Möglichkeiten der Realisierung und Anwendbarkeit von kooperativem Lernen als Teilkomponente des selbstgesteuerten Lernens

anhand des Rahmenlehrplans Deutsch für Gymnasien des Landes Brandenburg für die Sekundarstufe I


Zwischenprüfungsarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Selbstgesteuertes Lernen
2.1.1 Begriffsklärung
2.1.2 Was ist selbstgesteuertes Lernen
2.1.3 Die Hauptkomponenten des selbstgesteuerten Lernens
2.2 Kooperatives Lernen als Hauptkomponente des selbstgesteuerten Lernens
2.2.1 Rahmenbedingungen von kooperativem Lernen
2.2.1.1 Bereitschaft der Schüler zur Gruppenarbeit
2.2.1.2 Strukturierung der Kooperation
2.2.1.3 Bewertung von kooperativem Lernen
2.2.2 Methoden des kooperativen Lernens
2.2.2.1 Das Gruppenturnier
2.2.2.2 Das Gruppenpuzzle

3 Kooperatives Lernen in der Anwendung anhand des Rahmenlehrplans Deutsch (Sek. I)
3.1 Einleitende Bemerkungen zum Rahmenlehrplan
3.2 Realisierung kooperativen Lernens in einer Deutschstunde
3.2.1 Allgemeine theoretische Vorüberlegungen des Lehrers
3.2.2 Gegenstandswahl und Kooperationsform
3.2.3 Planung des Unterrichtsprozesses
3.3 Beurteilung einer möglichen praktischen Realisierbarkeit

4 Zusammenfassende Schlussbetrachtungen

5 Literaturverzeichnis und Quellen

1 Einleitung

Unsere heutige moderne Gesellschaft ist durch eine Explosion des Wissens, d.h. eine ständige Veränderung bzw. Erneuerung von vor allem beruflich relevantem Wissen, geradezu charakterisiert und geprägt. Das hat Auswirkungen auf nahezu jeden Berufszweig: Sei es der Umgang mit neuen Techniken (z.B. PC) in einem Büro oder mit neuen meist computergesteuerten Maschinen, die Produktionsabläufe perfektionieren sollen, oder die Arbeitstätigkeit eines Physiklehrers, der die immer komplexer werdenden Erkenntnisse seines Faches bis zu einer bestimmten Grenze begreifen und auch mitverfolgen muss, um nicht den Anschluss an die die Zeit dominierenden Fragen und Antworten zu verlieren.[1]

Dieses sowie die Anforderungen einer sich auch politische und sozial rasant verändernden Welt haben Auswirkungen auf jedes einzelne Individuum einer Gesellschaft. Nicht zufällig setzte sich daher auch der Begriff des „lebenslangen Lernens“ in vielen Köpfen fest, der aufgrund der digitalen Revolution, die wir gegenwärtig durchlaufen, auch absolute Berechtigung besitzt. Wer den Anschluss im Beruf nicht verlieren will, ist gezwungen, sein Wissen und seine Kompetenzen ständig zu erweitern, um so variabel, flexiv und vor allem für den Arbeitsmarkt interessant zu bleiben. Nun braucht es nicht weiter erläutert werden, dass diese Aufgabe von der Schule als allgemeinbildende Institution nicht oder kaum mehr geleistet werden kann.

Vor diesem Hintergrund setzte sich in der Psychologie wie auch in der Pädagogik ein Perspektivenwechsel hinsichtlich dessen durch, was und wie viel die Schule zu leisten habe und leisten könne. „Wenn Inhaltswissen schnell veraltet, dann ist es eine wichtige Aufgabe der Schule, auch für die Entwicklung solcher Fähigkeiten und Fertigkeiten Sorge zu tragen, die weiteres [also außerinstitutionelles] Lernen ermöglichen.“[2] Das wiederum gab der Diskussion um das Thema „selbstgesteuertes Lernen“ in der Forschung neuen Antrieb und sorgte dafür, dass über die „klassischen“ schulischen Lernformen der Vermittlung von Inhaltswissen intensiv nachgedacht wurde. Methodenkompetenzen zur relativ selbständigen, außerinstitu-tionellen Aneignung von Wissen sollen sicherstellen, dass Menschen auch nach der Schulzeit in der Lage sind, die in der heutigen Zeit so wichtigen Fachkenntnisse zu erwerben. Die permanente eigenverantwortliche Aneignung von Wissen ist also unverzichtbar geworden.

Die vorliegende Arbeit möchte sich mit einer Maßnahme beschäftigen, die laut Forschung gezielt zur Förderung von selbständigem Lernen bei Schülern[3] eingesetzt werden kann und auch soll: das kooperative Lernen oder die Arbeit in Gruppen.[4] Diese Methode soll anschließend mit dem Rahmenlehrplan des Landes Brandenburg des Faches Deutsch für die Sekundarstufe I[5] abgeglichen werden, um zu prüfen, inwieweit dieser Möglichkeiten, Freiräume und Forderungen an den praktischen Unterricht zur Umsetzung von Gruppenarbeit stellt. Die Ergebnisse sollen dann zu den Überlegungen beitragen, wie die praktische Umsetzung dieses Konzepts innerhalb einer Unterrichtsstunde funktionieren könnte.[6]

Zuvor sind allerdings einführende Überlegungen zu den Thematiken „Selbstgesteuertes Lernen“ und „Gruppenarbeit“ als Eruierungsgrundlage unverzichtbar. Die vorliegende Untersuchung wird sich folglich in einen theoretisch erörternden und in einen praktisch anwendungsbezogenen Teil zweiteilen.[7]

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Selbstgesteuertes Lernen

2.1.1 Begriffsklärung

Der Begriff des selbstgesteuerten Lernens ist trotz oder gerade wegen der häufigen Verwendung nicht einheitlich und exakt definiert. Termini wie Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Autonomie oder autodidaktisches Lernen werden vielfach synonym verwendet. Da sich mehrere Teildisziplinen sowohl der Psychologie als auch der Pädagogik mit der Selbststeuerung befassen - allerdings alle unter einem anderen Blickwinkel – heben sich die verschiedenen Termini auch nicht scharf von einander ab und tragen so zu Verwirrungen im Gebrauch der Fachausdrücke bei.[8] Daher wird sich die vorliegende Eruierung lediglich auf folgende Begriffe beschränken, diese aber synonym verwenden: „selbstgesteuertes Lernen“, „eigenständiges Lernen“, „eigenverantwortliches Lernen“ sowie Paraphrasierungen wie „eigenständiges Aneignen“ oder „Aneignung von Kenntnissen“ etc.

2.1.2 Was ist selbstgesteuertes Lernen?

Das Phänomen des selbstgesteuerten Lernens wird insbesondere im englischsprachigen Raum seit mehr als 30 Jahren intensiv erörtert und diskutiert.[9] Auch die deutschsprachige Literatur beschäftigte sich sehr bald mit der „Schlüsselkompetenz für das 3. Jahrtausend“[10], die als geeignet erschien, die in der Einleitung beschriebenen Anforderungen, die die allgemeine Technisierung des Lebens an uns stellt, zu bewältigen. Im Folgenden wird geklärt, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, welche Anforderungen er möglicherweise an die Schüler stellt und – das bleibt dem zweiten Teil dieser Arbeit vorbehalten – welche Anforderungen das an den Schulunterricht (in einer Deutschstunde) stellt.

Vorwegnehmend soll noch darauf hingewiesen werden, dass eine allgemein anerkannte und endgültige Definition schlicht nicht existiert. Zudem wird der Begriff auch in der Alltagssprache nicht immer einheitlich gebraucht. Einigkeit scheint in der Forschung über die Ausführungen von Weinert zu herrschen, da diese häufig in der Literatur anzutreffen sind. Demnach handelt es sich bei selbstgesteuertem Lernen um eine sehr komplexe Tätigkeit bzw. um eine Form des Lernens, bei der „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann.“[11] Das hier suggerierte hohe Maß an Eigenverantwortung darf jedoch nicht in der Hinsicht missverstanden werden, dass eine Fremdsteuerung, z.B. seitens eines Lehrers, vollständig fehlte. Zum einen müssen ja erst die Voraussetzungen geschaffen werden, die der Lerner zum selbständigen Lernprozess benötigt, andererseits muss selbst bei dem eigentlichen Vorgang eine kompetente und didaktisch fähige Ansprechperson vorhanden sein, an die sich der Schüler richten kann und von welcher er begleitet wird.[12] Es kann also festgehalten werden, dass Lernprozesse in der Regel von dem Lernenden selbst gesteuert werden, aber auch vorher oder während des Lernens von externen Personen geleitet oder initiiert werden müssen. Eine Aneignung von Fähigkeiten, die ausschließlich selbstbestimmt ist, gibt es demnach nicht, denn sogar der Autodidakt muss hin und wieder zu Büchern oder ähnlichem greifen, um sein Wissen zu vermehren, ist ergo in einem gewissen Maße fremdgesteuert.

Nun sollte mit dieser Definition deutlich gemacht worden sein, was unter dem Begriff in Ansätzen zu verstehen ist und was geschehen muss, damit auch wirklich selbstgesteuert gelernt wird - nämlich: Unweigerlich stehen vor dem eigentlichen Lernen Entscheidungen über die Lernziele, über die Inhalte, die Lernressourcen, über Zeit und Methode des Lernvorgangs an. Die Komplexität des Prozesses wird hier deutlich und unterstreicht noch einmal, dass die Methodenkompetenzen zur Erreichung des selbstgesteuerten Lernens nicht in einer Unterrichtsstunde vermittelt werden können. Zudem kann mit dieser Begriffsklärung das selbstgesteuerte Lernen vom Alltagslernen abgegrenzt werden, da dieses sich im Leben ungeregelt und wenig planvoll abspielt.[13]

Noch vielschichtiger wird der Begriff, wenn man berücksichtigt, dass selbstgesteuertes Lernen sowohl Voraussetzung, Methode als auch Ziel des Lernens darstellt, was ausdrückt, dass das wünschenswerte Ziel des eigenverantwortlichen Lernens hohe Voraussetzungen stellt.[14] Bei den Voraussetzungen unterscheiden Friedrich und Mandl externe und interne Bedingungen bei der Person des Lernenden und sprechen von „lernerseitigen Strukturen und Prozessen“ sowie von „situativen Bedingung unter denen selbstgesteuertes Lernen auftritt“.[15] Damit sind eine Reihe von Problemen verbunden, die von den Schülern aus dem Weg geräumt werden müssen. Die Anforderungen sind hoch, da sie ihre Lernbedürfnisse und –ziele für sich selbst klären und evaluieren sowie Schwierigkeiten und Probleme erkennen müssen. Es versteht sich von selbst, dass dieses Können von einem Menschen erst entwickelt werden muss, damit dieser es im späteren Leben erfolgreich anwenden kann. Nach Breuer gibt es zwei Möglichkeiten, wie dieser Vorgang nun gefördert kann: Einerseits gebe es das Mittel der direkten Vermittlung der erforderlichen motivationalen und kognitiven Komponenten. Ein anderer Weg könne aber auch durch die bewusste Gestaltung der Lernumgebung beschritten werden. Diese müsse so gebildet sein, dass sie selbstgesteuertes Lernen erfordert, zumindest jedoch ermöglicht.[16] Allerdings ist damit keine Garantie gegeben. Friedrich warnt davor, dass das Schaffen von offenen Handlungsspielräumen in der Schule nicht automatisch zu mehr Selbststeuerung bei den Schülern führen werde, denn diese müssten erst einmal lernen, „mit den neu entstandenen Spielräumen umzugehen.“[17] Aus diesem Grunde wird die Rolle des Lehrers auch keineswegs überflüssig, sondern ändert ihren Charakter weg vom reinen Wissensvermittler hin zum Lernhelfer und Lernorganisator. Der Grad der Selbststeuerung ist folglich abhängig vom Grad der Einflussnahme des Lehrers.

Das diffizile Zusammenspiel von Lernenden und Lernumwelt ist daher von großer Bedeutung für selbstgesteuertes Lernen. Sowohl interne Faktoren, wie das Verfügen über die nötigen kognitiven Fähigkeiten, Arbeits- und Problemlösestrategien, als auch externe Impulse, wie das Vorhandensein ausreichend großer Möglichkeiten in der Lernumgebung, zählen zu den wichtigen Bedingungen des eigenverantwortlichen Lernens. Hinzukommend beinhaltet das selbstgesteuertes Lernen den Aspekt der Selbstorganisation wie auch den der institutionellen Einflussnahme (Schule). Für den Lernenden gilt es dabei, selbst- und fremdorganisierte Beiträge des Lernvorganges zu verbinden und als selbstgesteuerten Lernprozess zu organisieren.

[...]


[1] Denkbar ist hier etwa die Diskussion um erneuerbare Energien und deren technische Möglichkeiten sowie die Sicherheit und wirtschaftliche Nutzbarkeit von Atomkraftwerken. Auch vollkommen neue Verfahren zur Energiegewinnung wären gewiss gut in einer höheren Schulklasse zu diskutieren.

[2] Friedrich, Helmut Felix (2002): Selbstgesteuertes Lernen – sechs Fragen, sechs Antworten, in: http://www.learnline.nrw.de/angebote/selma/medio/grundlegendes/vortraegeaufsaetze/friedrich/friedrich.pdf [Stand: 05.02.2007], S. 2.

[3] Nicht nur bei Schülern, aber im Rahmen dieser Arbeit soll nur diese Personengruppe im Fokus der Betrachtungen stehen.

[4] Die beiden Begriffe werden in dieser Untersuchung synonym verwendet.

[5] Dieser ist im Internet unter http://www.bildung-brandenburg.de/curricula_s1.html [Stand: 07.02.2007] abzurufen.

[6] Dabei ist es selbstverständlich, dass Methodenkompetenzen sowie generell tiefer greifendes Wissen nicht innerhalb einer Unterrichtsstunde vollständig vermittelt werden können. Vielmehr sollen Ansatz- und Durchführungsmöglichkeiten, die der Rahmenlehrplan bietet, aufgezeigt werden.

[7] Es soll im gesamten Text auf eine formale Geschlechterdifferenzierung verzichtet werden. Gemeint sind jedoch immer beide Genera.

[8] Vgl. Konrad, Klaus / Traub, Silke: Selbstgesteuertes Lernen in Theorie und Praxis, München 1999, S. 9.

[9] Vgl. Dohmen, Günther: Die Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens durch die Weiterbildungsinstitutionen, in: Ders. (Hg.): Weiterbildungsinstitutionen, Medien, Lernumwelten, Rahmenbedingungen und Entwicklungshilfen für das selbstgesteuerte Lernen, Bonn 1999, S. 39-94, hier S. 44.

[10] Thissen, Frank: Selbstgesteuertes Lernen – Schlüsselkompetenz für das 3. Jahrtausend, in: Forum für Bibliothek und Information BuB, Bad Honnef Dez. 1999, S. 722f.

[11] Weinert, Franz: Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts, in: Unterrichtswissenschaft. Zeitschrift für Lernforschung. 10. Jg. 1982, Heft 2, S. 99-110, hier S. 102.

[12] Vgl. dazu auch Friedrich (2002): Lernen (wie Anm. 2), S. 3f.

[13] Vgl. dazu Breuer, Jens (2001): Selbstgesteuertes Lernen, kooperatives Lernen und komplexe Lehr-/Lernmethoden – Analyse der Formen im herkömmlichen Präsenzlernen sowie deren Unterstützung durch das Internet, in: http://www.fbh-mercur.de/team/breuer/Downloads/Lernmethoden.pdf [Stand: 31.01.2007], S. 88.

[14] Vgl. Weinert (1982): Voraussetzung (wie Anm. 8).

[15] Friedrich, Helmut Felix / Mandl, Heinz: Analyse und Förderung selbstgesteuerten Lernens, in: Weinert, Franz / Mandl, Heinz (Hg.): Psychologie der Erwachsenenbildung, Göttingen [u.a.] 1997, S. 237-294, hier S. 241ff.

[16] Vgl. Breuer (2001): Analyse (wie Anm. 10), S. 88f.

[17] Friedrich (2002): Lernen (wie Anm. 2), S. 4.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten der Realisierung und Anwendbarkeit von kooperativem Lernen als Teilkomponente des selbstgesteuerten Lernens
Untertitel
anhand des Rahmenlehrplans Deutsch für Gymnasien des Landes Brandenburg für die Sekundarstufe I
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V78125
ISBN (eBook)
9783638836043
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Realisierung, Anwendbarkeit, Lernen, Teilkomponente, Lernens
Arbeit zitieren
Daniel Sosna (Autor), 2007, Möglichkeiten der Realisierung und Anwendbarkeit von kooperativem Lernen als Teilkomponente des selbstgesteuerten Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78125

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