- Einleitung -
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den makroökonomischen Auswirkungen von Kapitalimporten in kleine, offene Volkswirtschaften. Diese sollen durch ein Modell aus dem Bereich des intertemporalen Ansatzes zur Zahlungsbilanzanalyse untersucht
werden, das auf dynamischer Maximierung eines repräsentativen Konsumenten beruht.
Konkretes Anschauungsobjekt und Motivation dieser theoretischen Analyse sind die massiven Kapitalzuflüssen nach Mexiko in der Zeit von 1989 bis 1993. Diese zogen gesamtwirtschaftliche Folgen nach sich, die als empirischer Bezugspunkt der entwickelten theoretischen Erkenntnisse dienen. Als prägnanteste Folgeerscheinungen ergaben
sich ein starkes Leistungsbilanzdefizit und eine Realaufwertung des Peso. Diese wurden zunächst wirtschaftspolitisch als wenig problematisch eingestuft. Auch in der präsentierten Modellanalyse ergeben sich eine Realaufwertung und ein Leistungsbilanzdefizit
als Gleichgewichtsphänome im Fall von Kapitalimporten. Sie implizieren also keine makroökonomische Fehlentwicklung.
Dennoch erlitt Mexiko 1994 eine schwere Währungs- und Finanzkrise, die so genannte Tequila-Krise. Bei der Analyse der Krisenursachen wurde den makroökonomischen Prozessen, die im Zusammenhang mit den Kapitalimporten standen, eine besondere Beachtung gewidmet. Insbesondere die Realaufwertung wurde oftmals als wesentliche
Krisenursache gesehen. Dies impliziert, daß die ab einem gewissen Zeitpunkt eine ungleichgewichtige Realaufwertung, eine Überbewertung, stattgefunden haben muß. Um die Rolle des realen Wechselkurses im Zusammenhang mit der Währungskrise näher
untersuchen zu können, wird die präsentierte theoretische Analyse entsprechend erweitert.
Die These von der Überbewertung wird theoretisch fundiert und die Ursachen der Ungleichgewichtigkeit werden präzisiert.
Die Arbeit ist wie folgt strukturiert: Kapitel 1 bietet einen Überblick der makroökonomischen Entwicklung Mexikos bis 1994. In Kapitel 2 wird der Begriff Kapitalimporte definitorisch geklärt. Es werden Ursachen von Kapitalimporte in kleine, offene Volkswirtschaften erläutert und kathegorisiert. Theoretische Überlegungen zu den makroökonomischen Auswirkungen von Kapitalimporten werden angestellt. Deren Ergebnisse werden mit den empirischen Daten Mexikos von 1989-1993 verglichen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Überblick der makroökonomischen Entwicklung Mexikos bis 1994
2. Kapitalimporte in kleine offene Volkswirtschaften
2.1. Definition und Konzept des Begriffs Kapitalimport
2.2. Ursachen von Kapitalimporten: Interne versus externe Faktoren
2.3. Makroökonomische Auswirkungen von Kapitalimporten
2.3. Struktur und Folgen der Kapitalimporte nach Mexiko 1989-1993
3. Das Grundmodell des intertemporalen Ansatzes zur Zahlungsbilanzanalyse
3.1. Einführung und Modellannahmen
3.2. Das dynamische Maximierungsproblem des Haushaltes
3.3. Die Lösungsinterpreatation
3.4. Ein stationäres dynamisches Gleichgewicht
3.5. Unantizipierte Schocks: Rückgang des Outputs
3.5.1. Ein permanenter Rückgang des Outputs
3.5.2. Ein temporärer Rückgang des Outputs
3.6. Das Grundmodell im Überblick
4. Ein Modell der makroökonomische Folgen von Kapitalimporten
4.1. Einführung und Modellannahmen
4.2. Das dynamische Maximierungsproblem des Haushalts
4.3. Die Geldnachfragefunktion
4.4. Die Lösung des dynamischen Maximierungsproblems
4.5. Der Staat in diesem Modell
4.5.1. Exkurs: Die Politikvariablen und deren konsistente Setzung
4.6. Die Gleichgewichtsbedingungen des Modells
4.7. Ein stationäres dynamischen Gleichgewicht bei festen Wechselkursen
4.8. Ein nominaler Schock: Fall des ausländischen Zinsniveaus i*
4.8.1. Permanenter Fall des ausländischen Zinsniveaus i*
4.8.2. Temporärer Fall des ausländischen Zinsniveaus i*
4.9. Lösungsinterpretation und Überblick des Modells
5. Der Weg in die Währungskrise
5.1. Der Ausgangspunkt 1994 und die These von der Peso-Überbewertung
5.1.1. Die Realaufwertung als Gleichgewichtsphänomen
5.1.2. Die Realaufwertung als Ungleichgewichtsphänomen
5.2. Das Krisenjahr 1994
5.2.1. Politische Krisen des Jahres 1994
5.2.2. Ökonomische Krisenanzeichen des Jahres 1994
5.2.3. Die letzten Monate vor Ausbruch der Währungskrise
5.2.4. Der Ausbruch der Währungskrise
5.3. Rezeption der Währungskrise
6. Beurteilung und kritische Würdigung des Modells
6.1. Vergleich mit dem Mundell-Fleming-Modell (MFM)
6.1.1. Vergleich der grundsätzlichen Modellstrukturen
6.1.1.1. Unterbeschäftigungs- versus Vollbeschäftigungsmodell
6.1.1.2. Behaviouristisches versus maximierendes Modell
6.1.1.3. Die Berücksichtigung intertemporaler Zusammenhänge
6.1.2. Ein sinkendes ausländisches Zinsniveau ia im MFM
6.1.3. Vergleich der Modellergebnisse
6.2. Methodologie-Kritik des dynamischen Modells
6.2.1. Restriktivität und Realitätsferne der Annahmen
6.2.2. Überlegungen zur Methodologie-Kritik
6.2.3. Nachvollziehbarkeit und Vollständigkeit des Modells
6.2.4. Schlüssigkeit des Modells und Vertretbarkeit der Annahmen
6.2.4.1. Vereinfachende Annahmen
6.2.4.2. Kritische Annahmen
6.2.4.3. Die Rechtfertigung des Modells durch seine Hypothesen
6.3. Eine Gesamtbeurteilung der beiden Modelle im Vergleich
7. Schluß
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die makroökonomischen Auswirkungen von Kapitalimporten auf kleine, offene Volkswirtschaften unter Verwendung eines intertemporalen Zahlungsbilanzmodells. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Dynamiken und Krisenursachen zu analysieren, die im Zusammenhang mit den massiven Kapitalzuflüssen und der anschließenden "Tequila-Krise" in Mexiko von 1994 standen.
- Makroökonomische Konsequenzen von Kapitalimporten
- Intertemporaler Ansatz zur Zahlungsbilanzanalyse
- Wechselkursregime und deren Inflationsstabilisierungswirkung
- Theorie und Empirie der Peso-Überbewertung
- Methodische Kritik und Vergleich dynamischer versus statischer Modelle (Mundell-Fleming)
Auszug aus dem Buch
2.2. Ursachen von Kapitalimporten: Interne versus externe Faktoren
International mobiles Kapital kann aus sehr verschiedenen Gründen in kleine, offene Volkswirtschaften fließen. Insbesondere für Schwellenländer wie Mexiko ist es sinnvoll, zwischen internen und externen Faktoren zu unterscheiden, die für Kapitalimporte verantwortlich sind.
Interne Faktoren sind eng verknüpft mit der Ausrichtung und der Qualität der Wirtschaftspolitik eines Landes. Eher langfristig ausgelegte Kapitalimporte sind wahrscheinlicher in Volkswirtschaften, die gute Investitionsbedingungen für international mobiles Kapital geschaffen haben. Solche Rahmenbedingungen werden durch die institutionellen Arrangements determiniert. Wichtige Gesichtspunkte können etwa die Liberalisierung des Außenhandels und der Kapitalmärkte, die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation oder eine Konsolidierung der fiskalischen Situation des Staates sein. Je größer die makroökonomische Stabilität insgesamt ist, desto wahrscheinlicher sind langfristige Kapitalzuflüsse. Viele Kommentatoren sahen in den massiven Kapitalimporten nach Mexiko in den frühen 90er Jahre eine Bestätigung der Wirtschaftspolitik, da die angesprochenen marktwirtschaftlichen Reformen Mexiko zu einem sehr attraktiven Anlageland für Invesitionen gemacht hatten.
Streng genommen beeinflussen die internen Faktoren für Kapitalimporte insbesondere die Fristigkeitsstruktur des zugeflossenen Kapitals. Wenn glaubwürdige marktwirtschaftliche Reformen eine Bereitstellung langfristigen Kapitals durch das Ausland fördern, so kann die nationale Wirtschaftspolitik natürlich auch dergestalt sein, daß langfristige Kapitalzufuhr eher abgeschreckt wird. Eventuell fließt dann nur hoch-spekulatives kurzfristiges Kapital ins Land fließt, so genanntes „hot money“. Dies ist zum Beispiel bei kurzfristigen Kapitalimporten zur Spekulation gegen einen festen Wechselkurs der Fall. Solche spekulativen Kapitalimporte sind insbesondere dann zu erwarten, wenn eine nicht konsistente expansive Geldpolitik zu Erwartungen einer nominalen Abwertung führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Überblick der makroökonomischen Entwicklung Mexikos bis 1994: Bietet einen historischen Abriss der wirtschaftlichen Stabilität und Krisen Mexikos bis zum Vorabend der Tequila-Krise.
2. Kapitalimporte in kleine offene Volkswirtschaften: Definiert Kapitalimporte und analysiert deren interne und externe Ursachen sowie ökonomische Auswirkungen.
3. Das Grundmodell des intertemporalen Ansatzes zur Zahlungsbilanzanalyse: Entwickelt ein theoretisches Modell basierend auf der dynamischen Maximierung eines repräsentativen Haushaltes.
4. Ein Modell der makroökonomische Folgen von Kapitalimporten: Erweitert das Grundmodell um monetäre Aspekte und untersucht die Auswirkungen auf reale Wechselkurse.
5. Der Weg in die Währungskrise: Analysiert die Debatte um die Peso-Überbewertung und beschreibt die politischen sowie ökonomischen Krisenereignisse des Jahres 1994.
6. Beurteilung und kritische Würdigung des Modells: Vergleicht das dynamische Modell mit dem klassischen Mundell-Fleming-Modell und unterzieht die Annahmen einer methodischen Kritik.
7. Schluß: Fasst die aus der mexikanischen Krise gewonnenen Erkenntnisse für Schwellenländer zusammen.
Schlüsselwörter
Kapitalimporte, Mexiko, Tequila-Krise, Zahlungsbilanz, Realaufwertung, Peso-Überbewertung, Geldpolitik, Stabilisierungsprogramm, intertemporale Substitution, Mundell-Fleming-Modell, Wechselkursregime, Währungsreserven, Preisniveaustabilität, Finanzkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Ursachen und Folgen von massiven Kapitalzuflüssen in Schwellenländern, fokussiert auf die mexikanische Finanzkrise von 1994.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind makroökonomische Stabilität, Wechselkurspolitik, intertemporale Nutzenmaximierung von Haushalten und die methodische Kritik an wirtschaftswissenschaftlichen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch ein intertemporales Modell zu erklären, warum Kapitalimporte zu makroökonomischen Ungleichgewichten wie Leistungsbilanzdefiziten und Realaufwertungen führen können und wie dies mit der Währungskrise zusammenhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein dynamisches makroökonomisches Modell auf mikroökonomischer Basis (repräsentativer Haushalt) konstruiert und dieses im Anschluss methodisch kritisch mit dem klassischen Mundell-Fleming-Modell verglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Modellierung von Kapitalimporteffekten und eine deskriptive Analyse der politischen und ökonomischen Ereignisse, die 1994 zur Währungskrise in Mexiko führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kapitalimporte, Tequila-Krise, Realaufwertung, Peso-Überbewertung und intertemporale Zahlungsbilanzanalyse.
Was unterscheidet das hier verwendete Modell vom klassischen Mundell-Fleming-Modell?
Das hier verwendete Modell ist mikro-fundiert und betrachtet intertemporale Zusammenhänge, während das Mundell-Fleming-Modell statisch ist und auf behaviouristischen Annahmen beruht.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Geldpolitik in Mexiko 1994?
Der Autor argumentiert, dass die Geldpolitik allein nicht für den Krisenausbruch verantwortlich gemacht werden kann, betont jedoch die Problematik der "Teufelskreis"-Dynamik aus expansiver Politik und festem Wechselkurs.
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- Jens Südekum (Autor:in), 2000, Reale Aufwertung, Kapitalimporte und die Währungskrise in Mexiko 1994, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79