Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

Vorsatz, Erbschuld und Gericht: Die Schuldfrage in Hartmann von Aues "Gregorius"

Title: Vorsatz, Erbschuld und Gericht: Die Schuldfrage in Hartmann von Aues "Gregorius"

Term Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sabine Kowoll (Author), Tanja Amon (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Gemäß E. Gössmann lassen sich die vielen Erörterungen des in Hartmanns „Gregorius“ enthaltenen Schuldproblems in vier Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst die theologisierenden Interpretationen, welche den literarischen Text als zweitrangig einstufen, indem sie ihn als Propagandamittel für zeitgenössische theologische Anschauungen werten. Sie konstruieren eine persönliche Schuld des Gregorius; eine Schuld, die dessen 17-jährige Buße auf dem „wilden Felsen" begründet. Zur zweiten Gruppe zählen die literaturwissenschaftlich orientierten Arbeiten, die theologische Argumentationen beinhalten. Diese Interpretationen berücksichtigen die Eigengesetzlichkeit des Literarischen und suchen zu erforschen, inwieweit der theologisch-geistliche Hintergrund in die Dichtung eingegangen ist. Sie lehnen die Annahme der persönlichen Schuld des Gregorius ab. Als dritte Gruppe sind die komparativistisch angelegten Interpretationen zu nennen. Sie untersuchen den stoffgeschichtlichen Zusammenhang von Hartmanns „Gregorius“ mit dem antiken Ödipus-Motiv oder mit anderen Legenden des Mittelalters und verwerfen die These der persönlichen Schuld. Der letzten Gruppe lassen sich die sozialgeschichtlich orientierten Arbeiten zurechnen.

Die vorliegende Arbeit orientiert sich weitestgehend an den theologisierenden Interpretationen und sucht drei entscheidende Fragen zu beantworten:

1. Ist Gregorius bereits durch seine Geburt mit einer Schuld behaftet oder hat diese für ihn irgendwelche unheilvollen Konsequenzen?

2. Sind Gregorius und seine Mutter durch ihre Ehe, die unbewusste Blutschande, schuldig geworden?

3. Falls die ersten beiden Fragen zu verneinen sind, ist Folgendes zu erörtern: Um welch sonderliche Gnade Gottes handelt es sich, durch die Gregorius nach siebzehnjähriger Bußzeit seine subjektiv nicht vorhandene Schuld endlich vergeben wird?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Interpretationsmöglichkeiten zum Schuldproblem

2 Geschwisterinzest im Lichte der damaligen Theologie

2.1 Beziehung zwischen Bruder und Schwester

2.2 Geburt des Gregorius als Folge des Inzests

3 Inzestehe im Lichte der damaligen Theologie

3.1 Rolle der Mutter

3.2 Rolle des Gregorius

4 Subjektives Sündenbewusstsein

5 Persönliche Schuld des Gregorius

5.1 Nichtübernahme der Buße für die Eltern

5.2 Austritt aus dem Kloster

5.3 Streben nach Ritterschaft

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Schuldproblem in Hartmann von Aues "Gregorius" unter Rückgriff auf die zeitgenössische mittelalterliche Theologie. Ziel ist es zu klären, ob der Protagonist durch seine Herkunft oder seine unbewussten Taten tatsächlich als schuldig im Sinne der damaligen Sündenlehre gelten kann oder ob seine Bußleistung anders zu interpretieren ist.

  • Die Theologie des mittelalterlichen Sündenverständnisses
  • Die rechtliche und moralische Bewertung des Geschwisterinzests
  • Die Rolle der "ignorantia" (Unwissenheit) bei der Schuldfrage
  • Analyse der persönlichen Entscheidungen des Gregorius
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Klosterleben und Ritterschaft

Auszug aus dem Buch

3 Inzestehe im Lichte der damaligen Theologie

In der Zeit Hartmanns von Aue belegt die Kirche diejenigen, die eine Inzestehe eingegangen sind, entweder mit Exkommunikation oder mit der Strafe der „infamia“, welche für die aus dem Inzest hervorgegangene Nachkommenschaft eine Minderung der Rechtsstellung bedeutet (siehe Kapitel 2.2). All diese Strafbestimmungen gelten jedoch nur, „si nulla iusta execusetor ignorantia“9. So lehrt Peter Abaelard, dass es ohne sündige Absicht keine Sünde geben kann. Die zustimmende Gesinnung allein macht gemäß ihm die Sünde aus. Aus dieser Lehre resultiert, dass eine unwissentliche Inzestehe für die Institution Kirche keine persönliche Schuld bedeutet und nicht mit Exkommunikation und Bußbestimmungen bestraft wird. Bei Bekanntwerden der inzestuösen Verbindung wird diese für ungültig erklärt und beiden Partnern wird das Recht zugesprochen, eine neue Ehe einzugehen. Aus der „letzten Folgerung wird besonders deutlich, wie unbefangen die [damalige, Anmerk d. Verf.] Theologie eine solche auf Irrtum beruhende Ehe entschuldigt“10. Obwohl hier eindeutig ein Gebot gebrochen wird, sind die „Sünder“ keineswegs mit Schuld behaftet, da nur die objektive Seite der Sünde erfüllt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Interpretationsmöglichkeiten zum Schuldproblem: Es werden vier Forschungsgruppen zur Schuldfrage in Hartmanns Werk vorgestellt, wobei sich die Arbeit schwerpunktmäßig an theologisierenden Interpretationen orientiert.

2 Geschwisterinzest im Lichte der damaligen Theologie: Dieses Kapitel erläutert die damalige Sündenlehre und analysiert den Inzest der Eltern als eine Verfehlung, die den Tatbestand der persönlichen Schuld erfüllt.

3 Inzestehe im Lichte der damaligen Theologie: Es wird dargelegt, dass eine unwissentliche Ehe nach kirchlicher Lehre keine persönliche Schuld bedeutet, und die Rolle der Mutter sowie des Gregorius in diesem Kontext hinterfragt.

4 Subjektives Sündenbewusstsein: Die Autoren thematisieren den Widerspruch zwischen der objektiven Schuldlosigkeit nach Kirchenrecht und dem freiwilligen, harten Bußweg, den die Charaktere auf sich nehmen.

5 Persönliche Schuld des Gregorius: In diesem Hauptteil wird geprüft, ob sich dem Protagonisten Schuld durch die Nichtübernahme der Buße für die Eltern, den Klosteraustritt oder sein Streben nach Ritterschaft zuschreiben lässt.

Schlüsselwörter

Gregorius, Hartmann von Aue, Schuldfrage, Sündenlehre, Inzest, Theologie, Buße, Ritterschaft, Mittelalter, Rechtfertigung, Objektive Schuld, Subjektive Schuld, Gnade Gottes, Klosteraustritt, Oblatentum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Schuldfrage in Hartmann von Aues Epos "Gregorius" vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Theologie und Sündenlehre.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Sündenverständnis des Mittelalters, der Inzest als objektive Sünde, die Rolle der Unwissenheit sowie die individuelle Handlungsfreiheit des Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit sucht zu klären, ob Gregorius tatsächlich persönliche Schuld trägt oder ob seine Buße eine Gnade Gottes darstellt, da er nach kirchlichem Recht eigentlich unschuldig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich stark an theologisierenden Interpretationen orientiert und den Primärtext kritisch im Kontext zeitgenössischer theologischer Lehrmeinungen untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Vorwürfen der persönlichen Schuld, insbesondere der Nichtübernahme der elterlichen Buße, dem Austritt aus dem Kloster und dem ritterlichen Lebensentwurf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Schuld, Sündenlehre, Inzest, Buße, Gnade Gottes, Ritterschaft und das "Gregorius"-Epos von Hartmann von Aue.

Wie bewerten die Autoren das Oblatentum des Gregorius?

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Gregorius im Kloster zwar eine moralische, jedoch keine rechtlich zwingende Verpflichtung zum Verbleib hatte, was seinen Austritt in ein anderes Licht rückt.

Warum wird Gregorius trotz seiner Unschuld als "Sünder" wahrgenommen?

Die Arbeit führt dies auf den Widerspruch zwischen kirchlicher Lehre und der "Anschauung des Volkes" zurück, welche jede Störung der göttlichen Schöpfungsordnung als schuldig betrachtet, ungeachtet der subjektiven Unwissenheit.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Vorsatz, Erbschuld und Gericht: Die Schuldfrage in Hartmann von Aues "Gregorius"
College
University of Bamberg
Course
Hartmann von Aue: Gregorius
Grade
1,0
Authors
Sabine Kowoll (Author), Tanja Amon (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V77300
ISBN (eBook)
9783638821452
ISBN (Book)
9783656448457
Language
German
Tags
Vorsatz Erbschuld Gericht Schuldfrage Hartmann Aues Gregorius Hartmann Gregorius
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Kowoll (Author), Tanja Amon (Author), 2006, Vorsatz, Erbschuld und Gericht: Die Schuldfrage in Hartmann von Aues "Gregorius", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77300
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint