Seit Januar 2000 sind Leistungserbringer des Gesundheitssektors dazu verpflichtet, Qualitätssicherung zu betreiben. Kern dieser Bemühungen sind Aufrechterhaltung von Pflegequalität und Vermeidung von Fehlern (Vgl. Perschke-Hartmann 2001, S. 42). Im Rahmen des internen Pflegemanagementsystems bitten Qualitätsmanager beispielsweise Patienten Stellung zu nehmen, wie sie ihren stationären Aufenthalt bewerten. Ergebnisse dieser Zufriedenheitsabfragen, in der Regel per Fragebogen erfasst, verschaffen einen Blick von außen auf die angebotenen stationären Leistungen. Darüber hinaus, können sie Einfluss auf die Gestaltung von Handbüchern nehmen und sind Bestandteil von Zertifizierungsverfahren mit denen sich das Unternehmen nach außen präsentiert (Vgl. Keitel, P. 2002, S. 39). Daher etabliert sich mehr und mehr der Einsatz von Fragebögen in Krankenhäusern.
Ergebnisse aus diesen Patientenbefragungen können für eine Einrichtung sehr wichtig sein, so sie Mängel aufzeigen, die es zu beseitigen gilt. Dies setzt aber voraus, dass solche Befragungen auch hilfreiche Daten liefern. Oft sind aber PatientInnen nicht in der Lage, ihren Krankenhausaufenthalt objektiv zu bewerten. Ob die aktuell durchgeführten Befragungen diesen Anforderungen entsprechen, ist nicht hinreichend geklärt: Systematisch angelegte Patientenbefragungen, quantitativen oder qualitativen Ursprungs, gibt es in Deutschland erst seit den 1990er Jahren (Vgl. Hinz, A. 2006, S. 179). Daher existieren über Nutzen und Effektivität kaum theoretischen Untersuchungen (Vgl. Aust, B. 1994, zitiert in Hinz).
Unter der Annahme, dass Qualitätssicherung grundsätzlich sinnvoll ist, und PatientInnen einen Nutzen aus dieser ziehen, stellt der Autor sich die Frage, wie sie auf Kinderstationen sinnvoll betrieben werden kann.
Mithilfe von teilnehmender Beobachtung und fokussiertem Interview wird nach einer Möglichkeit gesucht, Aspekte des Krankenhausalltages zu erfassen, die zum einen verbesserungswürdig sind und zum anderen für die Zielgruppe stationär aufgenommener Kinder relevant sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Konzeption der Arbeit
1.1. Problemstellung
1.2. Zielstellung
1.3. Wissenschaftliche Fragenstellungen
1.4. Untersuchungsdesign
1.4.1. Vorbereitung zur Forschungsphase
1.4.2. Instrumente der Datenerhebung
1.4.3. Die offene teilnehmende Beobachtung
1.4.4. Das fokussierte Interview
1.4.5. Untersuchungspopulation und Stichprobenauswahl
1.4.6. Durchführung der Untersuchung
1.4.7. Grenzen der Untersuchung
1.4.8. Das Auswertungsverfahren nach Mayring
1.4.9. Ergebnisse der Untersuchung
1.5. Recherche und Bewertung der Literatur
1.6. Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Der Begriff der Zufriedenheit und gängige Abfragemethoden
2.2. Reaktionen von PatientInnen auf Zufriedenheitsabfragen
2.3. Der Begriff der Empfindung
2.4. Kindliche Bedürfnisse
2.4.1. Bedürfnis nach Sicherheit
2.4.2. Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe
2.4.2.1. Zuwendung durch Erwachsene
2.4.2.2. Stabilität
2.4.2.3. elterliche Fürsorge
2.4.3. Bedürfnis nach Wertschätzung
2.4.4. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung
2.4.5. Bewegung
2.5. Umgang mit kindlichen Bedürfnissen
2.5.1. Kommunikation im Umgang mit Bedürfnissen
2.5.2. Geschichtlicher Rückblick
2.5.3. Das Verständnis von Sorge und Pflege nach P. Benner
2.6. Fazit zum theoretischen Rahmen
3. Darstellung der Beobachtungen
3.1. Die Beobachtungen dargestellt nach den Lebensaktivitäten von N. Roper
3.2. Darstellung der Beobachtungen
3.2.1. Lebensaktivität „Für eine sichere Umgebung sorgen“
3.2.1.1. Angst vor pflegerischen/ärztlichen Maßnahmen
3.2.1.2. Angst vor Schmerz
3.2.1.3. Fazit
3.2.1.4. Alterstypische kindliche Ängste
3.2.1.5. Fazit
3.2.2. Lebensaktivität „Sich beschäftigen, spielen und lernen“
3.2.2.1. Das Spielzimmer
3.2.2.2. Fazit
3.2.2.3. Spielen mit anderen Kindern
3.2.2.4. Fazit
3.2.2.5. Sich beschäftigen
3.2.2.6. Fazit
3.2.2.7. Sich bewegen
3.2.2.8. Fazit
3.2.2.9. Lernen
3.2.2.10. Fazit
3.2.3. Lebensaktivität „Schlafen“
3.2.3.1. Die Unterbringung von Kindern mit Eltern
3.2.3.2. Fazit
3.2.3.3. Mitaufnahme von Eltern
3.2.3.4. Fazit
3.2.3.5. Schlafqualität
3.2.3.6. Fazit
3.2.4. Lebensaktivität „Kommunizieren“
3.2.4.1. Kommunikation im Umgang mit Bedürfnissen
3.2.4.2. Fazit
3.3. Zusammenfassende Beurteilung der Beobachtungen
3.3.1. Erfassen von Empfindungen
3.3.2. Umgang mit kindlichen Bedürfnissen
4. Empfehlungen
5. Schlussbemerkungen und Ausblick
6. Thesen zur Diplomarbeit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit zielt darauf ab, ein Modell zu entwickeln, welches die Erfassung und den Umgang mit kindlichen Empfindungen im Krankenhaus zeitnah und adäquat ermöglicht. Dabei wird untersucht, wie das Pflegepersonal kindliche Bedürfnisse präziser wahrnehmen und darauf reagieren kann, um einen Krankenhausaufenthalt für Kinder emotional und physisch verträglicher zu gestalten.
- Qualitätssicherung in der pädiatrischen Pflege
- Erfassung kindlicher Bedürfnisse und Empfindungen
- Bedeutung der Kommunikation zwischen Pflegepersonal, Kindern und Eltern
- Analyse des Krankenhausalltags durch teilnehmende Beobachtung
- Verbesserungsmöglichkeiten für die stationsinterne Organisation und Betreuung
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
Seit Januar 2000 sind Leistungserbringer des Gesundheitssektors dazu verpflichtet, Qualitätssicherung zu betreiben. Kern dieser Bemühungen sind Aufrechterhaltung von Pflegequalität und Vermeidung von Fehlern. Im Rahmen des internen Pflegemanagementsystems bitten Qualitätsmanager beispielsweise Patienten Stellung zu nehmen, wie sie ihren stationären Aufenthalt bewerten. Ergebnisse dieser Zufriedenheitsabfragen, in der Regel per Fragebogen erfasst, verschaffen einen Blick von außen auf die angebotenen stationären Leistungen. Darüber hinaus, können sie Einfluss auf die Gestaltung von Handbüchern nehmen und sind Bestandteil von Zertifizierungsverfahren mit denen sich das Unternehmen nach außen präsentiert. Daher etabliert sich mehr und mehr der Einsatz von Fragebögen in Krankenhäusern.
Ergebnisse aus diesen Patientenbefragungen können für eine Einrichtung sehr wichtig sein, so sie Mängel aufzeigen, die es zu beseitigen gilt. Dies setzt aber voraus, dass solche Befragungen auch hilfreiche Daten liefern. Oft sind aber PatientInnen nicht in der Lage, ihren Krankenhausaufenthalt objektiv zu bewerten. Ob die aktuell durchgeführten Befragungen diesen Anforderungen entsprechen, ist nicht hinreichend geklärt: Systematisch angelegte Patientenbefragungen, quantitativen oder qualitativen Ursprungs, gibt es in Deutschland erst seit den 1990er Jahren. Daher existieren über Nutzen und Effektivität kaum theoretischen Untersuchungen.
Unter der Annahme, dass Qualitätssicherung grundsätzlich sinnvoll ist, und PatientInnen einen Nutzen aus dieser ziehen, stellt der Autor sich die Frage, wie sie auf Kinderstationen sinnvoll betrieben werden kann.
Mithilfe von teilnehmender Beobachtung und fokussiertem Interview wird nach einer Möglichkeit gesucht, Aspekte des Krankenhausalltages zu erfassen, die zum einen verbesserungswürdig sind und zum anderen für die Zielgruppe stationär aufgenommener Kinder relevant sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konzeption der Arbeit: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit von Qualitätssicherung im Gesundheitswesen und begründet, warum bei Kindern neue, beobachtungsbasierte Ansätze jenseits von Standard-Fragebögen erforderlich sind.
2. Theoretischer Rahmen: Hier werden zentrale Konzepte wie Zufriedenheit, Empfindung und kindliche Bedürfnisse (nach Maslow) erörtert und die Bedeutung von Kommunikation sowie Bindung in der Kinderkrankenpflege hervorgehoben.
3. Darstellung der Beobachtungen: Dieser Hauptteil analysiert den Stationsalltag basierend auf den Lebensaktivitäten nach N. Roper, insbesondere hinsichtlich Sicherheit, Beschäftigung, Schlafen und Kommunikation.
4. Empfehlungen: Basierend auf den Beobachtungsergebnissen werden praxisnahe Maßnahmen wie Schulungen des Personals und die Etablierung kindgerechter Rituale vorgeschlagen.
5. Schlussbemerkungen und Ausblick: Der Autor plädiert für den Ausbau der Qualitätssicherung, warnt jedoch vor schwerfälligen Abfragesystemen zugunsten einer stärkeren Patienten- und Kind-Orientierung.
6. Thesen zur Diplomarbeit: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung in zehn prägnanten Thesen zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Kinderkrankenpflege, Qualitätssicherung, kindliche Bedürfnisse, Empfindungen, Patientenbefragung, teilnehmende Beobachtung, Kommunikation, Krankenhausalltag, Bedürfnispyramide, Angstbewältigung, Kindheitsforschung, Pflegetheorie, Eltern-Kind-Beziehung, Bewegungsdrang, Krankenhausaufenthalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie stationär aufgenommene Kinder ihre Krankenhausumgebung erleben und wie das Pflegepersonal kindliche Empfindungen und Bedürfnisse besser erkennen kann, da herkömmliche Patientenbefragungen für Kinder oft ungeeignet sind.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Qualitätssicherung im Krankenhaus, die Erfassung kindlicher Grundbedürfnisse, die psychologischen Aspekte von Angst und Schmerz bei Kindern sowie die Bedeutung einer funktionalen Kommunikation und Beziehung zwischen Pflegekräften und den kleinen Patienten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines Modells, das es ermöglicht, kindliche Empfindungen zeitnah und adäquat im klinischen Alltag zu erfassen, um so die Pflegequalität auf Kinderstationen nachhaltig zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt einen Methodenmix aus teilnehmender Beobachtung (als Hauptbestandteil) und fokussierten Interviews, um authentische Einblicke in das Befinden der Kinder zu erhalten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Beobachtungen strukturiert nach den Lebensaktivitäten von N. Roper (z.B. „Sichere Umgebung“, „Spielen/Lernen“, „Schlafen“, „Kommunizieren“) detailliert ausgewertet und mit theoretischen Modellen, etwa der Bedürfnispyramide nach Maslow, verknüpft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderkrankenpflege, kindliche Bedürfnisse, teilnehmende Beobachtung, Angstbewältigung im Krankenhaus und Patientenorientierung in der Pädiatrie.
Wie unterscheidet sich diese Studie von klassischen Patientenbefragungen?
Im Gegensatz zu standardisierten Fragebögen, die oft von Erwachsenen ausgefüllt werden und bei Kindern häufig zu Gefälligkeitsantworten führen, setzt die Studie auf die direkte Beobachtung des Verhaltens, um subtile Signale und Bedürfnisse der Kinder objektiv zu erfassen.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung der Eltern bei der Betreuung?
Die Anwesenheit und Mitaufnahme von Eltern wird als wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden des Kindes gewertet; dennoch zeigt die Arbeit auf, dass auch Eltern durch die Krankenhausumgebung verunsichert sein können und Unterstützung durch das Pflegepersonal benötigen.
Welche Rolle spielen die Klinikclowns im Ergebnis der Untersuchung?
Die Besuche der Klinikclowns werden als sehr positive und willkommene Abwechslung für die Kinder identifiziert, die das allgemeine Stresslevel senken kann, sofern sie verlässlich durchgeführt werden.
Was ist das Fazit zur Qualitätssicherung bei Kindern?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass starre Abfragesysteme per Fragebogen für Kinder unzureichend sind und eine qualifizierte, pflegebasierte Beobachtung von Empfindungen und Bedürfnissen der wesentlich bessere Weg ist, um eine kindgerechte Versorgung zu gewährleisten.
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- Alexander Weber (Author), 2007, Der Umgang mit Empfindungen von Kindern im Krankenhaus. Ein Modell zur Erfassung kindlicher Bedürfnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76547