In dieser Arbeit wird versucht, Islamic tourism aus kulturwissenschaftlicher Sicht zu beleuchten: Welches Kulturverständnis liegt diesem Konzept zu Grunde und welche Bedürfnisse soll die Kultur darin befriedigen? In welchen größeren Kontext kann solch eine Entwicklung eingeordnet werden?
Dabei soll es nach Möglichkeit nicht um eine Bewertung des Islamic tourism gehen.
Von Meyer, Al-Harmaneh und Steiner habe ich die Formulierungen arabischer Kulturraum, arabische Welt und arabisch-islamische Kultur übernommen. Auf Fragen, was die arabisch-islamische Kultur ausmache, ob nicht auch persische Länder oder die Türkei dazuzuzählen wären, soll nur verwiesen werden.
Die Arbeit gliedert sich in folgende Teile: Zunächst wird ein kurzer Einblick in die arabischen Tourismusmärkte nach dem 11. September gegeben. Anschließend werden die drei Konzepte innerhalb der Entwicklung eines Islamic tourism dargestellt. Das vierte Kapitel umfasst einen Exkurs zum islamischen Reiseverhalten in den 70er Jahren, der für die folgende Betrachtung des Islamic tourism wichtig ist. Der Hauptbestandteil der Arbeit befasst sich mit zwei Erklärungsansätzen für die Entwicklung des Islamic tourism: Zum einen Huntingtons These vom Kampf der Kulturen, zum anderen Al-Harmanehs und Steiners Ansicht einer kulturelle Aufwertungspraxis im Zuge von Globalisierung und negativen Images.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die arabischen Tourismusmärkte nach dem 11. September
3. Intra-arabische Kooperation als Tourismusstrategie
3.1 Ökonomisches Konzept
3.2 Kulturelles Konzept
3.3 Religiöses Konzept
4. Exkurs: Islamisches Reiseverhalten in den 70er Jahren
5. Erklärungsansätze für Islamic tourism
5.1 Erklärungsansatz von Huntington
5.2 Erklärungsansatz von Al-Harmaneh und Steiner
5.2.1 Anti-arabischer und anti-westlicher Diskurs
5.2.2 Islamic tourism im ökonomischen und kulturellen Kontext
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die Anschläge vom 11. September auf den Tourismus in arabischen und islamischen Ländern ausgewirkt haben und inwieweit das Phänomen des "Islamic tourism" als bewusste kulturelle Aufwertungspraxis und Reaktion auf globale Krisen zu verstehen ist.
- Analyse arabischer Tourismusmärkte nach dem 11. September
- Strategien der intra-arabischen Kooperation
- Kulturelle und religiöse Tourismuskonzepte
- Huntingtons "Kampf der Kulturen" im Kontext des Tourismus
- Konstruktion arabisch-islamischer Identität
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Anti-arabischer und anti-westlicher Diskurs
Steiner stellte nach dem 11.September in der arabischen Welt eine Re-Islamisierung sowie die Entwicklung und Verbreitung neokonservativer und konfrontativer islamischer Weltbilder fest. Diese Tendenz zeige sich seiner Ansicht nach auch im Tourismus.
Al-Harmaneh und Steiner ordnen Re-Islamisierung und Islamic tourism in einen anti-arabischen/anti-muslimischen Diskurs in den westlichen Ländern sowie in einen anti-westlichen Diskurs in den arabischen Ländern ein.
„The fact that the terrorist were of Muslim and Arab origin gave a major push to racist attitudes in Western societies“. Diese Entwicklung werde verstärkt durch Integrationsprobleme von Ausländern, Arbeitslosigkeit und Populismus in westlichen Ländern.
Auf arabischer Seite werde der anti-westliche Diskurs insbesondere durch vier Faktoren intensiviert:
1. Die Bush-Regierung habe den Krieg als einzige Alternative zur Bekämpfung des Terrorismus deklariert. Strategien, die die sozialen und politischen Ursachen des Terrorismus bekämpfen, seien von der amerikanischen Regierung nicht vertreten worden.
2. Die Rhetorik der Bush-Regierung („Achse des Bösen“; „Entweder für uns oder für die Terroristen“; „Operation Infinite Justice“) erschwere eine rationale Meinungsbildung über die Ereignisse des 11. Septembers.
3. Die von der amerikanischen Regierung eingeführten Registrierungs- und Migrationsgesetze seien von der liberalen europäischen Presse als repressiv, reaktionär und rassistisch eingestuft worden.
4. Institutionen und Personen, die nach alternativen Strategien für die Probleme der MENA-Region (Middle East, North Africa) plädierten, seien von der Bush-Regierung missachtet worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie sich die Terroranschläge vom 11. September auf den Tourismus und die Reisemotivation in der arabischen Welt ausgewirkt haben.
2. Die arabischen Tourismusmärkte nach dem 11. September: Dieses Kapitel beleuchtet den Rückgang westlicher Besucher und die daraus resultierenden strukturellen Herausforderungen sowie Veränderungen in der Marktstrategie der betroffenen Länder.
3. Intra-arabische Kooperation als Tourismusstrategie: Hier werden ökonomische, kulturelle und religiöse Konzepte vorgestellt, mit denen die arabischen Länder eine verstärkte Zusammenarbeit und ein neues Tourismussegment entwickeln.
4. Exkurs: Islamisches Reiseverhalten in den 70er Jahren: Es wird das traditionelle, durch Religion und lokale Kultur geprägte Erholungsverhalten analysiert, um eine Basis für den Vergleich mit aktuellen Tourismusformen zu schaffen.
5. Erklärungsansätze für Islamic tourism: Dieses Kapitel analysiert das Phänomen anhand der Thesen von Huntington sowie von Al-Harmaneh und Steiner im Kontext von Identitätsbildung und globalen Diskursen.
6. Schluss: Abschließend wird resümiert, dass der "Islamic tourism" als Reaktion auf Bedrohungsgefühle und als Versuch der Identitätsstärkung innerhalb der arabischen Welt zu deuten ist.
Schlüsselwörter
Islamic tourism, arabische Welt, 11. September, Tourismusstrategie, Binnentourismus, Identität, Globalisierung, Huntington, Kulturraum, Re-Islamisierung, Reiseverhalten, Kulturwissenschaft, Identitätsressourcen, Terrorismus, Destinatonimage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die Tourismusbranche in arabischen Ländern und die Entstehung des "Islamic tourism".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Tourismusstrategien, interkulturellen Identitätskonstruktionen, der Rolle der Globalisierung und der Reaktion auf westlich dominierte Tourismusmärkte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den "Islamic tourism" aus kulturwissenschaftlicher Sicht zu beleuchten und zu hinterfragen, welche kulturellen Bedürfnisse und Identitätsaspekte durch diese Entwicklung bedient werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die verschiedene Erklärungsansätze von Experten wie Huntington, Al-Harmaneh und Steiner heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung intra-arabischer Tourismusstrategien, einem Exkurs zum historischen Reiseverhalten und der theoretischen Einordnung des Phänomens durch verschiedene Diskursanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Islamic tourism, arabische Identität, Tourismusmärkte, Globalisierung, Re-Islamisierung und Kulturinszenierung.
Wie unterscheidet sich das religiöse Konzept vom kulturellen Tourismuskonzept?
Das kulturelle Konzept fokussiert auf die Aufwertung historischer und religiöser Stätten zur Identitätsstärkung, während das religiöse Konzept konservative Lebensnormen, wie das Alkoholverbot oder Geschlechtertrennung, direkt in die Infrastruktur integriert.
Welche Rolle spielt die Politik nach Ansicht der Autorin bei diesem Tourismusmodell?
Die Autorin verdeutlicht, dass Tourismus nicht nur ökonomisch betrachtet werden darf, sondern als Instrument zur politischen Selbstbehauptung und Unabhängigkeit gegenüber westlichen Einflüssen fungiert.
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- Katrin Jullien (Author), 2005, Islamic Tourism - kulturelle Aufwertung in der arabischen Welt nach dem 11. September?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78600