Die aktuellen energiepolitischen Herausforderungen und Entwicklungen im europäischen Energiesektor des 21. Jahrhunderts werden durch globale Risikoszenarien beschrieben. Die Erschöpfung der weltweiten Energieressourcen sowie der dramatische Anstieg des Energieverbrauchs haben zu einem globalen Energiewettbewerb geführt und die zukünftige Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik unterstrichen. Auf dieser Basis hat die Europäische Kommission in ihrem Grünbuch aus dem März 2006 und ihrem europaweiten Energieaktionsplan von Januar 2007 die zügige Realisierung einer Europäischen Energiestrategie vorgeschlagen, um die Abhängigkeit der EU von Energieimporten nachhaltig zu reduzieren. Am Beispiel der vier verschiedenen nationalen Energiemixe der EU-Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen wird unter der Verwendung des intergouvernementalen Theorieansatzes diskutiert, aus welchen Gründen die Europäische Energiestrategie im Kontext der unterschiedlichen energiepolitischen Interessenslagen auf der mitgliedsstaatlichen Ebene in der EU derzeit nur eine geringe Realisierungsperspektive besitzt. Im Rahmen des EU-Energiegipfeltreffens am 08./09. März 2007 in Brüssel wird der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs über die weitere Realisierungsperspektive der Europäischen Energiestrategie beraten. Im Kontext der energiepolitischen Divergenzen in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten, wie nationaler Wirtschaftsprotektionismus und auf individuelle Nutzenmaximierung ausgerichtete mitgliedsstaatliche Energiestrategien, muss eine ernsthafte Realisierungsperspektive für eine gemeinschaftliche Europäische Energiestrategie gegenwärtig eher bezweifelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 STRATEGISCHE HERAUSFORDERUNGEN UND PERSPEKTIVEN EINER GEMEINSAMEN EUROPÄISCHEN ENERGIEPOLITIK
2.1 Die zentralen Herausforderungen der europäischen Energiepolitik im 21. Jahrhundert
2.2 Die Europäische Energiestrategie als Lösungsperspektive für die Energiesicherheit in Europa
3 DIE MITGLIEDSSTAATLICHEN INTERESSENSDIVERGENZEN IN DER EUROPÄISCHEN ENERGIEPOLITIK
4 DIE REALISIERUNGSPERSPEKTIVEN EINER SUPRANATIONAL AUSGERICHTETEN EUROPÄISCHEN ENERGIESTRATEGIE
5 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht, warum der Vorschlag der Europäischen Kommission für eine gemeinsame Energiestrategie angesichts divergierender nationaler Interessen und energiepolitischer Ausgangslagen in der EU derzeit nur geringe Realisierungschancen besitzt.
- Globale Herausforderungen und Risikoszenarien der Energieversorgung im 21. Jahrhundert.
- Analyse der nationalen Energiemixe am Beispiel von Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen.
- Die Rolle des intergouvernementalen Theorieansatzes bei der Bewertung supranationaler Strategien.
- Kernprobleme wie nationaler Wirtschaftsprotektionismus und Abhängigkeit von Energieimporten.
- Die Bedeutung der EU-Energieaußenpolitik im globalen Energiewettbewerb.
Auszug aus dem Buch
Die zentralen Herausforderungen der europäischen Energiepolitik im 21. Jahrhundert
Die aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Entwicklungen im europäischen Energiesektor des 21. Jahrhunderts werden durch globale Risikoszenarien beschrieben. Ausgangsprobleme sind die Erschöpfung der Energieressourcen und der gleichzeitig weltweit ansteigende Energieverbrauch. Der Energiebedarf wird heute überwiegend durch die fossilen, klimaschädlichen Energieträger Kohle, Erdöl oder Erdgas gedeckt. Ein grundlegender Wechsel zu nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energiequellen ist derzeit lediglich in wenigen EU-Mitgliedsstaaten in Sicht. Die Vorräte des wichtigsten Energieträgers Erdöl werden jedoch in den kommenden Jahrzehnten weiter abnehmen.
Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) wird spätestens im Jahr 2030 das Angebot an konventionellem Erdöl die Nachfrage nicht mehr decken können. Ähnliches gilt auch für Erdgas, dessen Ressourcen bei derzeitigem Verbrauch noch für etwa 60 Jahre ausreichen. Gleichzeitig ist die Energieversorgung vor dem Hintergrund einer stetig ansteigenden Weltbevölkerung kaum noch zu gewährleisten. In Verbindung mit dem rasanten Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern Brasilien, China und Indien wird der „Energiehunger“ dieser Staaten zu einem ansteigenden Verbrauch führen.
Europa als eher rohstoffarmer Kontinent wird dadurch einem globalen Wettbewerb um die begrenzt vorhandenen Energieressourcen ausgesetzt. Darüber hinaus stehen den Gefahren durch die globale Erderwärmung mangelhafte Umsetzungsversuche einer europäisch-globalen Klimaschutzpolitik gegenüber. Trotz der Verpflichtungen durch die UN-Klimarahmenkonventionen steigen die Kohlendioxid-Ausstöße weltweit weiter an. Die EU wird ihr Ziel, bis zum Jahr 2010 den Anteil erneuerbarer Energien von rund 13,0 Prozent auf 21,0 Prozent zu erhöhen, ohne eine grundlegende Trendwende in ihrer Energiepolitik nicht erreichen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die globale Energieabhängigkeit Europas und erläutert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Realisierungschancen einer gemeinsamen europäischen Energiestrategie.
2 STRATEGISCHE HERAUSFORDERUNGEN UND PERSPEKTIVEN EINER GEMEINSAMEN EUROPÄISCHEN ENERGIEPOLITIK: Dieses Kapitel analysiert globale Risikofaktoren für die Energieversorgung und erörtert den energiepolitischen Ansatz der Europäischen Kommission.
3 DIE MITGLIEDSSTAATLICHEN INTERESSENSDIVERGENZEN IN DER EUROPÄISCHEN ENERGIEPOLITIK: Hier werden die unterschiedlichen nationalen Energiemixe sowie die daraus resultierenden divergierenden Interessen der Mitgliedstaaten beleuchtet.
4 DIE REALISIERUNGSPERSPEKTIVEN EINER SUPRANATIONAL AUSGERICHTETEN EUROPÄISCHEN ENERGIESTRATEGIE: Das Kapitel diskutiert Hindernisse für eine einheitliche Strategie, insbesondere den nationalen Protektionismus und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten.
5 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Dringlichkeit einer gemeinsamen Strategie zusammen und bewertet die Chancen für die Zukunft der europäischen Energiepolitik.
Schlüsselwörter
Europäische Energiepolitik, Energiesicherheit, Energiemix, Europäische Kommission, Energieabhängigkeit, Importabhängigkeit, Energiebinnenmarkt, Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Russland, Klimaschutz, Energieaußenpolitik, supranationale Koordination, nationaler Protektionismus, Energieaktionsplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen und Erfolgsaussichten für die Etablierung einer einheitlichen, supranational gesteuerten europäischen Energiepolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der globalen Versorgungssicherheit, den unterschiedlichen nationalen Energiemixen sowie dem Konflikt zwischen nationaler Souveränität und europäischer Integration.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die aktuell geringen Realisierungschancen einer gemeinsamen europäischen Energiestrategie wissenschaftlich zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird der intergouvernementale Theorieansatz genutzt, um die nationalstaatlichen Präferenzen und deren Auswirkungen auf den Konsens in der EU zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Energiemixen von Deutschland, Frankreich, Österreich und Polen sowie den Kernproblemen Protektionismus und Abhängigkeit von Energieimporten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Europäische Energiepolitik, Energiesicherheit, Energiebinnenmarkt sowie der intergouvernementale Theorieansatz.
Warum ist die Abhängigkeit von Russland für die EU ein so kritisches Thema?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die einseitige Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen und die daraus resultierenden politischen Spannungen, etwa durch Transitprobleme, die Energiesicherheit der EU massiv gefährden.
Welche Rolle spielt der "nationale Protektionismus" in der Energiepolitik?
Er fungiert als ein zentrales Hindernis, da Staaten ihre heimischen Energiekonzerne vor EU-weitem Wettbewerb schützen, was dem Ziel eines gemeinsamen Energiebinnenmarktes entgegensteht.
- Quote paper
- Johann Alexander Bogensperger (Author), 2007, Warum besitzt die Europäische Energiestrategie aktuell nur eine geringe Realisierungschance?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75547