Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen


Hausarbeit, 2002

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen von Vorurteilen
2.1. Prozess der sozialen Kategorisierung
2.2. Intergruppenangst als Ursache von Vorurteilen
2.3. Ansatz der Sozialisationstheorie

3. Vermittlung von Vorurteilen
3.1. Vorurteilsvermittlung durch den Geschichtsunterricht
3.1.1. Die Funktion des Geschichtsunterricht
3.1.2. Das vermittelte Türken- und Moslembild
3.1.3. Auswirkungen auf deutsche Schulkinder
3.2. Vorurteilsvermittlung durch die Medien
3.2.1. Die Rolle der Medien
3.2.2. Kollektivsymbole als Methodik zur Beeinflussung
3.2.3. Die Erzeugung von Intergruppenangst durch Kollektivsymbole

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vorurteile benötigen wir, um uns in unserer Umwelt zurecht zu finden. Sie sind eine wichtige Ordnungshilfe in unserem täglichen Leben und erfüllen mehrere Funktionen, die es ermöglichen uns in der Gesellschaft auf den verschiedensten Ebenen zu orientieren.[1] Dennoch ist der Vorurteilsbegriff meistens negativ besetzt. Das liegt aber nicht an Vorurteilen selbst, sondern an vorurteilsvollem Handeln und der dadurch entstehenden offenen Diskriminierung. Wenn wir unsere Orientierungseinstellung als Maß zur Beurteilung anderer nehmen und sie entsprechend unseren Stereotypen behandeln, dann handeln wir vorurteilsvoll.[2]

Wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit von Vorurteilen die Rede ist, schränkt ich diese wie oben beschrieben ein. Der Vorurteilsbegriff den ich verwende, ist ausschließlich auf soziale Urteile beschränkt, die gegen die menschlichen Wertvorstellungen der Rationalität, der Gerechtigkeit und der Mitmenschlichkeit verstoßen. Vorurteile meinen demnach im folgenden stabile und konsistent negative Einstellungen gegenüber einer Gruppe oder einer Person, weil diese zu einer bestimmten Gruppe gezählt wird.[3]

Ich werde ich mich in erster Linie mit dem Erlernen und der Vermittlung von Vorurteilen befassen. In diesem Zusammenhang werde ich einigen Ansätzen der Sozialpsychologie und der Sozialisation folgen, die sich mit dem Erlernen von Vorurteilen befasste haben. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich die Vermittlung von Vorurteilen untersuchen. In diesem Zusammenhang stelle ich die These auf, dass unsere Gesellschaft ihre Vorurteile selbst produziert und vermittelt. So werde ich beweisen, dass allgemeinbildende Schulen im Rahmen des Geschichtsunterrichts einen Beitrag dazu leisten, Schüler mit einer vorurteilsbehafteten Einstellung gegenüber Türken und Moslems auszustatten. Darüber hinaus werde ich am Beispiel einiger Printmedien darstellen, welcher Mittel sich diese bedienen, um ein fremdenfeindliches und vorurteilsvolles Klima gegenüber Flüchtlingen und Aussiedlern in Deutschland entstehen zu lassen. Zum Schluss werde ich versuchen einige Lösungsansätzen darzustellen und eine Stellungnahme zu ihrer Sinnhaltigkeit abgeben.

2. Ursachen von Vorurteilen

2.1. Prozess der sozialen Kategorisierung

Laut psychologischen Studien mit Kindern, entwickelt sich mit etwa 5 Lebensjahren ein ethnisches Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe. Dabei spielen Kontakte zu Menschen aus anderen ethnischen Gruppen vorerst noch keine Rolle.[4] Der Prozess der sozialen Kategorisierung bildet sich heraus. Menschen organisieren ihre soziale Umwelt, in dem sie sich und andere in Gruppen einordnen.[5] „Die einfachste und tiefgreifendste Form der Kategorisierung ist das Urteil darüber, ob andere Menschen so sind wie wir selbst.“[6] Die Einordnung zu einer ‚Wir-oder-Sie-Orientierung’ führt zu einer Voreingenommenheit gegenüber der eigenen Bezugsgruppe, den sog. In-group-bias und zu der Überzeugung, dass die eigene Gruppe besser sei als die andere.[7] Dies wurde in einer Reihe von Experimenten nachgewiesen, die u.a. in den Niederlanden durchgeführt wurden. Die Probanden, die an diesem Versuch teilnahmen, wurden willkürlich in jeweils, eine ‚grüne’ und eine ‚blaue’ Gruppe eingeteilt. Die Farbklassen hatten keine tiefergehende psychologische Bedeutung. Dennoch identifizierten sich die Teilnehmer ausschließlich mit der Gruppe ihrer Farbe. Durchweg bewerteten die Probanden die Eigenschaften der Eigengruppe als positiv und die der Fremdgruppe als negativ. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Einschätzung vorgenommen wurde, ohne dass die Eigenschaften der jeweils anderen Gruppe bekannt waren. Der Bias trat bereits auf, nachdem die Probanten in die jeweiligen Gruppen eingeteilt wurden. Dadurch gelang es die Voreingenommenheit ausschließlich auf die Identifikation mit der Farbe zurückzuführen.[8] Wenn diese Kräfte bereits in der künstlich geschaffenen Gruppe zu vernehmen sind, wird schlussfolgerbar, wie ernsthaft ihre Auswirkungen werden, wenn sie unter realen Anforderungen von Alltagsproblemen wirken.[9]

2.2. Intergruppenangst als Ursache von Vorurteilen

Menschen die sich zu Gruppen formieren, zeigen wie geschildert sehr schnell eine große Solidarität untereinander. Sie glauben, dass die Mitglieder der eigenen Gruppe positivere Eigenschaften haben, als die der anderen Gruppe und versuchen, fremden Gruppen Begünstigungen streitig zu machen. Diese Vorgänge entwickeln sich trotz positiver Erfahrungen mit Angehörigen anderer Gruppen. Je größer jedoch die Notwendigkeit ist, mit knappen Ressourcen zu wirtschaften und vorhandene Güter zu verteilen, desto größer wird die unmittelbare Tendenz, Wir-versus-Sie-Zuschreibungen vorzunehmen.[10]

Dabei führen diese o.g. realen Interessenskonflikte und Wettbewerbssituationen zu abwehrenden Vorurteilen und Feindseligkeiten. Aber auch andere soziale Problemlagen wie Wirtschaftskrisen, Einwanderung, Arbeitslosigkeit und Kriminalität werden als Bedrohung der Gruppenposition erlebt. Neuere Forschungen in der Sozialpsychologie heben die Bedeutung von Intergruppenangst als eine der Ursachen von Vorurteilen hervor. Dabei wird zwischen, der realen, der symbolischen und der persönlichen Bedrohung durch eine Fremdgruppe unterschieden.[11]

Die reale Bedrohung der ökonomischen oder sozialen Situation bezeichnet eine Konkurrenzsituation der Eigengruppe gegenüber Zuwanderern oder / und einheimischen Minderheiten. Dabei kommt es nicht darauf an, eine tatsächliche Bedrohung, z.B. den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes, zu erfahren. Allein das subjektive Gefühl, benachteiligt werden zu können, reicht aus, um das Vorurteil ‚Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!’ entstehen zu lassen. In der Sozialpsychologie spricht man von „relativer Deprivation[12] “., also der Benachteiligung der Eigengruppe gegenüber bestimmten Gruppen bei einer Leistungsvergabe. Charakteristisch für das Empfinden relativer Benachteiligung ist das Vorurteil: ‚Die Aussiedler bekommen die besten Wohnungen zugewiesen, und wir müssen nehmen was übrig bleibt!’.

Die symbolische Bedrohung richtet sich gegen die wahrgenommenen Unterschiede in Kultur, Werten und Lebensstilen. Sie äußert sich in einer subjektiv empfundenen Angst, etwa vor Überfremdung oder beispielsweise in der Furcht vor dem islamischen Fundamentalismus.

[...]


[1] vgl. dazu: Schmalz-Jacobsen, Cornelia; Hansen, Georg (Hrsg.), Kleines Lexikon der ethnischen Minderheiten in Deutschland S. 246 ff.

[2] vgl. dazu: Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? Erschienen in: Information zur politischen Bildung Nr. 271/2001 Stereotypen-Vorurteile-Feindbilder, S. 3

[3] Ebenda S. 3

[4] vgl. dazu: Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? Erschienen in: Information zur politischen Bildung Nr. 271/2001 Stereotypen-Vorurteile-Feindbilder, S.8

[5] vgl. dazu: Zimbardo, Phillip, G.; Gerrig, Richard, J, Psychologie S. 436

[6] zit. ebenda S. 436

[7] ebenda S. 436

[8] vgl. dazu: Rabie, J.M., The effects of intergroup competition and cooperation on intra- and intergroup relationships. Erschienen in: J. Grezlak & V. Derlega (Hrsg.), Living with other people: Theory and research on cooperation and helping S. 45

[9] vgl. dazu: Zimbardo, Phillip, G.; Gerrig, Richard, J, Psychologie S. 436 f.

[10] Ebenda S. 436 f.

[11] vgl. dazu: Bergmann, Werner, Was sind Vorurteile? Erschienen in: Information zur politischen Bildung Nr. 271/2001 Stereotypen-Vorurteile-Feindbilder, S.7

[12] zit.: ebenda S. 7

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)  (Soziologie)
Veranstaltung
Interdisziplinärer Grundkurs
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V7917
ISBN (eBook)
9783638150163
ISBN (Buch)
9783640668854
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit ist Abschlussarbeit des Grundkurses an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. In ihr stelle ich die These auf, dass die Gesellschaft ihre Vorurteile selbst produziert, vermittelt und reproduziert.
Schlagworte
Ursachen, Vermittlung, Vorurteilen, Interdisziplinärer, Grundkurs
Arbeit zitieren
Jörg Passlack (Autor), 2002, Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7917

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