Heutzutage erleben wir einen weitgehenden Rückgang des kirchlichen Einflusses auf unser Alltagsleben. Dies hängt vor allem mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber kirchlichen und religiösen Belangen zusammen. Eltern stehen den traditionellen Formen christlicher Religiosität häufig ablehnend gegenüber. Dabei spielen zum Einen sicher auch Erinnerungen an die eigene, möglicherweise negativ erlebte religiöse Erziehung mit, zum Anderen hatten vielleicht bereits die eigenen Eltern wenig Bezug zu religiösen Fragen beziehungsweise zur Kirche.
Was motiviert heute Jugendliche, sich in und für Kirche und Gemeinde zu engagieren? Hat es etwas mit ihrer religiösen Erziehung, mit der Welt, in der sie leben zu tun (Elternhaus, Religions-
unterricht, Konfirmandenunterricht,...), was brauchen (diese) Jugendliche, wonach sehnen sie sich? Das sind Fragen, die mich sehr interessieren und motiviert haben, eine Hausarbeit zu diesem Thema zu verfassen.
In meiner Ausarbeitung beginne ich mit einem theoretischen Teil und beschäftige mich dort mit den Entwicklungsaufgaben und –modellen (hier im Speziellen mit der Entwicklung der Religiosität und des Glaubens) im Jugendalter. In diesem Kapitel werde ich verschiedene Ansätze beziehungsweise Sichtweisen vor dem Hintergrund der Theoriebildung im Anlage-Umwelt-Kontext vorstellen. Anschließend greife ich in einem praktischen Teil dieses Thema wieder auf und stelle dabei die Sichtweisen von vier Jugendlichen aus meiner Kirchenge-meinde vor, die aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen. Danach vergleiche ich die Ergebnisse der aktuellen Shell-Jugendstudie sowie der Studie „Realität und Reichweite von Jugendver-bandsarbeit am Beispiel der Evangelischen Jugend“ mit meinen eigenen und ziehe ein persönliches Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
2.1 Definition Jugendalter
2.2 Definition Entwicklungsaufgaben
2.3 Entwicklungsaufgaben, Funktionen und Belastungsfaktoren innerhalb der peer group
3. Entwicklungsmodelle im Jugendalter
3.1 Religion / Religiosität
3.1.1 „Religion“ - Versuch einer Begriffsbestimmung
3.1.2 „Religiosität“ – Versuch einer Begriffsbestimmung
3.1.3 Entwicklung der Religiosität
3.2 Entwicklung des Glaubens
3.2.1 „Glaube“ - Versuch einer Begriffsbestimmung
3.2.2 Die Stufen des Glaubens nach James W. Fowler
4. Praktischer Teil – Untersuchung
4.1 Begründung für die Auswahl des Teenkreises und gemachte Beobachtungen – gelebter Glaube im hessischen Raum / Fronhausen
4.2 Interview mit Jugendlichen: Fragen / Methoden
4.3 Interview / Auswertung
4.3.1 Sozialisation
4.3.2 Bedeutung von Glaube und Spiritualität / Erfahrungen von Gemeinschaft
4.3.3 Religiöse Vorbilder
4.3.4 Motivation
4.3.5 Möglichkeiten, sich in Kirche auszuprobieren
4.3.6 Persönliche Beobachtungen
4.4 Versuch eines Vergleichs zu empirischen Untersuchungen
4.4.1 (15.) Shell-Jugendstudie
4.4.2 Studie: „Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit am Beispiel der Evangelischen Jugend
4.4.3 Einordnung der Ergebnisse
5. Persönliches Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Beweggründe für das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen in der Kirche und analysiert, wie religiöse Sozialisation sowie die Einbindung in feste Jugendgruppen (Teenkreise) die Motivation zur aktiven Teilnahme und Mitgestaltung beeinflussen.
- Entwicklungspsychologische Aspekte im Jugendalter
- Strukturmodelle zur Entwicklung von Religiosität und Glauben
- Qualitative Untersuchung mittels Interviews mit Jugendlichen
- Vergleich der Praxisergebnisse mit aktuellen Studien (Shell-Jugendstudie, Evangelische Jugend)
Auszug aus dem Buch
4.3.5 Möglichkeiten, sich in Kirche auszuprobieren
Sie erzählten dann von den verschiedenen Gruppen, in denen sie sich ausprobieren können: Kindergottesdienst, Jungschar, Band, Betreuer bei Kinderfreizeiten, Teenkreis und Mitarbeit bei besonderen Gottesdiensten in der Gemeinde. Ganz besonders begeistert berichteten sie über die Idee, einen Jugendgottesdienst zum Thema „Addis Abeba“ zu gestalten. Ihre Intention war: „Wir wollen helfen!“ Sie nahmen Kontakt zu einem Pfarrer auf, der Beauftragter für „Straßenkinder in Addis Abeba“ im Kirchenkreis Marburg-Land ist, luden ihn und eine Delegation aus Äthiopien, die gerade in Marburg zu Besuch waren, in ihren Teenkreis ein und informierten sich über Land, Leute und das vorherrschende Elend dort.
Übereinstimmend erklärten sie, dass ein weiterer Grund für ihre Motivation ist, dass sie Experimentierräume im Teenkreis und im Kindergottesdienst ausleben können. Marvin: „Wichtig ist auch, wenn man im Teenkreis ’ne Andacht oder so macht, dann kann die auch falsch sein, das ist einfach nicht schlimm, man wird nicht kritisiert, man kriegt vielleicht ’en Tipp danach und es macht trotzdem Spaß. Man kann sich halt ausprobieren und muss nicht dieses Perfekte zeigen, was man in der Schule beispielsweise geben muss.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin beschreibt ihre persönliche religiöse Biografie und den Rückgang kirchlichen Einflusses, was die Motivation zur Untersuchung von Jugendengagement weckte.
2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter: Dieses Kapitel definiert das Jugendalter als Übergangsphase und beleuchtet die Bedeutung von Entwicklungsaufgaben sowie die Rolle der Peergroup für Heranwachsende.
3. Entwicklungsmodelle im Jugendalter: Es werden theoretische Ansätze zur Entwicklung von Religiosität (Oser/Gmünder) und Glauben (Fowler) dargestellt und kritisch diskutiert.
4. Praktischer Teil – Untersuchung: Die Autorin wertet Interviews mit vier Jugendlichen aus einem Teenkreis aus und vergleicht deren Erfahrungen mit existierenden empirischen Studien wie der Shell-Jugendstudie.
5. Persönliches Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Jugendliche in der modernen Gesellschaft nach eigenen religiösen Wegen suchen und Kirche Freiräume für echtes Engagement bieten muss.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Jugendliche, Kirche, Gemeinde, Engagement, Motivation, Religiosität, Glaube, Teenkreis, Sozialisation, Peergroup, Identitätsbildung, Ehrenamt, Jugendverbandsarbeit, Experimentierräume, Religionspädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Faktoren, die Jugendliche dazu motivieren, sich aktiv und ehrenamtlich in kirchlichen Strukturen und Gemeindearbeit zu engagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklungspsychologie des Jugendalters, die Theorie der religiösen Entwicklung und der praktische Vergleich zwischen individuellem Engagement und großflächigen Jugendstudien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, welche Rolle Freiräume und persönliche Erfahrung bei der Identitätsfindung und der Bindung an eine Kirchengemeinde spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Grundlagen aus der Religionspädagogik mit einer qualitativen Analyse in Form von Experteninterviews mit vier Jugendlichen eines Teenkreises.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Entwicklungsmodelle und einen praktischen Teil, in dem die Lebenswelten und Motivationen der befragten Jugendlichen intensiv dargestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Jugendengagement, Religiosität, Sozialisation, Peergroup-Dynamik und die Bedeutung von Experimentierräumen innerhalb kirchlicher Arbeit.
Warum spielt die Peergroup eine so große Rolle im Teenkreis?
Laut der Studie bietet die Peergroup einen geschützten Raum für Identitätsfindung und Selbstbestimmung, in dem Jugendliche Gemeinschaft jenseits strenger kirchlicher Hierarchien erleben können.
Welche Bedeutung haben "Experimentierräume" für die Jugendlichen?
Sie ermöglichen es, Aufgaben wie Andachten oder Gottesdienste ohne Leistungsdruck zu übernehmen, Fehler zu machen und somit aktiv Selbstwirksamkeit und Kompetenz zu erfahren.
Wie stehen die interviewten Jugendlichen zum Kirchenvorstand?
Sie kritisieren das veraltete Image und das hohe Durchschnittsalter des Gremiums, betonen jedoch gleichzeitig den Wunsch, durch eigene Kandidaturen frischen Wind in die Gemeinde zu bringen.
- Quote paper
- Sabine Klatt (Author), 2007, Was ist die Motivation Jugendlicher, sich in Kirche und Gemeinde zu engagieren?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76549