Kontinuität und Wandel in der Kirchenpolitik Konrads ll.


Hausarbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Darstellung Heinrichs ll. und Konrads ll. in den zeitgenössischen Quellen

2. Die Klosterreform. Mönchskönig und rex idiota ?

3. Konrad ll. und sein Verhältnis zum Episkopat
3.1 Die Bischofspolitik Konrads ll. im Vergleich zu Heinrich ll
3.2 Erzbischof Aribert von Mailand – Vom Gefolgsmann zum Geächteten

4. Der Vorwurf der Simonie

5. Zusammenfassung

Literatur

Quellen

Einleitung

War die Kirchenpolitik Konrads ll. gegenüber seinem Vorgänger von Kontinuität oder Wandel bestimmt? Die Frage nach dem Verhältnis der beiden Könige zur Kirche, nach deren eigenem Machtverständnis und der daraus resultierenden Kirchenpolitik soll in dieser Arbeit vergleichend erörtert werden. Die ältere Forschung sah während der Regierungszeit Konrads ll. einen Kontinuitätsbruch sowohl gegenüber seinem Vorgänger als auch seinem Nachfolger. Vor allem die Darstellung Konrads ll. durch Harry Breßlau[1] prägte lange Zeit die wissenschaftliche Lehrmeinung. Der erste Salier erscheint hierbei als der ungeistlichste aller deutschen Kaiser. „… An innerlichem religiösem Eifer fehlt es diesem Kaiser durchaus, und dadurch unterscheidet er sich ganz besonders scharf von seinem Vorgänger und seinem Nachfolger, dadurch hebt sich sein Bild klar und bestimmt aus der langen Reihe unserer mittelalterlichen Kaisergestalten heraus.“[2] Harry Breßlau überspitzt seine Darstellung anschließend mit der Formulierung, dass alle Regierungshandlungen Konrads ll. aus rein politischen Berechnungen und somit weltlichen Motiven hervorgegangen wären. „Nie zuvor und niemals nachher hat das deutsch-römische Kaiserthum, […] , einen so durchaus weltlichen Charakter getragen, wie in den anderthalb Jahrzehnten, während welcher die Krone das hohe Haupt Konrads ll. schmückte.“[3] Einen Grund für dieses Handeln sah Harry Breßlau unter anderem in der fehlenden wissenschaftlichen Bildung des Königs und dem damit fehlenden Sinn zur Würdigung der Kirche als Trägerin des christlichen Abendlandes. Daraus schlussfolgert Harry Breßlau letztendlich, dass Konrad ll. es verstanden hat, „unbedingt und in viel höherem Maße als sein Vorgänger oder sein Nachfolger Herr der Hierarchie zu bleiben.“[4] Als ein Beispiel für den absoluten Machtanspruch und die fehlende Würdigung der Kirche erwähnt Harry Breßlau unter anderem das Verhalten Konrads ll. gegenüber dem Erzbischof Aribert von Mailand, der im Jahre 1037 ohne Synodalbeschluss vom Kaiser abgesetzt wurde. Erst Anfang der fünfziger Jahre erfolgte eine Neuwertung der Persönlichkeit Konrads ll. durch Theodor Schieffer.[5] Er stellte die Kirchenpolitik des ersten Saliers als ein Kontinuitätsmerkmal gegenüber Heinrich ll. und Heinrich lll. dar. „Das Bild, das Breßlau von Konrad ll. und seinem Verhältnis zur Kirche entworfen hat, ist verzeichnet, er hat es künstlich kompliziert und einen scheinbaren inneren Widerspruch hineingetragen, da die Wertung aus der Sicht Heinrichs lll. und der jüngeren Reformer ihn unwillkürlich gefangen nahm […]. […] Konrad ll. fällt in keiner Weise aus dem Rahmen, aus der Kontinuität heraus.“[6] Die neuere Forschung schließt sich der Auffassung an, dass Konrad ll. die Kirchenpolitik seines Vorgängers fortführte. „In der straffen Kirchenhoheit stand der erste Salier also durchaus in der Tradition seines Vorgängers. Wenn er in Einzelfällen die aus dieser Kirchenherrschaft resultierenden Kompetenzen bedenklich weit auslegte, das gilt etwa für das Vorgehen gegen Aribert von Mailand […], dann war das sein persönlicher Regierungsstil […].[7] Auch Franz-Reiner Erkens hat sich in seiner Biographie Konrads ll. der Sichtweise Theodor Schieffers angeschlossen. Trotz der offenbar unterschiedlichen kirchlich-religiösen Haltung Heinrichs ll. und seines Nachfolgers mahnt Franz-Reiner Erkens davor, allzu weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen. Er entkräftet den Vorwurf, dass Konrad ll. ein rex idiota gewesen sei. In seinem kirchlichen Wirken trat er zwar zweifelsohne zurückhaltender als Heinrich ll. auf, dennoch „nahm der Salier seine Verantwortung gegenüber der Kirche ernst.“[8] Auch wenn sich die neuere Forschung insgesamt differenzierter mit der Person Konrads ll. auseinandersetzt und der Kontinuitätsbruch in der Kirchenpolitik relativiert beziehungsweise widerlegt wurde, so wird das kirchliche und politische Handeln des Saliers dennoch weiterhin kontrovers diskutiert. Hartmut Hoffmann schreibt in seiner Studie zu Heinrich ll. und Konrad ll. zwar, dass man den Darlegungen Theodor Schieffers im großen und ganzen folgen könne, dennoch bezeichnet er den Salier schon im Titel seines Werkes[9] als einen rex idiota und zeichnet damit das Bild eines kirchenfernen und unreligiösen Laien, welcher sich somit in seiner Persönlichkeit deutlich von Heinrich ll. unterscheidet. Hartmut Hoffmann schließt sich dadurch bei seiner Wertung der Persönlichkeit Konrads ll. in gewissem Sinne der Auffassung Harry Breßlaus an. Im Folgenden soll zunächst eine Analyse der Quellenlage darüber Aufschluss geben, wie die ältere und zum Teil neuere Forschung die These des ungeistlichen Königs stützen konnte.

Anschließend wird die Kirchenpolitik Heinrichs ll. und Konrads ll. anhand verschiedener Themenfelder vergleichend dargestellt und beurteilt. Es soll hinterfragt werden, wie beide Könige dem Mönchtum und der Klosterreform gegenüberstanden. Ließ Konrad ll. die „Reformer“[10] ohne Eigeninitiative gewähren oder war er selbst wie Heinrich ll. an einer aktiven Klosterpolitik interessiert? Der zweite Fokus liegt auf dem Gebiet der Bischofspolitik. Neben der Frage nach dem persönlichen Verhältnis der beiden Könige zum Episkopat soll insbesondere der Vorfall zwischen Konrad ll. und dem Erzbischof Aribert von Mailand untersucht werden. Dieses Ereignis diente, wie bereits erwähnt, der älteren Forschung als Argument für Konrads Geringschätzung der Kirche und somit für sein ungeistliches Auftreten. Es soll hinterfragt werden, ob Konrads Vorgehen gegen den Erzbischof Aribert von Mailand ein unvermeidbarer Einzelfall gewesen war oder ob sich darin doch eher seine fehlende geistliche Bildung und sein weltliches Machtbewusstsein widerspiegeln. Der vorletzte Abschnitt beschäftigt sich mit der Frage der Simonie zur Zeit des letzten Salierkönigs. Schon der Hofschreiber Wipo erachtete es in seinen Tatenberichten[11] über Konrad ll. als notwendig zum Vorwurf der Simonie (simoniaca heresis) Stellung zu nehmen. Es soll hinterfragt werden, ob der Verkauf von geistlichen Ämtern und Besitzungen bei Konrad ll. in stärkerem Maße betrieben wurde als unter dem letzen Liudolfingerkönig. Abschließend erfolgt eine zusammenfassende Wertung der Kirchenpolitik Konrads ll. im Vergleich zu Heinrich ll. die darüber Aufschluss geben soll, ob es gerechtfertigt erscheint, den Salierkönig als einen rex idiota zu bezeichnen, inwieweit der Salier in die Fußstapfen seines Vorgängers trat und durch welche Merkmale er seiner Politik eine eigene Kontur gab.

1. Die Darstellung Heinrichs ll. und Konrads ll. in den zeitgenössischen Quellen

Bei Betrachtung der Quellen, die uns darüber Aufschluss geben, wie Heinrich ll. und Konrad ll. gegenüber den kirchlichen Institutionen auftraten, gewinnt man leicht den Eindruck, dass der gebildete Liudolfinger stärker in die klerikale Welt integriert war, als der des Lateins nicht mächtige Salierkönig. Es bleibt auch festzuhalten, dass die Quellenlage zu Heinrich ll. insgesamt wesentlich umfang- und aufschlussreicher ist. Da Quellen im frühen und hohen Mittelalter bekanntermaßen fast ausschließlich aus geistlicher Hand entstanden sind, spiegeln sie demzufolge meist auch geistliche Interessen wider. Das Resümee zur Quellenlage lautet daher bei Hartmut Hoffmann: „Das musste zur Folge haben … , dass ein König, der mit diesen geistlichen Vorstellungen vertraut war und ihnen bis zu einem gewissen Grad entsprach und entgegenkam, in den Quellen stärker berücksichtigt wurde als ein anderer … .“[12] Mit diesem Anderen meint Hartmut Hoffmann Konrad ll., dessen Denken und Handeln er in erster Linie als auf die weltlich-politischen Bereiche gerichtet sieht.

Schon der Vergleich der beiden Hauptquellen offenbart nach Hartmut Hoffmann die bessere Quellenlage zu Heinrich ll. In seiner detaillierten Chronik[13], welche er in den Jahren 1012 bis 1018 schrieb, entwirft Thietmar von Merseburg ein anschauliches Bild des letzten Liudolfingers, so dass der Leser einen umfangreichen Eindruck von der Person Heinrichs ll. erhält. Im Jahre 1009 erhielt Thietmar das Bistum Merseburg, welches Heinrich ll. wenige Jahre zuvor wiederhergestellt hatte. Dies zeigt die Verbundenheit zwischen König und Bischof. Dagegen fällt die Charakteristik Konrads ll. in Wipos Gesta[14] wesentlich schwächer aus. Wipo war sowohl unter Heinrich ll., Konrad ll. als auch Heinrich lll. Hofkaplan und verfasste unter anderem die Tatenberichte Konrads ll., welche das Idealbild eines Herrschers darstellen und Leitfaden für Heinrich lll. sein sollten. Dies erklärt auch die Tatsache, weshalb Wipo Konrad ll. in die Tradition des idealisierten mittelalterlichen Herrschers stellt und eine Kontinuität im Handeln gegenüber Heinrich ll. bis hin zu Karl dem Großen beschreibt. Auch in den Heiligenviten und Briefen erkennt man laut Hartmut Hoffmann eine ungleich stärkere Erwähnung Heinrichs ll. gegenüber Konrad ll. Der Abt Poppo von Stablo hatte unter beiden Herrschern den Vorsitz in mehreren Klöstern.

[...]


[1] Breßlau, H.: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Konrad ll., 2 Bde., 1879/84 Leipzig.

[2] Breßlau 1884, S. 388 f.

[3] Breßlau 1884, S. 389.

[4] Breßlau 1884, S. 421.

[5] Schieffer, T.: Heinrich ll. und Konrad ll. – Die Umprägung des Geschichtsbildes durch die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts, in: DA 8 (1951), S. 384-437.

[6] Schieffer 1951, S. 433 f.

[7] Boshof 1995, S. 87 f.

[8] Erkens 1998, S. 202.

[9] Hoffmann, H.: Mönchskönig und rex idiota. Studien zur Königspolitik Heinrichs ll. und Konrads ll., in: MGH. Studien und Texte, Bd. 8, Hannover 1993.

[10] Wie Hartmut Hoffmann in seiner Studie erläutert, darf der Begriff Reform natürlich nicht im modernen Sinne verwendet werden. Es handelt sich demzufolge bei der Klosterreform nicht um eine bewusst herbeigeführte Neuerung, sondern um eine Wiederherstellung des guten alten Zustandes. (nach Hoffmann 1993, S. 27).

[11] Wipo: Gesta Chuonradi ll imperatoris, ed. Breßlau, H. (MGH SS rer. Germ. 61, 1915, S. 1-62).

[12] Hoffmann 1993, S. 26.

[13] Thietmar von Merseburg: Chronik, ed. R. Holtzmann (MGH SS rer. Germ. N. S. 9, 1935).

[14] Wipo: Gesta Chuonradi ll imperatoris, ed. Breßlau, H. (MGH SS rer. Germ. 61, 1915, S. 1-62).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kontinuität und Wandel in der Kirchenpolitik Konrads ll.
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V81225
ISBN (eBook)
9783638851275
ISBN (Buch)
9783638850766
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontinuität, Wandel, Kirchenpolitik, Konrads
Arbeit zitieren
Robert Gräfe (Autor), 2006, Kontinuität und Wandel in der Kirchenpolitik Konrads ll., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81225

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