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Filmsynchronisation. Vergleich des französischen Films "La haine" von Mathieu Kassowitz und seiner deutschen Synchronfassung

Title: Filmsynchronisation. Vergleich des französischen Films "La haine" von Mathieu Kassowitz und seiner deutschen Synchronfassung

Diploma Thesis , 2004 , 97 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Shirley Bieg (Author)

French Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

In Deutschland ist ein Großteil aller im Fernsehen oder Kino gezeigten Filme ausländischen Ursprungs. Um diese Filme hierzulande auch verstehen zu können, müssen sie zuvor in die deutsche Sprache transferiert werden. Im Gegensatz zu verschiedenen kleineren Ländern, z. B. Belgien, der Schweiz, Skandinavien oder den Niederlanden (vgl. Gambier, 1995: 5), in denen ausländische Filme in erster Linie durch das Verfahren der Untertitelung in die jeweilige Zielsprache übertragen werden, stellt in Deutschland die Synchronisation das am häufigsten angewendete Verfahren zur audiovisuellen Sprachübertragung dar.
Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten, dieses Verfahren der Synchronisation innerhalb der Übersetzungswissenschaft einzuordnen und den gesamten Vorgang mit all seinen Schwierigkeiten und potentiellen Auswirkungen zu erläutern.
Dazu soll in Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit nach einer definitorischen Abgrenzung des Begriffs der Synchronisation ein grober Überblick über den technischen Prozess vermittelt werden, den ein Film im Laufe seiner Synchronisation durchläuft.
In Kapitel 3 soll erläutert werden, weshalb die literarische Übersetzung Grundlage für die Synchronisation eines Films ist, bevor dann in Kapitel 4 dargelegt wird, inwiefern sich die verschiedenen Formen der Synchronität auf den Übersetzungsprozess auswirken können.
Kapitel 5 umfasst zentrale Probleme der Synchronisation. Es soll erläutert werden, inwiefern das in Deutschland praktizierte Verfahren selbst für zahlreiche Probleme bei der Übersetzung eines Films verantwortlich ist.
In Kapitel 6, dem praktischen Teil der Arbeit, sollen einige der zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlagen anhand eines konkreten Filmbeispiels illustriert werden. Den praktischen Untersuchungsgegenstand bildet der französische Film „La haine“ von Mathieu Kassovitz. Durch eine Gegenüberstellung mehrerer ausgewählter Original-Textpassagen des Films und ihrer jeweiligen Entsprechung in der deutschen Synchronfassung sollen verschiedene Probleme und potentielle Auswirkungen aufgezeigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK

2 SYNCHRONISATION AUS TECHNISCHER PERSPEKTIVE

2.1 Definitorische Abgrenzung

2.2 Produktionsphasen der Synchronisation

2.2.1 Rohübersetzung

2.2.2 Anfertigung des Synchronbuches

2.2.3 Einteilung des Films in takes

2.2.4 Aufnahme der Synchrondialoge

2.2.5 Endmischung

3 SYNCHRONISATION ALS EINE FORM DER LITERARISCHEN ÜBERSETZUNG

3.1 Ausgangsmaterial

3.2 Interpretation

3.3 Übersetzung

3.4 Gesprochene Sprache

3.5 Informationen auf visueller Ebene

4 SYNCHRONITÄT ALS SPEZIFIKUM DER SYNCHRONISATION

4.1 Phonetische Synchronität

4.1.1 Quantitative Lippensynchronität

4.1.2 Qualitative Lippensynchronität

4.2 Charaktersynchronität

4.3 Inhaltliche Synchronität

4.3.1 Inhaltliche Synchronität bezüglich Schriftsprache und Realia

4.3.2 Gesten- und Mimiksynchronität

4.3.3 Gestik und Mimik in Zusammenhang mit der Nukleussynchronität

4.3.4 Idiomatische Redewendungen und Sprachspiele in Korrelation mit dem Bildkontext

4.4 Schlussbetrachtung

5 ZENTRALE PROBLEME DER SYNCHRONISATION

5.1 Trennung von Rohübersetzung und Synchronübersetzung

5.2 Zentrale Probleme in der Phase der Rohübersetzung

5.3 Zentrale Probleme in der Phase der Synchronübersetzung

5.4 Zentrale Probleme in der Phase der Sprachaufnahmen

5.5 Fazit

6 KORPUSANALYSE – UNTERSUCHUNG DER DEUTSCHEN SYNCHRONFASSUNG DES FRANZÖSISCHEN SPIELFILMS „LA HAINE“

6.1 Wahl des Films

6.2 Thematik

6.3 Inhalt

6.4 Sprachliche und kulturelle Besonderheiten

6.4.1 Realia-Bezeichnungen und kulturspezifische Anspielungen

6.4.2 Eigennamen von Personen und Orten

6.4.3 Zu dem Soziolekt der banlieusards

6.4.3.1 Idiomatische Redewendungen

6.4.3.2 Sprachspiele

6.4.4 Anrede- und Grußformeln

6.6 Auswertung der Untersuchung

7 SCHLUSSBETRACHTUNG

8. KONSULTIERTE UND ZITIERTE WERKE

8.1 Korpusgrundlage

8.2 Sekundärliteratur

8.3 Online-Artikel

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verfahren der Filmsynchronisation aus übersetzungswissenschaftlicher Perspektive. Dabei liegt der Fokus darauf, wie technische und sprachliche Anforderungen der Synchronisation die Qualität und Treue zur Originalvorlage beeinflussen, illustriert am praktischen Beispiel der deutschen Synchronfassung des französischen Films „La haine“.

  • Technische Produktionsphasen der Filmsynchronisation
  • Synchronität als spezifische Herausforderung (Lippen-, Charakter- und inhaltliche Synchronität)
  • Problematik der Arbeitsteilung zwischen Roh- und Synchronübersetzung
  • Umgang mit soziolektaler Sprache (Sprache der banlieue) und Verlan
  • Kulturspezifische Anpassung von Realia und Anspielungen

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Quantitative Lippensynchronität

Lippensynchronität bedeutet zunächst einmal, dass die Dauer der sichtbaren Lippenbewegungen mit der Dauer des gehörten Sprechens übereinstimmen muss. Bei dieser sogenannten quantitativen Lippensynchronität (vgl. Herbst, 1994: 32) handelt sich folglich darum, dass der Synchronsprecher, wenn er einen Schauspieler synchronspricht, mit seinem Text genau dann einsetzt, wenn der Schauspieler auf der Leinwand beginnt, seine Lippen zu bewegen, und dass er seinen Text genau dann wieder beendet, wenn auch der Schauspieler seine Lippen nicht mehr bewegt.

Für den Übersetzer ergibt sich dadurch die Forderung, einen in der Ausgangssprache formulierten sprachlichen Inhalt in eine bestimmte Zielsprache zu transferieren und dabei die Übersetzung den zeitlichen Vorgaben des Originals anzupassen. Seine Übersetzung darf weder länger noch kürzer sein als das Original. Dies stellt eine enorme Herausforderung an den Übersetzer dar, denn aufgrund der Verschiedenheit der Sprachen „[texts] of the same content have varying lengths according to languages, and divergencies of this sort might become quite considerable. Some languages express what may be said to be the same content in a shorter form, whether measured in syllables or sounds, than some others or vice versa (Fodor, 1976: 78).”

Ein bestimmter sprachlicher Inhalt kann also in unterschiedlichen Sprachen meist nicht mit derselben Silbenanzahl wiedergegeben werden. Fällt eine Übersetzung kürzer aus als ihr Original, „[...] empty padding words can be added to fill the gaps (e.g., well, as a matter of fact, I think, I mean, you know, of course) (Fodor, 1976: 79)”. Dabei ist allerdings zu beachten, dass dem Synchronsprecher nicht unendlich viele leere Füllwörter in den Mund gelegt werden können, da dies in der Synchronfassung sehr ungewöhnlich klingen würde. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Synchronsprecher den Text etwas verlangsamt spricht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK: Einführung in die Relevanz der Synchronisation in Deutschland und Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.

2 SYNCHRONISATION AUS TECHNISCHER PERSPEKTIVE: Definition der Synchronisationsarten und Beschreibung des technischen Produktionsprozesses vom Rohmanuskript bis zur Endmischung.

3 SYNCHRONISATION ALS EINE FORM DER LITERARISCHEN ÜBERSETZUNG: Analyse der theoretischen Grundlagen des Übersetzens im Kontext von Filmen unter Berücksichtigung von Bild- und Tonkanälen.

4 SYNCHRONITÄT ALS SPEZIFIKUM DER SYNCHRONISATION: Eingehende Untersuchung der verschiedenen Synchronitätsanforderungen, die das Übersetzen unter den Bedingungen der Bildinvarianz erschweren.

5 ZENTRALE PROBLEME DER SYNCHRONISATION: Darstellung der systembedingten Schwachstellen, insbesondere der Trennung von Rohübersetzung und Synchronübersetzung.

6 KORPUSANALYSE – UNTERSUCHUNG DER DEUTSCHEN SYNCHRONFASSUNG DES FRANZÖSISCHEN SPIELFILMS „LA HAINE“: Praktische Anwendung der Theorie auf den Film „La haine“ mit Fokus auf Realia, Soziolekt und Sprachspiele.

7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Qualität deutscher Synchronfassungen im Lichte der identifizierten Probleme.

Schlüsselwörter

Filmsynchronisation, Synchronität, Übersetzungswissenschaft, La haine, Rohübersetzung, Synchronbuch, Soziolekt, banlieue, Verlan, Lippensynchronität, Lokalkolorit, Äquivalenz, audiovisuelle Medien, Sprachvarietäten, kulturelle Adaption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretischen und praktischen Herausforderungen der Filmsynchronisation, insbesondere im Hinblick auf das in Deutschland praktizierte Verfahren, und prüft, wie äquivalente Übersetzungen trotz der strengen technischen Vorgaben (Synchronität) gelingen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die technischen Produktionsphasen, die unterschiedlichen Formen der Synchronität (phonetisch, Charakter- und inhaltliche Synchronität) sowie die systemischen Probleme durch die Arbeitsteilung zwischen Übersetzern und Synchronautoren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den gesamten Synchronisationsprozess innerhalb der Übersetzungswissenschaft einzuordnen und die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die durch die Unveränderlichkeit des Bildes und die kulturellen Unterschiede zwischen Ausgangs- und Zielsprache entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Einordnung auf Basis der Fachliteratur kombiniert mit einer Korpusanalyse, bei der ausgewählte Textpassagen der deutschen Synchronfassung des Films „La haine“ mit dem französischen Original verglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Kapitel über Synchronitätsanforderungen und ein praktisches Analysekapitel, das die Übertragung spezifischer sprachlicher Elemente wie Soziolekte, Realia und Verlan-Ausdrücke untersucht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind Filmsynchronisation, Synchronität, Rohübersetzung, Soziolekt, banlieue, Verlan und kulturelle Äquivalenz.

Warum ist die Übersetzung des Soziolekts der „banlieue“ in „La haine“ besonders problematisch?

Da das Deutsche keine direkte Entsprechung für die französische, stark soziolektal geprägte Sprache der Vorstadtjugend besitzt, muss der Übersetzer auf standardisierte Jugendsprache zurückgreifen, was oft zu einem Verlust an Authentizität und Nuancen führt.

Welche Rolle spielt der „Verlan“ bei der Synchronisation dieses Films?

Verlan, eine spezielle französische Form des Silbendrehens, ist ein Maskierungscode. Da es im Deutschen kein vergleichbares Phänomen gibt, ist es kaum möglich, die kryptische Funktion dieser Sprache zu bewahren, weshalb der Übersetzer oft nur den jugendsprachlichen Ton beibehalten kann.

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Details

Title
Filmsynchronisation. Vergleich des französischen Films "La haine" von Mathieu Kassowitz und seiner deutschen Synchronfassung
College
Saarland University
Grade
1,0
Author
Shirley Bieg (Author)
Publication Year
2004
Pages
97
Catalog Number
V75906
ISBN (eBook)
9783638726344
ISBN (Book)
9783638732215
Language
German
Tags
Filmsynchronisation Vergleich Films Mathieu Kassowitz Synchronfassung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Shirley Bieg (Author), 2004, Filmsynchronisation. Vergleich des französischen Films "La haine" von Mathieu Kassowitz und seiner deutschen Synchronfassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75906
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