Gesprächsforschung - Gesprächsförderung: Argumentation in der Sekundarstufe II


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

42 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition von Argumentation
II.1. Zu vermittelnde Kompetenzen im Unterricht
II.2. Institutionelle Argumentation

III. Jugendsprache in der Schule
III.1. Typisch jugendsprachliche Elemente

IV. Umsetzung in der Schule
IV.1. Amerikanische Debatte
IV.2. Alltagsrelevante Argumentation
IV.3. Konsensorientierte Argumentation
IV.4. Verhandlungen
IV.4.1. Apex-Spiel – die Spielregeln
IV.4.2. Auswertungen eines Transkriptes des Apex-Spiels
IV.4.3. Nutzen im Unterricht

V. Fazit

VI. Anhang (Apex-Transkript)

VII. Literaturangaben

I. Einleitung

Diese Arbeit widmet sich der mündlichen Argumentation und der vielfältigen Möglichkeit sie im Unterricht umzusetzen. Es soll erläutert werden, welche Formen der Argumentation es gibt und welche spezifischen Ziele mit den jeweiligen Formen verfolgt werden. Die unterschiedlichen Argumenatationsformen vermitteln jeweils verschiedene Gesprächskompetenzen. Wie und weshalb diese am besten umzusetzen sind, wird anhand einiger Beispiele und Untersuchung von Transkripten erläutert.

II. Definition von Argumentation

Zu Beginn steht die Frage: „Was ist Argumentation?“ Bei einer Argumentation kann einerseits ein strittiges Thema von den Gesprächsteilnehmern behandelt werden. Der Endzweck einer Diskussion kann darin liegen den Gesprächsteilnehmern die Problematik des Sachverhaltes aufzuzeigen. In diesem Fall muss keine Lösung des Problems erfolgen, sondern die Diskussion an sich und das Voraugenstellen der Strittigkeit ist sowohl die Handlung der Diskussion als auch ihr Ziel. Ein anderes Ziel kann darin liegen durch Pro- und Contraargumente ein Thema zu behandeln, bei dem man möglichst einen Konsens erreichen möchte. Diese beiden Formen der Argumentation beziehen sich auf strittige oder problematische Thematiken, die von den Gesprächsteilnehmern vor der Diskussion als solche erkannt werden müssen. Erkennen sie keinen Dissens in den Vorstellungen, kann keine Diskussion erfolgen. Die Erklärung ist neben der problemorientierten Kommunikation eine weitere Art der Argumentation. Hier ist nicht ein Dissens der Ausgangspunkt von kommunikativem Handeln, sondern ein Themen- oder Sachverhalt, bei dem nach den Ursachen gefragt wird.[1]

II.1. Zu vermittelnde Kompetenzen im Unterricht

Wie bei jeder Form kommunikativen Handelns gibt es auch in der Argumentation Voraussetzungen und Regeln, für eine gelungene Argumentation. Verschiedene Faktoren wirken auf Kommunikationshandlungen ein. So ist beispielsweise von Bedeutung ob oder wie gut man seine Gesprächspartner kennt. Mit Freunden redet man anders als mit Fremden, da die Vertrautheit zum einen auf die Themenfindung einwirkt zum anderen aber auch auf die Möglichkeit der Einschätzung des Gegenübers. Auch die Größe einer Gesprächsrunde, oder der Ort an dem das Gespräch stattfindet, hat auf den Gesprächsakt Einfluss. So unterscheidet sich das eigene Gesprächsverhalten in einem intimen Kreis von einer Unterhaltung unter vielen Menschen. Private Gespräche unterscheiden sich von Gesprächen in einer Institution oder am Arbeitsplatz grundlegend. Dies bezieht sich nicht nur auf die Themenwahl sondern auch das Niveau der Sprachformulierung. In den unterschiedlichsten Gesprächssituationen muss man sich an Regeln und Erwartungen des Gegenübers halten. Für alle Gespräche gilt jedoch, dass die Redebeiträge passend sein müssen. Sowohl inhaltlich als auch strukturell. Auf eine gestellt Frage erwartet der Gegenüber beispielsweise eine Antwort oder eine Gegenfrage. Verletzt man die Erwartungshaltung des Gegenübers kann das Gespräch gefährdet sein. An dieser Stelle kann Metakommunikation als „Reparation“ dienen, indem man erklärt, weshalb man die Erwartung des anderen verletzt hat. Mit Metakommunikation kann man problematische Handlungsbezüge und die Struktur des Gespräches kennzeichnen. In einer Argumentation beispielsweise kann Metakommunikation als Strategie der Themenleitung und Themenkontrolle dienen. Durch Floskeln wie „um noch einmal darauf zurück zu kommen“ kann der Redner einen vorher angesprochenen Aspekt abblocken und an den von ihm gewählten Inhalt anknüpfen. Entweder muss die Anknüpfung an das vorherige Thema inhaltlich für jeden Teilnehmer erkennbar sein, oder man muss sie durch Metakommunikation kennzeichnen.

Für die Argumentation in der Schule gilt, dass die Regeln vor einer Argumentation geklärt werden sollten. So beispielsweise, wie die Argumentation strukturiert ist. Ob es einen Leiter gibt, ob man sich zu melden hat, oder ob jedem nur eine bestimmte Redezeit zusteht. Je mehr Einschränkungen jedoch gemacht werden, desto experimenteller wird der Charakter der Argumentationssituation. Eine strengere Organisation der Argumentation bietet sich für jüngere und unerfahrene Schüler an, um diese an die Struktur einer Argumentation heranzuführen. Ältere und erfahrene Schüler sollten so früh wie möglich an eine freie Argumentation herangeführt werden. Denn im späteren Lebensalltag werden sie ebenfalls ihre Gespräche eigenständig zu organisieren haben. Sie sollten durch möglichst viel Praxis ein Gefühl für richtiges, also der Situation angemessenes Redeverhalten bekommen. Hiefür sollte den Schülern verdeutlicht werden, dass sie miteinander reden und keine Gegner darstellen, auch wenn sie unterschiedliche Standpunkte vertreten. Auf diese Weise sollten persönliche Angriffe unterbunden werden, welche in einer hitzigen Argumentation oft vorkommen. Dies sollte den Schülern während der Argumentation in den Phasen von Zusammenfassungen der Ergebnisse, oder im Nachhinein durch eine Tonbandaufnahme verdeutlicht werden, so dass sie über ihr Verhalten reflektieren und es gegebenenfalls verändern können. Das Ziel soll nicht sein, ihnen eine im normativen oder ästhetischen Sinne „richtige“ oder „gute“ Form der Rede einzutrichtern, sondern eine der Situation angemessene.[2]

Die Schule hat die Aufgabe den Schülern so viele unterschiedliche Situationen wie möglich zu bieten, in denen sie Gespräche üben können. Diese Situationen sollten authentisch sein, da die Schüler sich sonst nicht Ernst genommen fühlen und die Situation oder Thematik über die sie argumentieren sollen nicht nachvollziehen können. Sind die Situationen jedoch dem Lebensbereich der Schüler entlehnt, haben sie viel zu dem Thema zu sagen. In den unterschiedlichsten Situationen fällt auf, dass die Jugendlichen einen anderen Sprachstil verwenden. Sie unterhalten sich in Pausengesprächen beispielsweise anders als im Unterrichtsgespräch. Durch ein vielfältiges Angebot von Gesprächssituationen soll das Sprachgefühl der Schülern für ihre eigene Sprachvariabilität sensibilisiert werden. Sie haben verschiedene Repertoires, die sie unterbewusst anwenden. Diese Repertoires zu sichern, vor allem aber sie ihnen bewusst zu machen, ist eines der wichtigsten Ziele der Gesprächsförderung in der Schule. So dienen die Gesprächssituation der Einübung der verschiedenen Repertoires, aber auch dazu, dass die Jugendlichen über ihr eigenes Gesprächsverhalten reflektieren. Diese Reflexion kann durch Tonband- oder Videoaufnahmen von Gesprächen geschehen. Jeder Schüler kann sein eigenes Sprachverhalten im Nachhinein kommentieren und bewerten. Eine andere Möglichkeit während einer Diskussion ist, die Klasse in Diskutierende und eine Jury einzuteilen. Die Mitglieder der Jury übernehmen insbesondere die Aufgabe der Reflexion über die Gesprächshandlungen. Da es für viele Schüler besonders in einer hitzigen Diskussion schwierig ist ihr eigenes kommunikatives Handeln kritisch zu überprüfen, übernehmen andere Schüler diese Aufgabe. Sie können aus distanzierter Sicht versuchen das Gespräch zu bewerten. Hierbei sollte vorher klargestellt werden, anhand welcher Kriterien ein solches Gespräch zu bewerten ist. Als Kriterien dienen beispielsweise die inhaltliche Angemessenheit von Beiträgen, responsives Verhalten oder der Ausdruck. Der logische Aufbau der Argumentation, der bei der Erörterung im Vordergrund steht, sollte innerhalb der mündlichen Argumentation nicht in den Mittelpunkt rücken, da Mündlichkeit von starker Spontaneität gezeichnet ist und man nicht in dem Maße Struktur erwarten kann wie in der Schriftlichkeit.

Die Schule hat die Aufgabe, die Schüler auf das spätere Leben vorzubereiten. Die wenigsten Schüler haben – auch in der Sekundarstufe II – Erfahrungen mit der Berufswelt gemacht. Zwar haben sie in der neunten Klasse ein Praktikum absolviert, doch meist werden sie nicht in das alltägliche Berufsleben integriert. Innerhalb des Alltags führen die Jugendlichen Gespräche mit ihrer Familie und mit Freunden. Selten kommen sie mit Institutionen in Berührung, bei denen sie ein völlig unterschiedliches Gesprächsverhalten kennen lernen. Die Schule soll nun Situationen erschaffen, die späteren Gesprächssituationen im Beruf oder in Institutionen ähnlich sind. So können offizielle Gespräche wie Vorstellungs- und Bewerbungsgespräche oder Lohnverhandlungen mit dem Chef eingeübt werden. Oft laufen institutionelle Gespräche nach einem klaren Muster ab, da sie thematisch und zeitlich beschränkt sind. Gespräche in der Arbeitswelt sind jedoch häufig von hohem Konfliktpotential. So kann man beispielsweise die Situation vorstellen, in der ein Journalist sich mit seinem Redakteur auseinandersetzen muss, da der Journalist eine Reportage über ein Thema machen möchte, das der Redakteur ablehnt. An dieser Stelle muss der Schüler gewappnet sein, angemessen reagieren zu können. Er befindet sich in einem hierarchischen Verhältnis, in dem die Gesprächshandlung angepasst sein muss.

Durch Argumentationseinübung in der Schule soll das Argumentieren zur Praxis werden. Die Klassengemeinschaft ist teilweise vergleichbar mit dem Arbeitskollegium, mit dem man später zu tun hat. Man kennt sich zwar untereinander, doch teilweise sind einem die Personen dennoch fremd. Der Lehrer kann die Funktion des Chefs übernehmen. So kann die Argumentation in einem hierarchischen System eingeübt werden, in der man auch mit Fremden diskutieren muss. Ist der Lehrer Teil der Diskussionsrunde, werden die Schüler einen anderen Sprachstil verwenden als den, den sie innerhalb ihrer eigenen Gruppe verwenden.

Aber auch andere Formen der Argumentation dienen der Gesprächsförderung. Ebengenanntes Beispiel würde die Schüler auf Situationen im Berufsalltag vorbereiten. Weit häufiger können Situationen im Alltag in eine Argumentation münden. Wenn innerhalb einer Gruppe unterschiedliche Meinungen zu einem Thema vorherrschen, sollte man die Fähigkeit haben, diese Themen zu argumentieren und zu verhandeln. Gespräche mit Konfliktpotential bewältigen zu können sollten in der Schule Hauptziel sein. Denn gerade in der Schule treffen Menschen mit den unterschiedlichsten Verhaltensweisen aufeinander, wodurch unausweichlich Konflikte entstehen. Somit müssen die Schüler lernen mit solchen Konflikten umzugehen. Auch das Schlichtungsgespräch gehört im weiteren Sinne zur Argumentation. Denn die unterschiedlichen Seiten haben ihre Sicht – oder Argumente – vorzulegen und versuchen zu einer Einigung zu kommen. Auf die Streitschlichtung wird im Verlauf noch einmal genauer eingegangen.

Ein weiterer Punkt, weshalb die Einübung der Argumentation im Deutschunterricht von großer Bedeutung ist, ist, dass sie fächerübergreifend benötigt wird. In jedem Unterrichtsfach lässt man sich auf Diskussionen ein, ob nun in Religion, Politik oder Biologie – überall können strittige Themen auftreten. Hier wird das Argumentieren vorausgesetzt, so dass dem Deutschunterricht die Aufgabe zufällt die Schüler mit den Formen und Regeln der Argumentation vertraut zu machen. Während der Aufbau und die Formulierung eher in der Erörterung Platz finden, fallen der mündlichen Argumentation andere Aufgaben und Ziele zu. So werden die Schüler beispielsweise in ihrer Selbständigkeit gefördert. Durch die Auswahl der zu diskutierenden Thematik, durch eigenständige Organisation und Gesprächsleitung lernen sie eigenständig und ungeleitet zu handeln. Hierdurch wird weiterhin das Verantwortungsbewusstsein der Schüler gestärkt. Sie sehen, dass es von ihnen abhängt, ob eine Diskussion gelingt oder nicht. Auch sollen sie erfahren, dass eine gewisse Verbindlichkeit zwischen ihnen und ihren Argumenten innerhalb der Argumentation herrscht. Sie erfahren, dass sie für ihre Meinungen einstehen müssen und ein Argument nicht zurücknehmen können, sobald es auf Widerstand trifft. Gerade bei Widerstand müssen sie lernen ihre eigene Meinung verteidigen. Hierfür braucht der Schüler Mut. Vor allem wenn es sich bei seiner Meinung um eine provokative Ansicht handelt fällt es schwer diese vor anderen zu vertreten. Durch häufiges Einüben solcher Gesprächshandlungen wird dem Schüler eine Sicherheit in diesen kommunikativen Handlungen gegeben. Sobald die Schüler sicherer im Argumentieren sind, können sie ihre eigene Meinung selbstbewusst vertreten. Als ideale Voraussetzung für eine freie Diskussion dient eine „angstfreie Atmosphäre der Diskussionsrunde, in der die Schüler auch das Gefühl haben, von allen Akteuren ernst genommen zu werden“[3].

Durch die Argumentation werden die Schüler angeregt sich sowohl mit ihren eigenen Argumenten als auch den Argumenten der Gegenseite auseinanderzusetzen. Hierbei sollte ihnen die Vorläufigkeit von Erkenntnissen bewusst werden. Sowohl Wissen als auch Meinungen können sich ändern. Daher sollte der Schüler in einer Diskussion dazu angeregt werden sowohl die Gültigkeit der gegnerischen Argumente als auch die eigenen in Zweifel zu ziehen. Für die Überprüfung der Argumente ist sowohl Wissen über die Fakten als auch logisches Denken notwendig. Das Wissen sollen die Schüler sich in der Vorbereitungsphase erarbeiten, das logische Denken wird während der Diskussion gefördert, indem sie die Argumente hinterfragen und mögliche Alternativen teilweise spontan konzipieren müssen. Bei dieser Aufgabe wird ebenfalls die Phantasie der Schüler gefördert. Denn nicht allein logisches Denken hilft bei der Suche nach geeigneten Argumenten. Hierbei kann man sich nicht an strenge Regeln oder Methoden halten, sondern die Kreativität hilft im Findungsprozess nach Argumenten und lässt teilweise Gedankengänge entstehen, die über das eigentlich angeeignete Wissen der Schüler hinausreichen. Weiterhin wird durch das Hinterfragen der anderen Argumente die Fähigkeit der Perspektivübernahme der Schüler gefördert. Sie üben sich darin, sich in den Gegenüber hineinzuversetzen, seine Einstellungen, Grundüberzeugungen und Gefühle nachzuvollziehen. Hierbei ist wichtig den Adressatenbezug im Auge zu behalten. Ebenso wie es bei Texten von Bedeutung ist, von wem sie verfasst wurden und wer der Adressat ist, spielt dies auch in der Mündlichkeit und Argumentation eine große Rolle. Denn ein Argument spricht nicht jeden Menschen in der gleichen Weise an. Alter, soziale und kulturelle Herkunft wirken auf die Perspektivübernahme ein, so dass dieser Aspekt vor einer Argumentation behandelt werden sollte, da er schon bei der Findung von Argumenten seinen Einfluss nimmt.

Die Schüler erlernen durch die Argumentation sowohl soziale aus auch linguistische Fähigkeiten. Beides vereint sich in den Gesprächstaktiken, die in der Argumentation angewandt werden. So dürfen in der Schule nicht allein idealisierte und konsensorientierte Diskussionen eingeübt werden. Denn zum einen es wäre eine utopische Vorstellung, dass in einer Diskussion am Ende ein Ergebnis steht, mit dem alle sich und ihre Meinung repräsentiert sehen. Zum anderen soll den Schülern zwar vermittelt werden, wie sie fair argumentieren, andererseits muss ihnen auch aufgezeigt werden, dass es unfaire Taktiken gibt, mit denen sie vielleicht in späteren Situationen konfrontiert sein werden. Diese Taktiken müssen sie kennen lernen, damit sie wissen, wie sie damit umzugehen und ihnen entgegen treten können. So beispielsweise, wie sie sich das Wort verschaffen, wenn jemand sie nicht zu Wort kommen lässt, oder wie sie sich gegen persönliche Verunglimpfung oder das Verdrehen ihrer eigenen Argumente wehren können.

II.2. Institutionelle Argumentation

Die ideale Vorraussetzung für Argumentation ist eine angstfreie Atmosphäre, in der Gleichberechtigung unter den Interaktionspartnern herrscht, und in der offen die unterschiedlichen Meinungen verhandelt werden können. Diese Bedingungen werden schon im Alltag kaum erfüllt. Schulische Argumentation trägt weiterhin zusätzlich die Besonderheit der institutionellen Interaktion in sich. Meist ist die geschaffene Argumentationssituation in der Schule von experimentellem Charakter. Der Lehrer bestimmt das Thema, die Durchführung und die zeitliche Komponente. Durch den Lehrer als Organisator der Argumentation wird die Gleichheit der Interaktionspartner in der Diskussion genommen. Durch die geschaffene Hierarchie richten die Schüler sich in der Argumentation nach dem Lehrer. Sie versuchen sich so zu verhalten, wie er es von ihnen erwarten könnte. Dies ist keine natürliche Situation von Argumentation, was sich auf die individuelle Argumentation auswirken kann. Der Lehrer bestimmt die Diskussionsfrage, teilt die Schüler in pro und contra auf und erwartet von jedem Stellung zu beziehen. In dieser Situation treten mehrere Probleme gleichzeitig auf. Interessiert den Schüler das Thema nicht, das der Lehrer bestimmt hat, hat er keine Motivation sich an der Argumentation zu beteiligen. Möglicherweise fehlt ihm zusätzlich Faktenwissen, da er sich in seiner Freizeit nie mit diesem Thema befasst hat. Dennoch steht der Schüler unter dem Zwang sich zu beteiligen. Zu diesem Zwang kommt möglicherweise hinzu, dass er nicht hinter der Position, die er zu vertreten hat, steht. Ohne Motivation und Überzeugung befindet er sich in einer unangenehmen Situation, in der er ad hoc eine Position vor dem Lehrer darstellen soll. Um dieses Empfinden des Vortragens, Präsentierens, und vor Allem die Idee sich vor dem Lehrer „richtig“ zu verhalten einzudämmen, sollte der schulischen Argumentation ein weitgehend natürlicher Rahmen gegeben werden. Klassenraum und zusammen gewürfelte Schüler als Komponente des institutionellen Rahmens der Schule sind konstante Faktoren. Auch der Anlass zur Diskussion wird in den seltensten Fällen auf natürliche Weise entstehen. Der Zeitpunkt, an dem die Schüler einen strittigen Punkt zu diskutieren haben, wird vom Lehrer bestimmt. Möglichst nah an alltagsähnliche Argumentation kommt die schulische Argumentation indem sich die Schüler untereinander auf ein strittiges Thema einigen, das den meisten von ihnen aus ihren Alltagserfahrungen bekannt ist. So fassen sie sich in der Vorbereitung der Argumentationsphase durch die gemeinsame Wahl der Diskussionsfrage als gleichberechtigte Teilnehmer auf. Nimmt der Lehrer sich im Verlauf der Diskussion zurück, wird dieses Gefühl der Gleichberechtigung beibehalten, wodurch ein freier Raum für offene Diskussionen entsteht. Wird den Schülern selbst die Wahl überlassen, welche Ansicht sie vertreten, wird unter einer solchen Bedingung meist eine angeregtere Argumentation entstehen als bei aufgezwungenen Meinungen.

Mit dieser Organisation einer Argumentation wird eine dem Alltag der Schüler angemessene Situation geschaffen, die zu belebter Interaktion anregt.

[...]


[1] http://www.uni-koblenz.de/~diekmann/zfal/zfalarchiv/zfal30_2.pdf

[2] Neuland, E.: Mündliche Kommunikation: Gesprächsforschung – Gesprächsförderung. Entwicklungen, Tendenzen und Perspektiven. In: Der Deutschunterricht 1/1995. S. 3-16.

[3] Ludwig, O./Spinner K.: Mündlich und schriftlich argumentieren. In: Praxis Deutsch 160, S. 16-23.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Gesprächsforschung - Gesprächsförderung: Argumentation in der Sekundarstufe II
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
42
Katalognummer
V78394
ISBN (eBook)
9783638830188
ISBN (Buch)
9783656065142
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesprächsforschung, Gesprächsförderung, Argumentation, Sekundarstufe, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Morgana Perkow (Autor), 2006, Gesprächsforschung - Gesprächsförderung: Argumentation in der Sekundarstufe II, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78394

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