Im Rahmen des Seminars „Lernen in und für sozial-ökonomische Handlungsfelder“, war ein Schulpraktikum zu erbringen. Mein Praktikum fand semesterbegleitend am Rudolf- Rempel Berufskolleg in Bielefeld statt. In einer Studentengruppe wurde hier der Unterricht einer Unter-richtsreihe mit dem Thema „Ein Auftrag für die Rand OHG“ übernommen. Der Unterricht fand hierbei in 5er resp. 2er Gruppen statt und umfasste jeweils den Zeitraum einer Doppelstunde.
Das Unterrichten, mit all seinen Bestandteilen der Vor- und Nachbereitung, sowie das Stellen und Korrigieren von Arbeiten, Tests und Hausaufgaben sowie die Beratung und Betreuung von Schülern steht zweifelsohne im Mittelpunkt der Tätigkeit der Lehrkräfte. Es gibt jedoch noch einen anderen Bereich, der im Zuge der Weiterentwicklung von Gesellschaft und Schule immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dies ist die so genannte Handlungsforschung, die in den Schulen ansetzt und auf die Veränderung und Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen mit durch die Beteiligten zielt.
Das Unterrichten im Rahmen des Praktikums war für mich kein Neuland, da ich in meinen beiden vorhergehenden Praktika bereits einige Unterrichtseinheiten gegeben habe. Neu hingegen war das Herangehen an den Unterricht unter dem Gesichtspunkt sich auf einen bestimmten Bereich des Unterrichtes zu konzentrieren, diesen näher zu beleuchten und ggf. Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Natürlich sind auch bei vorangegangenen Praktika einige Bereiche des Unterrichtes oder der Schule allgemein näher betrachtet und mit Lehrkräften besprochen worden. Die Möglichkeiten jedoch, einen bestimmten Bereich über einen längeren Zeitraum mit den Methoden der qualitativen Sozialforschung näher zu betrachten ist bisher nicht genutzt worden.
Dabei liegt dieser Schritt sehr nahe. Lehrer selber oder auch Referendare und Praktikanten tauchen tief in den Schulalltag ein und machen dort Erfahrungen und sammeln Erkenntnisse. Diese positiven und negativen Erfahrungen können dazu genutzt werden um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Um diese Veränderungen anstoßen zu können ist es jedoch notwendig, dass diese Erfahrungen nicht nur in Form von subjektiven Eindrücken vorliegen, sondern dass sie durch wissenschaftliche Forschungsmethoden gestützt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Reflexion der eigenen Unterrichtseinheit
2.1 Vorbereitung des Unterrichtes
2.2 Durchführung des Unterrichtes
2.3 Kontrolle des Unterrichtes
2.4 Abschließende Beurteilung der Unterrichtseinheit
3 Problemstellung
3.1 Die Entstehung der Problemstellung
3.2 Die Lehrerfrage
3.2.1 Definition der Lehrerfrage
3.2.2 Fragearten
3.2.3 Formulierung und Stellen von Fragen
3.2.4 Anwendungsbereiche und Zweck der Lehrerfrage
4 Formen der systematischen Problemserfassung
4.1 Qualitative Sozialforschung
4.2 Beobachtung einer Unterrichtseinheit
4.3 Befragung von Lehrpersonen
4.4 Auswertung der Ergebnisse
5 Darstellung des Sachverhaltes
5.1 Aufstellen einer Hypothese
5.2 Güte der Ergebnisse
5.3 Ergebnisfindung
5.4 Ergebnisse
5.4.1 Definition und Kontroversen der Lehrerfrage
5.4.2 Einsatzmöglichkeit / Zweck der Lehrerfrage
5.4.3 Genutzte Arten der Lehrerfrage
5.4.4 Wartezeiten
5.4.5 Vorbereitung der Fragestellung
5.4.6 Problematische / „gute“ Fragestellungen und deren Formulierung
5.5 Abschließende Betrachtung der Ergebnisse
6 Hinweise und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Rolle und Wirkung der „Lehrerfrage“ im Unterricht zu untersuchen und zu reflektieren. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie die Art und Weise der Fragestellung die Schülerreaktionen, deren Antworten sowie den Unterrichtsverlauf beeinflusst und wie Lehrkräfte durch gezielte Vorbereitung und Anwendung der Fragetechnik den Lernprozess optimieren können.
- Reflexion des eigenen Unterrichtshandelns
- Methoden der qualitativen Unterrichtsbeobachtung und Lehrerbefragung
- Theoretische Grundlagen und Kontroversen zur Lehrerfrage
- Analyse von Fragearten, Schwierigkeitsgraden und Wartezeiten
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Definition der Lehrerfrage
Um die Bedeutung der Lehrfrage näher zu betrachten ist es zunächst wichtig, den Begriff der Lehrerfrage genauer zu definieren und festzulegen, welche Äußerungen einer Lehrkraft darunter fallen. Die Definition der Lehrerfrage kann in einer engen und einer weiten Form erfolgen. In der engen Form werden nur die so genannten W-Fragen, die mit den Fragewörtern „wer“, „was“, warum“ „wie“ eingeleitet werden, sowie Sätze, die in der grammatischen Frageform gestaltet sind und die mit einem Fragezeichen enden einbezogen.
Bei der weiteren Definition der Lehrerfrage werden andere Außerungen einbezogen, die die Schüler dazu auffordern eine Antwort zu geben. Ein Beispiel hierzu ist die Äußerung: „Bitte nennt die Dokumente die wir als nächstes benötigen“. Es kann gesagt werden, dass in der weiten Definition jede Lehreräußerung, unabhängig von der grammatikalischen Form, die einen Schüler zu einer Antwort auffordert als Lehrerfrage gewertet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Rahmen des Schulpraktikums im Seminar „Lernen in und für sozial-ökonomische Handlungsfelder“ und begründet das Interesse an der Handlungsforschung zur Optimierung des eigenen Unterrichts.
2 Reflexion der eigenen Unterrichtseinheit: Dieses Kapitel enthält eine detaillierte Nachbetrachtung der Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle einer konkreten Unterrichtsstunde in einem Lernbüro.
3 Problemstellung: Hier wird die Relevanz der Lehrerfrage als Forschungsthema hergeleitet und ein theoretischer Überblick über Definitionen, Fragearten und Formulierungstechniken gegeben.
4 Formen der systematischen Problemserfassung: Dieses Kapitel beschreibt die gewählten Forschungsmethoden, namentlich die Beobachtung einer Unterrichtseinheit sowie die Befragung von Lehrpersonen mittels Experteninterviews.
5 Darstellung des Sachverhaltes: Das Kapitel dokumentiert die Hypothesenprüfung, die Ergebnisfindung mittels Inhaltsanalyse und stellt die Erkenntnisse zur Lehrerfrage detailliert dar.
6 Hinweise und Handlungsempfehlungen: Abschließend werden aus den Forschungsergebnissen Richtlinien für die Schulpraxis abgeleitet, die Lehrkräften helfen sollen, die Lehrerfrage bewusst und effektiv einzusetzen.
Schlüsselwörter
Lehrerfrage, Handlungsforschung, Unterrichtsreflexion, Qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Fragearten, Wissensfrage, Denkfrage, Unterrichtsqualität, Schüleraktivierung, Fragestellung, Wartezeit, Lernbüro, Handlungsorientierung, Lehrer-Schüler-Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lehrerfrage als zentralem Instrument im Unterricht und untersucht deren Einsatz, Wirkung und Problematiken anhand der eigenen Unterrichtserfahrung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung der Lehrerfrage, die methodische Erfassung von Unterrichtsinteraktionen sowie die praktische Optimierung der Fragestellung im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Reflexion des eigenen Lehrerhandelns, um durch wissenschaftlich gestützte Erkenntnisse über Fragetechniken die Qualität der Kommunikation und den Lernerfolg der Schüler zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der qualitativen Sozialforschung, insbesondere die teilnehmende Unterrichtsbeobachtung sowie problemzentrierte Experteninterviews mit Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Problemstellung, diskutiert theoretische Konzepte der Lehrerfrage (wie Denk- und Wissensfragen) und präsentiert die durchgeführte Inhaltsanalyse der Interviews und Protokolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lehrerfrage, Handlungsforschung, Unterrichtsreflexion, Fragearten und Schüleraktivierung.
Welche Bedeutung hat das Lernbüro für die Untersuchung?
Das Lernbüro diente als spezifisches Praxisfeld, in dem die beobachteten Unterrichtseinheiten stattfanden und die Reaktionen der Schüler auf verschiedene Fragestellungen analysiert wurden.
Welche Rolle spielt die Wartezeit bei der Fragestellung?
Die Arbeit betont, dass eine angemessene Wartezeit (ca. 1 Minute) essentiell ist, um Schülern Zeit zum Nachdenken und zur Formulierung von Antworten zu geben und den Unterricht lehrerzentriert zu entlasten.
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- Silke Lübbert (Author), 2007, Forschendes Lehren - eine Praktikumsreflexion unter Analyse der Lehrerfrage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76101