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Akzeptanzprobleme von Umweltzertifikaten: Theorie und Praxis

Fallstudie: Positionierung der deutschen Wirtschaftsverbände

Titre: Akzeptanzprobleme von Umweltzertifikaten: Theorie und Praxis

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2004 , 14 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Michael Hofmann (Auteur)

Gestion d'entreprise - Politique économique
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Die Vertragsstaaten der Europäischen Union führen ab 2005 den Handel mit Emissionszertifikaten ein. Gemäß der Richtlinie 2003/87/EG vom 13. Oktober 2003 wurden die einzelnen Staaten dazu verpflichtet, der EU-Kommission bis 31. März 2004 einen Nationalen Allokationsplan (NAP) vorzulegen. Dieser sollte den allgemein gehaltenen Rahmen der Richtlinie spezifizieren. Neben der Anzahl der Zertifikate, die die einzelnen Staaten den jeweiligen Unternehmen zuzuteilen gedenken, musste auch die Allokationsmethodik konkretisiert werden.
Direkt betroffen von diesem System des Emissionshandels sind besonders alle energieintensiven Industriezweige in den jeweiligen Mitgliedsstaaten. Seitens der organisierten Verbandsmacht dieser Industriezweige kam es auf allen Stufen des politischen und administrativen Entscheidungsprozesses zu Versuchen der Einflussnahme und Interessenartikulation. Bestrebungen, auf den Entscheidungsprozess Einfluss zu nehmen und auf die eigenen Belange und potentielle negative Beeinträchtigungen aufmerksam zu machen, fanden sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene statt.
Nun ist es nichts grundlegend Neues, wenn bei geplanten Richtlinienvorhaben der Europäischen Union, organisierte Verbandsinteressen versuchen, den Regelungsinhalt gemäß ihren Vorstellungen zu beeinflussen oder auf negative Folgen aufmerksam zu machen. Im Falle des Systems des Emissionshandels schien sich aber zu bewahrheiten, was in der wissenschaftlichen Literatur konstatiert wird. Dass nämlich, obwohl es sich bei den Umweltzertifikaten um ein „theoretisch bestechendes Konzept handelt, dieses kaum Eingang in die praktischen Umweltpolitik gefunden habe“ (Bonus/Niebaum 1998: 225). Insbesondere sieht sich das Umweltzertifikat mit einer Reihe von „Akzeptanzbarrieren“ (Gawel 1998: 113) konfrontiert, die vor allem von Seiten der handelnden Akteure der einzelnen Wirtschaftssubjekte artikuliert werden.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwieweit die in der Wissenschaft formulierten Akzeptanzbarrieren mit denen deckungsgleich sind, die seitens der Wirtschaftssubjekte im Laufe der politischen Entscheidungsfindung tatsächlich betont worden sind.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Private Wirtschaftssubjekte aus Sicht der Politischen Ökonomie

3. Akzeptanzprobleme von Zertifikaten

3.1. Planungsunsicherheiten als Akzeptanzproblem

3.2. Entwertung bereits getätigter Investitionen als Akzeptanzproblem

3.3. Komparativ negative Einkommenseffekte als Akzeptanzproblem

4. Positionierung der Wirtschaft zum Zertifikatshandel

4.1. Positionierung der Wirtschaftsverbände

4.1.1. Problem der nichtsubstituierbaren Produktionsverfahren

4.1.2. Ablehnung einer Emissionsobergrenze

4.1.3. Befürchtete Wettbewerbsnachteile

4.1.4. Technische Schwierigkeiten und Planungsunsicherheiten

4.1.5. Ablehnung eventueller Doppelbelastungen

4.2. Die Wuppertal-Studie

5. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Abgleich zwischen theoretisch in der Wissenschaft postulierten Akzeptanzbarrieren gegenüber Umweltzertifikaten und der tatsächlichen Interessenartikulation durch Wirtschaftsverbände während des politischen Entscheidungsprozesses zum europäischen Emissionshandel.

  • Politische Ökonomie des Verhaltens von Wirtschaftssubjekten
  • Theoretische Begründung von Akzeptanzproblemen bei Umweltzertifikaten
  • Analyse von Verbandspositionen energieintensiver Industriezweige
  • Diskussion von Planungsunsicherheit, Wettbewerbsnachteilen und Doppelbelastungen
  • Gegenüberstellung von Verbandspositionen und Unternehmensumfragen

Auszug aus dem Buch

3.1. Planungsunsicherheiten als Akzeptanzproblem

Einführend ist hierbei anzunehmen, dass es sich bei „Umweltzertifikaten um Produktionsfaktoren mit hoher Spezifität handelt“ (Bonus/Niebaum 1998: 231). Nun kann es bei einem System des Emissionshandels grundsätzlich zu zwei Situationen kommen, in denen sich die Wirtschaftssubjekte mit Unsicherheiten bezüglich ihrer betriebswirtschaftlichen Planung konfrontiert sehen. Einerseits betrifft dies Unsicherheiten bezüglich der Allokationsmethodik und andererseits bezüglich des Preismechanismus. Hinsichtlich beider Unsicherheiten ist ein Opponieren, d.h. ein Akzeptanzdefizit seitens der Wirtschaftssubjekte zu erwarten.

Exemplarisch für den ersten Fall ist die Planungsunsicherheit bei zu treffenden Investitionsentscheidungen. Bei Unternehmen kann Unsicherheit darüber herrschen, ob sie z.B. bei einer geplanten Erweiterung bzw. bei der Neuerrichtung einer Produktionsstätte nach bereits erfolgter Zertifikatszuteilung, auch für diese neuen Anlagen ausreichend Zertifikate zugeteilt bekommen. Vor allem die „Konsequenzen einer überraschenden Nichtzuteilung von Lizenzen stehen außer Verhältnis zum Lenkungszweck“ (Gawel 1998: 25). Da die Wirtschaft speziell ein Interesse an der „Konstanz der umweltpolitischen Daten (Planungssicherheit)“ (Cansier 1998: 98) hat, entstünden bei einem Emissionshandelsystem Unsicherheiten, die zuvörderst die Investitions- und in zweiter Linie die Standortfrage betreffen würden. Die Standortfrage würde sich nämlich dann auftun, wenn man sich von Unternehmerseite nicht sicher sein kann, ob und in welchem Umfang man Zertifikate erhält.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Einführung des EU-Emissionshandels und die Zielsetzung, die wissenschaftlichen Akzeptanzbarrieren mit den tatsächlichen Forderungen der Wirtschaft abzugleichen.

2. Private Wirtschaftssubjekte aus Sicht der Politischen Ökonomie: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis für das Verhalten von Unternehmen als nutzenmaximierende Akteure im politischen Prozess.

3. Akzeptanzprobleme von Zertifikaten: Hier werden die in der Literatur identifizierten ökonomischen Barrieren wie Planungsunsicherheiten und Investitionsentwertungen theoretisch hergeleitet.

4. Positionierung der Wirtschaft zum Zertifikatshandel: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Widerstände der Wirtschaftsverbände und ergänzt diese durch die Ergebnisse der Wuppertal-Studie.

5. Schlussfolgerungen: Das Fazit stellt eine hohe inhaltliche Kongruenz zwischen Theorie und Praxis fest, weist aber auf die mangelnde Abbildung der Interessenheterogenität in der Literatur hin.

Schlüsselwörter

Umweltzertifikate, Emissionshandel, Politische Ökonomie, Interessenvertretung, Wirtschaftsverbände, Akzeptanzbarrieren, Planungsunsicherheit, Grandfathering, Investitionsentwertung, Nutzenmaximierung, Nationale Allokationspläne, Wettbewerbsnachteile, Doppelbelastung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Diskrepanz bzw. Übereinstimmung zwischen wissenschaftlich formulierten Akzeptanzhindernissen bei Umweltzertifikaten und der tatsächlich artikulierten Kritik durch deutsche Wirtschaftsverbände während des Einführungsprozesses des europäischen Emissionshandels.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die politische Ökonomie von Unternehmensentscheidungen, die theoretischen Konzepte von Akzeptanzproblemen bei marktgestützten Umweltinstrumenten und die inhaltliche Interessenvertretung energieintensiver Branchen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, inwieweit die in der Fachliteratur identifizierten Akzeptanzbarrieren deckungsgleich mit jenen Argumenten sind, die von den betroffenen Wirtschaftssubjekten im politischen Prozess tatsächlich hervorgebracht wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturgestützte Analyse der ökonomischen Theorie in Kombination mit einer inhaltlichen Auswertung von Positionspapieren der Wirtschaftsverbände und ergänzenden empirischen Studienergebnissen vorgenommen.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Akzeptanzprobleme aus ökonomischer Sicht und eine detaillierte Fallanalyse der Positionierung der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Stahl- und Chemieindustrie.

Was sind die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit?

Die Arbeit charakterisiert sich primär durch Begriffe wie Emissionshandel, Akzeptanzbarrieren, Interessensvertretung, Grandfathering, Planungsunsicherheit und Investitionsentwertung.

Welche Rolle spielt das „Grandfathering“ in der Argumentation der Verbände?

Die Wirtschaftsverbände favorisieren das „Grandfathering“-Modell gegenüber einer Zertifikatsversteigerung, um sich vor Wettbewerbsnachteilen zu schützen und eine Rente gegenüber potenziellen neuen Konkurrenten zu sichern.

Warum wird die Wuppertal-Studie als Kontrast zur Verbandsposition genutzt?

Die Wuppertal-Studie zeigt, dass einzelne Unternehmen bei direkter Befragung ein deutlich heterogeneres und teilweise positiveres Bild gegenüber dem Emissionshandel zeichnen als die organisierten, oft skeptischen Wirtschaftsverbände.

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Résumé des informations

Titre
Akzeptanzprobleme von Umweltzertifikaten: Theorie und Praxis
Sous-titre
Fallstudie: Positionierung der deutschen Wirtschaftsverbände
Université
University of Erfurt
Note
1,7
Auteur
Michael Hofmann (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
14
N° de catalogue
V76414
ISBN (ebook)
9783638817486
ISBN (Livre)
9783638818278
Langue
allemand
mots-clé
Akzeptanzprobleme Umweltzertifikaten Theorie Praxis
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael Hofmann (Auteur), 2004, Akzeptanzprobleme von Umweltzertifikaten: Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76414
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Extrait de  14  pages
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