Einleitung
Sie ist nicht neu: die Frage nach der Rolle des Lehrers und den mit ihr verbundenen Aufgaben.
In der Öffentlichkeit wird dieses Thema breit diskutiert. Aber auch in Fachkreisen, und sogar bei den Lehrern selbst, herrscht keine Klarheit über ihren eigenen Berufsstand.(1)
Schlagwörter, wie „Professionalisierung“, „Leitbild“ und „Berufsethos“ tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Sie sollen in dieser Arbeit näher erläutert werden. Außerdem soll es darum gehen, zwei konkrete Entwürfe darzustellen und miteinander zu vergleichen: das Leitbild und die damit in Verbindung stehenden Standesregeln des schweizerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes und den Abschlussbericht der von der Kultusministerkonferenz
eingesetzten Kommission zur Entwicklung von Richtlinien für eine
zukunftsorientierte Lehrerbildung.
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1 Vgl. Schwänke, Ulf: Der Beruf des Lehrers. Professionalisierung und Autonomie im historischen Prozeß. Weinheim; München: Juventa-Verlag, 1988, S.3
Inhalt
1. Einleitung
2. Die Unsicherheit über das Berufsbild des Lehrers
3. Der Lehrerberuf auf dem Wege der Professionalisierung
4. Der Entwurf der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission
4.1.Das zentrale Anliegen
4.2.Die Inhalte des Leitbildes der Terhart-Kommission
5. Die Standesregeln und das Leitbild des Schweizerischen Lehrer/-innenverbandes
5.1.Das zentrale Anliegen
a.des Leitbildes
b.der Standesregeln
5.2.
a.Die Inhalte des Leitbildes des LCH
b.Die Inhalte der Standesregeln
6. Vergleich der Ergebnisse
6.1. Anwendung der Kriterien auf den Entwurf der Terhart-Kommission
6.2. Anwendung der Kriterien auf den Entwurf des LCH
7. Resumee
8. Endnoten
9. Literaturhinweise
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht das Berufsleitbild sowie die Standesregeln des Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (LCH) mit den Ergebnissen der von der deutschen Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission zur Lehrerbildung, um den Professionalisierungsgrad des Lehrerberufs in beiden Kontexten zu analysieren.
- Analyse und Vergleich unterschiedlicher Berufsleitbilder für Lehrkräfte.
- Untersuchung der Professionalisierung des Lehrerberufs anhand spezifischer Kriterien.
- Gegenüberstellung staatlicher Vorgaben (Deutschland) und verbandlicher Selbstregulierung (Schweiz).
- Diskussion von Berufsethos, Autonomie und beruflichem Selbstverständnis.
Auszug aus dem Buch
Die Unsicherheit über das Berufsbild des Lehrers
Die Aufgabe des Lehrers scheint zunächst klar zu sein: wie die Berufsbezeichnung schon sagt, ist er dafür zuständig, einer Gruppe von Schüler/innen einen bestimmten Lernstoff zu vermitteln, der im Bildungsplan festgelegt ist. Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens gewinnt diese Aufgabe zunehmend an Bedeutung. Nicht nur Lerninhalte sollen vom Lehrer vermittelt , sondern anhand des Lernstoffes soll den Schüler/innen das Lernen selbst beigebracht werden. So wird „die gezielte Planung, Organisation, Gestaltung und Reflexion von Lehr-Lernprozessen auch als Kernbereich der Kompetenz von Lehrerinnen und Lehrern“ bezeichnet.
Diesem Auftrag nachzukommen ist aber häufig gar nicht ohne Weiteres möglich. In regelmäßigen Abständen ist in den Medien von Disziplinschwierigkeiten der Lehrer, zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten, mangelnder Konzentration, wachsender Unlust und Gewaltbereitschaft bei Schülern zu hören und zu lesen. Als Gründe werden unter anderem instabile Familienverhältnisse und ein steigender Medienkonsum angegeben. So sehen sich Lehrer häufig genötigt, in die Rolle eines Verhaltenstherapeuten, Familienberaters, Sozialpädagogen oder Entertainers zu schlüpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Rollendefinition des Lehrberufs und Vorstellung der zu vergleichenden Entwürfe.
2. Die Unsicherheit über das Berufsbild des Lehrers: Analyse der wachsenden Anforderungen und Rollenkonflikte, mit denen Lehrkräfte im modernen Schulalltag konfrontiert sind.
3. Der Lehrerberuf auf dem Wege der Professionalisierung: Definition der Merkmale einer Profession nach Ulf Schwänke als theoretische Basis für den weiteren Vergleich.
4. Der Entwurf der von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Kommission: Darstellung der Ziele und Inhalte des Abschlussberichts der Terhart-Kommission bezüglich der Lehrerbildung.
5. Die Standesregeln und das Leitbild des Schweizerischen Lehrer/-innenverbandes: Vorstellung des Berufsleitbildes und der Standesregeln des LCH als Instrumente der Selbstregulierung.
6. Vergleich der Ergebnisse: Anwendung der zuvor definierten Kriterien auf die beiden Entwürfe zur Analyse ihres Professionalisierungsgehaltes.
7. Resumee: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede hinsichtlich Entstehung, Verbindlichkeit und Zielsetzung der untersuchten Leitbilder.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Berufsleitbild, Professionalisierung, Standesregeln, Kultusministerkonferenz, Terhart-Kommission, Lehrerinnen- und Lehrerverband, Schulentwicklung, Berufsethos, Pädagogisches Handeln, Lehrerbildung, Autonomie, Selbstregulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht, wie der Lehrerberuf in Deutschland durch staatliche Kommissionen und in der Schweiz durch Berufsverbände definiert und reguliert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Professionalisierung, Berufsethos, pädagogisches Selbstverständnis und die Autonomie von Lehrkräften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit die untersuchten Entwürfe zur Professionalisierung des Lehrerberufs beitragen und wie sie sich in ihrer Verbindlichkeit unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Analyse durchgeführt, bei der die beiden Entwürfe anhand von standardisierten Professionskriterien nach Ulf Schwänke untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Darstellung der Terhart-Kommission und des Schweizer LCH-Leitbildes sowie deren anschließende Auswertung und Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Lehrerberuf, Berufsleitbild, Professionalisierung, Standesregeln, Berufsethos und Selbstregulierung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem deutschen und schweizerischen Ansatz so wichtig?
Sie offenbart den grundlegenden Unterschied zwischen staatlich verordneten Rahmenvorgaben (Deutschland) und der demokratischen Selbstverpflichtung der Lehrerschaft (Schweiz).
Welche Bedeutung kommt dem Begriff der "Selbstregulierung" in der Arbeit zu?
Die Selbstregulierung wird als ein zentrales Merkmal professioneller Berufe identifiziert, welches in der Schweiz stärker ausgeprägt ist als im deutschen beamtenrechtlichen Kontext.
- Quote paper
- Claudia Rödiger (Author), 2001, Vergleich des Berufsleitbildes von Lehrern in der Schweiz und in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/745