Die Personaleinsatzplanung beinhaltet das Formulieren und Aufstellen von Dienst- und Schichtplänen, die die Deckung konkreter betrieblicher Personalbedarfe garantieren und gleichzeitig ökonomische Effizienz sichern, das heißt dass ein Unternehmen Gewinne erzielen kann. Andererseits sollen die Dienst- und Schichtpläne zufriedenstellend sein, dass heißt sie sollen von den Arbeitnehmern akzeptiert werden. In der Vergangenheit wurden viele Ansätze zur Dienst- und Schichtplanung entwickelt, die aber auf scharfen, das heißt präzisen und genauen Annahmen und Regelbasen formuliert wurden. In der Praxis werden wir mit vielen Unschärfen konfrontiert, die uns Probleme bei der Formulierung solcher Ansätze bereiten. Unter Unschärfe verstehen wir eine Menge von ungenauen Informationen. Eine Form der Unschärfe ist die terminologische Unschärfe. Die terminologische Unschärfe wird auch als sprachliche Unschärfe bezeichnet. Bei der Formulierung des Satzes "Der Chef wünscht eine möglichst gute Deckung des Personalbedarfs" werden wir mit Unschärfe konfrontiert, denn wir wissen nicht genau was eine "möglichst gute Deckung" bedeutet. Bei einem Personalbedarf von 15 könnte auch eine Personalausstattung von 14 oder 16 oder 17 möglichst gut sein. In der Praxis treten häufig solche Probleme auf. Aus diesem Grund werden wir in dieser Seminararbeit Ansätze, sogenannte Ansätze des Fuzzy-Control, vorstellen, die für die Verarbeitung von Unschärfen entwickelt wurden und für die Formulierung von Dienstplänen eingesetzt werden können. Im folgenden werden wir dazu die Grundlagen des Fuzzy-Control und dessen Anwendung auf die Personaleinsatzplanung erläutern.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundlagen des Fuzzy-Control
2.1. Bewältigung von Unschärfe
2.2. Konzept der linguistischen Variable
2.3. Fuzzy-Inferenz und Fuzzy-Entscheidung
3. Fuzzy-Control in der Personaleinsatzplanung
3.1. Arten von Regeln
3.2. Formulierung eines Modells
3.3. Verknüpfungsoperatoren zur Bewertung von Dienstplänen
3.4. Kompensatorische Operatoren und ihre Eignung
3.5. Kriterien zur Auswahl von Operatoren
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die Anwendung von Fuzzy-Control-Methoden auf die Personaleinsatzplanung zu untersuchen, um eine mathematisch fundierte Bewertung und den Vergleich von Dienstplänen bei unsicheren Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
- Grundlagen der Fuzzy-Set-Theorie und linguistische Variablen.
- Strukturierung von Regelschemata und Inferenzprozessen.
- Modellierung der Personaleinsatzplanung unter Berücksichtigung von Unschärfen.
- Vergleichende Analyse verschiedener Verknüpfungsoperatoren zur Dienstplanbewertung.
- Kriterien für die Auswahl geeigneter Operatoren in betrieblichen Entscheidungsprozessen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Arten von Regeln
Wir unterscheiden in der Personaleinsatzplanung zwischen der quantitativen, qualitativen, temporalen und der lokalen Dimension. Die fünfte Dimension spiegelt die Gerechtigkeit wieder. Wir wollen diese Dimensionen anhand eines einfachen Beispiels erklären. Zur Veranschaulichung werden wir unsere Blicke auf den Personaleinsatz in einer Kindertagesstätte werfen. Eine Regel, welche die quantitative Dimension widerspiegelt, könnte zum Beispiel wie folgt lauten: „Wenn eine Arbeitskraft eingesetzt wird DANN sollte diese für eine Aufsicht von möglichst 5 jedoch von maximal 6 Kindern im Kinderkrippenalter, von möglichst 10 jedoch maximal 12 Kindern im Kindergartenalter und von möglichst 20 jedoch maximal 25 Kindern im Hortalter eingesetzt werden“.
Eine Regel der qualitativen Dimension würde zum Beispiel lauten: „WENN eine Arbeitskraft zum Einsatz kommt DANN möglichst eine Fachkraft, d.h. Personal mit einer pädagogischen Ausbildung“. Die Regel: „WENN eine Fachkraft eingesetzt wird Dann möglichst mit einer Regelarbeitszeit von 8 h, unter Berücksichtigung der Mindestarbeitszeit von 3 h und einer maximalen Arbeitszeit von 10 h“ können wir der temporalen Dimension zuordnen. Eine Regel der lokalen Dimension könnten wir uns z.B. folgendermaßen vorstellen: „WENN eine pädagogische Fachkraft in der Kindereinrichtung für die Hortaufsicht eingesetzt wird DANN kann sie nicht zur Betreuung von Kindergrippenkindern eingesetzt werden“.
Die Gerechtigkeits-Regel kann beispielsweise folgendermaßen formuliert sein: „WENN eine pädagogische Fachkraft eingesetzt wird Dann stehen ihr im Jahr je nach Vertragsbedingung zwischen 25 und 32 Urlaubstage zur Verfügung, wenn eine andere Fachkraft unter gleichen Bedingungen auch zwischen 25 und 32 Urlaubstage gewährt bekommt“. Bei genauerer Betrachtung unserer Beispielregeln erkennen wir, dass Regeln der quantitativen, qualitativen und temporalen Dimension unscharfe Bedingungen enthalten, während die lokale und Gerechtigkeits-Dimension scharf formuliert sind. Die Unschärfe wird über das Wort „möglichst“ zum Ausdruck gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problematik unscharfer Informationen in der Personaleinsatzplanung und Motivation zur Anwendung von Fuzzy-Control.
2. Grundlagen des Fuzzy-Control: Erläuterung der Theorie unscharfer Mengen, des Konzepts linguistischer Variablen sowie der Mechanismen von Fuzzy-Inferenzen und Entscheidungen.
3. Fuzzy-Control in der Personaleinsatzplanung: Anwendung der theoretischen Konzepte auf ein praktisches Dienstplanungsmodell im Altenpflegekontext, inklusive der Untersuchung verschiedener Verknüpfungsoperatoren.
4. Zusammenfassung: Resümee über die Eignung des Fuzzy-Control-Ansatzes als Alternative zur Bewertung und zum Vergleich von Personaleinsatzplänen.
Schlüsselwörter
Fuzzy-Control, Personaleinsatzplanung, Dienstplan, Unschärfe, Fuzzy-Set-Theorie, Regelschemata, Inferenz, Verknüpfungsoperatoren, Minimumoperator, Maximumoperator, kompensatorische Operatoren, Mitarbeiterzufriedenheit, Modellierung, Entscheidungsunterstützung, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz mathematischer Methoden aus der Fuzzy-Logik, um mit ungenauen oder „unscharfen“ Informationen bei der Dienst- und Schichtplanung in Unternehmen umzugehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Regeln in der Personaleinsatzplanung, die Modellierung von Dienstplänen und die Bewertung dieser Pläne durch verschiedene logische Verknüpfungsoperatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das trotz unpräziser Anforderungen eine objektivere und nachvollziehbarere Bewertung der Qualität von Personaleinsatzplänen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Fuzzy-Set-Theorie (Theorie unscharfer Mengen) angewandt, wobei insbesondere Inferenzschemata und verschiedene t-Normen sowie kompensatorische Operatoren zur Aggregation von Zielen genutzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die spezifische Modellierung von Dienstplänen im Rahmen von „Days Off Scheduling“ sowie die kritische Analyse von Operatoren wie Minimum, Maximum, arithmetischem Mittel und dem Gamma-Operator.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fuzzy-Control, Personaleinsatzplanung, Dienstplan, Unschärfe, Inferenz und kompensatorische Operatoren.
Wie unterscheidet sich der Gamma-Operator von anderen Verfahren?
Der Gamma-Operator erlaubt durch einen Parameter eine flexible Anpassung zwischen logischem UND und ODER, wodurch er im Vergleich zu rein pessimistischen oder optimistischen Operatoren eine individuellere Kompensation ermöglicht.
Warum ist die Wahl des Operators bei der Dienstplanbewertung subjektiv?
Die Wahl hängt von der Präferenz des Anwenders ab, da verschiedene Operatoren unterschiedliche Gewichtungen von Kriterien vornehmen und somit die Bewertung der „Optimalität“ eines Dienstplans beeinflussen.
- Quote paper
- Carsten Redlich (Author), 2002, Zur Problematik der Formulierung von Fuzzy-Control-Ansätzen für die Personaleinsatzplanung unter besonderer Fokussierung von Regelschemata und Regelverknüpfungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8027