Informelles Lernen am Beispiel der Berufspädagogik Pflege


Studienarbeit, 2005
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Das Konzept des informellen Lernens
1.1. Ansätze und Definitionen zum Konzept
1.1.1. Lernprozesse und Lernarten
1.1.2. Informelles Lernen
1.1.3. Verknüpfungen zu anderen Lernkonzepten
1.2. Wissenschaftliche Verortung des Konzeptes
1.3. Die Bedeutung des Konzeptes des informellen Lernens für die Schulpädagogik
1.3.1. Das Konzept des informellen Lernens unter formellen Bedingungen
1.3.2. Das Konzept des informellen Lernens in Theorien und Modellen der schulischen Bildung und Pädagogik

2. Informelles Lernen in der Berufspädagogik
2.1. Formelles und informelles Lernen in der Berufspädagogik
2.2. Die Bedeutung des Konzeptes für berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung
2.2.1. Lernformen und Wissensarten in der Berufsbildung
2.2.2. Kompetenzentwicklung in der Berufsbildung
2.2.3. Theorien und Modelle in der Berufsbildung
2.3. Bedeutung des Konzeptes des informellen Lernens für die Berufspraxis

3. Informelles Lernen in der Berufspädagogik Pflege
3.1. Formelles und informelles Lernen in der Berufspädagogik Pflege
3.1.1. Rahmenbedingungen der Pflegepraxis
3.1.2. Berufspädagogische Modelle und Theorien in der Pflege
3.2. Lehr- und Lernkonzepte in der Berufspädagogik Pflege
3.2.1. Schule in der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung
3.2.2. Praxisanleitung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung

Abschluss und Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

In der Schulpädagogik erhält das Konzept des "Informellen Lernens" zunehmende Bedeutung. Es gelangte in den letzten Jahren in der internationalen Diskussion immer stärker in den Vordergrund (Overwien 2002). Gerade im Rahmen des Wandels gesellschaftlicher Bildungsstrukturen und dem Bedarf des lebensbegleitenden Lernens bzw. lebenslangen Lernens wird die Diskussion um das Konzept des informellen Lernens immer lauter (Forum Bildung 2002; Müller 2005).

In dieser Arbeit soll sich daher mit dem Konzept des informellen Lernens auseinandergesetzt werden. Dies soll anhand folgender Fragen geschehen:

1) Welche Relevanz hat das Konzept des informellen Lernens für die berufliche Bildung und speziell für die Berufspädagogik Pflege?
2) Wie lässt sich das Konzept in berufspädagogische Lehr- und Lernkonzepte integrieren?

Deswegen beschäftigt sich diese Arbeit inhaltlich mit folgenden Aspekten:

Zunächst sollen Definitionsansätze diskutiert und das Konzept in Zusammenhang zu weiteren Konzepten der Schulpädagogik und Wissenschaft gesetzt werden. Weiterhin soll das Konzept des informellen Lernens auf die Relevanz für die berufliche Bildung bzw. Berufspädagogik und speziell für die Berufspädagogik Pflege geprüft und eingeordnet werden. Als letzter Schritt soll kurz reflektiert werden, inwiefern sich das Konzept in gängigen Lehr- und Lernkonzepten sowie Methoden der Berufspädagogik Pflege wiederfindet bzw. in diese integrieren lässt.

Diese Arbeit ist der zweite Teil bzw. die schriftliche Ausfertigung und Spezifizierung eines mündlichen Referates in der Veranstaltung "Didaktische Grundlagen und subjektorientierte Ansätze in der beruflichen Aus- und Weiterbildung". Diese Arbeit wird Anteile des Referates aufgreifen (Inhalte und Abbildungen) und am Beispiel der Berufspädagogik Pflege vertiefen.

1. Das Konzept des informellen Lernens

In diesem Kapitel soll sich inhaltlich mit dem Konzept des informellen Lernens auseinandergesetzt werden. Es werden Definitionsansätze reflektiert und das Konzept auf seine wissenschaftliche Verortung und schulpädagogische Bedeutung hin geprüft.

1.1. Ansätze und Definitionen zum Konzept

Der Begriff des informellen Lernens bildete sich aus dem älteren Konzept der informellen Bildung (Straka 2004). Die Begründung des Konzeptes des informellen Lernens lässt sich mindestens bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückverfolgen. Es entstand aus internationalen Forschungsprojekten zum Vergleich des Lernens unter ethnischen Bedingungen und kulturellen Einflüssen. Über die Debatte zu Bildung und Arbeit in Entwicklungsländern kam das Konzept auch in die deutsche Diskussion (Overwien 2002; Straka 2000a).

1.1.1. Lernprozesse und Lernarten

Lernen kann allgemein als ein Prozess der überdauernden Veränderung innerer Bedingungen mittels Lernverhalten des Individuums im Zuge seiner Auseinandersetzung mit historisch-kulturell geprägten Umgebungsbedingungen definiert werden, wobei das Lernverhalten sowohl beobachtbar wie auch unbeobachtbar, also verinnerlicht, verläuft (Straka 2000b). Lernen ist ein aktiver kognitiv-mentaler Handlungsprozess aufgrund von individuellen Entwicklungen und subjektiven Erfahrungen eines Menschen. Dieser vollzieht sich innerhalb spezifischer Handlungssituationen im wechselseitigen Austausch zur Umwelt (Kraft 1998). Über die Reflexion gewonnener Erfahrungen entstehen Erkenntnisse. Das Lernen vollzieht sich nachhaltig durch die theoretische Reflexion und die praktische Anwendung der gewonnenen Erfahrungen (Dehnbostel 2001). Das Bewältigen von persönlich bedeutsamen Problemen ermöglicht die Reflexion gemachter Erfahrungen und vollzieht sich als Lernprozess. Die Problembewältigung bzw. die Lösungsschritte dahin enthalten demnach viele subjektive Erfahrungen, die zur individuellen Anwendung in der Problemlösung kommen.

Lernen findet dann statt, wenn individuumsbezogene Folgen des Zusammenspiels von Verhalten, Information, Motivation und Emotion aus einer überdauernden Veränderung von inneren Bedingungen bestehen. Dies kann dann als Lernepisode bezeichnet werden, wenn es nicht allein umgebungsbezogene sondern eben individuumsbezogene Folgen hat (Straka 2000a). Lernprozesse beinhalten, dass die Lernenden den subjektiven Lernbedarf, die Lernziele und die geeignete Lernform feststellen und die Überprüfung des Lernerfolgs vollziehen (Straka 2000a). Hieran wird deutlich, dass Lernen als Such- und Erkundungsprozess auf komplexe Weise in sogenannten selbstgesteuerten Prozessen verläuft. Der Lernerfolg hängt also u.a. maßgeblich davon ab, inwiefern sich der lernende Mensch selbst motiviert und engagiert beteiligen will (Erpenbeck/Heyse 2000) und inwieweit der Lernende befähigt ist, sich Wissen im Sinne von Lern- und Lernorganisationskompetenz selbst anzueignen (Forum Bildung 2001).

Lernen kann sich nach Straka (2000a) in unterschiedlichen Arten vollziehen. Dies erfolgt u.a. jeweils entsprechend der Lernbedingungen und der individuellen Motivation (im reziproken Austausch zu Emotion und Verhalten) z.B. in Freizeit und Alltag oder in der Schule bzw. bezüglich vorgegebener Lernaufgaben. Dabei erfolgen Lernprozesse, die den Lernenden sehr bewusst bis gar nicht bewusst werden.

Solche Lernarten, auf die im Rahmen dieser Arbeit nur sehr oberflächlich eingegangen werden kann, können daher nach Straka (2000a) in unbewusst bzw. non-intentional sowie bewusst bzw. intentional eingeteilt werden. Die unbewussten Lernarten können dabei nochmals in sogenanntes beiläufiges und implizites Lernen differenziert werden. Die bewussten Lernarten dagegen unterteilen sich demnach in fremdbestimmtes und selbstbestimmtes Lernen. Diese wiederum sind demnach auf der fremdbestimmten Ebene als pädagogische Intentionalität und auf der selbstbestimmten Ebene als einerseits selbstgesteuert und andererseits selbstorganisiert einzuordnen. Auf einige dieser Konzepte, entsprechend der Relevanz für diese Arbeit, wird in den folgenden Abschnitten noch einmal kurz eingegangen.

1.1.2. Informelles Lernen

Es gibt bislang trotz der umfassenden Diskussion zum informellen Lernen dennoch keine eindeutige und präzise Definition (Straka 2004; Overwien 2002).

Informelles Lernen ist ein Resultat alltäglicher Aktivitäten in Bezug zu Familie, Arbeit und Freizeit (Straka 2004). Es erfolgt nicht planmäßig und geregelt durch Bildungsinstitutionen sondern innerhalb von Lebenstätigkeiten und -zusammenhängen (Straka 2000a nach Dohmen 1996). Daher wird ein Lernergebnis über das informelle Lernen erworben, auch ohne dass dieses bewusst angestrebt wurde. Es ist auf alltägliche Handlungsziele ausgerichtet und verfolgt eben keine gezielten Lernoptionen (Dehnbostel 2001).

Informelles Lernen bezieht sich innerhalb des Lernprozesses eines Individuums auf sogenanntes implizites Lernen und Erfahrungslernen (Straka 2004; Dehnbostel 2001; Overwien 2002). Dabei handelt es sich um Lernweisen, die wenig zielgerichtet aufgrund von bisherigen Erfahrungen bzw. erlebten Handlungssituationen zu Erfahrungswissen führen, das zu einer Handlungsfähigkeit und Problembewältigung verhelfen kann. Erfahrungslernen erfolgt dabei über die reflektierende Verarbeitung von Erfahrungen. Implizites Lernen dagegen findet als Gelegenheitslernen als Nebenprodukt anderer Tätigkeiten unbewusst und unreflektiert statt (Dehnbostel 2001).

Dennoch verfolgt auch das informelle Lernen unbewußte Ziele und kann neben dem Erfahrungslernen und dem impliziten Lernen im Rahmen selbstintentionalen Lernens zur Problembewältigung eingesetzt werden (Overwien 2002). Die selbständige Wissens- und Kompetenzaneignung zur Problembewältigung in Freizeit, Alltag oder Arbeit ist eines der wesentlichen Merkmale von informellem Lernen (Erpenbeck/Sauer 2000).

1.1.3. Verknüpfungen zu anderen Lernkonzepten

Im Zusammenhang zum informellen Lernen stehen das non-formelle und das formelle Lernen. Diese Formen erfolgen unter den organisierten Bedingungen von Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen. Es werden den Lernenden bezüglich ihres Lernbedarfes unter planmäßigen und geregelten Bedingungen Vorgaben gemacht und Aufträge erteilt sowie die Lernergebnisse geprüft (Straka 2004; 2000a).

Dem informellen Lernen gegenüber steht das sogenannte intentionale Lernen, das zielgerichtet und bewusst auf die organisierte Vermittlung von festgelegten Lerninhalten und –zielen erfolgt, auf ein formell erworbenes Lernergebnis ausgerichtet (Dehnbostel 2001). Das informelle Lernen hat seine Verknüpfungspunkte diesbezüglich im Wissenserwerb zur Erlangung von Handlungskompetenz. Beide Lernformen, das intentionale und das informelle, erfolgen parallel zueinander im reziproken Austausch zur Lernumgebung bzw. der Umwelt.

Im Konzept des selbstbestimmten Lernens ist über die Verknüpfung von selbstgesteuertem und selbstorganisiertem Lernen, die von einer bewussten selbstintentionalen Lernregulation mit verfolgten Lernstrategien ausgehen, ein Zusammenspiel zum informellen Lernen auch unter formellen Bedingungen gegeben (Straka 2000a).

1.2. Wissenschaftliche Verortung des Konzeptes

Das Konzept des informellen Lernens ist aus wissenschaftlicher Sicht in Zusammenhang zu demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Gesellschaft mit Auswirkungen auf die Bildung und den Arbeitsmarkt (z.B. rapider Wissensverfall, flexible Arbeitsplatzgestaltung) zu setzen. Der größer werdende Druck auf die BürgerInnen zum lebensbegleitenden bzw. lebenslangen Lernen verändert auch die Gewohnheiten und Anforderungen des Lernens der Individuen wie auch die Strukturen des Bildungswesens und dessen Organisation sowie Methodik (Dehnbostel 2001). Allein aufgrund der veränderten Arbeitsmarktlage besteht der Bedarf einer kontinuierlichen Kompetenzerhaltung und -weiterentwicklung für Arbeitnehmer mit großer Flexibilität und eigenem Engagement bzw. eigener Motivation (Faulstich 2001; Forum Bildung 2001). Es ergeben sich immer mehr Bedarfe an selbstbestimmten Lernen im Lebensalltag der BürgerInnen aufgrund des spezialisierten Wissens in der Arbeitswelt und der Freizeitgestaltung, etc.. Die Bildungswissenschaft sowie die Qualifikationsforschung greifen diese Aspekte auf und untersuchen Prozesse des Lernens und Handelns in der Gesellschaft. Dabei wird deutlich, dass das Erfahrungslernen und das implizite sowie selbstintentionale Lernen als das informelle Lernen, zukünftig von immer größerer Bedeutung für die Menschen in unserer Gesellschaft werden. Lebensbegleitendes Lernen gestaltet sich im Berufs- bzw. Arbeitsleben z.B. als selbstbestimmtes Lernen unter organisationalen Bedingungen bzw. als oraganisationales Lernen (im Zusammenhang zum Konzept der lernenden Organisation) ebenso als formelles wie informelles Lernen sowie im eigenen Lebensalltag der BürgerInnen, z.B. unter den Aspekten der Internetrecherche oder Technisierung der Freizeit auch als informelles und selbstintentionales Lernen.

1.3. Die Bedeutung des Konzeptes des informellen Lernens für die Schulpädagogik

Für die Schulpädagogik erlangt das Konzept des informellen Lernens in Zusammenhang zum lebenslangen Lernen und dem Bedarf zur lebensbegleitenden Bildung eine immer gewichtigere Rolle. Lernende müssen schon im frühen Lebensalter Lern- und Lernorganisationskompetenzen sowie Lernstrategien entwickeln, auf denen sie ihr gesamtes Leben hindurch bewusst und unbewusst zurückgreifen können (Forum Bildung 2001). Informelle Lernprozesse sind demnach auch unter formellen Lernbedingungen von hoher Bedeutung.

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Informelles Lernen am Beispiel der Berufspädagogik Pflege
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V81084
ISBN (eBook)
9783638897938
ISBN (Buch)
9783638904292
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informelles, Lernen, Beispiel, Berufspädagogik, Pflege
Arbeit zitieren
Diplom-Berufspädagogin für Pflegewissenschaft Katja Burkhardt (Autor), 2005, Informelles Lernen am Beispiel der Berufspädagogik Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81084

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