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Die Familienpolitik der USA

Title: Die Familienpolitik der USA

Term Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Adeline Defer (Author)

Politics - Region: USA
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Die USA gehören zu den Ländern, die keine explizite und umfangreiche Familienpolitik haben. Sie sind kein Sonderfall, denn Länder wie Israel, Kanada und Großbritannien gehören auch zu dieser Gruppe. Sie gelten im Klassifizierungsmodell von Esping-Andersen als liberale Wohlfahrtstaaten; der Staat hält sich dort auch familienpolitisch zurück. Zwar wäre es falsch zu behaupten, dass er sich überhaupt nicht um die Familien kümmere, aber eine Familienpolitik im eigentlichen Sinne kennen die USA jedenfalls nicht.
In vielerlei Hinsicht spielt das amerikanische Wohlfahrtsregime eine bedeutende Rolle für die Familienpolitik. Der Staat sorgt lediglich für eine niedrige Grundsicherung, abgesehen von familiären Beihilfen und einer nationalen Gesundheitsversicherung. Generell werden ältere Leute und Behinderte gut geschützt, während im Vergleich dazu, Kinder und Familien mit Kindern kein Recht auf eine universelle Sozialversicherung, kein nationales Minimaleinkommen, und keine universelle gesundheitliche Versorgung haben.
Trotz dieser scheinbaren Vernachlässigung der Familie ist die Geburtsrate in den USA mit rund 2,07 Kindern pro Frau trotzdem höher als in jedem europäischen Land , mit der Ausnahme von Frankreich in den letzten Jahren. Innerhalb der OECD werden die USA nur von Mexiko und der Türkei übertroffen.
In dieser Arbeit wird versucht zu zeigen, wie diese etwas widersprüchliche Tatsache sich erklären lässt. Dafür werde ich zuerst auf den bestimmten Kontext der Familienpolitik in den USA eingehen, und werde einige familienpolitische Maßnahmen vorstellen. Anschließend werde ich im zweiten Teil der Arbeit zeigen, wie die Familien die fehlende staatliche Unterstützung mit privaten Lösungen kompensieren, und welche Probleme damit verbunden sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I/ Eine implizite Familienpolitik, die vor dem Hintergrund einer bestimmten politischen Kultur zu verstehen ist

A/ Der sozio-politischer Hintergrund in den USA

B/ Eine unexplizite Familienpolitik.

C/ Familienpolitische Maßnahmen, die sich in erster Linie auf einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen richten.

II/ Die Antwort der Familien: private Lösungen.

A/ Eine Kinderbetreuung, die vorwiegend dem Markt überlassen wird.

B/ Trotzdem eine kinderfreundliche Gesellschaft?

C/ Die Probleme, die mit der mangelnden staatlichen Unterstützung verbunden sind.

Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert das amerikanische Modell der Familienpolitik, das sich durch einen Mangel an expliziten staatlichen Programmen auszeichnet. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Familien in diesem liberalen Wohlfahrtsregime ohne umfassende staatliche Absicherung zurechtkommen, warum dennoch eine im internationalen Vergleich hohe Geburtenrate besteht und welche sozio-ökonomischen Konsequenzen sich aus der privaten Organisation der Kinderbetreuung ergeben.

  • Charakteristika der US-amerikanischen politischen Kultur und deren Einfluss auf die Familienpolitik
  • Die Rolle des Föderalismus und der liberalen Ideologie bei der Gestaltung sozialer Leistungen
  • Methoden und Herausforderungen der privaten Kinderbetreuung im Markt
  • Soziokulturelle Faktoren, die das Familienbild und die Geburtenrate beeinflussen
  • Die Auswirkungen mangelnder staatlicher Unterstützung auf soziale Ungleichheit und Arbeitsmarkt

Auszug aus dem Buch

B/ Trotzdem eine kinderfreundliche Gesellschaft?

Dieser Zugang zu zahlreichen privaten Lösungen (die mehrheitlich ganztäglich sind) ist eigentlich einer der Gründe dafür, dass die Amerikanerinnen trotz der schwachen staatlichen Unterstützung viele Kinder bekommen. Ein anderer Grund ist die sehr hohe Geburtsrate bei der hispanischen Bevölkerung. Bei den Frauen aus Mexiko und Mittelamerika liegt sie nämlich bei 3,2 Kindern pro Frau. Allerdings muss man auch sagen, dass die Geburtenrate bei den gebürtigen Amerikanerinnen mit 1,9 Kinder pro Frau noch weit über dem europäischen Durchschnitt liegt. Andere wichtige Faktoren sind Ganztagsschulen ab sechs Jahren, eine gewisse Flexibilität am Arbeitsplatz und auch in den Lebensentwürfen, und die Rolle von christlichen Familienwerten und Religion: Je weiter man nach Süden und in den Mittelwesten fährt (in den so genannte „Bible Belt“), desto konservativer und religiöser sind die Menschen und desto höher ist die Geburtenrate.

Manche Demographen sprechen von einer gewissen Lebenseinstellung bei den Amerikanern, und betonen die Rolle der Mentalität. Für sie scheint ihrer Meinung nach Familiengründung einen anderen Stellenwert zu haben als für Europäer. Das Dasein als Mutter ist offenbar sehr attraktiv in den USA: Waren Ende der 70er Jahre nur 45% der jungen Frauen der Meinung, Mutterschaft sei das höchste Lebensziel, sind es heute 68%. Diese gewisse Kinderfreundlichkeit der amerikanischen Gesellschaft kann man nicht quantifizieren; vielmehr handelt es sich dabei um scheinbar unbedeutende Tatsachen (beispielsweise das Vorhandensein von Spielsplätzen für kleine Kinder in zahlreichen Restaurants oder Geschäften), die sich addieren und im Endeffekt dazu führen, dass Kinder in der amerikanischen Gesellschaft „willkommen“ zu sein scheinen. „Anders als wir (die Deutschen) verstecken Amerikaner ihre Kinder nicht“ meint die Zeit-Journalistin Christine Brinck. Kinder werden nicht als Last gesehen, sonder eher als „opportunity“ im Streben nach Glück: „Mutter zu werden, scheint in den USA […] keine rationale Kosten-Nutzen-Entscheidung zu sein. Die meisten Frauen werden nicht Mutter, weil es wirtschaftlich profitabel ist oder der Staat die Familiengründung fördert. Jenseits der Zahlen und Statistiken ist offenbar eine gesellschaftliche Grundstimmung ausschlaggebend.“ Kinder werden anscheinend wirklich als gesellschaftliches Gut verstanden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung erläutert den Status der USA als liberalen Wohlfahrtsstaat ohne explizite Familienpolitik und stellt die Forschungsfrage nach den Kompensationsmechanismen der Familien.

I/ Eine implizite Familienpolitik, die vor dem Hintergrund einer bestimmten politischen Kultur zu verstehen ist: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen und kulturellen Kontext, in dem individuelle Freiheit und Marktvertrauen die staatliche Zurückhaltung begründen.

II/ Die Antwort der Familien: private Lösungen: Das Hauptkapitel untersucht, wie Familien durch private Dienstleister, flexible Arbeitszeitmodelle und gesellschaftliche Werte die fehlende staatliche Unterstützung ausgleichen und welche sozialen Risiken damit einhergehen.

Schluss: Das Fazit stellt fest, dass das amerikanische Modell trotz ökonomischer Kosten und sozialer Ungleichheiten bei gleichzeitig hoher Geburtenrate unter den gegebenen kulturellen Rahmenbedingungen als „funktionierend“ betrachtet werden kann.

Schlüsselwörter

Familienpolitik, USA, liberaler Wohlfahrtsstaat, Kinderbetreuung, Geburtenrate, soziale Sicherung, Arbeitsmarkt, private Lösungen, Familienwerte, Kinderfreundlichkeit, politische Kultur, soziale Ungleichheit, ökonomische Kosten, Erziehung, Marktmechanismen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das spezifische Modell der Familienpolitik in den USA, das sich durch eine starke Marktzentrierung und eine nur schwache staatliche Intervention auszeichnet.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die politisch-kulturellen Ursachen für das Fehlen einer nationalen Familienpolitik, die privaten Betreuungsformen sowie die Auswirkungen auf Familien mit Kindern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu erklären, wie US-Familien die fehlende staatliche Unterstützung kompensieren und warum trotz dieser Umstände die Geburtsraten in den USA höher bleiben als in vielen europäischen Ländern.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit genutzt?

Die Autorin wendet einen international vergleichenden Policy-Analyse-Ansatz an, um die amerikanische Situation in das Klassifizierungsmodell liberaler Wohlfahrtsstaaten einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Rolle des Föderalismus, die Auswirkungen von Sozialpolitiken wie dem AFDC sowie die sozialen Konsequenzen und Kosten privater Kinderbetreuungslösungen wie "child care centers" oder "split-shift parenting".

Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essenziell?

Wichtige Begriffe sind unter anderem die "implizite Familienpolitik", "Selbstverantwortung", "Kinderfreundlichkeit" als gesellschaftliche Einstellung und der "liberale Wohlfahrtsstaat".

Welche Rolle spielt die Religion in der amerikanischen Familienpolitik?

Die Arbeit verweist auf den Zusammenhang zwischen religiösen Werten (insbesondere im "Bible Belt") und dem hohen Stellenwert der Familiengründung, was maßgeblich zur hohen Geburtenrate beiträgt.

Welche negativen sozialen Folgen ergeben sich aus dem US-Modell?

Die Autorin identifiziert eine erhöhte finanzielle Abhängigkeit von Frauen, ein höheres Verarmungsrisiko für Alleinerziehende und eine potenzielle Desintegration vom Familienleben durch die notwendige Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Die Familienpolitik der USA
College
University of Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Familienpolitik im Vergleich
Grade
1,7
Author
Adeline Defer (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V78170
ISBN (eBook)
9783638836562
Language
German
Tags
Familienpolitik Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Adeline Defer (Author), 2007, Die Familienpolitik der USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78170
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