Im folgenden sei der Versuch unternommen, einen metaphorologischen Übergang nachzuzeichnen als Folge eines methodologischen Bruchs im Denkstil Wittgensteins, der als Unterscheidung zwischen Wittgenstein I und II in die Rezeptionsgeschichte eingegangen ist. Kurzum, als Übergang vom Logischen der Philosophie zum Aphoristischen der Poesie.
Einen ersten Sprung in den topologischen Diskurs über Netze, epistemologische Folgerungen für seine "Philosophischen Untersuchungen" über den strukturalen Modus der Sprache eingeschlossen, wagt Wittgenstein nach der Ausarbeitung vieler Regeln, die dem Denken innewohnen. Sich nicht auszukennen, ist demnach keine psychologische Fehlleistung des Subjekts, wohl aber eine essentielle Struktureigenschaft der Sprache.
Inhaltsverzeichnis
1. Wittgensteins Orientierung im Netz der Pfade des Denkens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den methodologischen Wandel im Denken Ludwig Wittgensteins, indem sie den Übergang von der streng logischen Struktur seines Frühwerks zum aphoristischen und metaphorischen Ansatz seines Spätwerks analysiert.
- Biografische Kontextualisierung Wittgensteins
- Die Transformation vom "Tractatus logico-philosophicus" zu den "Philosophischen Untersuchungen"
- Analyse des Sprachspiels als Teil einer Lebensform
- Der topologische Diskurs und die Metapher des Labyrinths
- Das Spannungsfeld zwischen Denken, Sprache und Schrift
Auszug aus dem Buch
Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen
Unsere Sprache kann man ansehen als eine alte Stadt: Ein Gewinkel von Gäßchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten; und dies umgeben von einer Menge neuer Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern. […] Ein philosophisches Problem hat die Form: „Ich kenne mich nicht aus.“
Einen ersten Sprung in den topologischen Diskurs über Netze, epistemologische Folgerungen für seine Untersuchungen über den strukturalen Modus der Sprache eingeschlossen, wagt Wittgenstein nach der Ausarbeitung vieler Regeln, die dem Denken innewohnen. Sich nicht auszukennen, ist demnach keine psychologische Fehlleistung des Subjekts, wohl aber eine essentielle Struktureigenschaft der Sprache: Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du kommst von einer Seite und kennst dich aus; du kommst von einer anderen Seite [d. h. anderer Blickwinkel oder vermittels eines anderen Diskurses] zur selben Stelle, und kennst dich nicht mehr aus.
Kreuzt das Subjekt, nachdem es den Weg eines Gedanken kennt, diesen Weg noch einmal von einer anderen Seite, so findet es diesen Weg verändert vor und kennt sich nicht mehr aus. Ein singulärer Gedanke ist historisch einmalig und als solcher nicht eineindeutig wiederholbar. Eine Schlußfolgerung für den epistemologischen Status eines Gedankens und die diskursive Struktur der Sprache hinsichtlich jeder Skalierung des Sprachgebrauchs formuliert Wittgenstein jedoch schon viele Paragraphen zuvor. Sie belegt den nicht nur in seinem Vorwort angedeuteten Netzcharakter seiner Untersuchungen: Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Analogien im Großen und Kleinen. 67. Ich kann diese Ähnlichkeiten nicht besser charakterisieren als durch das Wort Familienähnlichkeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wittgensteins Orientierung im Netz der Pfade des Denkens: Dieses Kapitel zeichnet den methodologischen Bruch in Wittgensteins Denken nach und beleuchtet den Übergang von der strengen Logik des Frühwerks hin zu einer metaphorisch-aphoristischen Betrachtungsweise der Sprache.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Sprachphilosophie, Tractatus logico-philosophicus, Philosophische Untersuchungen, Sprachspiel, Netzcharakter, Familienähnlichkeit, Logozentrismus, Denken, Sprache, Labyrinth, Diskursive Formation, Metaphorologie, Analytische Philosophie, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Entwicklung Ludwig Wittgensteins und analysiert, wie sich sein Denkstil im Laufe seines Lebens von einer logisch-rigiden Struktur hin zu einem assoziativen, topologischen Verständnis gewandelt hat.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Sprachspiele, die Metaphern des Labyrinths und des Netzes sowie das Verhältnis zwischen logischer Strenge und literarisch-aphoristischer Ausdrucksweise.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den "methodologischen Bruch" in Wittgensteins Philosophie als einen bewussten Übergang zu begreifen, der die Unübersichtlichkeit und Komplexität der Sprache in den Vordergrund rückt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-hermeneutische Analyse, die den Textkorpus Wittgensteins – insbesondere den Tractatus und die Philosophischen Untersuchungen – sowie biographische Notizen miteinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Wittgensteins Vorworten und zentralen Thesen, die seine Abkehr von einer "logischen Geradlinigkeit" hin zu einem Verständnis von Sprache als "Labyrinth" oder "Netz" begründen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Familienähnlichkeit, Sprachspiel, Diskurs, Netzcharakter des Denkens und die philosophische Metaphorologie.
Wie deutet der Autor Wittgensteins Abkehr vom "Tractatus"?
Der Autor interpretiert diesen Wandel als eine Erkenntnis, dass die Philosophie nicht durch eine absolute Logik, sondern durch die Betrachtung von Zusammenhängen und das Finden von Zwischengliedern verständlich wird.
Welche Rolle spielt der Begriff "Familienähnlichkeiten" in der Argumentation?
Dieser Begriff dient als Schlüssel für Wittgensteins Spätwerk, um zu verdeutlichen, dass Begriffe keine festen Wesenheiten haben, sondern durch überlappende Ähnlichkeiten in einem komplexen Geflecht miteinander verbunden sind.
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- Dr. des. Robert Dennhardt (Author), 2003, Wittgensteins Orientierung im Netz der Pfade des Denkens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79013