Vorurteile benötigen wir, um uns in unserer Umwelt zurecht zu finden. Sie sind eine wichtige Ordnungshilfe in unserem täglichen Leben und erfüllen mehrere Funktionen, die es ermöglichen uns in der Gesellschaft auf den verschiedensten Ebenen zu orientieren. Dennoch ist der Vorurteilsbegriff meistens negativ besetzt. Das liegt aber nicht an Vorurteilen selbst, sondern an vorurteilsvollem Handeln und der dadurch entstehenden offenen Diskriminierung. Wenn wir unsere Orientierungseinstellung als Maß zur Beurteilung anderer nehmen und sie entsprechend unseren Stereotypen behandeln, dann handeln wir vorurteilsvoll.
Wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit von Vorurteilen die Rede ist, schränkt ich diese wie oben beschrieben ein. Der Vorurteilsbegriff den ich verwende, ist ausschließlich auf soziale Urteile beschränkt, die gegen die menschlichen Wertvorstellungen der Rationalität, der Gerechtigkeit und der Mitmenschlichkeit verstoßen. Vorurteile meinen demnach im folgenden stabile und konsistent negative Einstellungen gegenüber einer Gruppe oder einer Person, weil diese zu einer bestimmten Gruppe gezählt wird.
Ich werde ich mich in erster Linie mit dem Erlernen und der Vermittlung von Vorurteilen befassen. In diesem Zusammenhang werde ich einigen Ansätzen der Sozialpsychologie und der Sozialisation folgen, die sich mit dem Erlernen von Vorurteilen befasste haben. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich die Vermittlung von Vorurteilen untersuchen. In diesem Zusammenhang stelle ich die These auf, dass unsere Gesellschaft ihre Vorurteile selbst produziert und vermittelt. So werde ich beweisen, dass allgemeinbildende Schulen im Rahmen des Geschichtsunterrichts einen Beitrag dazu leisten, Schüler mit einer vorurteilsbehafteten Einstellung gegenüber Türken und Moslems auszustatten. Darüber hinaus werde ich am Beispiel einiger Printmedien darstellen, welcher Mittel sich diese bedienen, um ein fremdenfeindliches und vorurteilsvolles Klima gegenüber Flüchtlingen und Aussiedlern in Deutschland entstehen zu lassen. Zum Schluss werde ich versuchen einige Lösungsansätzen darzustellen und eine Stellungnahme zu ihrer Sinnhaltigkeit abgeben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. URSACHEN VON VORURTEILEN
2.1. Prozess der sozialen Kategorisierung
2.2. Intergruppenangst als Ursache von Vorurteilen
2.3. Ansatz der Sozialisationstheorie
3. VERMITTLUNG VON VORURTEILEN
3.1. Vorurteilsvermittlung durch den Geschichtsunterricht
3.1.1. Die Funktion des Geschichtsunterricht
3.1.2. Das vermittelte Türken- und Moslembild
3.1.3. Auswirkungen auf deutsche Schulkinder
3.2. Vorurteilsvermittlung durch die Medien
3.2.1. Die Rolle der Medien
3.2.2. Kollektivsymbole als Methodik zur Beeinflussung
3.2.3. Die Erzeugung von Intergruppenangst durch Kollektivsymbole
4. SCHLUSS
5. LITERATURVERZEICHNIS:
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsmechanismen sowie die gesellschaftliche Vermittlung von Vorurteilen. Dabei wird die zentrale These verfolgt, dass die Gesellschaft durch Institutionen wie die Schule und die Medien maßgeblich an der Produktion und Aufrechterhaltung vorurteilsbehafteter Einstellungen gegenüber Fremdgruppen beteiligt ist.
- Sozialpsychologische Ursachen von Vorurteilen wie soziale Kategorisierung und Intergruppenangst.
- Die Rolle des Geschichtsunterrichts bei der Konstruktion nationaler Identität und der Ausgrenzung fremder Kulturen.
- Einfluss der Medien durch die Verwendung von Kollektivsymbolen zur Erzeugung von Bedrohungsszenarien.
- Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsübernahme und interkultureller Reformansätze.
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Kollektivsymbole als Methodik zur Beeinflussung
Beim analytischen Betrachten der Berichterstattung in den Medien ist auffällig, dass ein Großteil der Informationen mit Hilfe von Bilder übersendet werden. Dies können sprachliche Bilder, Fotomontagen, Karikaturen oder echte Bilder sein. So ist von „Fußballgott“, „Börsenhölle“ und „Flüchtlingswelle“ die Rede oder es ist, wie im SPIEGEL vom 09.09.1991 eine Asylbewerberstatistik mit einem Bild unterlegt.
In der genannten Statistik des SPIEGEL’s kann man hinter einer überproportional ansteigenden Kurve, das Bild alltäglichen Gedränges an einer U-Bahn Rolltreppe sehen. Der überwiegende Teil der erkennbaren Personen sind Ausländer, nur am linken Bildrand ist eine offensichtlich einheimische Frau zu erkennen. Dabei ist die Wahl dieser Symbole nicht zufällig. Bei den verwendeten Bildern handelt sich um sogenannte Kollektivsymbole, die bestimmte Assoziationen bei den Individuen einer Gesellschaft auslöst.
Mit diesen Kollektivsymbolen wird eine bestimmte Nachricht codiert und generiert, um eine Veränderung oder Abweichung von der Normalität zu verdeutlichen und zu überhöhen. So verursacht das Bild mit der die SPIEGEL Statistik unterlegt ist die Assoziation, Einheimische werden an den ‚linken’ Rand gedrängt, möglicherweise sogar verdrängt. In Kombination mit dem überproportionalen Kurvenverlauf und der Zahl 200.000 am rechten oberen Bildrand als ‚oberstes’ Fassungsvermögen Deutschlands, entsteht das Bild von ‚Ausländern, die in immer größeren Mengen zu uns kommen und uns Einheimische verdrängen wollen. Dabei ist das Maß jetzt schon voll.’ Das Bild birgt den Anschein als drohen die Ausländer uns zu überfluten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in den Vorurteilsbegriff und Formulierung der These, dass unsere Gesellschaft Vorurteile selbst produziert und vermittelt.
2. URSACHEN VON VORURTEILEN: Analyse der sozialpsychologischen Grundlagen, insbesondere der sozialen Kategorisierung und der Intergruppenangst als treibende Kräfte.
3. VERMITTLUNG VON VORURTEILEN: Untersuchung konkreter Institutionen wie Schule und Medien, die durch historische Narrationen oder mediale Symbolik Vorurteile festigen.
4. SCHLUSS: Fazit zur gesellschaftlichen Gesamtverantwortung und Forderung nach neuen, interkulturell orientierten Bildungs- und Medienstrategien.
5. LITERATURVERZEICHNIS:: Zusammenstellung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Vorurteile, Soziale Kategorisierung, Intergruppenangst, Sozialisationstheorie, Geschichtsunterricht, Nationale Identität, Medien, Kollektivsymbole, Stereotypen, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Printmedien, Integration, Bedrohungsszenario, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und der systematischen Vermittlung von Vorurteilen innerhalb der deutschen Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Schwerpunkte sind sozialpsychologische Ursachenmodelle, die Rolle des Geschichtsunterrichts bei der Identitätsbildung sowie die mediale Beeinflussung durch Symbole.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Instanzen wie Schulen und Medien dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Minderheiten – insbesondere gegenüber Türken und Moslems – aktiv zu erzeugen und zu tradieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die sozialpsychologische Ansätze (Sozialisationstheorie) mit diskurstheoretischen Analysen medialer Symbolik verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Geschichtsunterricht zur Ausgrenzung anderer Kulturen beiträgt und wie Printmedien mittels Kollektivsymbolen Bedrohungsszenarien wie die „Überflutung“ durch Zuwanderer inszenieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Intergruppenangst, Kollektivsymbole, soziale Kategorisierung, nationale Identität und die Verantwortung von Medien und Schule.
Wie wirken Kollektivsymbole konkret in den Medien?
Sie dienen dazu, komplexe soziale Sachverhalte zu codieren und durch visuelle Assoziationen (z.B. „Ansturm“ auf ein Schiff) eine emotionale Bedrohungssituation zu erzeugen, die das Eigensystem abgrenzt und aufwertet.
Welche Rolle spielt der Geschichtsunterricht laut dem Autor?
Der Geschichtsunterricht fördert eine Wir-gegen-Sie-Orientierung, indem er die deutsche Identität in den Mittelpunkt stellt und die Geschichte anderer Kulturen ausblendet oder nur in kriegerischen Kontexten darstellt.
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- Jörg Passlack (Author), 2002, Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7917