In Anbetracht stetig steigender Kosten im Gesundheitswesen steht zurzeit einmal wieder die Prävention auf der politischen Agenda.
Neben ethischen Aspekten, welche wohl die Vorbeugung von Krankheiten der Behandlung und Heilung eindeutig vorziehen, stellt die ökonomische Sichtweise die Frage nach der Kosteneffizienz der präventiven Maßnahmen. Die aktuelle Diskussion um Kostenersparnis im Gesundheitswesen prüft also auch präventive Maßnahmen im Hinblick darauf, ob hierdurch eine Entlastung für die gesetzlichen Krankenkassen erreicht werden kann.
Präventive Maßnahmen haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Kostenentwicklung der Krankenkassen, vielmehr hat ein „Mehr an Gesundheit“ positive Auswirkungen auf viele gesellschaftliche Bereiche, hier sind insbesondere Wirtschaft, Unfallversicherung, Rentenversicherung etc. zu nennen.
Problematisch jedoch stellt sich insbesondere die Tatsache dar, dass nicht alle Akteure, welche ins Gesundheitswesen eingebunden sind, zwangsläufig ein Interesse an der Umsetzung präventiver Maßnahmen haben, hier sind z.B. Ärzte und Krankenhäuser zu nennen, welche am gesunden Patienten selbstverständlich kaum verdienen können: Prävention ist aus deren Sichtweise also häufig unökonomisch. Somit stellt sich die Frage, ob und wie die verschiedenen Akteure in Präventionsmaßnahmen mit eingebunden werden können, und welche Reformen hierzu nützlich sein könnten.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich zunächst mit den theoretischen Grundlagen der Prävention befassen, die verschiedenen Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung anhand der verschiedenen Projektformen in der Primärprävention und Gesundheitsförderung aufzeigen, und schließlich die Akteure und ihre Einbindung in das Gesundheitssystem bezugnehmend auf Präventivmaßnahmen darstellen, um anschließend mögliche Reformen auf diesem Gebiet zu erörtern.
Beginnen möchte ich zunächst mit einer Definition des Begriffes „Prävention“:
„Prävention […] umfasst alle (zielgerichteten) Maßnahmen und Aktivitäten, die eine bestimmte gesundheitliche Schädigung verhindern, weniger wahrscheinlich machen oder verzögern“. Im Weiteren lassen sich verschiedene Formen von Prävention unterscheiden...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Formen der Prävention
3. Theoretische Grundlagen
3.1 Antonovskys Modell der Salutogenese
3.2 Prävention und habituelles Handeln
4. Projekte in der Primärprävention und Gesundheitsförderung
4.1 Der individuelle Ansatz
4.2 Der Setting-Ansatz
4.3 Betriebliche Gesundheitsförderung
4.4 Kampagnen für die Gesamtbevölkerung
5. Akteure
5.1 Gesetzliche Krankenversicherungen
5.2 Staatliche Akteure
5.3 Leistungserbringer / Ärzte
5.4 Betriebe / Wirtschaft
5.5 Pharmaindustrie
5.6 Patienten / Versicherte
6. Reformansätze
6.1 Bisherige Gesetzgebung
6.2 Das Präventionsgesetz 2005
6.3 Reformvorschläge
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen von Prävention und Gesundheitsförderung im deutschen Gesundheitssystem. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Akteure in präventive Maßnahmen eingebunden werden können und welche Reformansätze sinnvoll sind, um gesundheitsschädigendes Verhalten effektiv zu adressieren.
- Theoretische Konzeptionen von Prävention (Salutogenese & Habitus)
- Projektformen in der Primärprävention und Gesundheitsförderung
- Anreizstrukturen und Interessen der Akteure im Gesundheitswesen
- Evaluation aktueller und geplanter gesetzlicher Reformansätze
- Diskussion von Strategien zur Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens
Auszug aus dem Buch
3.1 Antonovskys Modell der Salutogenese
In der Diskussion um Möglichkeiten der Prävention und Gesundheitsvorsorge wird häufig Antonovskys Konzept der Salutogenese als theoretische Konzeption verwandt. Das salutogenetische Konzept stellt die Frage danach in den Vordergrund, warum Menschen gesund bleiben, im Gegensatz zur pathogenetischen Fragestellung, die Ursachen von Krankheiten und Risikofaktoren erforscht. In der pathogenetischen Sichtweise wird Krankheit durch organische Defekte erklärt, Gesundheit als Abwesenheit von anatomischen oder physiologischen Veränderungen definiert, die Behandlung zielt darauf ab, den Defekt zu beheben.
In Antonovskys salutogenetischer Sichtweise wird der Mensch als Handelnder nicht mehr ausgeklammert, körperliche Faktoren werden ebenso wie psychosoziale Faktoren bei der Erklärung von Krankheiten berücksichtigt.
Die zentralen Fragestellungen des salutogenetischen Konzepts können wie folgt beschrieben werden: „Warum bleiben Menschen – trotz vieler potentiell gesundheitsgefährdender Einflüsse – gesund? Wie schaffen sie es, sich von Erkrankungen wieder zu erholen? Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremster Belastungen nicht krank werden? […] Wie wird ein Mensch mehr gesund und weniger krank?“
Als einen entscheidenden Faktor dafür, dass ein Mensch trotzt gesundheitsschädigender Einflüsse (ausgenommen physikalischer und biochemischer Einflüsse) gesund bleibt, sieht Antonovsky hierbei das „Kohärenzgefühl“ des jeweiligen Individuums. Definiert wird das Kohärenzgefühl als „eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein alles durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl der Zuversicht hat, dass erstens die Anforderungen aus der inneren oder äußeren Erfahrenswelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind, zweitens die notwendigen Ressourcen verfügbar sind, um den Anforderungen gerecht zu werden, und drittens schließlich, dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Investitionen und Engagement verdienen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Relevanz von Prävention vor dem Hintergrund steigender Kosten und der notwendigen Einbindung verschiedener Akteure.
2. Formen der Prävention: Definition und Abgrenzung wichtiger Fachbegriffe wie Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention sowie Verhaltens- und Verhältnisprävention.
3. Theoretische Grundlagen: Erläuterung des Salutogenese-Modells nach Antonovsky sowie die Problematik habituellen Handelns für präventive Maßnahmen.
4. Projekte in der Primärprävention und Gesundheitsförderung: Untersuchung verschiedener Interventionsansätze, darunter individuelle Angebote, Settings und betriebliche Gesundheitsförderung.
5. Akteure: Analyse der Rollen und Interessen von Krankenversicherungen, Staat, Ärzten, Betrieben, Pharmaindustrie und Versicherten.
6. Reformansätze: Überblick über die historische Gesetzgebung, das Präventionsgesetz 2005 und Vorschläge zur Verbesserung der Anreizstrukturen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der ökonomischen Grenzen von Prävention und Empfehlung zur stärkeren Integration in Bildungseinrichtungen.
Schlüsselwörter
Prävention, Gesundheitsförderung, Salutogenese, Kohärenzgefühl, Primärprävention, Setting-Ansatz, Betriebliche Gesundheitsförderung, Krankenkassen, Gesundheitsgesetzgebung, Habitus, Praxisgebühr, Anreizstrukturen, Verhaltensprävention, Verhältnisprävention, Gesundheitsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Chancen und Grenzen von Prävention und Gesundheitsförderung innerhalb des deutschen Gesundheitssystems, insbesondere im Kontext ökonomischer Anreizstrukturen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Prävention, verschiedene Projektformen wie Setting-Ansätze, die Analyse der beteiligten Akteure sowie aktuelle und geplante gesetzliche Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Akteure besser in Präventionsmaßnahmen eingebunden werden können und welche Reformen notwendig sind, um die Effektivität der Gesundheitsvorsorge zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit gesundheitswissenschaftlichen Konzepten und einer ökonomischen Analyse der Akteursinteressen und gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Salutogenese), die Darstellung der Projekte (Setting-Ansatz), die Analyse der Akteurskonstellationen sowie die Diskussion konkreter Reformvorschläge.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Salutogenese, Kohärenzgefühl, Primärprävention, Setting-Ansatz und Anreizstrukturen charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das „Kohärenzgefühl“ nach Antonovsky?
Es fungiert als zentraler Faktor für das gesundheitliche Wohlbefinden und beschreibt die Zuversicht eines Individuums, dass Lebensanforderungen strukturiert, bewältigbar und sinnvoll sind.
Warum wird die Pharmaindustrie kritisch betrachtet?
Da ihr Geschäftsmodell primär auf dem Verkauf von Produkten bei bestehender Krankheit basiert, besteht ein Interessenskonflikt zur tatsächlichen Prävention, die den Patienten gesund erhalten soll.
Wie bewertet die Autorin den Nutzen von Schulen für die Prävention?
Die Autorin plädiert dafür, Schulen und Kindergärten verstärkt einzubeziehen, da habituelles Handeln in Kindheit und Jugend am ehesten positiv beeinflussbar ist.
- Quote paper
- Katrin Wilde (Author), 2004, Prävention im Gesundheitswesen - Chancen und Grenzen von Prävention und Gesundheitsförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76190