Diese Arbeit analysiert die filmischen Mittel, mit denen Werner Herzog den Kolonialismus inszeniert hat. Es wird aufgezeigt, was Don Lope de Aguirre vom Stereotyp des Konquistadoren unterscheidet. Ein weiterer Punkt wird die Frage nach der Darstellung des Dschungels sein und inwieweit die Landschaft selbst als Handlung fungiert. Wenn man den Film zum ersten Mal sieht, so wird schnell deutlich, dass es sich nicht „nur“ um einen Abenteuerfilm handelt der vage historischen Begebenheiten aufnimmt und diese abstrahiert. Es wird versucht aufzuzeigen, was Werner Herzogs Film sowohl in formaler als auch in inhaltlicher Sicht von einem Abenteuerfilm unterscheidet. Wobei die Frage gestellt wird um welches Genre es sich eigentlich handelt. Schließlich betrachten wir ein wiederkehrendes Motiv in den Filmen Werner Herzogs: das Motiv des Kreise, welches in diesem Film eine ganz besondere Stellung einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Werkbeschreibung
3. Formale Analyse hinsichtlich des Kolonialismusaspektes
4. Die Funktion des „Motiv des Kreises“ in Aguirre – der Zorn Gottes
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die filmische Inszenierung des Kolonialismus in Werner Herzogs „Aguirre – Der Zorn Gottes“ sowie die spezifische Bedeutung und Funktion des wiederkehrenden Kreismotivs im Werk. Ziel ist es, die formale und inhaltliche Differenz des Films zu klassischen Abenteurerfilmen herauszuarbeiten und die Figur des Don Lope de Aguirre in ihrem historischen und psychologischen Kontext zu beleuchten.
- Analyse der filmischen Mittel zur Darstellung von Kolonialismus
- Untersuchung der Rolle der Landschaft und des Dschungels als handlungstragende Elemente
- Dekonstruktion des stereotypen Konquistadoren-Bildes durch die Figur Aguirre
- Interpretation des „Motivs des Kreises“ als Sinnbild für das Scheitern und die Isolation
Auszug aus dem Buch
Die Funktion des „Motiv des Kreises“ in Aguirre – der Zorn Gottes
Der Film Aguirre – Der Zorn Gottes folgt einem linear ablaufenden Handlungsstrang. Er ist in chronologischer Reihenfolge gedreht worden, was man sogar an der langsam verrottenden Kleidung der Darsteller sieht. Trotz oder gerade wegen dieser stark linear vorgegebenen Dramaturgie, endet der Film nicht mit einem statischen Endpunkt sondern mit einem sich im Kreis drehenden, einem nicht mehr vorankommenden Floß. „Aguirre ist die treibende Kraft im Mittelpunkt dieses durch ihn selbst inszenierten Untergangs.“ Es ist die Natur, die die Strömung des Flusses dirigiert und auf dem Floß ist es Aguirre, der die Geschwindigkeit vorgibt, in der er seinen eigenen Untergang inszeniert. Der Film wirkt aber trotz seiner zum Teil reissenden Stromschnellen, die es zu durchfahren gilt, nicht gehetzt. Es gibt Elemente im Film, die den Zuschauer ganz ruhig und still werden lassen. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der ein Indianersklave in der Mitte des Filmes seine Flöte spielt, nachdem die Besatzung des Floßes zuvor panisch in den Urwald feuerte. Mit dem Einsetzten der Musik scheint die Zeit im Film stillzustehen, die Gesichter der verängstigten Spanier haben den Ausdruck von Resignation in sich. Ohnmacht erfüllt den Film und zugleich eine selige Ruhe. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Motiv des „sich im Kreise drehen“. Der Film endet mit dem Floß, dass in einer ruhigen Bewegung von der Kamera umkreist wird. Der Dschungel hat die Konquistadoren besiegt, nur Aguirre hält sich noch auf den Beinen und verkündet seinen letzten wahnwitzigen Eroberungsplan seiner „Kolonie von Totenkopfaffen“. Die Szene vermittelt Ruhe, ja sogar Ausgewogenheit, als ob das Gleichgewicht wieder hergestellt wurde. Als ob uns das „im Kreise drehen“ vermittelt, dass Aguirres Weg hier zu Ende sein wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Werner Herzog den Kolonialismus filmisch verarbeitet und welche Bedeutung die Landschaft sowie das Kreismotiv für die Genre-Einordnung haben.
Werkbeschreibung: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext der Produktion des Films, einschließlich der schwierigen Drehbedingungen, der Besetzung durch Klaus Kinski und der Zusammenarbeit mit Florian Fricke sowie der Band Popol Vuh.
Formale Analyse hinsichtlich des Kolonialismusaspektes: Hier werden zentrale Filmszenen analysiert, um das komplexe Verhältnis zwischen Eroberern und indigenen Völkern sowie die spezifische Motivation der Figur des Aguirre zu beleuchten.
Die Funktion des „Motiv des Kreises“ in Aguirre – der Zorn Gottes: Dieser Abschnitt interpretiert das wiederkehrende Kreismotiv als filmisches Stilmittel, das das endgültige Scheitern der Expedition und die Isolation der Charaktere in der Natur unterstreicht.
Schlusswort: Das Fazit ordnet den Film in das Schaffen des Neuen Deutschen Films ein und diskutiert die bewusste Verletzung von Genre-Konventionen durch den Regisseur.
Schlüsselwörter
Werner Herzog, Aguirre der Zorn Gottes, Kolonialismus, Konquistadoren, Klaus Kinski, Filmanalyse, Dschungel, El Dorado, Motiv des Kreises, Neuer Deutscher Film, Macht, Wahnsinn, Scheitern, Natur, filmische Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die filmische Darstellung des Kolonialismus in Werner Herzogs Film „Aguirre – Der Zorn Gottes“ unter besonderer Berücksichtigung formaler und inhaltlicher Aspekte.
Welche zentralen Themen werden in der Analyse behandelt?
Im Zentrum stehen die Dekonstruktion des Konquistadoren-Stereotyps, die Rolle der unbändigen Natur als handelnde Kraft und die psychologische Entwicklung des Protagonisten Don Lope de Aguirre.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Untersuchung geht der Frage nach, mit welchen filmischen Mitteln Herzog den Kolonialismus inszeniert und welche Funktion das zentrale Motiv des „Kreises“ innerhalb der Erzählung einnimmt.
Welche filmwissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor orientiert sich methodisch an der „Einführung in die Filmanalyse“ von Werner Faulstich, um ausgewählte, prägnante Szenen sowohl formal als auch inhaltlich zu untersuchen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit inhaltlich ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Werkbeschreibung, eine formale Analyse des kolonialen Aspekts und eine tiefgehende Untersuchung der Kreissymbolik im Film.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe umfassen den Kolonialismus, das Motiv des Kreises, die ästhetische Gestaltung des Dschungels, den Machtanspruch des Aguirre und das Konzept des Scheiterns im Neuen Deutschen Film.
Wie unterscheidet sich die Figur des Aguirre vom typischen Bild des Konquistadoren?
Aguirre wird durch seine ekstatische Übersteigerung und seine Vision einer autarken Herrschaft von den üblichen Goldsuchenden abgehoben; er verfolgt den Traum einer Dynastie jenseits von Gehorsam gegenüber der spanischen Krone.
Welche Bedeutung kommt dem Floß am Ende des Films zu?
Das sich im Kreis drehende Floß, das am Ende des Films isoliert und führerlos wirkt, symbolisiert das endgültige Scheitern der Expedition und den Sieg der unzähmbaren Natur über die menschliche Hybris.
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- Frederic Schäfer (Author), 2007, Das Motiv des Kreises in Werner Herzogs „Aguirre - Der Zorn Gottes“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78875