Die Analyse der Struktur des Nibelungenliedes und die Betrachtung von nonverbalen Körperzeichen im Nibelungenlied


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
25 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Grundlagen des Nibelungenliedes
2.1 Gattungszuordnung
2.2 Die Sonderstellung

3. Die Form des Nibelungenliedes
3.1 Die Makrostruktur
3.2 Die Mikrostruktur

4. Nonverbale Zeichen
4.1 Beispiele für Kinesik im Nibelungenlied
4.2 Beispiele für Haptik im Nibelungenlied
4.3 Beispiele für Proxemik im Nibelungenlied
4.4 Beispiele für Körperergänzungen im Nibelungenlied

5. Differenzierte Analyse von nonverbalen Zeichen im Nibelungenlied
5.1 Tränen
5.2 Küsse
5.3 Kleidung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

„Das Nibelungenlied“ ist ein Hauptwerk der Literatur des Mittelalters. Die Entstehung des Werkes wird in die Zeit um das 12. Jahrhundert eingeordnet, wobei der genaue Zeitpunkt nicht überliefert ist. Ein direkter Verfasser ist nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass ein höfischer Dichter dieses Werk geschaffen hat.

Das Werk besitzt nachweisbar einen reellen historischen Bezug. Dieser wird im Nibelungenlied nur angedeutet und ist z. B. an historisch bekannten Persönlichkeiten erkennbar: „[…] die Namen der burgundischen Könige gehen auf identifizierbare Personen zurück […]“[1].

Auch die Schauplätze – Worms am Rhein, Island, Passau oder das Hunnenland (Ungarn) - sind identisch mit der Realität und existieren auch heute noch. Es sind demnach keine fiktiven Orte.

Im Folgenden soll auf Problematiken des Nibelungenliedes, wie die Gattungszugehörigkeit, eingegangen werden.

Weiterhin werden die nonverbalen Körperzeichen im Nibelungenlied aufgezeigt und erläutert. Auf einige Körperzeichen wird spezifischer eingegangen und deren besondere Bedeutung soll herausgearbeitet werden.

2. Grundlagen des Nibelungenliedes

2.1 Gattungszuordnung

Es ist schwer, das Nibelungenlied einer Gattung zuzuordnen. Die Zuordnung hängt davon ab, wie man das Werk interpretiert und von der zu Grunde gelegten Gattungsdefinition. Die Einordnung ist geprägt von Mehrdeutigkeiten und Überschneidungen (vgl. Schulze, 1997. S. 104.).

Bei der Zuordnung des Nibelungenliedes kommen die Gattungen Epos oder Roman

in Frage. Die Gattungsbezeichnung Epos wird am häufigsten für das Nibelungenlied gebraucht. Aber gelegentlich wird das Werk auch als Roman bezeichnet, wie vom Literaturgeschichtler Helmut de Boor. Er bezeichnete 1953 das Nibelungenlied als „[…] höfischen Roman […] in welchem höfisch-ritterliches Verhalten, Zucht, Maße, adlige Schönheit und Pracht der Erscheinung […]“[2] vorherrschend sind. Mit dieser Gattungsbezeichnung wollte er „[…] die von ihm herausgestellte Überformung des alten Sagenstoffes mit Insignien der höfischen Kultur […]“[3] zum Ausdruck bringen.

Das Nibelungenlied wurde von Josef Körner in Bezug auf die Psychologisierung auch als „höfisch stilisierter Liebesroman“[4], als „biographischer Roman“[5] und als „Entwicklungsroman“[6] bezeichnet. In Bezug auf die Rolle Kriemhilds und Siegfrieds benannte Bert Nagel das Nibelungenlied als „Kriemhildroman“[7] und „Siegfriedroman“[8].

Nibelungenforscher, wie Hildegard Bartels oder Jan-Dirk Müller bezeichnen das Werk als ein Epos.

Die Begründung liegt darin, dass die Aufgabe des Epos „[…] die Verständigung über selbstverständlich-verbindliche Ordnungen […]“[9] ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Nibelungenlied der Gattung Epos zugeordnet wird, wenn dieses Werk auch keinem Idealtyp eines Epos entspricht, denn es gibt Grenzüberschreitungen (vgl. Schulze, 1997. S.112.).

2.2 Die Sonderstellung

Das Nibelungenlied entstand im literaturgeschichtlichen Kontext der „Klassik des „Mittelalters“, also im 12. und 13. Jahrhundert. Der Dichter des höfischen Epos ist nicht bekannt, da das Nibelungenlied eine Verschriftlichung mündlicher Dichtungstradition darstellt (vgl. Schulze, 2003. S. 19.). Das Nibelungenlied hebt sich von anderen höfischen Erzählwerken, durch die anonyme Überlieferung, der Herkunft der Stoffe aus mündlicher Tradition mit einem historischen Kern und wegen seiner strophischen und sangbaren Form ab (vgl. Schulze, 2003. S. 20.). Die Geschichte der Nibelungen repräsentierte um 1200 allein die Gattung des Heldenepos. Darüber ob man dem Nibelungenlied einen bestimmten Dichter zuordnen kann, ist sich die Forschung auch heute noch uneinig. Manche Nibelungenforscher (z.B. Karl Lachmann) behaupten, dass das Heldenepos zu einer Vielzahl von Liedern gehört und dass es eine Vielzahl von Liederdichtern gegeben haben muss. Aber es wird auch darüber diskutiert, ob das Nibelungenlied ein Gemeingut gewesen ist, das von vielen verschiedenen Sängern vorgetragen wurde (vgl. Schulze, 2003. S. 20.).

Bei der Forschung nach dem Verfasser des Epos geht es vielmehr um seine gesellschaftliche Stellung und seinen Bildungsstand als um einen konkreten Namen.

3. Die Form des Nibelungenliedes

3.1 Die Makrostruktur

Das Nibelungenlied ist in zwei ähnlich große Teile gegliedert. Teil eins umfasst die Aventiuren 1 bis 19 in 340 Seiten und der zweite Teil beinhaltet auf 368 Seiten die Aventiuren 20 bis 39 (Bezug: Das Nibelungenlied. Reclam. 2002). Im ersten Teil des Nibelungenliedes, der auch als „Siegfriedgeschichte“ bezeichnet wird, geht es um Ereignisse wie, die Brautwerbung Siegfrieds um Kriemhild, die Brautwerbung Gunthers um Brünhilde, die verräterische Einladung und dem folgenden Streit zwischen Kriemhild und Brünhilde und die Planung und Ausführung des Mordes an Siegfried durch Hagen von Tronje.

Im zweiten Teil, der auch als „Kriemhildsgeschichte“ bezeichnet wird, geht es inhaltlich um die Brautwerbung von König Etzel um Kriemhild und die verräterische Einladung Kriemhilds an die Burgunden ins Hunnenland und der Untergang der Burgunden am Etzelhof.

Wichtig dabei zu bemerken ist, dass die Figur Kriemhild die ganze Geschichte (sprich: jeden Teil für sich und beide Teile) umrahmt. Das Nibelungenlied beginnt mit der Vorstellung der Kriemhild „[…] Ez wuohs in Búrgónden ein vil édel magedîn, […] Kriemhilt geheizen […]“[10] und endet mit dem Tod Kriemhilds „[…] ze stücken was gehouwen dô daz edele wîp […]“[11].

Der erste Teil beginnt, wie schon genannt wurde, mit der Vorstellung der Kriemhild und endet in der 19. Aventiure mit der Trauer Kriemhilds um ihren ermordeten Mann Siegfried „[…] Nâch Sîfrides tôde, dáz ist álwár, si wonte in manigem sêre dríuzéhen jâr, […]“[12].

Der zweite Teil beginnt wiederum mit Kriemhild, die von König Etzel umworben wird „[…] unt daz der künic Etzel umb ein ánder vrouwen warp, […] z`einer stolzen witewen, diu was vrou Kriemhilt genant […]“[13] und endet wie schon genannt mit Kriemhilds Tod.

Das Werk ist weiterhin eingeteilt in 39 Aventiuren, welche jeweils einer Episodenüberschrift untergeordnet ist. Das Nibelungenlied ist in Strophen verfasst worden. Jede Aventiure beginnt mit einleitenden Strophen, in denen knapp erzählt wird, was passieren soll und jede Aventiure besitzt mindenstens einen Handlungshöhepunkt. Es kommen auch Aventiuren vor, in denen es zwei Höhepunkte gibt; das wird als „Zweigipfligkeit[14] bezeichnet. Als Bespiel dafür, ist die 14. Aventiure zu nennen. In dieser Aventiure sind die beiden Höhepunkte der Streit der Königinnen Kriemhild und Brünhild und die Planung von Hagen von Tronje und Gunther Siegfried zu ermorden.

Im Nibelungenlied kommen bestimmte Handlungsabläufe in variierter Form mehrfach vor. Dieses Phänomen nennt man „Doppelung[15]. Bei diesen Handlungsabläufen handelt es sich z.B. um Einladungen (verräterische Einladung von Brünhild an Kriemhild und Siegfried – 12. Aventiure; verräterische Einladung von Kriemhild an die Burgunden – 23. und 24. Aventiure), um Hochzeiten (Hochzeot von Siegfried Kriemhild – 10. Aventiure; Hochzeit von Gunther und Brünhild – 10. Aventiure; Hochzeit von Kriemhild und Etzel – 22. Aventiure); um Tötungen (Tötung Siegfrieds durch Hagen von Tronje – 16. Aventiure; Tötung Hagen von Tronje durch Kriemhild – 39. Aventiure; Tötung Kriemhilds durch Hildebrand – 39. Aventiure) und um Geburten (Geburt Kriemhilds Söhne Gunther und Ortlieb 11. Aventiure und 23. Aventiure; Geburt Brünhilds Sohn Siegfried 11. Aventiure). Die Geschichte des Nibelungenlieds umfasst eine Erzählzeit von circa fünfzig Jahren. In diesen fünfzig Jahren nimmt nur ein kleiner Teil die erzählte Handlung (erzählte Zeit) ein.

[...]


[1] Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Reclam Verlag: Stuttgart, 2003. S. 60.

[2] Boor, de Helmut: Nibelungenlied und Klage. In: H.d.B. / Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd.2. Die höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang. 1170-1250. München 1953. 11. Aufl. bearb. Von Ursula Hennig. München. 1991. S. 151.

[3] ebd.

[4] Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Reclam Verlag: Stuttgart, 2003. S. 109.

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] Müller, Jan-Dirk: Motivationsstrukturen und personale Identität im Nibelungenlied. Zur Gattungsdiskussion um Epos oder Roman. In: Knapp, Bd. 3. 1987. S. 254.

[10] Grosse, Siegfried: Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutsch/ Neuhochdeutsch. Reclam Verlag: Stuttgart, 2002. S. 6. Strophe 2.

[11] ebd. S. 714. Strophe 2377.

[12] ebd. S. 346. Strophe 1142.

[13] Grosse, Siegfried: Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutsch/ Neuhochdeutsch. Reclam Verlag: Stuttgart, 2002. S. 346. Strophe 1143.

[14] Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Reclam Verlag: Stuttgart, 2003. S. 97.

[15] ebd. S. 97.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Analyse der Struktur des Nibelungenliedes und die Betrachtung von nonverbalen Körperzeichen im Nibelungenlied
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Heldenepisches Erzählen um 1200: Das Nibelungenlied und die Nibelungenklage
Note
bestanden
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V79294
ISBN (eBook)
9783638861175
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Struktur, Nibelungenliedes, Betrachtung, Körperzeichen, Nibelungenlied, Heldenepisches, Erzählen, Nibelungenklage
Arbeit zitieren
Dana Rothe (Autor), 2007, Die Analyse der Struktur des Nibelungenliedes und die Betrachtung von nonverbalen Körperzeichen im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79294

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