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Hans Blumenbergs Begriff der „actio per distans“

Title: Hans Blumenbergs Begriff der „actio per distans“

Term Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Tobias Thiel (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Nicht die Frage nach dem Wesen des Menschen ist es, die Hans Blumenberg in dem im Jahre 2006 herausgegebenen Werk „Beschreibung des Menschen“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellt. Das Hauptaugenmerk seiner phänomenologischen Anthropologie liegt vielmehr darauf, was am Menschen am auffälligsten ist, auf den Erscheinungen also. So ist der Mensch der einzige Primat, der ausschließlich aufrecht geht und steht. Daraus folgt für Blumenberg, dass der Mensch nicht nur ausgezeichnet sieht sondern auch sehr leicht gesehen wird (werden kann). Es ist demzufolge die Visibilität des Menschen, die seine Existenz und sein Bewusstsein auf das Nachhaltigste bestimmt.

Im Zentrum dieser Arbeit wird ein Grundbegriff des Blumenbergschen Denkens stehen: die Distanz. Der Begriff der Distanz ist aus dem Werk Hans Blumenbergs nicht wegzudenken, so auch nicht aus seinen anthropologischen Überlegungen. So soll in dieser Hausarbeit aufgezeigt werden, wie Hans Blumenberg den Topos der „actio per distans“ in seiner Anthropologie verortet und begründet. Ferner gilt es, die Beschaffenheit und das Vorkommen der actio per distans in der menschlichen Natur (und Kultur) herauszustellen sowie die existentiellen Folgen darzustellen, die sich aus diesem Prinzip ergeben. Als ein kurzer didaktischer Exkurs werden die Chancen und Möglichkeiten (auch Schwierigkeiten und Grenzen) aufgeführt, die mit einer schulischen Verwendung des in dieser Abhandlung bearbeiteten Themas einhergehen könnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung und Hinführung zum Thema

II. Der Mensch als ein riskantes Lebewesen

III. Variationen und Instrumente der Körperausschaltung

IV. Exkurs – Hans Blumenbergs phänomenologische Anthropologie im schulischen Rahmen

V. Fazit – die Bedeutung der „actio per distans“ in Blumenbergs Anthropologie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Begriff der „actio per distans“ im Werk „Beschreibung des Menschen“ von Hans Blumenberg. Dabei wird analysiert, wie dieser Topos die phänomenologische Anthropologie Blumenbergs strukturiert und welche existentiellen Folgen sich aus dieser Distanzschaffung für den Menschen als kulturgeschichtliches Wesen ergeben.

  • Die „actio per distans“ als zentrales Merkmal der Menschwerdung
  • Der Mensch als riskantes Lebewesen und die Bedeutung der Prävention
  • Die Rolle der Körperausschaltung in der kulturellen Evolution
  • Kritische Auseinandersetzung mit anthropologischen Positionen (Gehlen, Alsberg)
  • Didaktische Möglichkeiten einer schulischen Verwendung von Blumenbergs Anthropologie

Auszug aus dem Buch

Variationen und Instrumente der Körperausschaltung

Das Theorem der Körperausschaltung ist nach Blumenberg nicht ausschließlich auf frühere Entwicklungsstadion des Menschen anzuwenden, es hat vielmehr bis heute eine entscheidende Bedeutung. Der Körper des heutigen Menschen ist vieler Zweckhandlungen entledigt. Er ist somit nicht mehr das Instrument einer Zweckhandlung. Durch Reduktion und das Prinzip der Körperausschaltung hat er sich in vielen Fällen zum reinen Ausdrucksträger gewandelt, so beispielsweise auch im Falle des Kusses.

„An diesem Beispiel wird deutlich, daß der Prozeß der Körperausschaltung seine Kulmination nicht in der instrumentellen Sphäre der klassischen Auffassung von „Werkzeugen“ findet, sondern in all dem, was als Inbegriff der vernünftigen und ästhetischen Äußerungen des Menschen die Signatur reiner Zweckfreiheit anzunehmen vermochte und gerade darin in einzigartiger Weise den Erfolg der „Menschwerdung“ manifestiert.“

Eine Vielzahl an Verhaltensweisen und Leistungen lasse sich nach Blumenberg unter diesem Aspekt eröffnen. So zum Beispiel die Fähigkeit zur Abbildung oder auch symbolischen Repräsentation. Dabei sei allerdings zu bedenken, dass der Vorgänger der Abbildung im Gestus des Zeigens gesucht werden müsse. Demgemäss ist für Blumenberg der Mensch ein zeigendes Wesen. Darüber hinaus gewinnt in diesem Rahmen ein Begriff an Bedeutung, der im gesamten Blumenbergschen Denken von großer Bedeutung ist, jener der Delegation.

„Bei der Delegation erlaubt das Zeigen der Richtung auch, einen anderen über den Horizont hinaus zu schicken, [...], also zur Erweiterung des perzeptiven Horizonts. Die Delegation erweist sich als Teilfunktion der actio per distans: man braucht nicht selbst am Tatort zu sein.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel verortet Blumenbergs „Beschreibung des Menschen“ innerhalb der phänomenologischen Tradition und führt in die zentrale Bedeutung der Visibilität und Distanz für die menschliche Existenz ein.

II. Der Mensch als ein riskantes Lebewesen: Hier wird der Mensch als Mängelwesen charakterisiert, das durch die Entwicklung von Kultur und Präventionsstrategien versucht, den evolutionären Risiken entgegenzuwirken.

III. Variationen und Instrumente der Körperausschaltung: Dieses Kapitel erläutert, wie durch das Prinzip der Distanzschaffung kulturelle Leistungen wie Sprache, Simulation und Symbolisierung erst möglich werden.

IV. Exkurs – Hans Blumenbergs phänomenologische Anthropologie im schulischen Rahmen: Der Autor diskutiert hier das didaktische Potenzial von Blumenbergs Anthropologie für den Philosophieunterricht und die Möglichkeiten eines Lebensweltbezugs.

V. Fazit – die Bedeutung der „actio per distans“ in Blumenbergs Anthropologie: Das Fazit fasst zusammen, dass die „actio per distans“ das entscheidende Bindeglied zwischen biologischer Herkunft und kultureller Selbstbehauptung des Menschen darstellt.

Schlüsselwörter

Hans Blumenberg, actio per distans, Körperausschaltung, phänomenologische Anthropologie, Existenzrisiko, Prävention, Visibilität, Menschwerdung, Kultur, Delegation, Simulation, Philosophieunterricht, Arnold Gehlen, Paul Alsberg, Distanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Hans Blumenbergs phänomenologische Anthropologie, insbesondere den zentralen Begriff der „actio per distans“ (Handeln auf Distanz), und analysiert dessen Bedeutung für das Verständnis des Menschen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf Themen wie das Existenzrisiko des Menschen, das Prinzip der Körperausschaltung, die Entwicklung der menschlichen Kultur sowie die Rolle der Prävention und Distanz in der Evolution.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit stellt die Frage, wie der Mensch als existierendes Wesen möglich geworden ist und weiterhin möglich bleibt, wobei der Topos der „actio per distans“ als Antwort darauf verortet wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine phänomenologische Herangehensweise, um Blumenbergs anthropologische Überlegungen zu rekonstruieren und in einen größeren theoretischen Kontext zu stellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Übergang des Menschen von einem flüchtenden Lebewesen zu einem Wesen, das sich durch Distanz, Werkzeuge und Kultur von seiner unmittelbaren Umwelt abkoppelt, und diskutiert dazu die Positionen von Gehlen und Alsberg.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind actio per distans, Körperausschaltung, Existenzrisiko, Prävention, Visibilität und phänomenologische Anthropologie.

Warum betont der Autor die Bedeutung für den Philosophieunterricht?

Der Autor sieht in Blumenbergs Ansatz eine Möglichkeit, den Philosophieunterricht mit einem direkten Lebensweltbezug zu bereichern und das Thema Anthropologie jenseits veralteter Definitionen neu zu strukturieren.

Wie unterscheidet sich der Mensch laut Blumenberg von Tieren?

Der Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er durch den aufrechten Gang und die „Körperausschaltung“ in der Lage ist, Distanz zur unmittelbaren Umwelt zu schaffen und somit eine rationale „Prävention“ gegen Risiken zu entwickeln.

Gibt es laut der Arbeit einen angeborenen Aggressionstrieb?

Nein, der Autor leitet aus Blumenbergs Überlegungen ab, dass Aggression keinem Trieb entspringt, sondern eine Konsequenz der rationalen Beurteilung von Situationen im Rahmen der „Prävention“ ist.

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Details

Title
Hans Blumenbergs Begriff der „actio per distans“
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Philosophisches Seminar)
Course
Hans Blumenberg: Beschreibung des Menschen
Grade
2,7
Author
Tobias Thiel (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V76613
ISBN (eBook)
9783638808798
Language
German
Tags
Hans Blumenbergs Begriff Hans Blumenberg Beschreibung Menschen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Thiel (Author), 2007, Hans Blumenbergs Begriff der „actio per distans“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76613
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