike“ habe ich mich eingehend mit der Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ beschäftigt und dabei vor allem den Aspekt der Ökonomie betrachtet.
Im Folgenden möchte ich Mörikes Beziehung zu Mozart darstellen und veranschaulichen, wie wichtig der Komponist im Leben des Autors war und welchen Einfluss das Leben Mörikes auf die Novelle hatte. Anschließend folgt eine ausführliche Betrachtung des Charakters von Wolfgang Amadeus Mozart und dessen Bewusstsein für Ökonomie. Der Schwerpunkt soll hierbei auf die Unvereinbarkeit zwischen Schein und Sein in seinem Leben gelegt werden, sowie auf Mozarts Ökonomie der Verschwendung, die er sich zum Lebens- und Kunstprinzip macht. Dabei wird auch eine Parallele zu Don Giovanni, dem Protagonisten seiner wohl bekanntesten gleichnamigen Oper gezogen. Beide - Mozart und Don Giovanni- sind erotische Verschwender. Dieser Sucht nach Verschwendung und Rausch steht jedoch Mozarts Sehnsucht nach einem einfachen, bürgerlichen Leben gegenüber, das auch seine Frau Constanze verkörpert.
Nach dieser Analyse wird nochmals Mozarts Ökonomieproblem mit dem Leben Eduard Mörikes verglichen, in dem sich einige Gesichtspunkte entsprechen, bevor im Schluss der Arbeit der Frage nachgegangen wird: Gäbe es Mozarts wunderbare Musik überhaupt, wenn er nicht dieses verschwenderische, schon nahezu wahnsinnige Wesen gehabt hätte?
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Mörikes Beziehung zu Mozart und seine Mozart-Kenntnis
2. Die historische Realität um Mozarts Pragreise
3. „Mozart auf der Reise nach Prag“
3.1 Mozart und die Unvereinbarkeit zweier Lebensformen
3.2. Mörikes Novelle und die Ökonomie der Verschwendung
3.2.1 Mozart und die feudale Ökonomie der Verschwendung
3.2.2 Verschwendung – Mozarts Kunstprinzip
3.2.3 Mozart und Don Giovanni – zwei erotische Verschwender
3.3 Mozarts Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben
3.4 Constanze – die Bürgerliche
4. Mörike - Mozart und das Problem der Ökonomie
5. Der Einfluss von Mörikes Biographie auf die Novelle
6. Mörikes unökonomische Schreibweise
7. Mozart als Bürgerlicher. Gäbe es seine Musik?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ unter dem zentralen Aspekt der Ökonomie. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Spannung zwischen Mozarts feudaler Ökonomie der Verschwendung – sowohl als Lebens- als auch als Kunstprinzip – und seinem unbewussten Wunsch nach einer bürgerlichen Existenz sowie der Frage, inwieweit sein exzessives Wesen Bedingung für sein geniales Schaffen war.
- Mörikes persönliche Beziehung und existenzielle Bindung an Mozart
- Die Analyse von Mozarts „Ökonomie der Verschwendung“
- Die Kontrastierung von feudalen Künstleridealen und bürgerlicher Lebensführung
- Einfluss autobiographischer Elemente aus Mörikes Leben auf die Novelle
- Der Zusammenhang zwischen schöpferischem Genie und melancholischer Selbstzerstörung
Auszug aus dem Buch
Mozart und die Unvereinbarkeit zweier Lebensformen
Mozart ist, wie oben beschrieben ein beliebter Künstler. Sowohl in Prag, als auch in Wien. Nun könnte man meinen, Mozart feiert viele Erfolge und sei somit auch finanziell unabhängig und wohlhabend. Das Ehepaar reist in einer geschmückten Kutsche. Der Wagen ist mit Blumen bemalt, mit feinen Goldleisten verziert und schwere Ledervorhänge schützen die Reisenden vor neugierigen Blicken. Doch dies ist alles nur Schein und entspricht nicht den Tatsachen, wie man schon gleich zu Beginn der Erzählung erfährt; denn die Reisekutsche ist nur eine Leihgabe und die Mozarts könnten sie sich eigentlich nicht leisten. Dies wird auch an der Kleidung deutlich. Mozart trägt eine gestickte Weste „von etwas verschossenem Blau“ und einen braunen Überrock, den er täglich zu tragen pflegt. An diesem Rock befinden sich derartige Knöpfe, „daß eine Lage rötliches Rauschgold durch ihr sternartiges Gewebe schimmerte[...]“ Dieses sogenannte Rauschgold besteht aus feinem Messingblech und wird zu Dekorationszwecken benutzt. Es handelte sich also nicht um echtes Gold. Mozart täuscht hier Wohlstand und Reichtum vor, den er in Wirklichkeit nicht besitzt. Die edlen Kleider befinden sich im Koffer, damit sie geschont werden. Ähnlich verhält es sich mit seinen Schuhen. Der Erzähler hebt extra hervor, dass es sich beim Verschluss der Schuhe um „vergoldete Schnallen“ handelt. Auch hier ist es also nicht das echte Edelmetall, sondern wiederum nur die Vortäuschung eines solchen. Mozart erweckt einen Schein, der nicht der Realität entspricht. Er versucht den höfischen Ansprüchen Genüge zu tun, kann aber seine wirklichen Verhältnisse nicht verleugnen.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Fokus der Arbeit auf den Ökonomieaspekt in Mörikes Novelle und die zentrale Fragestellung nach der Vereinbarkeit von Geniekult und bürgerlichem Leben.
1. Mörikes Beziehung zu Mozart und seine Mozart-Kenntnis: Dieses Kapitel beleuchtet die tiefgreifende, existenzielle Prägung Mörikes durch Mozart und dessen Musik, insbesondere die Bedeutung der Oper „Don Giovanni“.
2. Die historische Realität um Mozarts Pragreise: Hier werden die biografischen Fakten zu Mozarts tatsächlicher Reise nach Prag 1787 dargelegt, die als historischer Rahmen für die Novelle dient.
3. „Mozart auf der Reise nach Prag“: Der Hauptteil analysiert die Novelle in ihrer thematischen Tiefe, von der Unvereinbarkeit der Lebensformen über das Prinzip der Verschwendung bis zur Rolle von Constanze.
4. Mörike - Mozart und das Problem der Ökonomie: Es wird die Parallele zwischen Mozarts Problemen und Mörikes eigenem Ringen um die Vereinbarkeit von geistlichem Brotberuf und schriftstellerischer Berufung gezogen.
5. Der Einfluss von Mörikes Biographie auf die Novelle: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Mörike persönliche Kindheitseindrücke und brieflich überlieferte Erfahrungen in die Erzählung integriert hat.
6. Mörikes unökonomische Schreibweise: Es wird analysiert, wie die Erzählstruktur mit ihren zahlreichen Abschweifungen und Erzählerwechseln das Thema der Verschwendung formal widerspiegelt.
7. Mozart als Bürgerlicher. Gäbe es seine Musik?: Das Schlusskapitel widmet sich der hypothetischen Frage, ob Mozarts geniale Musik ohne seinen verschwenderischen, exzessiven Lebensstil überhaupt entstanden wäre.
Schlüsselwörter
Eduard Mörike, Mozart auf der Reise nach Prag, Ökonomie, Verschwendung, Künstlertum, Bürgertum, Don Giovanni, Constanze, Melancholie, Biografie, Literaturanalyse, Schaffensprozess, Genie, Lebensstil, Novelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ im Hinblick auf den Aspekt der Ökonomie und die Lebensweise des Komponisten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die „Ökonomie der Verschwendung“, das Spannungsfeld zwischen Künstlertum und bürgerlicher Anpassung sowie die autobiografischen Bezüge in Mörikes Werk.
Welche Forschungsfrage steht im Zentrum?
Die zentrale Frage lautet, ob Mozarts wunderbare Musik überhaupt existieren würde, wenn er nicht dieses verschwenderische und nahezu wahnsinnige Wesen gehabt hätte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textnahe Analyse der Novelle, ergänzt durch biographische Informationen zu Mörike und zeitgenössische Zeugnisse über Mozart.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Mozarts Unvereinbarkeit von Lebensformen, seine Verschwendung als Kunstprinzip, seine Erotik, seine Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben und den Vergleich mit Mörikes eigener Lebenssituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Ökonomie, Verschwendung, Künstlertum, bürgerliche Existenz, Genialität und Melancholie.
Welche Rolle spielt „Don Giovanni“ in Mörikes Novelle?
„Don Giovanni“ dient als Spiegel für Mozarts eigenes Leben, da er sowohl in der Oper als auch in der Novelle als ein Sinnbild für erotische und existenzielle Verschwendung gedeutet wird.
Warum wird Constanze als Kontrastfigur zu Mozart dargestellt?
Constanze verkörpert das Bürgertum und ökonomische Stabilität; sie ist diejenige, die versucht, den Familienhaushalt zu sichern, während Mozart sich völlig der künstlerischen Verschwendung hingibt.
- Citation du texte
- Beate Sewald (Auteur), 2004, "Mozart auf der Reise nach Prag" - Mörikes Novelle und das Problem der Ökonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73948