Im italienischen Seicento – dem späten 17. Jahrhundert – wird in Rom im Auftrag der Kirche eine Kunstgattung neu erfunden, die – obgleich bereits seit der Antike bekannt – in dieser neuen Form ihresgleichen sucht. Der Illusionismus, der bislang stets als Spielerei mit Raumwahrnehmung, mathematischer Perspektivkonstruktion und technischen Fähigkeiten ein Schattendasein fristete, wird plötzlich zum Hauptelement des Bilderschmuckes in mehreren Kirchen, nicht nur in Rom, sondern auch in Wien – um nur ein Beispiel zu nennen. Diese Arbeit will sich mit den Hintergründen und Absichten dieser Zuwendung zum Illusionismus auseinandersetzen. Anhand zweier Beispiele – der Kirchen San’ Ignazio und Il Gesù – soll aufgezeigt werden, inwiefern sich diese ‚neuen’ Typen des Bilderschmuckes von der traditionellen Malweise innerhalb eines Kirchenraumes unterscheiden. Die Kernfrage erscheint dabei fast zu einfach: Warum setzte man Illusionsmalerei in diesen beiden Kirchenräumen ein? Wieso wollte man – musste man – die Fertigkeiten der beteiligten Künstler bis zur perfekten optischen Täuschung ausreizen? Handelte es sich nur darum, durch besondere Kunstfertigkeit aufzufallen, oder war es nicht vielmehr so, dass man besondere Bildinhalte vermitteln wollte, die man mit Hilfe der Illusionsmalerei besser verdeutlichen konnte? Hierbei wird auch die Rolle des Auftraggebers dieser beiden Kirchen zu betrachten sein: Die Societas Iesu, der Jesuitenorden. Die beiden Jesuitenkirchen gehörten zu den wichtigsten Gotteshäusern des Ordens, nicht nur in Rom, sondern überhaupt. Im zweiten Themenkomplex soll dargestellt werden, inwieweit sich die Ansprüche und Ziele der Jesuiten mit der Anwendung und Perfektionierung der Illusionsmalerei gegenseitig beeinflussen. In Il Gesù und San’ Ignazio – soviel sei schon gesagt – haben sich inhaltliche Absichten und illusionistische Malweise in einer Art miteinander verbunden, die an sich singulär, ja: revolutionär, ist. Wie genau dies von Statten ging, soll im Folgenden gezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Forschungsstand
- Il Gesú
- Bau
- Beschreibung
- Interpretation
- San' Ignazio
- Bau
- Beschreibung
- Interpretation
- Vision und Realität - Die Illusionsmalerei als Bedeutungsträger
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Instrumentalisierung der Illusionsmalerei im römischen Barock. Anhand der beiden Kirchen San' Ignazio und Il Gesù wird untersucht, wie die neue Form des Bilderschmucks von der traditionellen Malweise abweicht und welche Bedeutungen sie vermittelt. Im Fokus stehen die Hintergründe und Absichten der Anwendung von Illusionsmalerei sowie die Rolle des Auftraggebers, der Societas Iesu (Jesuitenorden). Die Arbeit analysiert, inwiefern sich die Ansprüche und Ziele der Jesuiten mit der Anwendung und Perfektionierung der Illusionsmalerei gegenseitig beeinflusst haben.
- Untersuchung der neuartigen Anwendung von Illusionsmalerei im römischen Barock
- Analyse der Bedeutungsgebung der Illusionsmalerei in Kirchenräumen
- Betrachtung der Rolle des Jesuitenordens als Auftraggeber der beiden Kirchen
- Zusammenhang zwischen den Zielen des Ordens und der Gestaltung der Kirchenräume
- Die Bedeutung der Illusionsmalerei als Instrument der visuellen Kommunikation
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der Instrumentalisierung der Illusionsmalerei im römischen Barock vor und erläutert den Fokus auf die Kirchen San' Ignazio und Il Gesù. Der Forschungsstand gibt einen Überblick über die bestehende Literatur und die relevanten wissenschaftlichen Ansätze. Im Kapitel „Il Gesú“ werden die Kirche und ihre Dekoration von Giovanni Battista Gaulli, genannt Baciccia, beschrieben. Das Kapitel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die Beschreibung des Langhausfreskos und die Bedeutung der Illusionsmalerei für die Interpretation des Kirchenraumes. Das Kapitel „San' Ignazio“ folgt dem gleichen Muster und behandelt die Geschichte, die Dekoration und die symbolische Bedeutung der Illusionsmalerei in diesem Kirchenraum.
Schlüsselwörter
Römischer Barock, Illusionsmalerei, Jesuitenorden, San' Ignazio, Il Gesù, Andrea Pozzo, Giovanni Battista Gaulli, Baciccia, Raumwahrnehmung, Perspektive, optische Täuschung, Bedeutungsträger, visuelle Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde Illusionsmalerei in Barockkirchen eingesetzt?
Sie diente nicht nur der Dekoration, sondern wurde instrumentalisiert, um religiöse Visionen und Bildinhalte durch perfekte optische Täuschungen für die Gläubigen erfahrbar zu machen.
Welche Rolle spielte der Jesuitenorden (Societas Iesu)?
Als Auftraggeber der Kirchen Il Gesù und San’ Ignazio nutzten die Jesuiten die Illusionsmalerei gezielt, um ihre spirituellen Ziele und die Herrlichkeit Gottes zu visualisieren.
Wer waren bedeutende Künstler dieser Gattung in Rom?
Wichtige Vertreter waren Andrea Pozzo (bekannt für San’ Ignazio) und Giovanni Battista Gaulli, genannt Baciccia (bekannt für Il Gesù).
Was ist das Besondere am Langhausfresko von Il Gesù?
Das Werk von Baciccia verbindet Malerei, Architektur und Stuck so geschickt, dass die Grenze zwischen realem Raum und gemalter Vision verschwimmt.
Wie unterscheidet sich diese Malweise von der traditionellen Kunst?
Im Gegensatz zur flachen Wandmalerei nutzt der Illusionismus mathematische Perspektivkonstruktionen, um den Kirchenraum scheinbar in den Himmel hinein zu öffnen.
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- Christian Rollinger (Autor), 2007, Se non é vero, é bon pintado - Zur Instrumentalisierung der Illusionsmalerei im römischen Barock, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78108