Niedersachsens Kultusminister Busemann sieht Eigenverantwortliche Schulen als "die beste, sachgerechteste und nachhaltigste Antwort auf PISA", die Opposition erkennt Eigenverantwortlichkeit weiterhin "nur in dem sehr engen Rahmen" der regierungsverantworteten "Erlassflut": Festzustellen ist, dass das neue Niedersächsische Schulgesetz einige Neuerungen mit sich bringt.
Worin diese Neuerungen im Einzelnen bestehen, wie sie begründet und kritisiert werden, und nicht zuletzt welche Konsequenzen das neue Gesetz für Schulleitungen hat, sind zentrale Fragestellungen, die diese Arbeit untersucht.
Die reformierten Verantwortlichkeiten werden resümierend weniger in dem Zuständigkeitsfeld "Schule vs. Politik" als viel mehr in den innerschulischen Kompetenzveränderungen gesehen, insbesondere in Form des neuen Schulvorstandes und der erweiterten Befugnisse (und Zuständigkeiten) der Schulleitung, die dringend Fortbildungsbedarf anzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehungshintergrund des neuen Schulgesetzes
2.1 Die Diskussion über Schulqualität nach PISA
2.2 „Neues“ Paradigma: Eigenverantwortlichkeit, Qualitätsentwicklung und Evaluation
2.3 Selbstständigkeit in Erprobung: Modellversuche und Schulprojekte in Niedersachsen
2.3.1 Projekt Regionale Kompetenzzentren (ProReKo)
2.3.2 Projekt Erweiterte Eigenverantwortung in Schulen
3 Das Gesetz zur Einführung der Eigenverantwortlichen Schule
3.1 Qualitätsentwicklung
3.1.1 Lehrpläne
3.1.2 Schulprogramm
3.1.3 Erhebungen
3.1.4 Schulinspektion
3.1.5 Qualitätsmanagement
3.2 Innere Schulverfassung
3.2.1 Gesamtkonferenz
3.2.2 Teilkonferenzen
3.2.3 Schulvorstand
3.2.4 Schulleitung
3.2.5 Lehrkräfte
3.3 Budgetierung
4 Kritisches Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das neue niedersächsische Schulgesetz unter dem Stichwort der „Eigenverantwortlichen Schule“ und analysiert dessen Auswirkungen sowie die damit verbundenen Herausforderungen für die Schulleitung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Reform eine effektive Reaktion auf die PISA-Ergebnisse darstellt und welche strukturellen Veränderungen in den Schulen resultieren.
- Entstehungshintergrund und bildungspolitischer Kontext der Reform
- Veränderungen im Bereich der Qualitätsentwicklung und Schulinspektion
- Neustrukturierung der inneren Schulverfassung (Schulvorstand und Gesamtkonferenz)
- Erweiterte Zuständigkeiten und Belastungen der Schulleitung
- Kritische Würdigung der Eigenverantwortlichkeit und Deregulierungsaspekte
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Schulinspektion
Bereits zum 1. Mai 2005 wurde die Niedersächsische Schulinspektion eingerichtet, die ihren Sitz in Bad Iburg hat. Der Einrichtung der Inspektion ging eine zweijährige Erprobungsphase voraus (vgl. Reißmann 2006, S. 183). Im neuen Niedersächsischen Schulgesetz findet die Schulinspektion in §123a Eingang, wobei der achte Teil des Gesetzes die neue Überschrift „Staatliche Schulbehörden, Schulinspektion“ erhält. Die Schulinspektion untersteht direkt dem Kultusministerium und ist organisatorisch und personell unabhängig von der Landesschulbehörde, übernimmt neben den neuen Aufgaben aber auch „Teilaufgaben der klassischen Schulaufsicht“ (Reißmann 2006, S. 188), weshalb beabsichtigt wird, dass sich Schulinspektion und Landesschulbehörde „wechselseitig informieren und unterstützen“ (ebd.).
Primäre Aufgabe der Schulinspektion ist nach §123a, Absatz 1 die Ermittlung der Qualität der einzelnen Schulen des Landes“ sowie der „Qualität des Schulsystems“. Die Teilnahme und Mitwirkung an der Schulinspektion sind für öffentliche Schulen verpflichtend, wobei auch Schulen in freier Trägerschaft die Möglichkeit haben, sich der externen Evaluation der Schulinspektion zu unterziehen, sofern diese entsprechende Kapazitäten hat (vgl. Reißmann 2006, S. 184). Der Erlass „Schulinspektionen in Niedersachsen“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2006d) regelt detailliert die Durchführung und den formalen Ablauf des Inspektionsprozesses. Auf eine detaillierte Darstellung soll an dieser Stelle zugunsten eines Überblicks über zentrale Kernpunkte verzichtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den bildungspolitischen Umbruch in Niedersachsen und definiert die Einführung der „Eigenverantwortlichen Schule“ als zentrale Reformmaßnahme.
2 Entstehungshintergrund des neuen Schulgesetzes: Das Kapitel rekonstruiert die politische Debatte nach den PISA-Studien und erläutert die Bedeutung von Modellversuchen als Vorläufer der Gesetzesnovelle.
3 Das Gesetz zur Einführung der Eigenverantwortlichen Schule: Hier werden die inhaltlichen Säulen der Reform, wie Qualitätsmanagement, Änderungen in der Schulverfassung und Budgetierung, detailliert beschrieben.
4 Kritisches Resümee: Das Abschlusskapitel bewertet die Reform kritisch hinsichtlich der tatsächlichen Handlungsspielräume für Schulen und der Arbeitsbelastung der Schulleitung.
Schlüsselwörter
Eigenverantwortliche Schule, Niedersächsisches Schulgesetz, Schulqualität, PISA-Studie, Schulleitung, Schulvorstand, Qualitätsmanagement, Schulinspektion, Gesamtkonferenz, Eigenverantwortung, Deregulierung, Schulentwicklung, Zielvereinbarung, Budgetierung, Personalentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einführung des neuen niedersächsischen Schulgesetzes, das Schulen eine größere Eigenverantwortlichkeit zuweist, und betrachtet dies kritisch im Kontext der Schulleitungspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Hauptthemen zählen Qualitätsentwicklung, die Neugestaltung der schulinternen Gremienstruktur (insbesondere der Schulvorstand), Budgetierung und die Rolle der externen Schulinspektion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Transformationsprozess hin zur eigenverantwortlichen Schule zu rekonstruieren und zu prüfen, ob die Reform tatsächlich mehr Gestaltungsspielräume bietet oder zu einer Überlastung der Akteure führt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Verfasser nutzt eine dokumentarische Analyse von Gesetzestexten, ministeriellen Erlassen, Protokollen aus dem Landtag sowie begleitender Fachliteratur zur Schulentwicklung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Entstehungskontext, die Analyse der neuen gesetzlichen Regelungen zu Qualitätsmanagement und Schulverfassung sowie die konkreten Auswirkungen auf die Schulleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Eigenverantwortliche Schule, Schulleitung, Qualitätsmanagement, Schulinspektion und Schulvorstand.
Welche Rolle spielt der neu eingeführte Schulvorstand?
Der Schulvorstand soll als neues Gremium die Gesamtkonferenz entlasten, indem er Qualitätsmanagement-Prozesse steuert und Entscheidungsbefugnisse zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern bündelt.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen auf die Schulleitung?
Der Autor sieht eine deutliche Zunahme der Arbeitsbelastung durch neue Aufgaben in der Personal- und Haushaltsplanung und plädiert daher für eine stärkere kooperative Unterstützung der Schulleitung durch den Schulvorstand.
- Quote paper
- Daniel Fischer (Author), 2006, Eigenverantwortliche Schule. Das neue niedersächsische Schulgesetz als Herausforderung für die Schulleitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77816