Der Klimawandel und dessen mögliche Folgen hat in der Weltöffentlichkeit jüngst stark an Bedeutung gewonnen.
Die aktuellen Berichte der britischen Regierung und des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) machen unmissverständlich auf die Risiken des Klimawandels aufmerksam und betonen einen sofortigen und durchgreifenden Handlungsbedarf. Trotz allgemeiner Anerkennung des Problems durch alle Vertragsparteien der UN Rahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC) wechseln sich seit deren Gründung 1992 Fortschritte und Stillstand regelmäßig ab. Von einem wirksamen und effizienten Klimaschutz scheint die Weltgemeinschaft weit entfernt. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Auffassungen wie ein vernünftiger Klimaschutz zu gestalten sei, treffen in der internationalen Klimapolitik aufeinander. Ein Konfliktfeld geriet in der Ratifizierungsphase des Kyoto-Protokolls besonders in den Vordergrund: Die US-amerikanische Regierung um Präsident George W. BUSH wird die Vereinigten Staaten solange nicht an Klimaschutzziele binden, bis dies auch Schwellenländer wie China, Indien, Mexiko, Südafrika und Brasilien tun. Seitdem suchen die Industrieländer besonders den Dialog mit diesen Ländern, die den Handlungsbedarf ihrerseits bei den Industriestaaten sehen. Dieser Aufsatz soll einen Einblick in das Konfliktfeld zwischen Industrie- und Schwellenländern in der internationalen Klimapolitik aus ökonomischer Perspektive bieten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Klimawandel und internationaler Klimaschutz
2.1 Der Klimawandel und Reaktionsstrategien
2.1.1 Entstehung, Ursachen und Schäden
2.1.2 Klimaschutzstrategien: Vermeidung und Adaption
2.1.3 Positive Externalitäten
2.2 Transnationale öffentliche Güter und internationale Externalitäten
3 Zwischen Wachstum, Wettbewerb und Verantwortung
3.1 Die Situation der Schwellenländer
3.1.1 Die Environmental Kuznets Curve (EKC) und der Klimawandel
3.1.2 Die Rolle der Energieeffizienz am Beispiel der Volksrepublik China
3.1.3 Politikimplikationen
3.2 Die Situation der Industrieländer
3.2.1 Unilaterale Reduktionsziele im internationlen Wettbewerb
3.2.2 Die Rolle des Urheber- und Patentrechts
3.2.3 Politikimplikationen
3.3 Konflikte in internationalen Klimaschutzverhandlungen
3.3.1 Der Weg zur UN Rahmenkonvention
3.3.2 Der Weg zum Kyoto-Protokoll
3.3.3 Jüngste Verhandlungen und Gespräche ausserhalb der UN-Institutionen
4 Schlusswort und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Konfliktfeld zwischen Industrie- und Schwellenländern in der internationalen Klimapolitik, wobei der Fokus insbesondere auf der Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Wachstum und Klimaschutz sowie der Frage nach der gerechten Lastenverteilung liegt.
- Analyse der ökonomischen Hintergründe und Interessen von Industrie- und Schwellenländern.
- Untersuchung der Rolle von Energieeffizienz und Technologietransfer am Beispiel Chinas.
- Diskussion von Wettbewerbsvorteilen und dem Schutz geistigen Eigentums im Klimaschutzkontext.
- Aufarbeitung der historischen Entwicklung internationaler Klimaschutzverhandlungen seit 1991.
- Bewertung von Mechanismen wie Emissionshandel als Lösungsansatz für effizienten Klimaschutz.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Environmental Kuznets Curve (EKC) und der Klimawandel
Die Literatur zur Interaktion zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltverschmutzung deutet auf einen viel zitierten Zusammenhang hin, der Environmental Kuznets Curve (EKC) genannt wird. Gene GROSSMAN und Alan KRUEGER (1993) fanden in ihrer wegweisenden Arbeit Hinweise auf einen invertiert U-förmigen Zusammenhang zwischen einigen Maßen der Umweltqualität und dem Pro-Kopf-Einkommen, der zeigt, dass der Zustand der Umwelt in frühen Phasen der Industrialisierung zur Verschlechterung tendiert, sich dann jedoch, nachdem eine gewisse Einkommensschwelle überschritten wurde, mit weiterem Wachstum verbessert. Wäre dieser Zusammenhang deterministisch, würde das bedeuten, dass man eine Strategie des „Grow Out“ von Umweltproblemen verfolgen könnte. Wachstum und Entwicklung wäre somit gleichzeitig eine Klimaschutzstrategie.
Abgesehen davon, dass die EKC nach wie vor sehr kontrovers diskutiert wird, ist die Prognose der EKC für Treibhausgase höchstwahrscheinlich so nicht anwendbar. Der Effekt wirtschaftlichen Wachstums auf die Umwelt lässt sich theoretisch in die folgenden drei Teilkomponenten zerlegen: Skaleneffekt, Struktureffekt und Technologieeffekt. Die theoretischen Erklärungsansätze der EKC bauen alle auf deren relativem Verhältnis im Zeitablauf auf. Der populärste Ansatz ist der, dass Umweltqualität ein normales Gut ist, dessen Nachfrage bei steigendem Einkommen zunimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Klimawandels und die zentralen Konfliktlinien zwischen den wirtschaftlichen Interessen von Industrie- und Schwellenländern ein.
2 Der Klimawandel und internationaler Klimaschutz: Dieses Kapitel erläutert die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, Reaktionsstrategien sowie die ökonomische Charakterisierung von Klimaschutz als globales öffentliches Gut.
3 Zwischen Wachstum, Wettbewerb und Verantwortung: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die gegensätzlichen Positionen von Schwellen- und Industrieländern sowie die Herausforderungen bei internationalen Verhandlungen.
4 Schlusswort und Ausblick: Das Schlusswort fasst die wesentlichen Konfliktfelder zusammen und skizziert potenzielle Lösungsansätze wie intelligente globale Emissionshandelssysteme.
Schlüsselwörter
Klimawandel, Internationaler Klimaschutz, Schwellenländer, Industrieländer, Klimaschutzverhandlungen, Energieeffizienz, Environmental Kuznets Curve, Technologietransfer, Kyoto-Protokoll, UNFCCC, Emissionshandel, Öffentliche Güter, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltige Entwicklung, Klimapolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Interessenkonflikte zwischen Industrie- und Schwellenländern im Bereich des internationalen Klimaschutzes und untersucht, wie wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz vereinbart werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die ökonomische Analyse des Klimaschutzes, der Energiebedarf von Schwellenländern, die Wettbewerbsfähigkeit von Industrien sowie die Dynamik internationaler Klimaverhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Wurzeln der seit Jahren bestehenden Konflikte in den Klimaschutzverhandlungen aufzuzeigen und Strategien zu diskutieren, wie ein effizienter, international koordinierter Klimaschutz erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt politikwissenschaftliche und umweltökonomische Konzepte, darunter die Environmental Kuznets Curve (EKC), Public-Choice-Modelle und die Theorie der öffentlichen Güter.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Positionen der Schwellenländer, insbesondere Chinas, der Sorge der Industrieländer um Wettbewerbsnachteile sowie der historischen Entwicklung des UNFCCC-Prozesses bis zum Kyoto-Protokoll.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Klimawandel, Schwellenländer, Industrieländer, UNFCCC, Energieeffizienz, Technologietransfer und internationale Klimaverhandlungen.
Warum ist die Environmental Kuznets Curve für diese Arbeit relevant?
Sie dient als theoretische Grundlage, um zu hinterfragen, ob Schwellenländer dem Wachstumspfad der Industrieländer ohne gravierende Umweltschäden folgen können oder ob ein „abgekürzter“ Weg durch effizientere Technologien möglich ist.
Welchen Stellenwert nimmt die Volksrepublik China ein?
China dient als zentrale Fallstudie, da das Land durch seine hohen Wachstumsraten und seine große Kohleabhängigkeit vor der Herausforderung steht, den steigenden Energiebedarf mit Klimaschutzzielen in Einklang zu bringen.
- Arbeit zitieren
- Johannes Jarke (Autor:in), 2007, Internationaler Klimaschutz - Interessenkonflikte zwischen Industrie- und Schwellenländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78644